Malcolm Muggeridge

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Malcolm Muggeridge (* 24. März 1903 in Sanderstead bei London; † 14. November 1990 in Robertsbridge) war ein prominenter und umstrittener britischer Journalist und Geheimdienstmann. Er wurde bekannt durch seine Berichte über die Hungersnot in der Ukraine von 1933, gilt aber auch als der journalistische Entdecker von Mutter Teresa.

Muggeridge wurde geboren als einer von fünf Söhnen von Anne Booler und Henry Thomas Muggeridge (H.T.M.), einem bekannten Südlondoner Politiker der Labour Party. Muggeridge wuchs in Croydon auf, absolvierte Selhurst Grammar School und das Selwyn College in Cambridge und ging in der Folge als Lehrer nach Britisch-Indien und später nach Ägypten. 1927 heiratete er Katherine Dobbs (1903–1994), eine Nichte von Beatrice Webb (1858–1943).

Der in eine der Arbeiterbewegung verpflichtete Familie geborene Muggeridge scheint anfänglich vom Experiment des Sowjetkommunismus angezogen worden zu sein. Er reiste 1932 erstmals nach Moskau, als Vertreter des dortigen Korrespondenten des Manchester Guardian. Bald nach seiner Ankunft in der Sowjetunion wurde Muggeridge aber desillusioniert. In der Folge fuhr er ohne Bewilligung der sowjetischen Behörden in die Ukraine und den Kaukasus und deckte die dort herrschende Hungersnot (heute meist Holodomor genannt) auf. Muggeridges anonym erschienene Berichte im Guardian, ergänzt durch die namentlich gezeichneten von Gareth Jones (1905–1935) alarmierten die Weltöffentlichkeit über die Katastrophe - der sowjetfreundliche Korrespondent der New York Times Walter Duranty widersprach ihnen und verharmloste die Zustände im Stalinismus. (Darüber, ob der Pulitzer-Preisträger Duranty damit eine bewusste Unwahrheit beging, wie ihm Muggeridge später öffentlich vorwarf, wird noch jetzt eine scharfe Debatte geführt). Muggeridge, der schon zu Beginn seiner journalistischen Karriere einen Schlüsselroman über den Guardian veröffentlichen hatte wollen, publizierte 1934 den Roman Winter in Moscow.

Während des Zweiten Weltkriegs war Muggeridge für den britischen Geheimdienst SOE (Field Security Police) tätig, unter anderem in Brüssel, Lourenco Marques (in Mosambik) und Paris.

Nach 1945 arbeitete Muggeridge für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen, unter anderem war er 1953 bis 1957 Herausgeber des britischen Satiremagazins Punch. Ein Artikel Muggeridges für die Saturday Evening News, der die Sinnhaftigkeit der britischen Monarchie in Frage stellte wurde 1957 zum Skandal, was sich mittelfristig allerdings für den Autor als karriereförderlich herausstellte. In den 1960er Jahren wurde Muggeridge nämlich als scharfzüngiger Radio- und Fernsehinterviewer eine bekannte britische Medienpersönlichkeit.

Muggeridge interviewte Mutter Teresa erstmals 1968 in London. Er drehte in der Folge eine TV-Dokumentation über sie und schrieb einen Bestseller über ihre karitative Tätigkeit in Kalkutta. Muggeridge, zuvor eher ein Agnostiker, publizierte 1969 Jesus Rediscovered und wandte sich immer mehr religiösen Themen zu. 1982 konvertierte er gemeinsam mit seiner Frau zum Katholizismus. Sein letztes Buch Conversion (publiziert 1988) beschreibt seinen Lebensweg als spirituelle Reise durch das 20. Jahrhundert.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Winter in Moscow (1934)
  • Jesus rediscovered (1969)
  • Jesus; The Man Who Lives (1976)
  • Chronicles of Wasted Time; An Autobiography (1972)
  • Chronicles of Wasted Time II: The Infernal Grove. London: Collins. 1973

Werke (deutsche Ausgaben)[Bearbeiten]

  • Gott ist mir auf den Fersen (Jesus rediscoverd) 1973, Aussat Verlag GmbH
  • Jesus, der Mann der lebt (Jesus: The Man Who lives) 1980, Johannes Verlag

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Ingrams: Muggeridge; the biography, London 1995
  • Gregory Wolfe: Malcolm Muggeridge: a biography London 1995

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]