Ada Lovelace

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Ada Lovelace 1836,
Gemälde von Margaret Sarah Carpenter (1793–1872)

Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, allgemein als Ada Lovelace bekannt (geborene Augusta Ada Byron[1]; * 10. Dezember 1815 in London; † 27. November 1852 ebenda), war eine britische Mathematikerin. Für einen nie fertiggestellten mechanischen Computer, die Analytical Engine, schrieb sie das erste Programm. Aus diesem Grund wird sie als – noch vor dem ersten männlichen Kollegen – erste Programmiererin der Welt betrachtet.[2][3] Die Programmiersprache Ada[4] und die Lovelace Medal wurden nach ihr benannt.

Leben[Bearbeiten]

Augusta Ada Byron wurde am 10. Dezember 1815 als Tochter von Anne Isabella Noel-Byron, 11. Baroness Wentworth und Lord Byron geboren;[5] er hatte drei Kinder von drei Frauen, nur Ada war ehelich geboren. Ihre Mutter zog aufgrund andauernder Auseinandersetzungen mit Lord Byron am 16. Januar 1816 gemeinsam mit der einen Monat alten Ada zu ihren Eltern nach Kirkby Mallory.[6] Sie ließ ihren Mann durch eine ärztliche Untersuchung für geisteskrank erklären, sodass sie trotz der gesetzlichen Bestimmungen, die Vätern im Falle einer Trennung das alleinige Sorgerecht zusprachen, ihre Tochter mitnehmen konnte.[7] Am 21. April 1816 unterzeichnete Lord Byron eine Trennungsurkunde und verließ England wenige Tage danach.[8] Lord Byron hatte keine Beziehung zu seiner Tochter; er starb, als Ada neun Jahre alt war.[9] Adas mathematisch interessierte Mutter, die Geometrie und Astronomie studiert hatte, ermöglichte Ada eine naturwissenschaftliche Ausbildung, in deren Verlauf sie die Mathematikerin Mary Somerville und Charles Babbage kennenlernte, dessen Mitarbeiterin sie wurde.

Mit 19 Jahren heiratete Ada Byron William King, 8. Baron King (1805–1893), der 1838 zum 1. Earl of Lovelace erhoben wurde. Auch er verfügte über eine mathematische Bildung und ließ sich, da Frauen zu dieser Zeit der Zutritt zu Bibliotheken untersagt war, Ada zuliebe in die Royal Society aufnehmen, wo er für sie Artikel abschrieb. Sie gebar drei Kinder in sehr kurzen Abständen, eine ihrer Töchter war Anne Blunt, 15. Baroness Wentworth. In ihrer Korrespondenz mit Mary Somerville schrieb sie, dass sie eine unglückliche Ehe führe, weil ihr neben Schwangerschaften und Kinderbetreuung so wenig Zeit für ihr Studium der Mathematik und ihre zweite Leidenschaft, die Musik, bleibe. Um sich abzulenken, stürzte sie sich ins Gesellschaftsleben und hatte mehrere Affären. Mit großer Begeisterung wettete sie auf Pferde. Die letzten Jahre ihres Lebens, die sie auf Grund eines Zervixkarzinoms im Bett verbrachte, soll sie mit der Entwicklung eines mathematisch ausgefeilten „sicheren“ Wettsystems verbracht haben. Ada Lovelace starb im Alter von 36 Jahren.

Werk[Bearbeiten]

1843 übersetzte sie die durch den italienischen Mathematiker Luigi Menabrea auf Französisch angefertigte Beschreibung von Babbages Analytical Engine ins Englische und fügte eigene Notizen und Überlegungen zum Bau dieser geplanten mechanischen Rechenmaschine hinzu. Babbages Maschine wurde zu seinen Lebzeiten niemals gebaut. Einerseits war die Feinmechanik noch nicht weit genug entwickelt, um die Maschinenteile in der nötigen Präzision herzustellen, andererseits stoppte das britische Parlament die Finanzierung, nachdem Babbage seine Entwürfe allzu oft geändert hatte. Dessen ungeachtet legte Ada Lovelace einen schriftlichen Plan vor, wie man Bernoulli-Zahlen mit der Maschine berechnen könnte.[10] Dieser Algorithmus brachte ihr den Ruhm ein, das erste Computerprogramm geschrieben zu haben. Daher wurde später die Programmiersprache Ada nach ihr benannt.

Sonstiges[Bearbeiten]

In dem 2009 erschienenen Roman Die Frau, für die ich den Computer erfand von Friedrich Christian Delius dient Ada Lovelace in der Phantasie dem Computerpionier Konrad Zuse als Muse und heimliche Geliebte.

In Australien wurde die von Valerie Aurora und Mary Gardiner 2011 gegründete Ada Initiative nach Lovelace benannt, die sich für vermehrte weibliche Teilhabe im Open-Source-Umfeld einsetzt.[11]

Film[Bearbeiten]

  • Der Film Leidenschaftliche Berechnung („Conceiving Ada“, USA 1997) von Lynn Hershman-Leeson (Regie) basiert auf Lovelaces Leben.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sadie Plant: Nullen und Einsen. Digitale Frauen und die Kultur der neuen Technologien. Berlin Verlag, Berlin 1998, ISBN 978-3-8270-0290-7.
  • Anita Siegfried: Die Schatten ferner Jahre. Roman. Dörlemann Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-908777-32-8.
  • Dorothy Stein: Ada. Die Braut der Wissenschaft. Kulturverlag Kadmos, Berlin 1999, ISBN 3-931659-13-5.
  • Dorothy Stein: Ada: A Life and a Legacy. MIT Press, Cambridge, Mass. 1985, ISBN 0-262-19242-X.
  • Betty Alexander Toole: Ada, the Enchantress of Numbers. A Selection from the Letters of Lord Byron’s Daughter and Her Description of the First Computer. Critical Connection, Mill Valley, Calif. 1998, ISBN 978-0-912647-09-8 (Biographie).
  • Catherine Turney: Byron’s Daughter. Charles Scribner’s Sons. New York 1972, ISBN 0-684-12753-9.
  • Benjamin Woolley: Byrons Tochter. Ada Lovelace – die Poetin der Mathematik. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-7466-2123-2.
  • Ralf Bönt: Die Entdeckung des Lichts, Dumont, Köln 2009, ISBN 978-3-8321-9517-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ada Lovelace – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stein 1985, S. 17.
  2. John Fuegi; Jo Francis: Lovelace & Babbage and the creation of the 1843 'notes'. Annals of the History of Computing. 25, Nr. 4, 2003, doi:10.1109/MAHC.2003.1253887, S. 16–26.
  3. Ada Byron, Lady Lovelace. In: Yale.edu. Abgerufen am 16. Februar 2012.
  4.  Susan Hiep: Mönchengladbacher Frauenstraßennamen und ihre Geschichte. 1 Auflage. Klartext Verlag, Essen November 2010, ISBN 978-3-8375-0413-2, Ehemals nach Frauen benannte Straßen oder nicht realisierte Benennungen, S. 72 f..
  5. Stein 1985, S. 14.
  6. Turney 1972, S. 35.
  7. Stein 1985, S. 16.
  8. Turney 1972, S. 36–38.
  9. Turney 1972, S. 138.
  10. Fara, Patricia: „Athene’s Owl: A History of Women in Science“ Wizard, 2005
  11. About Us. In: About Us. Ada Initiative. 2011. Abgerufen am 9. Oktober 2012.
  12. Conceiving Ada in der Internet Movie Database (englisch)