Little Boy

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Atombombe Little Boy auf einem Transportwagen kurz vor dem Abflug nach Hiroshima

Little Boy (englisch für Kleiner Junge) war der Codename der Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima, Japan vom US-Bomber Enola Gay abgeworfen wurde, daher auch der alternative Name Hiroshimabombe. Sie war die erste militärisch eingesetzte Nuklearwaffe und besaß eine Sprengkraft von etwa 13 Kilotonnen TNT. 20.000 bis 90.000 Menschen starben unmittelbar an den Folgen der Explosion, viele leiden bis heute unter Spätfolgen der radioaktiven Verstrahlung. Drei Tage später wurde eine zweite Atombombe (Fat Man) auf Nagasaki abgeworfen.

Zündmechanismus[Bearbeiten]

Atombombe Little Boy wird kurz vor dem Start noch überprüft

Little Boy wurde nach dem primitiven, aber sehr zuverlässigen Kanonenprinzip entworfen. Ein Versagen des Mechanismus galt als so unwahrscheinlich, dass keine Probezündung durchgeführt wurde. Die einzige vorherige Probezündung einer Atombombe war der Trinity-Test im Zuge des Manhattan Projects, bei dem eine Plutonium-Konstruktion getestet wurde, welche bei der Bombe Fat Man genutzt wurde.

Beim Kanonenprinzip werden zwei unterkritische Uranmassen durch eine Explosion gewöhnlichen Sprengstoffs zu einer kritischen Masse vereint, wodurch es zur Kettenreaktion kommt. Diese Konstruktion ist zwar simpel, aber auch anfällig für unabsichtliche Zündungen, weshalb spätere für einen Einsatz geplante Atombomben modernere und zuverlässigere Zündmechanismen erhielten.

Die Atombombe wurde erst nach dem Start, während des Fluges nach Hiroshima, von Marinekapitän William Sterling Parsons mit dem Kordittreibsatz versehen und im Zielgebiet scharfgeschaltet. Sie hatte einen dreistufigen Zündmechanismus. Die erste Stufe bestand aus acht Sprungfederuhrwerken, die direkt nach dem Abwurf aktiviert wurden. Nach 15 Sekunden wurde die luftdruckgesteuerte Schaltung aktiviert, die verhindern sollte, dass der eigentliche Zündmechanismus, die Radarsteuerung, durch Störungen vorzeitig das Zündsignal geben würde. Die Luftdrucksteuerung alleine wäre allerdings zu unpräzise gewesen, um die Bombe in der vorausberechneten optimalen Höhe von 580 m zu zünden. Erst in 2100 m Höhe ging das Zündsignal an die beiden Archie-Radar-Einheiten über. Die Antennen für das Radar hatte der Japaner Yagi Hidetsugu in den 1930er Jahren entwickelt. In einer Höhe von 580 m wurde die Bombe dann gezündet.

Little Boy enthielt 64 kg Uran mit einem Anteil von 80 % 235U. Zumindest ein Teil des Urans stammt aus den etwa 1100 Tonnen Uranerz und Uranoxid, welches die Vereinigten Staaten in der zweiten Aprilhälfte 1945 in Staßfurt sicherstellte.[1] Nach heutigen Schätzungen wurde weniger als ein Kilogramm zur Spaltung gebracht.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Auswirkungen von Little Boy

Am 6. August 1945 gegen 08:15 Uhr Ortszeit warf der B-29-Bomber „Enola Gay“ unter dem Kommando von Colonel Paul Tibbets die Bombe auf Hiroshima ab. 580 Meter über dem Boden explodierte die Bombe mit etwa 13 Kilotonnen TNT-Äquivalent Sprengkraft, tötete 20.000 bis 90.000 Menschen sofort und zerstörte 80 Prozent der Stadt. Viele Opfer wurden schwer verstrahlt und starben oder leiden bis heute noch an den Folgen. In der japanischen Gesellschaft werden diese Opfer der Strahlenkrankheit als Hibakusha bezeichnet. Little Boy war die erste von zwei Atomwaffen, die bis zum heutigen Tage in einem militärischen Konflikt zur Explosion gebracht wurden.

Daten[Bearbeiten]

Demilitarisierte baugleiche Atombombe, Baujahr 1954, aus dem Museum der US Airforce in Dayton, OH
Gewicht 4040 kg (8900 lbs)
Länge 3,20 m (10,5 ft)
Durchmesser 0,71 m (28 in)
Spaltmaterial 64 kg (38,4 kg Zielmasse und 25,6 kg Projektilmasse) Uran
Neutronenreflektor Wolframcarbid
Neutronenquelle Polonium-Beryllium
Treibmittel zweibasiges Nitrozellulose-Schießpulver (Cordit)
Zündung elektrisch: Luftdruckzünder und Fernmesszünder (Radar)
Explosionskraft 12–18 kT (13,4 kT vorausberechnet)
Explosionshöhe 580 ± 15 m (1900 ± 50 ft)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Little Boy – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Rhodes (1996), Dark Sun: The making of the Hydrogen Bomb, Touchstone, Seiten 160 und 161.