Malireich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Herrscher Mansa Musa von Mali (Katalanischer Weltatlas, 1375)
Mutmaßliche Ausdehnung des Malireiches im 13. Jahrhundert

Das mittelalterliche Reich Mali (auf Mandinka: Manden Kurufa) war das größte westafrikanische Reich der Geschichte.

Staatsvolk waren die Malinke („Leute Malis“) und wichtigste Einkommensquelle war der Goldhandel. In seinen Grenzen entsprach es ungefähr dem heutigen Mali. In seiner größten Ausdehnung reichte das Malireich aber weit darüber hinaus vom Atlantischen Ozean bis zum Gebirge des Aïr im Zentrum Nigers.

Quellenlage[Bearbeiten]

Da es in fast allen afrikanischen Reichen – so auch im heutigen Mali – lange Zeit keine Tradition der Geschichtsschreibung im abendländischen Sinne gab, erfolgte die Überlieferung durch mündliche Erzählungen. Weitere Quellen liegen mit den Angaben arabischer Geographen und Historiker vor, die sich auf die Berichte berberischer und arabischer Händler und malischer Mekka-Pilger stützen. Während der Kolonialzeit wurde die Geschichte des mittelalterlichen Malireiches erstmals aufgrund von Quellenstudien systematisch bearbeitet.

Gründung des Malireiches[Bearbeiten]

Nach dem Zerfall des erst spät islamisierten großen Ghanareiches kam es in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zur Expansion des muslimischen Malal-Reiches der vor-Almoraviden Zeit vom Niger-Seengebiet (südwestlich von Timbuktu) nach Südwesten.[1] Am Oberlauf des Niger marschierte der Heerführer Sundiata Keïta unterstützt von Truppen des Kleinkönigs von Mema gegen den mächtigen König der Soso-Schmiede Sumanguru Kante. Er besiegte ihn in der Schlacht von Kirina, übernahm seine Herrschaftsattribute und gründete das Mali-Nachfolgereich des muslimischen Malal. Anschließend eroberte er auch den nördlichen Teil des Reiches, vertrieb auch dort die Soso und machte Mali damit zum erweiterten Nachfolgereich Ghanas.[2]

Pilgerfahrten der Maliherrscher nach Mekka[Bearbeiten]

Sein Nachfolger Mansa Wali konnte deshalb die Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen, ohne im Sahel das Territorium eines Nachbarstaates durchqueren zu müssen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts brach auch Mansa Sakura, ein offensichtlich nicht zu den Keïta gehöriger „Klient der Könige von Mali“, nach Mekka auf. Zweifellos die bedeutendste Pilgerfahrt aller westafrikanischen Könige aber unternahm Mansa Musa im Jahre 1324. Mehrere ägyptische Chronisten berichten übereinstimmend, dass durch die Einkäufe des Königs von Mali und seiner Begleiter soviel Gold auf den Markt von Kairo kam, dass der Goldpreis drastisch fiel. Der Preissturz muss nach modernen Berechnungen ungefähr 25 % betragen haben.[3]

Lokale Sitten und Gebräuche – Praxis des Islams[Bearbeiten]

Als Ibn Battuta 1352 bis 1353 das Malireich bereiste, herrschte nicht mehr Mansa Musa, sondern dessen Bruder Mansa Sulayman. Der Reisende hatte den Eindruck, dass schon zu dieser Zeit die Einwohner des Landes tief vom Islam geprägt waren. Nach seinen Beobachtungen verrichteten die Bewohner der Hauptstadt Niani regelmäßig die fünf täglichen Gebete, sie beteiligten sich zahlreich an den islamischen Festen, Eltern legten großen Wert darauf, dass ihre Kinder den Koran auswendig lernten, Rechtsstreitigkeiten wurden teilweise von den Kadis geregelt und nicht von den politischen Autoritäten. Daneben gab es allerdings Bräuche, die einen gläubigen Muslim wie Ibn Battuta schockierten: Sklavinnen bedienten ihre Herrn völlig unbekleidet und erschienen auch so in der Öffentlichkeit; zur Begrüßung des Königs streuten sich die Leute Sand und Asche auf ihr Haupt, eine Ehrerbietung, die nach muslimischen Verständnis höchstens Allah angemessen ist, nicht aber einem Menschen; grotesk und unangemessen erschienen ihm ebenfalls die Preislieder zu Ehren des Königs, bei denen die Barden in einer eigenartigen Verkleidung auftraten. Diese Einzelerscheinungen ändern nichts an der Tatsache, dass der Islam im Malireich von der städtischen Bevölkerung bereits zur Mitte des 14. Jahrhunderts mit großer Anteilnahme und Hingabe praktiziert wurde. Wie Ibn Battuta außerdem lobend hervorhebt, herrschten im gesamten Machtbereich der Keïta friedliche und gesicherte Verhältnisse.[4] Nach dem Reisenden Ibn Battuta liefert un der Historiker Ibn Khaldun 1394 wertvolle Nachrichten über den Aufstieg, die Expansion und den beginnenden Zerfall des Malireiches. Seinen und al-Umaris Angaben ist zu entnehmen, dass sich das Malireich in der Zeit seiner größten Machtentfaltung im Osten bis in das Gebirge des Air erstreckte. [5]

Zerfall des Malireiches[Bearbeiten]

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts zeigten sich erste Verfallserscheinungen im Malireich. Hauptgrund dafür waren die dynastischen Konflikte, von denen Ibn Chaldun ein beredtes Zeugnis ablegt: Innerhalb von 30 Jahren herrschten sechs Könige – ein Sohn des Sulayman, drei Nachkommen Musas, ein Usurpator und letztlich ein Nachkomme Sundiatas aus der Linie seines Sohnes Wali. Dazu kam die De-facto-Herrschaft eines mächtigen Amtsträgers, der für einige Zeit den rechtmäßigen König in Gewahrsam nahm und an seiner Stelle die Macht ausübte. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Entwicklung in der Folgezeit rückgängig gemacht werden konnte, denn 1433 mussten die Keïta Timbuktu aufgeben. Die Provinz Mema im Seengebiet des Niger und die Handelsstadt Djenné konnten sie unter dem Druck des expandierenden Songhaireiches zur Mitte des 15. Jahrhunderts nicht mehr halten.[6] Der Niedergang des großen Malireiches wird indirekt durch die Portugiesen bestätigt. Nach ihren Erkundungen in Senegambien herrschte ein großer Malikönig irgendwo im Inneren des Landes. Diesem waren zwar die Mandinka-Könige des Gambia untertan, aber er residierte zurückgezogen am Oberlauf des Niger. Schon lange hatte er die Kontrolle über den transsaharanischen Goldhandel verloren.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Austen, Ralf A. (Hrsg.): In Search of Sunjata. Bloomington 1999
  • Lange, Dierk: Ancient Kingdoms of West Afrika, Dettelbach 2004.
  • Levtzion, Nehemia: Ancient Ghana and Mali. London 1973.
  • Levtzion, Nehemia und John Hopkins: Corpus of Early Arabic Sources for West African History, Cambridge 1981.
  • Ly Tall, Madina: L’empire du Mali. Dakar 1977.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Al-Bakri in: Levtzion/Hopkins, Corpus, 82-83; Levtzion, Ancient Ghana, 53-54; Lange, Ancient Kingdoms, 518-9.
  2. Levtzion, Ancient Ghana, 53-61.
  3. Levtzion, Ancient Ghana, 66, 209-213.
  4. Levtzion/Hopkins, Corpus, 289-301; Ly Tall, Empire, 129-180.
  5. Levtzion/Hopkins, Corpus, 262, 336, 338-9; Lange, Ancient Kingdoms, 520-2.
  6. Levtzion, Ancient Ghana, 81-82.
  7. Levtzion, Ancient Ghana, 66, 209-213.