Portugiesische Kolonialgeschichte

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Das Wappen Portugals und seiner Überseeprovinzen an der Fassade der Banco Nacional Ultramarino in Lissabon.
Das Wappen Portugals und seiner Überseeprovinzen an der Fassade der Banco Nacional Ultramarino in Lissabon.
Das Entdeckerdenkmal in Lissabon
Das Entdeckerdenkmal in Lissabon

Das Portugiesische Kolonialreich war das erste globale Weltreich und das am längsten bestehende Kolonialreich Europas. Seine Geschichte begann 1415 mit der Eroberung von Ceuta und dem Zeitalter der Entdeckungen mit den Expeditionen entlang der afrikanischen Küste und endete mit der Rückgabe der letzten portugiesischen Überseeprovinz Macao an die Volksrepublik China 1999.

Als Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckte, stieg Portugal zur führenden Handels- und Seemacht des 15. und 16. Jahrhunderts auf. Die Könige aus dem Hause Avis, besonders Manuel I. (1495–1521), führten das Land zu höchster Blüte. Bis in das 17. Jahrhundert erwarb Portugal Kolonien in Amerika, Afrika, Arabien, Indien, Südostasien und China.

Portugal war zunächst weniger an der Besitznahme größerer Landflächen interessiert. Um die Handelsrouten von und nach Indien zu sichern und Konkurrenten auszuschalten, wurden an den Küsten Afrikas und Arabien Stützpunkte errichtet und Städte erobert, ebenso bei den Produktionsorten der Waren. Die geringe Bevölkerungszahl Portugals verhinderte, dass das Land großflächig Gebiete in Besitz nahm, Brasilien bildete aufgrund der geringen Stärke der einheimischen Bevölkerung eine Ausnahme. Später kamen noch Angola und Mosambik als flächenmäßig größere Kolonien dazu.

Der Niedergang des portugiesischen Kolonialreichs setzte bereits im 17. Jahrhundert ein, als die Briten, Franzosen und Holländer ebenfalls begannen sich in Asien zu engagieren und den Portugiesen einen Großteil ihrer asiatischen Kolonien entreißen konnten. Im Gegensatz zu den anderen Kolonialmächten konnte Portugal aber einige seiner Kolonien bis in die 1970er Jahren halten, was auf die Kolonialpolitik des autoritären Salazar-Regimes zurückzuführen ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Siehe auch: Portugal unter dem Hause Avis und Johann IV. (Portugal)

[Bearbeiten] Die Situation in Portugal vor der Expansion

Cantino Planisphere, 1502
Cantino Planisphere, 1502

Portugal hatte in der Reconquista blutige Schlachten gegen die Mauren geführt, bis sie 1251 für Portugal mit der Eroberung der Algarve endete. Danach gab es noch mit Kastilien einige Auseinandersetzungen, die mit der Schlacht von Aljubarrota 1385 endeten. Das portugiesische Großbürgertum, die Fidalgos, hatten damit ihr militärisches Betätigungsfeld verloren und waren somit praktisch arbeitslos. Es musste eine Lösung gefunden werden, mit der man die Fidalgos von eventuellen unbedachten Waffengängen gegen den König abhalten konnte. Auch für den Monarchen bedeutete dies keine weiteren Möglichkeiten mehr nationalen Ruhm zu gewinnen.

Doch weniger das Streben nach Macht und Prestige als wirtschaftliche Notwendigkeiten waren der Grund für die Portugiesen ihr Machtgebiet außerhalb Europas auszudehnen. Die Landflucht im 13. Jahrhundert hatte Portugal abhängig von Getreideimporten gemacht, da die eigene Landwirtschaft die knapp eine Million Einwohner nicht ernähren konnte. Man empfand es als Schande Getreide aus dem muslimischen Maghreb einführen zu müssen, neben Importen aus Sizilien, dem Baltikum, der Normandie und der Bretagne. Auch Tuch, Eisen, Kupfer und Waffen mussten im Ausland gekauft werden. Die Folge war ein Abfliessen von Finanzmitteln. Als eigene Handelsgüter gab es nur Salz, Kork, Olivenöl und Wein. Zwar hatte Portugal damals bereits Faktoreien in Málaga, Rouen und Hanfleur, Handelsniederlassungen in Flandern und Händler in Montpellier, Marseille und Montagnac, doch die Zahl der portugiesischen Händler reichte nicht aus die Wirtschaft des Landes nach vorne zu bringen. Immerhin konnte man mit England 1353 Handelsfreiheit für die jeweiligen Kaufleute aushandeln. Während nach Kastilien am Ende des 15. Jahrhundert gerade mal zwei Handelswege führten, hatte sich Portugal schon früh zum Meer hin orientiert. Seit dem 12. Jahrhundert besaß man schon eine bescheidene Kriegsflotte, die schon bei der Reconquista gegen die Mauren eingesetzt wurde. Unter Fernão I. wurde die Companhia das Naus gegründet um die Handelsflotte zu fördern. Zu Beginn des 16. Jahrhundert verbanden Portugal mit dem restlichen Europa bereits zwei wichtige Seerouten. Die eine führte in den Golf von Biscaya und über Dieppe bis nach Brügge, die zweite nach Sevilla. Doch der Aufbau der Flotten führte zu einem weiteren Verlust an Arbeitern in der Landwirtschaft und einen höheren Bedarf an Schiffszwieback, so dass noch mehr Getreide im Lande fehlte. Der Blick fiel auf die arabischen Großhändler und den Getreidemarkt in Marokko, der damaligen nordafrikanischen Kornkammer. Ende des 14. Jahrhunderts litt Portugal zudem an einer massiven Goldknappheit. Nach 1383 wurde in Portugal keine einzige Goldmünze mehr geprägt. 50 Jahre waren nur noch ausländische Gold- und Kupfermünzen im Umlauf. Dazu kam es ab 1460 zu einer Silberknappheit, da die traditionellen Silberlieferanten Portugals in Ostdeutschland aufgrund von Pest und Hungersnöten immer mehr ausfielen. Gold wurde mühsam über Karawanenwege aus den afrikanischen Reichen südlich der Sahara importiert. Weitere Handelswaren aus der Region waren Zucker, Sklaven, Kupfer und Salz. Endpunkt dieser Karawanen war Ceuta, das auch als bester Hafen Marokkos galt. So wurde die Stadt an der Straße von Gibraltar das erste Ziel der portugiesischen Expansion außerhalb Europas.

Die katholische Kirche sah zudem in einer Expansion die Möglichkeit heidnische Gebiete zu missionieren. Sie wurde ein entscheidender Faktor bei den portugiesischen Unternehmungen in Übersee.[1]

[Bearbeiten] Expeditionen unter Heinrich dem Seefahrer

Heinrich der Seefahrer
Heinrich der Seefahrer

Unter Johann I. eroberten die Portugiesen 1415 Ceuta, ihre erste Besitzung außerhalb Europas. Heinrich der Seefahrer, ein Prinz des portugiesischen Königshauses, initiierte ab 1418 die Portugiesischen Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen Küste, zur Sicherung des Handels mit den afrikanischen Reichen südlich der Sahara und um den östlichen Seeweg nach Indien zu finden und nun den Gewürzhandel unter die Kontrolle Portugals zu bringen. Heinrich gilt als der Organisator der Entdeckungsfahrten. 1419 wurden Madeira und 1427 die Azoren in Besitz genommen. 1434 umrundete Gil Eanes das Kap Bojador, das bis dahin für unpassierbar gehalten wurde. 1436 entdeckte Afonso Gonçalves Baldaia den Rio do Ouro und 1441 erreichten Nuno Tristão und Antão Gonçalves das Kap Blanc (Cabo Branco). 1445 kam Dinis Dias zum Cabo Verde, dem westlichsten Punkt Afrikas.

1446 wurden der Entdecker Nuno Tristão und 18 seine Männer beim Versuch Frischwasser aufzunehmen durch Einheimische getötet. Der Vorfall südlich des Gambiaflusses war der erste dieser Art. Ab diesem Zeitpunkt wurde die portugiesische Schiffsartillerie verstärkt und die Landekommandos bewaffnet. Versuche mit den lokalen afrikanischen Herrschern am Cabo de Não und am Cabo Verde Bündnisse zu schließen, um den Warenaustausch und den Sklavenhandel zu sichern schlugen fehl. Die portugiesischen Unterhändler kehrten nie zurück.[1]

Nach diesen Fehlschlägen wurden zunächst keine weiteren Fahrten zur weiteren Erforschung der afrikanischen Küste ausgesendet. Der Grund lag in den hohen Kosten und den bisher mageren Gewinnen. Noch war der Sklavenhandel nicht lukrativ genug und in der Heimat wurde Kritik laut, die den fehlenden Gewinn bemängelten. Aber die Aussichten für ökonomischen Erfolg waren vorhanden. Am Rio do Ouro hatten die Portugiesen als Lösegeld für maurische Gefangene Goldstaub erhalten, die westafrikanischen Reiche von Ghana, Mali, Kanem und Songhai stellten sich als potentielle Handelspartner dar. In den folgenden Jahren musste zunächst eine wirtschaftlich tragfähige Basis geschaffen werden. Zudem stellte sich mit Kastilien nun ein europäischer Konkurrent gegen Portugal, der befürchtete durch portugiesische Ansprüche auf die bisher erforschten Gebiete vom möglichen Reichtum des Südens abgeschnitten zu werden. Der Streit um die Kanarischen Inseln tat ein übriges, so dass es zwischen 1451 und 1454 zum bewaffneten Konflikt zwischen den beiden Nachbarn um die Inseln kam. Am 8. Januar 1454 griff Papst Nikolaus V. mit der Bulle Romanus Pontifex in den Konflikt zwischen den beiden katholischen Mächten ein und sprach den Portugiesen die Eigentumsrechte für die Gebiete von Kap Bojador bis zur Südspitze Afrikas zu, obwohl die Ausdehnung der Gebiete noch unbekannt war. Hierdurch waren die Investitionen für die Entdeckungsfahrten zumindest politisch abgesichert. Die Kanaren blieben in der Hand Kastiliens.

Zu den ökonomischen Problemen kamen noch praktische Probleme. Mit zunehmender Entfernung musste immer mehr Proviant an Bord der Schiffe untergebracht werden, unbekannte Meeresströmungen und Winde mussten erst gemeistert werden. Und auch die nach Süden zunehmende Feindseligkeit und Wehrhaftigkeit der afrikanischen Küstenbewohner musste nun mit eingeplant werden.

Das Portugiesische Kolonialreich im Jahr 1500 und die von Portugal erforschten Gebiete (blau)
Das Portugiesische Kolonialreich im Jahr 1500 und die von Portugal erforschten Gebiete (blau)

Erst 1455 drangen die ersten Expeditionen wieder in unbekannte Gebiete vor. Der Gambiafluss wurde erforscht. Man glaubte, dass der Fluss ein Seitenarm des Nils wäre und man über ihn das Kaiserreich von Äthiopien erreichen könnte. Im 15. Jahrhundert gab es immer wieder diplomatische Kontakte mit dem christlichen Reich in Ostafrika, die aber durch die Reise durch das muslimische Ägypten erschwert waren. Portugal erhoffte sich einen starken Verbündeten gegen den Islam in Afrika. Der Gambia führte jedoch nicht in das 6000 Kilometer entfernte Reich und Äthiopien zeigte sich auch später nicht sonderlich begeistert von der Idee eines Krieges gegen die starken muslimischen Nachbarn.

Eine von den Expeditionen, die den Gambiafluss erforschen sollten, kam 1456 unter Alvise Cadamosto vom Kurs ab und entdeckte dafür die östlichen Insel der Kap Verden. Etwa fünf Jahre später entdeckten andere Expeditionen auch die westlichen Inseln. Damit stand Portugal eine dritte Basis im Atlantik zur Verfügung, auf der seine Schiffe auf dem Weg zum südlichen Afrika und später nach Brasilien mit Proviant versorgt werden konnten.

[Bearbeiten] Die Entdeckung des Seewegs nach Indien

Beim Tod Heinrichs des Seefahrers 1460 hatten die Portugiesen die gesamte Westküste Afrikas bis zum Cabo Mesurado im heutigen Liberia erkundet. Doch aufgrund der chronischen Knappheit an finanziellen Mitteln sollte es fast 10 Jahre dauern, bis Portugals Seefahrer erneut auf Entdeckungsfahrt gingen. Ein weiterer Grund für die Wartezeit war auch das geringe Interesse Königs Alfons V. die klimatisch für Portugiesen ungesunden und bisher wenig profitablen Gebiete Westafrikas zu erforschen, trotz seines Beinamen der Afrikaner. Alfons V. widmete sich zunächst der Eroberung weiterer Städte und Handelsplätze in Marokko. Bereits 1458 Alcácer Ceguer und 1471 Tanger und Arzila. Erst 1468 verpflichtete sich der der Geschäftsmann Fernão Gomes zur Erforschung jährlich weiterer 100 Leguas der afikanischen Küste zu erforschen. Als Gegenleistung erhielt er für fünf Jahre (der Vertrag wurde 1473 um ein Jahr verlängert[2]) alle wirtschaftlichen Rechte in Westafrika. Ausgenommen waren der Handelsposten Arguim und die Atlantikinseln. 1470 erreichte man das Cabo Três Pontas und 1471 erreichten João de Santarem und Pero Escolar (Escobar) die Goldküste mit der Goldmine Shama (Samma) im heutigen Ghana und das Cabo Formoso im Nigerdelta. Zwischen 1471 und 1474 wurden die Inseln São Tomé, Principe, Fernando Pó und Annobón entdeckt. 1474 überschritten Lopo Gonçalves und Rui de Sequeira auch erstmals den Äquator und stießen bis zum heutigen Gabun vor.

Portugiesische Karte von Nordamerika und Grönland 1519
Portugiesische Karte von Nordamerika und Grönland 1519

João Vaz Corte-Real fuhr 1473 in einer gemeinsamen portugiesisch-dänischen Expedition bis nach Grönland und es gibt Hinweise, dass sie bis Neufundland (Terra Nova do Bacalhau) kam. Später soll es sogar portugiesische Siedlungsversuche in der Region gegeben haben und portugiesische Expeditionen sind 1500 eventuell bis Florida vorgedrungen. Portugiesische Namen auf Karten des beginnenden 16. Jahrhunderts lassen diesen Schluss zu.[2]

Die Entdeckungen unter Gomes Agide und das Gold aus Shama brachte die portugiesische Wirtschaft in Schwung. Grund für Kastilien trotz der päpstlichen Bullen in den Golf von Guinea zu fahren und Sklaven nach Sevilla zu verschiffen. Dazu kam der Kastilische Erbfolgekrieg (1474–1479). 1479 verzichtete Kastilien schließlich im Vertrag von Alcaçovas auf die Oberhoheit über die Kanarischen Inseln, auf Besitzansprüche auf Madeira, auf die Azoren und alle Gebiete südlich von Kap Bojador und damit auf die Erforschung der Ostroute nach Indien. Der portugiesische König verzichtete seinerseits auf den Thron von Kastilien.

Symbol der Besitznahme: Ein Padrão in Sagres
Symbol der Besitznahme: Ein Padrão in Sagres

An der Goldküste wurde 1482 das Fort São Jorge da Mina (Elmina) errichtet. Elmina wurde mit einer Garnison mit 63 Mann besetzt, der Posten zum wichtigen Handelsplatz für Gold. Zu den bereits langem Titel der portugiesischen Könige (rei de Portugal e do Algarve, Senhor de Septa, Senhor d’Alcacere em Africa) gesellte sich nun der Senhor de Guinea. Ab sofort wurden die Entdecker angewiesen statt Holzkreuze nun steinerne Säulen (Padrões, singular: Padrão) an markanten Punkten der Küste aufzustellen, die den Besitzansprüche Portugals unterstrichen. Auf den Säulen stand in lateinischer und portugiesischer Sprache das Jahr der Aufstellung, der Name des Seefahrers und des regierenden Königs. Der erste Entdecker, der diese Säulen setzte war Diogo Cão, der 1482 die Mündung des Kongo entdeckte.

Die Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal
Die Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal

Zurück in Lissabon wurde Cão von einem Mann namens Christoph Kolumbus angesprochen, der ihn um Hilfe für sein Projekt der Erforschung des westlichen Seewegs nach Indien bat. Allerdings fand Kolumbus in Portugal keine Unterstützung. Man vermutet heute, dass aus der geheimen Reise Corte-Reals 1473 der portugiesischen König über das kalte, ärmliche Land im Westen informiert war und daher eine Erforschung als nicht lohnend ansah. Außerdem wusste man in Portugal, dass Kolumbus sich bei der Berechnung des Erdumfangs und der Entfernung nach Indien irrte. Dazu kam noch die erfolgreiche Reise Diogo Cãos, die auf eine baldige Umrundung Afrikas hoffen ließ. Dennoch soll sich König Johann II. bittere Vorwürfe gemacht haben, als Kolumbus 1493 auf dem Rückweg von seiner ersten Reise in Lissabon Station machte und von seiner Entdeckung berichtete. Allerdings brauchte der König nicht lange um festzustellen, dass die neu entdeckten Gebiete südlich von den Kanarischen Inseln lagen und diese laut dem Vertrag von Alcaçovas damit zu Portugal gehörten. Sofort wurde der Anspruch an das spanische Königshaus weiter geleitet und ein Geschwader unter Francisco de Almeida zur Besetzung der Inseln vorbereitet.[2] Eine Auseinandersetzung zwischen Spanien und Portugal drohte. Schließlich teilte Papst Alexander VI. die Welt im Vertrag von Tordesillas (1494) in eine östliche, portugiesische Sphäre und in eine westliche für den damaligen Konkurrenten Spanien, was im Vertrag von Saragossa (1529) präzisiert wurde. Vom amerikanischen Kontinent war der Osten Brasiliens als portugiesische Einflussbereiche vorgesehen. Der Vertrag war im Prinzip bis 1777 in Kraft, wurde aber in vielen Teilen nicht eingehalten. Die Portugiesen führten Expeditionen und eventuell auch Kolonisationsversuche in Nordamerika durch. In Brasilien dehnten sie sich schnell über die Vertragsgrenze aus. Im Gegenzug besetzte Spanien die Philippinen und engagierte sich auf den Molukken.

1485 war Diogo Cão auf einer zweiten Reise vermutlich bis zur Walfischbucht in Namibia gekommen. Drei Jahre später umrundete Bartolomeu Dias schließlich das Kap der Guten Hoffnung und fuhr bis zum Fluss Groot-Vis im Osten des heutigen Südafrika. Bereits 1487 waren die Portugiesen Pêro da Covilhã und Afonso de Payva aufgebrochen, um auf arabischen Schiffen die Küsten des Indischen Ozeans zu bereisen und mit dem weiteren Ziel, ein Bündnis mit dem christlichen Kaiser von Äthiopien gegen die Araber zu schmieden. Sie gelangten von Alexandria und Sues aus zum Roten Meer. De Payva trennte sich von seinen Begleiter, um direkt nach Äthiopien zu reisen, verschwand aber auf den Weg dorthin, während de Covilhã nach Aden und weiter an die Malabarküste Indiens, zur Handelsstadt Sofala im heutigen Mosambik und eventuell bis nach Madagaskar reiste. In einer weiteren Reise besuchte er die Hafenstadt Hormuz. Schließlich erreichte de Covilhã 1493 den Hof von Kaiser Na’od I. von Äthiopien in Aksum. De Covilhã blieb bis zu seinem Tod 1530 in Äthiopien. Das portugiesisch-äthiopische Militärbündnis mit Ziel den Islam in Afrika zu stoppen kam nicht zustande, aber die Reiseberichte de Covilhã wurden nach Lissabon geschickt. Zwar sind sie heute nicht mehr erhalten, doch man geht davon aus, dass sie Vasco da Gama zur Verfügung standen, als er auf seine Reise ging. Seine Aufgabe bestand im Prinzip ohnehin nur, die Strecke vom Groot-Vis bis Sofala zu erforschen, denn die Route von der ostafrikanischen Handelsstadt bis Goa in Indien gehörte schon damals zu den meist befahrenen Seefahrtsrouten und wurde von arabischen Händlern bedient. [1]

Vasco da Gama bei der Ankunft in Kalikut (Romantisierende Illustration zu einer Ausgabe der Lusíadas, um 1880)
Vasco da Gama bei der Ankunft in Kalikut (Romantisierende Illustration zu einer Ausgabe der Lusíadas, um 1880)

Die drei Karavellen São Gabriel, São Rafael und São Miguel wurden zusammen mit dem Versorgungsschiff Berrio da Gama unterstellt. Die Schiffe wurden mit der damals modernsten Artillerie bestückt, da man mit einem bewaffneten Konflikt mit den Arabern rechnete. Sie würden sich ihr Handelsmonopol im Indischen Ozean nicht kampflos nehmen lassen. Am 8. Juli 1497 stach da Gama in See. Bartolomeu Dias reiste bis zu den Kapverdischen Inseln als Berater mit. Um den Flauten im Golf von Guinea zu entgehen, fuhr da Gama nicht entlang der afrikanischen Küste, sondern in der Mitte des Atlantiks nach Süden, bis er dann nach Osten drehte und Anfang November die südafrikanische Küste erreichte. In der Sankt-Helena-Bucht wurden die Schiffe überholt und mit Einheimischen Handelskontakte geknüpft. Erst nach mehreren Anläufen gelang am 22. November die Umrundung vom Kap der Guten Hoffnung und da Gama landete am 25. November in Angra de São Braz (Mossel Bay ), wo er einen Padrão aufstellte und das Versorgungsschiff aufgab. Zu Weihnachten erreichte man einen Küstenstrich Südafrikas, den Vasco da Gama Natal (Weihnachten) nannte. Am 10. Januar 1498 ankerte die Flotte in der Delagoabucht, wo heute Maputo, die Hauptstadt Mosambiks liegt. Aufgrund der freundlichen Bewohner nannte Vasco da Gama das Land Terra da Boa Gente (Land der guten Leute). Sofala wurde bei der Weiterfahrt verfehlt, aber am 22. Januar gelangte man zur Mündung des Sambesi, wo wieder ein Padrão errichtet wurde. Im März entdeckte man die Ilha de Moçambique. Am 7. April 1498 kam die Flotte nach Mombasa, wo arabische Kaufleute erstmals versuchten, da Gamas Weiterfahrt zu verhindern. Hier traf man auf Christen aus Äthiopien und Syrien und chinesische Händler. Unterstützung fanden die Portugiesen in Melinde (Malindi), einer Handelsstadt etwas nördlicher, die in Konkurrenz mit Mombasa stand. Ab hier führte der arabische Lotse Melemo Cama (Ahmed Ibn Majid) Vasco da Gama durch die Gewässer. Am 29. April 1498 wurde der Äquator überquert und am 17. oder 18. Mai kam das indische Gebirge der Westghats in Sicht. Das Geschwader ankerte am 20. Mai 1498 in der kleinen Hafenstadt Capocate nördlich von Kalikut. Mit dem Samorim (Herrscher) von Kalikut wurde ein Handelsvertrag geschlossen, aber als nach einigen Zwischenfällen mit arabischen Händlern sich die Stimmung langsam gegen die Portugiesen richtete, verließen sie die Stadt Ende August. Man fuhr etwas Richtung Norden bis zu den Angediven, bevor man am 5. Oktober endgültig Indien mit den Laderäumen voller Gewürze verließ. Nach einer vierteljährigen Fahrt erreichte man Mogadischu. Weiter ging es nach Melinde, vorbei an Mombasa, wenig später musste die São Rafael aufgegeben werden, da die Mannschaft durch Krankheit zu stark dezimiert worden war. Auf der mosambikanische Insel Ilha de São Jorge wurde der letzte Padrão aufgestellt. Am 10. Juni 1499 erreichte das erste Schiff aus da Gamas Flotte Lissabon, Vasco da Gama kam aufgrund der Krankheit seines Bruders Paulo erst im September wieder in der Heimat an, wo er mit großen Ehren empfangen wurde. Ein Viertel der Mannschaft war auf der Reise umgekommen. Der Dichter Luís Vaz de Camões schrieb die Geschichte der Fahrt in dem portugiesischen Nationalepos Die Lusiaden (Os Lusiades) nieder.

[Bearbeiten] Kontrolle über den Indischen Ozean

Afonso de Albuquerque
Afonso de Albuquerque

Gleich nach der Rückkehr von Vasco da Gama wurde eine zweite Indienfahrt vorbereitet. Am 9. März 1500 stachen 13 Schiffe mit 1500 Mann Besatzung unter dem Kommando von Pedro Álvares Cabral in See. Wie da Gama zuvor schlug Cabral von den Kapverdischen Inseln aus einen großen Bogen nach Westen, um den Passatwinden zu entgehen. Am 21. April kam ein Berg in Sicht, der Monte Pascoal (Osterberg) getauft wurde und am 23. April 1500 landete Cabral als erster Europäer an der Küste Brasiliens nahe des heutigen Porto Seguro und nahm das Land für Portugal in Besitz. Die ersten Jahre diente Brasilien nur als Zwischenstopp auf der Route Europa–Indien, bis seine Reichtümer (Brasilholz, Diamanten) entdeckt wurden. Die Entdeckung erregte auch in dieser Zeit kein großes Aufsehen. Dies kann daran liegen, dass Cabral Brasilien zunächst für eine größere Insel hielt[1] oder weil man bereits von dessen Existenz wusste. Die Küste könnte schon von anderen Seeleuten zuvor gesichtet worden sein, einige Berichte lassen auf Expeditionen Portugals nach Südamerika in den 1490ern schließen.[2] Auf Cabrals Fahrt über den Südatlantik gingen mehrere Karavellen in einem Sturm verloren. Unter den Opfern war auch Bartolomeu Dias, der Entdecker vom Kap der Guten Hoffnung, der hier den Tod fand. Die Flotte war im Sturm auseinandergerissen worden. Während Cabral in Mosambik Zwischenstation machte, segelte Diogo Dias an der Ostküste Madagaskars entlang nach Norden, bis er Mogadischu und schließlich Berbera am Eingang zum Roten Meer erreichte. Beim ostafrikanischen Quíloa (Kilwa) trafen sich die Schiffe wieder. Weiter ging es nach Melinde und mit dort angeheuerten, arabischen Lotsen nach Kalikut. Wieder kam es zu Handgreiflichkeiten mit arabischen Händlern. Schließlich wurde die portugiesische Faktorei gestürmt und später 28 Portugiesen getötet. Cabral fuhr nicht wie da Gama davon, er beschlagnahmte die Ladung einer arabischen Flotte im Hafen und ließ die Schiffe verbrennen. Danach nahm Cabral die Stadt in Beschuss. Über 600 Einwohner sollen gestorben sein. Cabral fuhr mit seinem Geschwader weiter nach Cochin. Der Stadtstaat war, ebenso wie seine Nachbarn Cannanore (Kannur) und Coulão (Kollam), dem Herrscher von Kalikut untergeben, weswegen sie nur all zu gerne ein Bündnis mit Portugal gegen ihn eingingen. Portugal erhielt dadurch Handelsstützpunkte an der Malabarküste. Der nun beginnende Gewürzhandel brachte endlich die Profite um die Investitionen zu decken. Cabral erforschte noch die Goldminen des Monomotapa (heute in Simbabwe und Mosambik), bevor er 1501 nach Lissabon zurückkehrte.

1503 wurden die Seychellen (Ilhas do Almirante) und Sokotra (Socotorá) entdeckt. Im selben Jahr erhielt Afonso de Albuquerque vom Herrscher von Cochin die Erlaubnis zum Bau der ersten portugiesischen Festung in Indien. Das italienisch-arabische Handelsmonopol war zerbrochen. Natürlich versuchten die ehemaligen Handelsherren sich gegen die portugiesische Konkurrenz zu wehren. Der ägyptische Sultan der Mamluken drohte Palästina und die heiligen Stätten zu zerstören, wenn die Portugiesen sich nicht zurückziehen würden, doch Portugal ließ sich durch die Drohungen nicht einschüchtern. 1505 ernannte König Manuel I. den Heerführer Francisco de Almeida zum ersten Vizekönig von Portugiesisch-Indien und entsandte ihn mit 22 Schiffen und 2500 Mann, darunter 1500 Marinesoldaten nach Indien. Im selben Jahr erobert de Almeida die ostafrikanischen Handelsstädte Sofala, Quíloa und Mombasa, die bisher in Opposition gegen Portugal standen. Letztere war auch bisher Konkurrent des portugalfreundlichen Melinde. Nahe Goa ging de Almeida in Indien an Land und baute ein Fort und ein Handelskontor im befreundeten Cannanore. Erste Hauptstadt der Portugiesen in Indien wurde Cochin. De Almeidas Sohn Lourenço fuhr inzwischen weiter nach Süden und betrat als erster Portugiese Ceylon, dass im Laufe des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen erobert werden sollte. Auf dem Rückweg vernichtete Lourenço de Almeida am 17. März 1507 bei Cannanore die Flotte des Herrschers von Kalikut.

1507 besetzte Afonso de Albuquerque die Insel Sokotra und am Eingang des Persischen Golfs die wichtige Stadt Hormuz. Zwar baute man gleich eine Festung, da man aber zu wenig Männer hatte, musste die Stadt 1508 vorerst wieder aufgegeben werden. Mit der Eroberung von Sokotra und Hormuz war der Golf von Aden und der Persische Golf für ägyptische und venezianische Schiffe versperrt, weswegen der Sultan der Mamluken eine Kriegsflotte entsandte. Beim Zusammentreffen der Flotten 1508 beim heutigen Bombay wurde Lourenço de Almeida getötet, woraufhin sein Vater einen Rachefeldzug begann und die Städte Chaul (Tschoul) und Kalikut plünderte. Ende des Jahres erreichte de Albuquerque die Malabarküste und überbrachte Almeida vom König die Anweisung, dass de Albuquerque das Amt des Gouverneurs Indiens übernehmen solle und de Almeida abgesetzt sei. De Almeida weigerte sich aber mit der Begründung, er müsse erst den Tod seines Sohnes rächen, danach würde er sein Amt abgeben. Am 3. Februar 1509 vernichtete de Almeida vor Diu die ägyptische Flotte und gewann damit für Portugal die Vorherrschaft im Indischen Ozean. De Almeida gab sein Amt ab und begab sich auf die Rückreise nach Portugal. Nahe des heutigen Kapstadt kam er aber bei Kämpfen mit Einheimischen mit 64 anderen Portugiesen ums Leben.

Das portugiesische Kolonialreich im 16. Jh. (grün)
Das portugiesische Kolonialreich im 16. Jh. (grün)

1509 gelang es de Albuquerque Goa zu erobern, das ab 1510 Hauptstadt des portugiesischen Estado da India wurde. Sumatra und die Malaiische Halbinsel wurden erstmals erreicht. Ende 1510 fiel auch das Machtzentrum Kalikut in die Hände Portugals. Der erste Versuch Malakka an der nach ihr benannten Meeresstraße zu erobern scheiterte, doch 1511 wurde sie unter großen Verlusten genommen. Damit war der größte Gewürzmarkt und der indisch-chinesische Handel in der Hand Portugals. Mit den Herrschern von Birma, Java und Kotschinchina wurden Handelsverträge abgeschlossen. 1513 plante de Albuquerque die Eroberung von Mekka und Sues, doch bereits im selben Jahr scheiterte die Einnahme von Aden. Die weitergehenden Eroberungspläne Richtung Rotes Meer wurden daraufhin aufgegeben.

1515 eroberte de Albuquerque Hormuz zum zweiten Mal. Auf dem Rückweg erreichte ihm die Nachricht seiner Absetzung durch Manuel I.. De Albuquerques Erfolge hatten die Befürchtung wachsen lassen, er könne sich eines Tages gegen den König wenden. De Albuquerque starb verbittert am 16. Dezember 1515 in Goa.

[Bearbeiten] Die Erforschung Ostasiens

Ruinen von São Paulo in Macao
Ruinen von São Paulo in Macao

Nach der zunächst gescheiterten Eroberung Adens 1513 ging die Expansion Richtung Osten weiter. Bereits 1511/12 erforschten António de Abreu und Francisco Serrão mit drei Schiffen die Inseln Südostasiens. Java, Timor, Ambon, Seram (früher: Ceram), die Banda-Inseln und Alor gehören zu deren Entdeckungen. Als Erste erreichten sie den Westpazifik. Ferner beschrieb de Abreu die Küste von Neuguinea, wo er aber nicht landete. Erst Jorge de Meneses betrat als erster Europäer die Insel 1526 und gilt als Neuguineas offizieller Entdecker. Serrão gelangte in einer zweiten Fahrt zur nördlichen Molukkeninseln Ternate, auf der 1513 eine portugiesische Faktorei errichtet wurde. Die Rivalität zwischen den lokalen Sultanten Ternate und Tidore nutzten die Portugiesen um hier eine Handelsbasis aufzubauen. Später erforschte Serrão auch die Nordküste Borneos. Diogo Lopes de Sequeira besuchte die Häfen Pedim und Pacém auf Sumatra und sichtete die Nikobaren.

Portugiesische Karavelle auf japanischem Gemälde
Portugiesische Karavelle auf japanischem Gemälde

Jorge Álvares segelte als erster Portugiese nach China und landete im Mai 1513[3] (andere Quellen: 1515[1]) an der Mündung des Perlflusses auf der Insel Lintin, wo er einen Padrão aufstellte.[4] Ihm folgte 1514 bis 1516 der Italiener Raffaello Perestrello, der für Portugal auf der Dschunke eines chinesischen Kaufmanns Kanton besuchte. 1517 kam es unter Fernão Pires de Andrade bei Tamão (Tuen Mun 屯門) in den späteren New Territories von Hong Kong zu Kämpfen mit der chinesischen Armee.[5] 1519 wurde von den Portugiesen Tamão besetzt.[1][6]. Perestrello hatte berichtet, dass der chinesische Kaiser gute Beziehungen mit Portugal wünsche, worauf de Albquerque 1520 Tomé Pires mit einer diplomatischen Mission über Nanjing nach Peking entsandte. Dort wurde Pires erstmal auf Anraten des ehemaligen Herrschers von Malakka unter Arrest gestellt. Erst als Kaiser Zhengde in Peking eintraf, konnte Pires bei ihm vorsprechen. Da Zhengde aber kurz darauf 1521 starb, wurde Pires zurück an den Perlfluss geschickt, bis der neue Kaiser ihm neue Anweisungen senden würde. Kaiser Jiajing war aber den Portugiesen feindlich gestimmt. Noch im selben Jahr wurden in Tamão alle Portugiesen außer Pires hingerichtet. Erst 1543 wurde der Handel von den Chinesen wieder aufgenommen und 1557 durften sich die Portugiesen in Macao niederlassen, aus dem sich das Zentrum des portugiesischen Handels in Ostasien entwickelte. 1543 erreichten die Portugiesen die japanische Insel Tanegashima. Portugal organisierte in den folgenden Jahrhunderten den Handel zwischen China und Japan.

Eine Karte des 16. Jahrhundert scheint zu beweisen, dass portugiesische Forscher, nicht Briten oder Niederländer, die ersten Europäer waren, die Australien entdeckten. Die Karte zeigt genaue geografische Details entlang der australischen Ostküste auf Portugiesisch. Der Portugiese Cristóvão de Mendonça führte demnach 1522 eine Flotte von vier Schiffen in die Botany Bay, fast 250 Jahre vor James Cook.[7]

[Bearbeiten] Niedergang der kolonialen Macht

Personalunion von Spanien (gelb) und Portugal (grün) um das Jahr 1600. (Hellgelb: von Spanien beansprucht)
Personalunion von Spanien (gelb) und Portugal (grün) um das Jahr 1600. (Hellgelb: von Spanien beansprucht)

War zwischen 1505 und 1515 der Gewürzhandel über das Mittelmeer zu erliegen gekommen, kamen ab 1516 wieder Waren aus Indien über Alexandria nach Europa. Auch der Handel über die Pilgerstraße nach Mekka konnte von den Portugiesen nicht unterbunden werden. Ebenso wenig über die Seidenstraße und die Hafenstädte Palästinas und des Schwarzen Meeres.

Die Gewinne aus dem Handel mit Indien und Afrika im 15. und 16. Jahrhundert galten als Privateigentum des portugiesischen Königs. Unter Manuel I. (1495–1521) wurden sie nicht gewinnbringend, sondern in Prunkbauten und Hofhaltung investiert. Der Manuelinische Stil zeugt noch heute davon. Weitere Profiteure waren die Kirche, der Adel und das Großbürgertum, das sich an den Fahrten mit Investitionen beteiligte. Der Großteil des Volkes ging leer aus. Unter den Kolonialbeamten grassierte die Korruption. Unter Johann III. (1521–1557) stiegen die Auslandsschulden aufs Unermessliche. 1549 musste die portugiesische Niederlassung in Antwerpen geschlossen werden. Sebastian I. (1557–1578) musste den Staatsbankrott erklären.[1]

Das portugiesische Kolonialreich im Jahr 1700
Das portugiesische Kolonialreich im Jahr 1700

1578 wurde König Sebastian I. bei dem Versuch ganz Marokko zu erobern in der Schlacht von Alcácer Ceguer getötet. Sein Nachfolger wurde Heinrich I., der als Kardinal kinderlos blieb. Mit ihm starb der letzte männliche Angehörige des Hauses Avis und Portugal fiel in Personalunion an Spanien. Zudem waren 40.000 Portugiesen und Söldner bei dem marokkanischen Abenteuer umgekommen, was zu einer langen Schwächung der militärischen Schlagkraft Portugals führte. Die Staatskasse musste zum größten Teil zur Auslösung portugiesischer Gefangener aus marokkanischer Gefangenschaft verwendet werden. Größere Reserven waren ohnehin nicht angelegt worden, so dass man im Konkurrenzkampf mit den anderen europäischen Nationen nicht mehr mithalten konnte.[1]

Das portugiesische Kolonialreich im Jahr 1800
Das portugiesische Kolonialreich im Jahr 1800

Der territoriale Niedergang des portugiesischen Kolonialimperiums setzte im 17. Jahrhundert ein, als die Niederländer begannen sich ebenfalls in Afrika, Amerika und Asien zu engagieren und den Portugiesen einen Großteil ihrer asiatischen Kolonien, wie Malakka, Ceylon und die Gewürzinseln entrissen (siehe auch Niederländisch-Portugiesischer Krieg). Zudem war Portugal in Personalunion mit Spanien automatisch mit England verfeindet, weswegen England nun auch gegen die Kolonien seines bisherigen engsten Verbündeten Portugal vorging. An der Ostküste Afrikas eroberte der Oman die meisten portugiesischen Besitzungen.

Am 1. November 1755 traf mit dem Erdbeben von Lissabon ein weiterer harter Schlag das Königreich. Die Hauptstadt wurde nahezu komplett vernichtet. Portugal wurde zum Spielball der mächtigeren europäischen Staaten und Lissabon 1807 von den Truppen Napoleons besetzt. Die portugiesische Königsfamilie floh nach Brasilien und Rio de Janeiro wurde neuer Regierungssitz. Nach dem Ende des Krieges erhielt Brasilien 1815 den Status eines in Personalunion mit Portugal regierten Königreichs. Als Brasilien wieder den Status einer Kolonie erhalten sollte, ließ sich der portugiesische Kronprinz als Peter I. zum Kaiser von Brasilien krönen und erklärte 1822 die Unabhängigkeit des Landes, womit Portugal seine größte und reichste Kolonie endgültig verlor. Übrig blieben im 19. und 20. Jahrhundert als letzte Flächengebiete Mosambik und Angola, sowie einige kleine Besitzungen in Westafrika, Indien und Ostasien. Das Hinterland dieser Kolonien wurde erst in dieser Zeit der wirklichen Kontrolle Portugals unterworfen. Davor beschränkte man sich jenseits von Brasilien auf Handelsposten, dünne Küstenstreifen und Schutzverträge mit einheimischen Herrschern. Die wirkliche koloniale Macht wurde erst nach dem Verlust Brasiliens in den beanspruchten Gebieten aufgebaut. In der liberalen Verfassung von 1822 wurde die portugiesische Nation als „Union aller Portugiesen beider Hemisphären“ beschrieben, womit die Einheit zwischen Mutterland und den Kolonien bestärkt wurde. Auch die darauffolgende Verfassung, die Charta von 1826 hielt in Artikel 1 fest, dass das Königreich Portugal die politische Vereinigung aller Portugiesen bildet. Artikel 2 zählte die Gebiete auf und Artikel 3 betonte, dass Portugal nicht auf die Ansprüche auf diese Gebiete verzichtet. Als Portugiese wurde in Titel II, Artikel 7 definiert: „Alle, welche in Portugal und seinen Besitzungen geboren und gegenwärtig nicht Brasilianer sind.“

Schon früher war den Einheimischen der Kolonien die Möglichkeiten gegeben worden als Assimilado die portugiesischen Staatsbürgerrechte zu erhalten. Dafür mussten fünf Bedingungen erfüllt werden. Man musste älter als 18 Jahre sein, die portugiesische Sprache beherrschen, seine Familie versorgen können, sich das Wissen aneignen, um die Pflichten als Staatsbürger zu erfüllen und zuletzt durfte er weder Deserteur noch Wehrdienstverweigerer gewesen sein.[8]

Portugals Plan der Verbindung der südafrikanischen Kolonien, die „Mapa Cor-de-Rosa“ 1886
Portugals Plan der Verbindung der südafrikanischen Kolonien, die „Mapa Cor-de-Rosa“ 1886

1885 scheiterte Portugal mit seinen Ansprüchen auf das Gebiet von Belgisch-Kongo durch den Einspruch Deutschlands. Portugal erhielt nur die Garantie für seine Besitzungen in Cabinda, Angola und Mosambik, allerdings ohne Festlegung der inneren Landesgrenzen. Hier lautete die Auflage, dass man Truppen und Zivilbeamte entsenden müsse, um die beanspruchten Gebiete zu besetzen. Der Traum einer Landbrücke zwischen den Besitzungen in Angola und Mosambik kolidierten aber mit den britischen Plänen einer englischen Kolonie vom Kap bis Kairo. Auch wenn Frankreich und Deutschland einen portugiesischen Puffer unterstützten, konnte Portugal trotz der ausbrechenden nationalen Begeisterung für den Kolonialismus nicht die Ressourcen zur effektiven Besatzung aufbringen. Immerhin wurden einige Expeditionen in die heutigen Gebiete von Malawi, Sambia und Simbabwe ausgesendet, so dass Portugals Außenminister Henrique Barros Gomes 1887 den Kolonialmächten eine Landkarte vorlegte, auf der die von Portugal beanspruchten Landstriche rosa eingefärbt waren, die Mapa Cor-de Rosa. Großbritannien wies die Ansprüche zurück und setzte im Januar 1890 setzte ein Ultimatum für Portugal sich aus Rhodesien und dem Njassaland zurückzuziehen. Ansonsten drohte man mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und entsandte sogar ein Kriegsschiff nach Lissabon. Das Zurückweichen des portugiesischen Königs vor der britischen Drohung sollte einer der Auslöser der Ereignisse sein, die zum Sturz der Monarchie in Portugal 1910 führen sollten.[8]

Den letzten Gebietsgewinn erhielt Portugal nach dem Ersten Weltkrieg, als ihm durch den Vertrag von Versailles, als Entschädigung für die deutsche Besetzung des Nordens von Mosambik, das Kionga-Dreieck zugesprochen wurde. Im Zweiten Weltkrieg blieb Portugal neutral. Trotzdem wurden Portugiesisch-Timor und Macao von den Japanern besetzt. Portugal erhielt die beiden Kolonien nach Ende des Krieges zurück.

[Bearbeiten] Portugiesisches Kolonialreich seit 1945 und Dekolonialisierung

Portugals Überseeprovinzen im 20. Jahrhundert mit Jahr des Verlustes
Portugals Überseeprovinzen im 20. Jahrhundert mit Jahr des Verlustes
Portugiesische Soldaten in den 1960ern in Luanda
Portugiesische Soldaten in den 1960ern in Luanda
Kontrollposten der PAIGC 1974
Kontrollposten der PAIGC 1974
Übergabezeremonie von Macao 1999
Übergabezeremonie von Macao 1999

Im Gegensatz zu anderen Kolonialmächten wie Großbritannien oder Frankreich hielt Portugal seine letzten Kolonien trotz des blutigen Kolonialkrieg in Portugiesisch-Guinea, Angola und Mosambik bis in die 1970er Jahren. Dieses imperiale Beharren gegen den allgemeinen Entkolonialisierungstrend und gegen wirtschaftliche Vernunft war das Ergebnis der Kolonialpolitik des autoritären Estado Novo (portugiesisch: „Der neue Staat“) unter António de Oliveira Salazar und seinem Nachfolger Marcelo Caetano. In Großbritannien und Frankreich hatten sich nach dem Ersten Weltkrieg liberale Demokratien gebildet, die ihren Kolonien beschränkte Autonomie gewährten. Die Autonomiebestrebungen der britischen und französischen Kolonien, die durch den aufkommenden Liberalismus bestärkt wurden, führten nach dem Zweiten Weltkrieg zur völligen Unabhängigkeit der meisten Kolonien. Portugal hatte sich dagegen bis 1974 kaum von diktatorischen Prinzipien entfernt. Aus der Monarchie erwuchs nach einem kurzen demokratischen Intermezzo eine Diktatur, die mit den Prinzipien des Faschismus versuchte, Portugal wieder als Weltmacht zu etablieren. Die Autonomiebestrebungen in den portugiesischen Kolonien wurden mit Militärgewalt unterdrückt. Am Ende hatte Portugal mehr Soldaten in den afrikanischen Kolonien als im eigenen Land (1974 waren es 80 % der Armee) und die Militärausgaben verschlangen fast 60 % des Staatshaushalts. Erst nach der Nelkenrevolution, die das autoritäre Regime 1974 beendete, entließ die nun demokratische Regierung ihre afrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit. Die indischen Besitzungen waren bereits in den Fünfzigern und Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts von Indien annektiert worden. Genauso ging es dem Fort São João Baptista d'Adjuda, das 1961 von Dahomey besetzt wurde. Die Annexionen wurden erst nach der Nelkenrevolution von Portugal anerkannt. Portugiesisch-Timor (Osttimor) sollte zu dieser Zeit auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden, während Macao 1976 nur innere Autonomie gewährt wurde, da die Volksrepublik China vor einer Übernahme die Klärung der Hongkong-Frage verlangte.

In Portugiesisch-Timor kam es zu inneren Machtkämpfen und die wachsende Bedrohung durch Indonesien zwang die lokale FRETILIN am 28. November 1975 einseitig die Unabhängigkeit auszurufen. Nur neun Tage später wurde Osttimor durch Indonesien besetzt und annektiert. Weder die Unabhängigkeitserklärung noch die Annexion durch Indonesien wurden von Portugal anerkannt. Auch für die UNO blieb Osttimor portugiesisches Territorium bis zur international anerkannten Unabhängigkeit im Jahr 2002.

In Macao bestand die portugiesische Verwaltung bis zur friedlichen Rückgabe an die Volksrepublik China am 20. Dezember 1999. Damit endete die über 500 Jahre alte Kolonialgeschichte Portugals.

[Bearbeiten] Die Folgen für die Gegenwart

Heute gehören neben Kontinental-Portugal nur noch die beiden Inselgruppen der Azoren und Madeira zum portugiesischen Staatsgebiet. Sie haben inzwischen einen Autonomiestatus.

Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, dunkelblau: Mitgliedsstaaten; hellblau: Beobachterstatus; rot: Sitz der CPLP
Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder, dunkelblau: Mitgliedsstaaten; hellblau: Beobachterstatus; rot: Sitz der CPLP

Portugal und die sieben ehemaligen Kolonien, die Portugiesisch als Amtssprache verwenden, sind in der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) organisiert. Mauritius und Äquatorialguinea haben Beobachterstatus, die Volksrepublik China hat ihn für Macao 2006 beantragt. Seit 2006 finden regelmäßig die Jogos da Lusofonia (Lusophonischen Spiele) statt, ein Sportereignis, in dem die portugiesischsprachigen Länder und Regionen gegeneinander antreten. Neben den Jogos da Lusofonia-Mitgliedern Macao und den Staaten mit Portugiesisch als Amtssprache, sind Äquatorialguinea, Indien und Sri Lanka assoziiert. Ghana, die indonesische Insel Flores und das spanische Galicien, dessen Regionalsprache Galicisch mit dem Portugiesischen verwandt ist, überlegen eine Teilnahme.

Portugal war bereits mit der Unabhängigkeit der Kolonien und verstärkt nach seinem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft Ziel Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien. 2006 lebten 418.000 Ausländer legal in Portugal, davon kamen 68.000 von Kap Verde, 64.000 aus Brasilien, 34.000 aus Angola und 25.000 aus Guinea-Bissau. Die Anzahl der Chinesen, zumeist aus Macao, nimmt immer mehr zu.

In den ehemaligen Kolonien haben Portugiesen auch in der Bevölkerung ihre Spuren hinterlassen. In allen gibt es mit einem unterschiedlichen Bevölkerungsanteil eine Mischbevölkerung mit den jeweiligen einheimischen Ethnien, die Mestiços genannt wird, teilweise gibt es auch eine portugiesische Restbevölkerung. Portugiesische Kreolsprachen werden in Sri Lanka, Malakka und auf Flores gesprochen.

[Bearbeiten] Die Wirtschaft im portugiesischen Kolonialreich

Karte Westafrikas aus dem 16. Jahrhundert
Karte Westafrikas aus dem 16. Jahrhundert

Portugal war vor der Expansion in Übersee ein überwiegend von der Landwirtschaft geprägtes Land. Nach Beginn der Entdeckungsfahrten, errichtete man entlang der afrikanischen Küste Handelsposten, von denen aus der Handel mit dem Hinterland betrieben wurde. Festungen sorgten für die Sicherung der Handelswege und Einflusssphären. 1444 wurde die Companhia de Lagos gegründet, die das Handelsmonopol für Afrika erhielt.

Bereits 1441 hatte Antão Gonçalves die ersten schwarzafrikanischen Sklaven nach Portugal mitgebracht. Davor hatte man Mauren und die Urbevölkerung der Kanarischen Insel versklavt, was sich aber nicht einfach gestaltete, da beide Völker sehr wehrhaft war. Bei Schwarzafrikaner war die Jagd leichter. Man fing sie selber, meistens aber wurden sie von maurischen oder schwarzafrikanischen Händlern abgekauft. Vom 1448 gegründeten Handelsstützpunkt Arguim (im heutigen Mauretanien) aus, begann ein reger Handel mit Sklaven, der die weiteren Entdeckungsreisen der Portugiesen überhaupt erst finanzierte, da andere Reichtümer bisher nicht gefunden worden waren. Nur die Zuckergewinnung, zum größten Teil auf Madeira, brachte ebenfalls Profite. Schon 1444 trafen 280 Sklaven in der portugiesischen Stadt Lagos ein, davon waren 46 der Gewinnanteil für Heinrich dem Seefahrer. Um 1450 herum kamen jährlich 700 bis 800 Sklaven nach Portugal. Mit der Entdeckung des Kongoflusses 1482 nahm der Sklavenhandel stark zu. Jährlich wurden auf den Sklavenmärkten von Lissabon und Lagos 12.000 Menschen verkauft. In dieser Zeit entwickelte sich der Kongo als Hauptlieferant von „Ebenholz“, später wurde es Angola. Ein Großteil der Sklaven wurde nach Kastilien, Aragon und den Rest von Europa verkauft. Nur ein Teil blieb in Portugal und wurde dort in der Landwirtschaft (wie zum Beispiel den Zuckerrohrplantagen auf Madeira) oder im Haus eingesetzt. Aus Elmina kam dazu jährlich eine halbe Tonne Gold und mit Guineapfeffer (Afromomum melegueta) aus Westafrika das erste Gewürz. 1493/94 importierte man 1711 Zentner, zwischen 1498 und 1504 dann 2440 Zentner. Weitere Handelsgüter wurden Gummiarabikum, Zibetkatzen, Baumwolle und Elfenbein. Eingetauscht wurden diese Waren gegen Weizen, Stoffe, Kleidungsstücke, Korallenketten und Silber. Weitere Gewinne brachte die Fischerei, der Walfang und die Jagd auf Seehunde.[1][2]

Um die Erforschung der fremden Gebiete voranzutreiben wurden 1469 die Handelsrechte an der afrikanischen Küste für insgesamt sechs Jahre an Fernão Gomes und 1502 die Nutzungsrechte von Brasilien an Fernão de Noronha vergeben. Dafür verpflichteten sich die Geschäftsleute jährlich eine festgesetzte Länge der Küste zu erforschen.[1]

Das Rückgrat der Wirtschaftsmacht Portugal: Eine Karavelle um das Jahr 1500
Das Rückgrat der Wirtschaftsmacht Portugal: Eine Karavelle um das Jahr 1500

Als Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, war der Weg zum asiatischen Markt offen. Mit der zweiten Indienreise Vasco da Gamas 1502 war erstmal der Gewinn höher als die Investitionen. Das portugiesische Königshaus machte einen Gewinn von 400 Prozent.[1] Die arabische und italienische Konkurrenz wurde durch die Besetzung von Gebieten an der Straße von Hormuz und am Golf von Aden ausgeschaltet. Weitere Städte wurden an der ostafrikanischen Küste und in Indien erobert, ebenso Ceylon und Gebiete in Südostasien. Aus Indien kamen nun diverse Handelsgüter nach Portugal: Pfeffer (Piper nigrum), das teuerste Gewürz im Mittelalter (in Lissabon brachte Pfeffer einen Gewinn von 500 Prozent[1]), Ingwer, Gewürznelken, Muskat, Kampfer, Borax, Wermut, Kardamom, Kurkuma, Abelmoschus, Opium, Sarsaparille und Aloe. Ceylon steuerte Zimt bei, der als Tribut den lokalen Herrschern für Schutzvereinbarungen abgepresst wurde. Mit Erreichen der Gewürzinseln erhielt Portugal die Kontrolle über die Produktionsstätten von Gewürzen, wie Gewürznelken von den Molukken und Muskat von den Bandainseln.

Von Afrika aus begann der Handel mit Sklaven nun auch nach Arabien und Amerika. Andere Handelsgüter waren Elfenbein, Gold, Diamanten und Edelhölzer, wie Brasilholz aus Südamerika und Sandelholz, das von Timor nach China exportiert wurde, wo Portugal Mitte des 16. Jahrhunderts Handelsposten errichtete. Da es sowohl Chinesen, als auch Japanern verboten war ihr Land zu verlassen, betrieb Portugal über Nagasaki in der Epoche des Nanban-Handels (1571–1638) den Handel zwischen den beiden Reichen und brachten im Tausch gegen Silber Seide und auch Feuerwaffen nach Japan. In Brasilien begann man bereits im 16. Jahrhundert mit dem Aufbau von Zuckerrohrplantagen. Waren hier zuerst Indianer als billige Arbeitskräfte eingesetzt worden, ersetzte man diese bald durch afrikanische Sklaven, die weniger anfällig für europäische Krankheiten waren. 1649 wurde die Allgemeine Gesellschaft des Brasilienhandels (Companhia Geral do Comércio do Brasil) gegründet, die weitreichende Handelsmonopole in Brasilien hatte. Sie sollte bis 1720 existieren. Ab dem 19. Jahrhundert wurde auch Kaffee in den Kolonien angebaut (Brasilien 1805, Portugiesisch-Timor 1815).

Während der Personalunion mit Spanien (1580–1640) wurden die Portugiesen immer mehr durch Spanier in ihren Handelsgebieten bedrängt. Portugal drohte zu einer einfachen spanischen Provinz abzusteigen. Dazu verdrängten Perser, Araber aus dem Oman sowie die Niederlande und England, die mit Spanien im Krieg waren, Portugal immer mehr aus ihren Kolonien. Nach der Befreiung von der spanischen Herrschaft musste Portugal weitere Verluste durch die Niederlande hinnehmen, so in Indien, Südostasien und an der Goldküste. Aus Brasilien konnten die Holländer wieder vertrieben werden, jedoch ging der lukrative Handel zwischen Japan und China nach dem Shimabara-Aufstand an die Niederlande verloren. Der Oman vertrieb Portugal nicht nur aus dem Nahen Osten, auch ein Großteil der Ostküste Afrikas und der damit verbundene Sklavenhandel ging verloren.

Schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts überschwemmte englischer Zucker aus Jamaika und Barbados und Tabak aus Virginia den Markt und ließ die Preise für diese portugiesischen Exportgüter aus Brasilien in den Keller fallen. England erhielt durch mehrere Verträge freie Handelsrechte in Portugal und seinen Kolonien, während portugiesische Händler durch englische Steuern dort benachteiligt wurden. Zwar wurde Ende des 17. Jahrhunderts ein Importverbot für Wollstoffe erwirkt, um den einheimischen Markt zu schützen, doch 1703 wurde zwischen England und Portugal der Methuenvertrag geschlossen. Er sah vor, dass England wieder ohne Hindernisse Textilien nach Portugal und dessen Kolonien exportieren durfte, während Portugal für seine Weinexporte geringere Steuern in England zahlen musste, als die französische Konkurrenz. Zwar wurde dadurch die Portweinproduktion im Norden des Mutterlandes gefördert, die gerade beginnende heimische Textilproduktion ging aber zu Grunde, was später auch die industrielle Revolution in Portugal verzögerte. Das Handelsdefizit Portugals gegenüber England versuchte man mit Gold und Diamanten aus Brasilien zu finanzieren. Die Zahlungen stiegen von 447.347 Pfund Gold (1741) auf 1.085.558 Pfund Gold (1760).[8]

Die Zerstörung der Hauptstadt Lissabon durch das Erdbeben von 1755 ließ Portugal endgültig auf die hinteren Plätze der Wirtschaftsmächte Europas zurückfallen. Im Konkurrenzkampf mit den anderen Kolonialmächten hatte Portugal immer öfter das Nachsehen. In den Napoleonischen Kriegen versuchte Frankreich dreimal das portugiesische Mutterland zu besetzen. Die beginnende Industrialisierung kam zum Erliegen. Das Land wurde durch die Taktik der verbrannten Erde, die sowohl Franzosen als auch Engländer angewandt hatten, verwüstet. Zwischen 1810 und 1820 wurde Portugal de facto selbst zum Protektorat von Großbritannien. Als 1822 die mittlerweile wichtigste Kolonie Brasilien die Unabhängigkeit erlangte, war das Ende der Wirtschaftsmacht besiegelt.

Sklaverei in Brasilien
Sklaverei in Brasilien

Bereits 1807 verbot Großbritannien den Sklavenhandel und bekämpfte von da an auch aktiv den Sklavenhandel anderer europäischer Staaten. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurden Sklaverei und Sklavenhandel geächtet. In Portugal und seinen Kolonien wurde die Sklaverei endgültig 1869 abgeschafft.

Die Kolonien entwickelten sich immer mehr zum Verlustgeschäft. So war Portugal nicht in der Lage Mosambik zu erschließen, weswegen man 1891 fast ein Drittel des Landes an die britischen Firmen Mozambique Company und Niassa Company verpachtete. Die Folge war, dass die Kolonie praktisch von britischen und südafrikanischem Kapital beherrscht wurde und das britische Pfund weiter verbreitet war, als der portugiesische Escudo. Im Angola-Vertrag vereinbarten Deutschland und Großbritannien am 30. August 1898 eine gemeinsame Anleihe, für welche die portugiesischen Kolonien als Pfand vorgesehen waren. Im Falle der erwarteten Zahlungsunfähigkeit Portugals sollten Angola, Nordmosambik und Portugiesisch-Timor[8] an Deutschland, Südmosambik an Großbritannien fallen. Bereits 1899 wurde der Vertrag aber durch die Verlängerung der britischen Schutzgarantie für Portugal und all seine Besitzungen unterlaufen. Der Erste Weltkrieg rettete schließlich Portugals Kolonien vor weiteren deutschen Expansionsbestrebungen in Afrika.

[Bearbeiten] Die Verwaltung der Kolonien

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Francisco de Almeida, der erste portugiesische Vizekönig von Indien
Francisco de Almeida, der erste portugiesische Vizekönig von Indien
Capitanías Hereditarias in Brasilien im Jahr 1534
Capitanías Hereditarias in Brasilien im Jahr 1534

Da die Entfernungen zwischen Portugal und den indischen Besitzungen zu groß waren, um sie effektiv von Portugal aus verwalten zu können, richteten die Portugiesen den Estado da Índia ein, unter der Regentschaft eines vom portugiesischen Monarchen ernannten Gouverneurs bzw. Vizekönigs, der weitreichende Vollmachten besaß. Im Gegensatz zum spanischen Kolonialreich war die Amtsbezeichnung des Vizekönigs jedoch nur ein Titel, der sporadisch an Personen mit großen Verdiensten verliehen wurde. So wurde nicht jeder Gouverneur des Estado da Índia automatisch zum Vizekönig erhoben. Beispielsweise Afonso de Albuquerque („Alfonso der Große“), der den eigentlichen Grundstein des portugiesischen Kolonialreiches in Asien und Afrika legte, blieb nur Gouverneur. Hauptstadt wurde Goa an der Westküste Indiens. Von hier aus wurden die Besitzungen im Nahen Osten, in Südostasien, China, Japan und Ostafrika verwaltet.

Die brasilianische Küste teilte König Johann III. im 16. Jahrhundert in 15 Capitanías Hereditarias ein und vergab diese an Adlige und Personen aus dem Mittelstand. 1549 wurde São Salvador da Bahía de Todos os Santos, das heutige Salvador da Bahia, zur Hauptstadt aller Capitanías und ein Generalgouverneur eingesetzt.

Angola (Portugiesisch-Westafrika) wurde 1575 zur Kolonie erklärt und 1589 zur Kronkolonie erhoben. Die Kap Verdischen Inseln bildeten schon 1495 mehrere Kronkolonien, die 1587 zu einer einzigen vereinigt wurden. Cacheu an der Westafrikanischen Küste wurde 1640 zur Capitanía. Von ihr wurde 1696 Bissau als eigenständige Capitanía abgetrennt und 1753 als separate Kolonie unter die Oberhoheit von der Kronkolonie der Kap Verden gestellt.

Ab 1702 hatte Timor einen eigenen Gouverneur, der zunächst in Lifau, später in Dili residierte und für die gesamten Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln die Verantwortung hatte. Zuvor hatte der jeweilige zuständige Generalkapitän diese Aufgaben übernommen. Die Oberhoheit Goas blieb bestehen.

1714 wurde Brasilien zum Vizekönigreich erhoben und 1763 die Hauptstadt in den wirtschaftlich aufstrebenden Süden nach Rio de Janeiro verlegt. Die indischen Besitzungen erhielten 1757 das Recht, Abgeordnete in das portugiesische Parlament zu entsenden.

Das seit 1569 einem Generalkapitän unter der Oberhoheit Goas unterstellte Mosambik (Kolonie unter Goa seit 1609), wurde 1752 zur Kolonie direkt unter der Herrschaft Portugals.

Nachdem die portugiesische Königsfamilie vor Napoleon aus Lissabon fliehen musste, wurde Rio de Janeiro zum Regierungssitz des Reiches. Brasilien erhielt 1815 den Status eines Königreichs, das in Personalunion mit Portugal gemeinsam regiert wurde. Als Brasilien später diesen Rang verlieren und Portugal wieder untergeordnet werden sollte, erklärte Peter I. die Unabhängigkeit von Portugal.

1844 wurde Macao zur eigenständigen Überseeprovinz (província ultramarina) erklärt, mit Oberhoheit über die südostasiatischen Besitzungen, doch schon 1883 wurden Macao und das als letzte Besitzung im Indonesischen Archipel verbliebene Portugiesisch-Timor, wieder mit dem Estado da Índia zusammen gelegt und von Goa aus verwaltet.

Bissau und Cacheu wurden 1879 als Kolonie Portugiesisch-Guinea wieder vereinigt. 1883 wurde Cabinda (Portugiesisch-Kongo) zum Protektorat Portugals. 1932 wurde Cabinda der Oberhoheit Angolas unterstellt, ab 1934 galt es als abhängiges Territorium von Angola. 1946 wurde Cabinda wieder als eigenständiger Distrikt wiederhergestellt, der bis 1975 bestehen blieb. Cabinda rief einseitig eine unabhängige Republik aus, die von Portugal nicht anerkannt wurde, und wurde schließlich von Angola annektiert.

Da ab 1822 offiziell die Kolonien und das Mutterland gleichgestellt waren, erfolgte die Verwaltung nun durch die jeweiligen Ministerien in Lissabon. Folge war allerdings, dass die Kolonien ständig benachteiligt wurden. Ab 1835 war daher das Marineministerium für die Verwaltung der Kolonien verantwortlich, ab 1851 übernahm das neu gegründete Ministerium für Überseeische Gebiete (Conselho Ultramarino) die Aufgabe. Das wurde aber 1868 aus Geldmangel wieder aufgelöst und die Verwaltung ging wieder an das Marinemknisterium. Die Gouverneure der Kolonien wurden in ihrer Entscheidungsfreiheit beschränkt. Sämtliche Angelgenheiten mussten mit der Administration in Lissabon abgestimmt werden.[8]

1946 erhielt Portugiesisch-Indien die Bezeichnung Überseeprovinz, die ab 1951 auch für die anderen portugiesischen Kolonien verwendet wurde. Man wollte auf diese Weise nicht mehr als Kolonialmacht gelten, sondern als „multiethnische und plurikontinentale Nation“ (Nação Multirracial e Pluricontinental), deren Überseeprovinzen ein integrierter und nicht abtrennbarer Teil sind. Auch die Bezeichnung Portugiesisches Kolonialreich (Império Colonial Português) wurde nicht mehr verwendet. Wirkliche Unterschiede in der Verwaltung ergaben sich daraus nicht, aber die portugiesischen Kolonien erhielten das Recht auf eine Vertretung im Parlament von Lissabon. Zudem wurden Macao und Portugiesisch-Timor eigenständige Überseeprovinzen ohne Oberhoheit von Goa. Wenige Jahre später gingen die portugiesischen Territorien in Indien und Ajudá in Westafrika verloren.

Anfang der 1970er gab es erneut kleinere Reformen, Mosambik und Angola wurden 1971 zum Staat (estado) innerhalb Portugals ernannt. Die Einwohner Portugiesisch-Timors erhielten 1972, mit der Umwandlung der Überseeprovinz zu einer autonomen Region, eine eingeschränkte portugiesische Staatsbürgerschaft. Die Nelkenrevolution brachte schließlich die meisten Besitzungen Portugals auf den Weg zur Unabhängigkeit. Nach kurzen Übergangsverwaltungen wurden die afrikanischen Gebiete in die Unabhängigkeit entlassen. Die Annexionen einzelner portugiesischer Besitzungen durch Indien und Dahomey wurden anerkannt.

Kurz nachdem sich Portugiesisch-Timor 1975 einseitig für unabhängig erklärt hatte, wurde es von Indonesien besetzt. Da die Besatzung international nie anerkannt wurde, blieb Osttimor offiziell bis zur Entlassung in die Unabhängigkeit 2002 portugiesisches Territorium.

Macao wurde 1976 offiziell zum Chinesischen Territorium unter portugiesischer Verwaltung erklärt und der Besitzung innere Autonomie gewährt wurde. Der Volksrepublik China wurden nach und nach immer mehr Rechte zum Einspruch überlassen, bis Macao 1999 endgültig an China zurückgegeben wurde.

[Bearbeiten] Die ehemaligen Kolonien und Stützpunkte Portugals

[Bearbeiten] Afrika

Heinrich der Seefahrer bei der Eroberung von Ceuta 1415 (Wandkacheln in Porto)
Heinrich der Seefahrer bei der Eroberung von Ceuta 1415 (Wandkacheln in Porto)

Afrika war das erste Ziel der Expansionsbestrebungen Portugals. Was zuerst mit einer Weiterführung der Reconquista in Marokko begann, wurde unter der Führung von Heinrich dem Seefahrer zu einer gezielten Erforschung der afrikanischen Küste mit dem Seeweg nach Indien als Endziel. Diesen sicherten Stützpunkte, die wie eine Perlenkette entlang der afrikanischen Küste aufgebaut oder erobert wurden. Außerdem dienten sie als Handelsposten mit dem Landesinneren für Gold, Elfenbein und Sklaven. Die Sklaverei wurde in Portugal und seinen Kolonien 1869 beendet. Die Eigentumsrechte für die Westküste Afrikas wurde den Portugiesen bereits 1454 von Papst Nikolaus V. zugesprochen.[1] An der Ostküste Afrikas wurden die Portugiesen durch die Araber aus dem Oman zurückgedrängt und die anderen Großmächte Europas übernahmen nach und nach die Einflussbereiche Portugals, dass mit seiner kleinem Bevölkerung nicht dauerhaft das weitläufige Reich halten konnte. Dazu kam noch die Zeit der Personalunion mit Spanien, die Portugal zeitweise zu einer Provinz degradierte. In Afrika blieben bis ins 20. Jahrhundert nur einige kleine Kolonien übrig, die nach verlustreichen Kolonialkriegen und der Nelkenrevolution von 1974 schließlich in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Da diese nicht ausreichend vorbereitet wurde, führte sie in mehreren Fällen zu Chaos, Diktatur und Bürgerkrieg unter deren Folgen die ehemaligen Kolonien noch heute leiden. Sie gehören mit zu den ärmsten Ländern der Welt.

[Bearbeiten] Marokko

Siehe auch: Portugal unter dem Hause Avis, Ferdinand der Heilige

Portugiesische Kanonen in Mogador, dem heutigen Essaouira