Lorenzkirche (Salzwedel)

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St. Lorenz von Nordosten

Die Lorenzkirche ist eine katholische Kirche in Salzwedel. Die in der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik entstandene ursprünglich dreischiffige Basilika gehört zur Straße der Romanik. Durch ihre wechselvolle Geschichte weist das Kirchengebäude eine große Vielfalt von Formen und verwendeten Materialien auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Südseite
Westseite – links vom Hauptschiff ist das im 20. Jahrhundert wieder errichtete Seitenschiff zu erkennen
Innenraum Richtung Altar

Das Laurentius-Patrozinium deutet auf eine frühe Gründung und einen möglicherweise vorromanischen Vorgängerbau, von dem jedoch keine Spuren gefunden wurden. Aus der Lage am Südrand der Freiheit der Burg Salzwedel lässt sich schließen, dass sie ursprünglich die Pfarrkirche der Burgmannen war.[1]

Der Bau der heutigen St.-Lorenz-Kirche erfolgte in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie wurde als dreischiffige Backstein-Basilika ohne Querhaus in spätromanischen Übergangsformen errichtet. Das zunächst flach gedeckte Mittelschiff wurde etwa um 1400 mit einem gotischen Gewölbe versehen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde auch eine Einwölbung des Chors vorgenommen. Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Gewölbe des Hauptschiffs bereits erneuert.

Wegen der Nähe der St.-Marien-Kirche verlor St. Lorenz früh die Funktion als Pfarrkirche. In der Kirche unterhielten jedoch die Knochenhauer sowie geistliche Bruderschaften Altäre und feierten Gottesdienste.

Ab 1541, nach Einführung der Reformation, wurde die Lorenzkirche nicht mehr für Gottesdienste gebraucht. Auf Befehl des Kurfürsten von Brandenburg erfolgte ab 1692 eine Nutzung als Salzmagazin (Königliche Salzfactorey). Im frühen 18. Jahrhundert wurden dann die Seitenschiffe abgerissen und die Arkaden vermauert. Im Jahr 1794 wurde auch der an der Westseite des Kirchenschiffs befindliche Turm abgerissen. Erhalten blieb nur ein rechteckiger Eingangsraum, in welchem sich jedoch noch das ursprüngliche Kreuzgratgewölbe, das älteste in Salzwedel, befindet. 1859 erwarb das katholische Bistum Paderborn das in seiner Gebäudesubstanz durch die lange Zeit der Salzeinlagerung schwer angegriffene Gebäude. Aufgrund der schweren Gebäudeschäden hatte es zuvor auch Pläne für einen kompletten Abriss gegeben. Nach einer Sanierung wird die Lorenzkirche seit dem 4. November 1860 durch die katholische Gemeinde Salzwedels genutzt.

In den Jahren von 1962 bis 1964 erfolgte eine umfassende Sanierung. Diese war auch dadurch nötig geworden, dass sich bei der 100 Jahre zuvor durchgeführten Sanierung eingesetzte Materialien als ungeeignet herausstellten. Das nördliche Seitenschiff wurde auf den Grundmauern aus der Zeit der Romanik mehr als 200 Jahre nach seinem Abriss wiederaufgebaut. Gemäß Auflagen der hallensischen Denkmalbehörde wurde das Seitenschiff im zeitgenössischen Stil erbaut. Eine weitere Sanierung (Gestaltung des Chorraums und Putzarbeiten) fand zwischen 1983 und 1990 statt.

Seit 1973 gehörten Pfarrei und Pfarrkirche St. Lorenz zur damals errichteten Apostolischen Administratur Magdeburg, aus der 1994 das Bistum Magdeburg entstand. Am 1. Oktober 2006 wurde der Gemeindeverbund „Salzwedel-Apenburg-Arendsee-Dähre“ gegründet,[2] der am 2. Mai 2010 zu einer Pfarrei verschmolzen ist.[3]

Gestaltung und Innenausstattung[Bearbeiten]

Durch die wechselhafte Geschichte der Kirche ist von der ursprünglichen Ausstattung praktisch nichts erhalten. Bei einer Suchgrabung konnte lediglich ein kleiner Bronzeleuchter, der auf den Zeitraum 1240 bis 1250 datiert wird, gefunden werden. Eine Dauerleihgabe an das Friedrich-Ludwig-Danneil-Museum ist vereinbart.

Am Baukörper selbst sind jedoch viele Details aus der Zeit der Romanik erhalten. Neben der Gliederungssystematik des Gebäudes durch schwarze Formsteine ist die mittelalterliche Bauornamentik in den Wänden des Hochschiffs und im Chor vorhanden. Drei große Kreisblenden prägen so das Erscheinungsbild des rechteckigen Chores. Die Fensterlaibungen sind mit Rundstäben verziert.

Das Innere des Kirchenschiffs wird durch Nischen gegliedert. Vier Rundfenster prägen den Obergaden. Die Arkadenpfeiler des Mittelschiffs sind in unterschiedlicher Form gestaltet.

Die heute bestehende Sakristei entstand im Stil der Spätgotik.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

St. Lorenz ist die Pfarrkirche der katholischen Pfarrei St. Laurentius, sie gehört zum Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg. Als Station der Straße der Romanik ist die Kirche auch ein touristischer Anziehungspunkt. Außerdem wird sie als Raum für Konzerte geschätzt – wegen der Fußbodenheizung besonders im Winter.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marion Schmidt: Auf der Straße der Romanik. Schmidt-Buch-Verlag, Wernigerode 1993, diverse Auflagen, ISBN 3-928977-20-2, S. 37 ff.
  • Johannes Werner: Chronik der kath. Pfarrei St. Lorenz zu Salzwedel. Salzwedel 2002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lorenzkirche Salzwedel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach Irene Roch, 1993
  2. http://www.bistum-magdeburg.de/front_content.php?idcat=1415&idart=2492&lang=5
  3. http://www.bistum-magdeburg.de/front_content.php?client=4&lang=5&idcat=2760&idart=14430


52.8505911.14992Koordinaten: 52° 51′ 2″ N, 11° 9′ 0″ O