Mark Lombardi

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Mark Lombardi (* 1951 in Syracuse, New York; † 22. März 2000 in Williamsburg, Brooklyn, New York City) war ein US-amerikanischer Künstler, der vor allem für seine in Handarbeit gefertigten Soziogramme bekannt war, die politisch-ökonomische Machtstrukturen in ästhetisch aufbereiteter Form darstellten.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Während seines Studiums der Kunstgeschichte an der Syracuse University, NY, wurde sein Interesse an politischen Skandalen aufgrund der Watergate-Affäre geweckt. In Houston arbeitete er 1975 als Assistent des Direktors Jim Harithas am Museum for Contemporary Arts. 1976 nahm Lombardi eine Tätigkeit als Bibliothekar in der öffentlichen Bücherei auf. Er abonnierte bis zu fünf Tageszeitungen und las mehrere Bücher pro Woche – mit Vorliebe von Investigativ-Journalisten wie Pete Brewton (The Mafia, CIA & George Bush, 1992) oder Jonathan Kwitny (The Crimes of Patriots: A True Tale of Dope, Dirty Money and the CIA), die nach jahrelanger Recherche und unter Einsatz persönlichen Risikos, Skandale in Politik und Wirtschaft aufdecken.

Lombardi durchforstete dabei in der Regel Inhaltsverzeichnisse der Bücher, entnahm die Namen der Schlüsselpersonen und übertrug Aktivitäten auf Karteikarten. Zu Lebzeiten sammelte Mark Lombardi ungefähr 14.000 Karteikarten an.[1] Die Recherchen Mark Lombardis wurden immer zeit- und arbeitsintensiver und mündeten schon bald in erste Skizzen und schließlich in grafische Großformate. Seine Informationen bezog er aus Gründen der Glaubwürdigkeit und zu seiner Sicherheit ausschließlich aus öffentlich zugänglichen Medien.

Lombardis Arbeiten wurden einem immer größeren Publikum bekannt. Im Jahr 2000 sollten sie auch in großen und bekannten Galerien und Museen in New York City ausgestellt werden. Nur wenige Wochen vor der Ausstellung im New Yorker Museum PS 1 wurde sein Meisterwerk BCCI–ICIC & FAB, 1972–1991 durch das ungeklärte Anspringen der Sprinkleranlage seines Ateliers zerstört.[2] Er arbeitete eine Woche lang Tag und Nacht durch, um es wiederherzustellen. Drei Wochen nach dem Vorfall mit der Sprinkleranlage fand man Mark Lombardi erhängt in seinem Atelier auf. Der Gerichtsmediziner und die Polizei ordneten Lombardis Tod als Suizid ein. Es ist heute bekannt, dass Mark Lombardi zuvor längere Zeit von der US-Bundespolizei FBI überwacht wurde und Drohanrufe erhielt.

Soziogramme [Bearbeiten]

Seine detailliert gezeichneten Diagramme über politische Machtstrukturen, Finanzintrigen und Skandale hielt er stets auf dem Laufenden. Beispiele hierfür sind etwa die Verflechtungen von BCCI, Lincoln Savings, World Finance of Miami, die Vatican Bank, Opus Dei, Silverado Savings, George W. Bush und Harken Energy. Die revolutionäre künstlerische Innovation bestand in der ästhetischen Veranschaulichung komplexer Machtstrukturen und mafiöser Netzwerke. Schon auf den ersten Blick kann man klare Strukturen zwischen den verschiedensten Institutionen und Personen erkennen.

Die Soziogramme bestanden zum Teil aus bis zu dreihundert Namen aus dem Umfeld wie auch dem inneren Kreis bekannter Konzerne einschließlich politischer und terroristischer Netzwerke. Pfeile stellten die Verbindungen der Personen zueinander dar. Für die meist kurvenförmigen Verbindungen verwendete er eine Schablone. Kurze Hinweise und Angaben ergänzen Namen und Pfeile. Schwarze Linien markieren den allgemeinen Verlauf des Geschehens sowie wirtschaftliche Transaktionen, rote Markierungen stehen für Klagen, Bestechungen und kriminelle Handlungen. Lombardi nannte seine Diagramme „narrative structures“.

Das National Security Archive in Washington und die international organisierte Antikorruptionsagentur Transparency International mit Sitz in Berlin hatten Interesse am Nachlass von Lombardi geäußert.

Zitate [Bearbeiten]

  • Dass der Mann kein Verschwörungstheoretiker war, sondern im Gegenteil detektivisch genau recherchierte, beweist die Wirkung seiner Bilder. Ein Journalist des Wall Street Journal, der über die Bush-bin-Laden-Connection recherchierte, soll geschlagene vierzig Minuten vor einer Grafik Lombardis verbracht haben und immer wieder »Oh, mein Gott« gemurmelt haben.
    in: Süddeutsche Zeitung vom 16. Januar 2004, 25
  • Auf Lombardis Visitenkarte stand: »Todesverachtende Akte der Kunst und der Verschwörung«.
    ebd.

Literatur [Bearbeiten]

Film [Bearbeiten]

  • Mark Lombardi – Kunst und Konspiration! Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, 79 Min., Buch und Regie: Mareike Wegener, Produktion: ZDF, arte, Kinostart: 31. Mai 2012, Besprechung: [3].

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Frank Steinhofer: Der Lombardi Code. In: Dare. Magazin für Kunst und überdies, abgerufen am 1. Juli 2012.
  2. Konspirative Kunst: Ein Film über Leben und Werk des Mark Lombardi. 3sat, 6. Juni 2012, abgerufen am 24. August 2012.
  3. Film-Besprechung von Thomas Barth: Ästhetik der Konspiration. In: Telepolis vom 5. Juli 2012