Matilda-Effekt

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Der Matilda-Effekt beschreibt die systematische Verdrängung und Leugnung des Beitrags von Wissenschaftlerinnen in der Forschung, deren Arbeit häufig ihren männlichen Kollegen zugerechnet wird. Der Effekt wurde 1993 von der Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter postuliert. Benannt ist er nach der US-amerikanischen Frauenrechtlerin Matilda J. Gage, die am Ende des 19. Jahrhunderts dieses Phänomen als Erste allgemein beschrieben hat. Der Matilda-Effekt ist die Kehrseite des Matthäus-Effekts, der die selbstverstärkte Akkumulation von Ansehen beschreibt und von Robert K. Merton postuliert wurde. Zugleich illustriert der Matilda-Effekt die zweite Hälfte des Zitats aus dem Matthäus-Evangelium: „ … wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.“ (Matthäus 25,29 EU; aus dem Gleichnis von den anvertrauten Talenten).

Der Matilda-Effekt soll mit einer gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit auftreten und so auf eine patriarchal geprägte Wissenschaftsgeschichte hindeuten.

Beispiele[Bearbeiten]

Rossiter führt diverse Beispiele für diesen Effekt an: Trotula, eine italienische Ärztin aus dem 11. Jahrhundert, schrieb Abhandlungen, die so bedeutend waren, dass sie im Verständnis der Zeitgenossen unmöglich von einer Frau stammen konnten: Schon ein Jahrhundert später erschienen Kopien ihrer Texte unter dem Namen ihres Mannes. Noch im 20. Jahrhundert vertrat der Wissenschaftshistoriker Karl Sudhoff die These, dass Trotula eine Hebamme und keine Ärztin gewesen sei. In Resonanz auf Marie Curies Besuch in den USA 1921 schrieb ein Journalist der New York Times, dass es auch in Zukunft mehr Männer als Frauen in der Wissenschaft geben würde, da es letzteren an der Fähigkeit mangele, Fakten abstrakt statt nur relational zu sehen.[1] Weitere bekannte Fälle aus dem 20. Jahrhundert sind Rosalind Franklin, Lise Meitner und Marietta Blau.

Auch bei der Formulierung des Matthäus-Effekts selber zeige sich deutlich der Matilda-Effekt: In der zweiten englischen Auflage (1973, deutsch 1985) seines Textes über den Matthäus-Effekt bemerkt Robert K. Merton, dass er sich so intensiv auf Arbeiten seiner Mitarbeiterin Harriet Zuckerman gestützt habe, dass der Artikel unter ihrer beider Namen hätte erscheinen müssen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Margaret W. Rossiter: The Matthew Matilda Effect in Science. in: Social Studies of Science. Sage Publ., London 23. 1993, S. 325-341. ISSN 0306-3127
    • Margaret W. Rossiter: Der Mathilda Effekt in der Wissenschaft. in: Theresa Wobbe (Hrsg.): Zwischen Vorderbühne und Hinterbühne. Beiträge zum Wandel der Geschlechterbeziehungen in der Wissenschaft vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. transcript, Bielefeld 2003, S. 191ff. ISBN 3899421183 (deutsch, online; PDF; 10,6 MB)
  • Robert K. Merton: Entwicklung und Wandel von Forschungsinteressen. Suhrkamp, Frankfurt 1985, ISBN 3518577107

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Margaret Rossiter: Women Scientists in America. Baltimore: Johns Hopkins University Press, 1982, S. 127. Naomi Oreskes: Objectivity or Heroism? On the Invisibility of Women in Science. In: Osiris 11, 2nd Series, Science in the Field (1996), S. 87-113, hier: 103.