Max Linde

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Porträt Max Linde durch Max Liebermann im Behnhaus (wohl 1897)

Max Linde (* 14. Juni 1862; † 23. April 1940 in Lübeck, allgemein bekannt als Dr. Linde) war Augenarzt in Lübeck und ein bekannter Mäzen und Kunstsammler des frühen 20. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Linde’sche Villa in Lübeck

Linde wurde als ältester Sohn des Apothekers und angesehenen Lübecker Photographen Hermann Linde sen. geboren. Seine Brüder waren die Maler Heinrich Eduard Linde-Walther und Hermann Linde. Nach Medizinstudium, Promotion und anschließender Tätigkeit als Schiffsarzt ließ er sich zunächst in Hamburg als Arzt nieder, wandte sich um 1892 der Augenheilkunde zu und eröffnete 1897 seine Augenarztpraxis in Lübeck. Mit dem Vermögen seiner aus einer Hamburger Ratsfamilie stammenden Frau Marie, geb. Holthusen und deren Unterstützung war es ihm in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg möglich, eine der größeren und bedeutenderen privaten Kunstsammlungen seines Sammelgebiets in Europa aufzubauen. Die Familie Linde konnte in Lübeck eines der schönsten klassizistischen Sommerhäuser vor den Toren der Stadt erwerben, die heute nach ihr benannte Lindesche Villa in der Vorstadt St. Jürgen. Bei der Umgestaltung des Hauses für Zwecke der Familie Linde unter Wahrung der klassizistischen Substanz wirkte sein Freund Henry van de Velde mit, der zu dieser Zeit in Lübeck auch Aufträge für Emil Possehl und andere ausführte. Hinsichtlich seiner Sammlung stand Max Linde in engem Kontakt zu den führenden Kunsthändlern der Berliner Sezession wie Paul Cassirer. Das Haus wurde insgesamt etwas lichter gestaltet, um neben der stilgerechten Einrichtung des Empire die Kunstwerke besser zur Geltung zu bringen. Max Linde verlor sein Vermögen in der Inflation der 20er Jahre, die Sammlung wurde in alle Welt zerstreut. Er bewohnte bis zu seinem Tode eine Wohnung im Obergeschoss der Villa Linde, die nach dem Erwerb durch die Stadt Lübeck heute als Standesamt der Hansestadt dient.

1902-04 war Linde Vorstandsmitglied des Lübecker Yacht-Clubs.

Sammlung Dr. Linde[Bearbeiten]

Der Denker, Guss in Kyoto

Schwerpunkte der Sammlung von Max Linde waren Gemälde des französischen Impressionisten, Werke von Max Liebermann, Arnold Böcklin und Whistler sowie Skulpturen. Der Kunsthistoriker Otto Grautoff (1876-1937) beschreibt sie in seiner Julia Mann gewidmeten Kunstgeschichte Lübecks (1908): …Dann wird auch die Stunde gekommen sein, in der die Lübecker den Wert und die Bedeutung ihres Mitbürgers Linde erkennen, dessen Kunstsammlung heute als die einzige bedeutende Kunstsammlung eines Lübeckers in Berlin und Paris besser bekannt ist, als in Lübeck selbst. Dr. Linde besitzt die größte Privatsammlung Rodinscher Skulpturen auf dem Kontinent, eine schöne Gemäldesammlung, in der die großen Meister der französischen Malerei und der Norweger Edvard Munch mit bedeutenden Werken vertreten sind; Linde hat durch seine Sammlung den Namen der Stadt Lübeck als der Stätte eines europäisch gebildeten Mäcens in der ganzen europäischen Kunstwelt bekannt gemacht.

Rodins Denker aus der Sammlung Linde vor dem Museum in Detroit

Auguste Rodin[Bearbeiten]

Nicht nur das Innere des Hauses, auch der Park der Lindeschen Villa zeichnete sich durch Skulpturen Rodins aus, wie zum Beispiel Das Eherne Zeitalter, aus. Lindes Guss des Penseur war der erste Guss der auf 198 cm vergrößerten Monumentalversion durch die Gießerei Alexis Rudier. Durch Linde geordert, wurde der Guss im November 1904 in Leipzig ausgestellt. Auf dem Weg von Leipzig nach Lübeck ließ die mit dem Transport beauftragte Galerie die Skulptur in Berlin ausstellen, was auf heftigen Widerspruch Rodins traf. Nach dem Verkauf gelangte Lindes Denker 1922 in den Besitz des Detroit Institute of Arts, wo er heute vor dem Haupteingang des Museums aufgestellt ist.

Zwei weitere Werke Rodins, die Marmor-Skulpturen Danaide (von Linde erworben 1900) und 3 Sirenen (erworben 1901) verkaufte Linde 1927 an die Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen.

Edvard Munch[Bearbeiten]

Der Sammler Albert Kollmann vermittelte den Kontakt zu Edvard Munch, der ab 1902 in Lübeck dann häufig bei den Lindes zu Gast war und dort auch bis 1907 für längere Zeiten lebte und arbeitete. Insofern ist der „Linde’sche Guss des Denkers“ zumindest der einzige, der von Edvard Munch gemalt wurde. Eines der Hauptwerke Munchs, das Porträt Die Söhne des Dr. Linde ist so vom Ursprung her erklärt und zeugt im Behnhaus von dieser Zeit der Freundschaft zwischen Mäzen und Künstler. Es steht als Höhepunkt zwischen den Mädchen von Åsgårdstrand und der vergleichbaren, von Munch sichtbar ungeliebten Auftragsarbeit für die Villa Esche. Der letzte Besuch Munchs in Lübeck erfolgte 1926.

Zu den Auftragsarbeiten, die Max Linde Edvard Munch nicht abnahm, gehört der Linde-Fries, ein Zyklus von zumindest elf Bildern, die als Auftrag zur Dekoration eines Raumes der Linde'schen Villa bestimmt waren. Linde nahm die Bilder mit Rücksicht auf seine Kinder nicht ab, weil auf einem sich küssende Paare im Park zu sehen waren. Die meisten der Bilder des Linde-Fries befinden sich heute im Munch-Museum Oslo. Für den Gegenwert des Auftrages von RM 4.000 übernahm Linde dann andere Bilder Munchs.

Nachbetrachtung[Bearbeiten]

Eggum bemerkt 1982 in einer seiner abschließenden Fußnoten: Eine vollständige Klärung dessen, was sich in Lindes Sammlung vor ihrer Auflösung befand, ist eine Forschungsaufgabe für die Zukunft. Diese Feststellung trifft wohl nicht nur auf die Werke Munchs zu, sondern auf die gesamte Sammlung Max Lindes. Diese wurde möglicherweise kurz vor dem Ersten Weltkrieg von dem damaligen Leiter der Kunsthalle Mannheim, Fritz Wichert, geschätzt.

Manet: Reiterbildnis Marie Lafébure

Verbleib einzelner Sammlungsgegenstände[Bearbeiten]

Soweit nicht vorstehend schon erwähnt und erläutert sind die bedeutenden Werke der weltweit verstreuten Sammlung Dr. Linde, soweit bekannt, in den nachstehenden Sammlungen und Museen zu finden:

Édouard Manet[Bearbeiten]

Der Verbleib von vier Werken Manets ist bekannt. Der Maler Emile Guillaurdin zu Pferd befindet sich in der Privatsammlung Ford in Dearborn, Michigan, USA. Das Reiterbildnis von Marie Lafébure gehört zur Sammlung des Museu de Arte de São Paulo, Brasilien. Manets Selbstporträt mit Käppchen gehört dem Bridgestone Museum of Art in Tokio, während das Gemälde Parisienne, ein Porträt der Ellen Andrée, zum Bestand des Nationalmuseums in Stockholm gehört.[1]

Darstellungen der Familie Linde und der Lübecker Villa Linde im Werk Munchs[Bearbeiten]

Die Darstellungen sind vielfältig, über das bekannteste Werk Die Kinder des Dr. Linde hinaus fertigte Munch Radierungen der Porträts von Linde und seiner Frau Marie. Die Villa Linde und der weitläufige Garten fanden Eingang in eine Mappe und sind ein häufigeres Thema der Darstellung; Rodins Denker im Garten Dr. Lindes (1907) ist im Behnhaus in Lübeck zu sehen. Ein Standporträt von Max Linde im dunklen Anzug befindet sich in der Staatsgalerie Moritzburg Halle, ein weiteres im Yachtanzug in Oslo.

Werke[Bearbeiten]

  • Max Linde: Edvard Munch und die Kunst der Zukunft, Berlin 1902 (herausgegeben von Max Gottheiner).

Literatur[Bearbeiten]

  • Emil Heilbut: Die Sammlung Max Linde in Lübeck, in Kunst und Künstler, 1904, S. 6–20, 303–325.
  • Otto Grautoff: Lübeck, Reihe Stätten der Kultur, Band 9, Leipzig 1908, S. 156 ff.
  • Carl Georg Heise: Edvard Munch und seine Beziehungen zu Lübeck, in: Der Wagen 1927, S. 82-90.
  • Friedrich v. Rohden: Von alten Lübecker Ärzten, in: Der Wagen 1960, S. 83 (90ff).
  • Lothar Linde: Erinnerungen an Marie Linde, in: Der Wagen 1961, S. 101 ff.
  • Gustav Lindtke (Hg.): Edvard Munch -. Dr. Max Linde. Briefwechsel 1902-1928, Senat der Hansestadt Lübeck/Amt für Kultur, Veröffentlichung VII, 1974.
  • Arne Eggum: Der Linde-Fries - Edvard Munch und sein erster deutscher Mäzen, Dr. Max Linde, aus dem Norwegischen von Alken Bruns, Veröffentlichung XX des Senat der Hansestadt Lübeck - Amt für Kultur, Lübeck 1982.
  • Lübecker Yacht-Club (Hrsg.): Der Lübecker Yacht-Club und 100 wechselvolle Jahre, Lübeck 1998.
  • Stefan Pucks: Linde, Maximilian (Max) in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Band 11, Neumünster 2000, S. 230-233 ISBN 3-529-02640-2 (formal falsche ISBN), korrigierte ISBN 3-529-02640-9.
  • Brigitte Heise: Edvard Munch und Lübeck, Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Museum Behnhaus/Drägerhaus,
    Ausstellung: 3. August - 19. Oktober 2003.
  • Ulrike Wolff-Thomsen: Domestizierte Avantgarde oder »klassische Moderne« – Die Kunstsammlung von Dr. Max Linde (1862–1940), in Lübeck
    in: Sven Kuhrau, Ulrike Wolff-Thomsen (Hg.): Geschmacksgeschichte(n) / öffentliches und privates Kunstsammeln in Deutschland ; 1871 - 1933, Verlag Ludwig, Kiel 2011, S.76-91.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Emil Heilbut: Die Sammlung Max Linde in Lübeck, in Kunst und Künstler, 1904, S. 303–306.