Maggi-Würze

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Maggis-Würze (Replikat einer historischen Flasche)
Maggi-Würze (2006)

Maggi-Würze ist eine Würzsauce, die in Aussehen und Geschmack an Sojasauce erinnert.

Bestandteile[Bearbeiten]

Als Ausgangsstoff dienen Pflanzenproteine, früher aus Sojabohnen und Weizen, seit 2006 ausschließlich aus Weizen. Sie wurden ursprünglich durch Kochen in Salzsäure denaturiert und hydrolysiert und anschließend mit Natronlauge neutralisiert, wobei auch große Mengen Kochsalz entstehen. Heute wird diese Methode nicht mehr angewendet, stattdessen kommen enzymatische Hydrolyseverfahren zum Einsatz. Die entstandene Würze wird filtriert und durch Geschmacksverstärker wie Mononatriumglutamat, Aromastoffe und Salz ergänzt. Je nach Land können die Zutaten geringfügig variieren. Der umgangssprachlich wegen seines an Maggi-Würze erinnernden Geruchs auch „Maggikraut“ genannte Liebstöckel ist nicht enthalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Maggi-Würze wurde am 8. Juni 1886 von Julius Maggi als preiswerter Ersatz für Fleischextrakt erfunden und wird vom Unternehmen Maggi hergestellt, das seit 1947 zu Nestlé gehört. Die Würzefabrikation in Singen (Hohentwiel), begann am 2. Januar 1899, nachdem sich der Import der zum Abfüllen in Flaschen bestimmten Würze in großen Behältern aus der Schweiz wegen zollrechtlicher Vorschriften nicht mehr rentierte. Die Bezeichnung der heute allgemein nur noch als „Maggi“ bekannten Würzsauce wechselte zunächst zwischen „Maggis Suppen- und Speisewürze“ und „Maggis Suppenwürze“, bis man sich 1906 für „Maggis Suppenwürze“ entschied.

Die typische eckige Flasche mit gelb-rotem Etikett wurde um 1909 von Julius de Praetere entworfen[1] und ist bis heute nur geringfügig verändert worden. Es existierten zu Beginn sieben Flaschengrößen von 12 g bis 1400 g, in Privathaushalten beliebt waren die kleinen Nachfüllfläschchen von 120 g und 70 g. Von den Krämern wurde das Originalprodukt mitunter verfälscht, sei es durch Panscherei mit Wasser, sei es durch den Ersatz durch ein billigeres Konkurrenzprodukt. Solche Verfälschungen wurden von der Firma unnachgiebig verfolgt. Schließlich wurde 1959 die Einwegflasche mit dem siegelroten Käppchen eingeführt.

1923 kostete die 1400-g-Flasche zunächst noch 5 Goldmark, später im gleichen Jahr – aufgrund der Hyperinflation – 5 Billionen Mark. Im Jahre 1965 wurde die Preisbindung aufgegeben; vor Aufgabe der Preisbindung kostete die 1000-g-Flasche 5,45 DM.[2]

Seit 2009 gibt es als Variante auch Maggi Hot, eine Chilisauce.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein Multiple von Joseph Beuys aus den Jahren 1971–1972 zeigt eine in einem Kofferdeckel montierte Maggiflasche neben einer Reclam-Ausgabe von Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft und trägt den Titel „ich kenne kein Weekend“.[3]

Im Jahre 2011 wurde der Turm der Burg Kronberg für drei Monate als „größte Maggiflasche der Welt“ verkleidet.[4][5]

Die größte Maggi-Flasche der Welt befindet sich in Lüdinghausen auf einem Kreisverkehr an der Walter-Koch-Straße unweit der Werkszufahrt zum Maggi-Werk Lüdinghausen.

Im Senegal wird Maggi-Würze umgangssprachlich als corrige-Madame bezeichnet.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Nagel: «Beste Würze für Suppen und Saucen - wenige Tropfen genügen». In: Singener Jahrbuch 1996/97, ISBN 3-9805081-2-9, S. 33–40.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausstellung: Staffellauf zum 100. Geburtstag zukunftsweisender Geschmacksveredler. Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld.
  2. Alle Angaben in diesem Abschnitt beruhen auf dem Artikel von Ernst Nagel (siehe Literatur).
  3. Abbildung u.a. unter http://www.focus.de/fotos/ich-kenne-kein-weekend-1971-72_mid_757908.html, aufgerufen am 30. Mai 2013.
  4. „Größte Maggi-Flasche der Welt“: Kronberger Wahrzeichen als Werbeträger. In: Frankfurter Allgemeine. 9. Juni 2011.
  5. Freiturm für 3 Monate weltweit größte Maggiflasche. auf: burgkronberg.de, 23. Juni 2011.
  6. Manfred Stoppok: Maggi in Guinea-Bissau – Über das Brühwürfelphänomen in Westafrika. (Arbeiten aus dem Institut für Ethnologie der Universität Leipzig, Band 9). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2011, ISBN 978-3-86583-580-2, S. 75.