Mayer’sche Hofkunstanstalt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mayer’sche Hofkunstanstalt in der Seidlstraße 25

Die Mayer’sche Hofkunstanstalt in München wurde 1847 durch Joseph Gabriel Mayer als „Kunstanstalt für kirchliche Arbeiten“ gegründet und bestand zunächst aus einem Bildhaueratelier. Später kam die Glasmalerei sowie eine Mosaikabteilung hinzu. Heute arbeitet das Unternehmen, das von der Familie Mayer in der fünften Generation geführt wird, weltweit mit namhaften Künstlern zusammen.

Begründer[Bearbeiten]

Joseph Gabriel Mayer wurde am 18. März 1808 in Gebrazhofen als Sohn des Bäckers Andreas Mayer geboren. Da er in den Fächern Zeichnen, Malen und Schnitzen sehr begabt war, wandte er sich nach der Schreinerlehre (1825–1828) der Ornament-Bildhauerei zu. 1829 kam er auf der Wanderschaft nach München und arbeitete zwei Jahre beim Kunstschreiner L. Glück. In seiner Freizeit übte er sich im Architekturzeichnen und besuchte einen Vorbereitungskurs an der Polytechnischen Schule. Am 24. August 1832 immatrikulierte er sich für das Fach Malerei an der Königlichen Kunstakademie[1], wo er u. a. Schüler von Joseph Schlotthauer war. 1836 gründete er eine Fortbildungsschule für kunstinteressierte Lehrlinge, Gesellen und Meister und publizierte einen Band mit 120 Vorlageblättern, die er selbst auf Stein gezeichnet hatte.

1844 wurde Joseph Gabriel Mayer als Vorstand der staatlichen „Anstalt für Erziehung und Unterricht krüppelhafter Knaben“ berufen. In dieser Position, die er bis 1859 bekleidete, suchte er nach Möglichkeiten, den Zöglingen bei ihrer Entlassung aus der Anstalt eine bezahlte Arbeit zu verschaffen. Wegen seiner künstlerischen Begabung experimentierte er mit einer Masse aus Ton und zerriebenem Stein, die sich für die Formung von Skulpturen und anderen Gegenständen für die Ausstattung von Kirchen eignen sollte. 1847 erhielt er für den von ihm entwickelten Werkstoff ein Privileg und gründete die „Anstalt für christliche Kunsterzeugnisse“. In ihr wurden Heiligenstatuen, Kreuzwegstationen und andere christliche Plastiken hergestellt und gefasst sowie Altaraufbauten produziert. Bereits kurze Zeit später beschäftigte Mayer 100 Mitarbeiter, für die er Kranken- und Unterstützungskassen schuf. Auf der Londoner Industrieausstellung 1851 stellte er Kunstwerke aus seiner Anstalt aus und erwarb im selben Jahr ein Grundstück am Stiglmaierplatz in München. Dort errichtete er einen Neubau, in dem sich Ateliers und Werkräume sowie ein Ausstellungssaal befanden. Ab 1858 wirkte der Bildhauer Joseph Knabl als künstlerischer Leiter der Bildhauerabteilung. 1865 gründete Mayer eine Verkaufsagentur in London. Im selben Jahr trat er dem Münchner Verein für christliche Kunst als Gründungsmitglied bei[2]. Am 16. April 1883 starb Josef Gabriel Mayer.

Weitere Geschichte[Bearbeiten]

Weihnachtsfenster (Anfang der 1920er Jahre) für die Kathedrale St. Vibiana in Los Angeles, heute in der Krypta (Mausoleum) der Kathedrale Unserer Lieben Frau von den Engeln

Noch zu Lebzeiten des Firmengründers Joseph Gabriel Mayer gehörten dessen ältester Sohn Joseph sowie der Schwiegersohn Franz Xaver Zettler zur Leitung des Unternehmens. 1882 verlieh der bayerische König Ludwig II. dem Unternehmen den Titel „Königliche Bayerische Hofkunstanstalt“. Nach Mayers Tod 1883 wurde dessen zweiter Sohn, Franz Borgias Mayer (1848–1926) alleiniger Geschäftsinhaber. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Auslandsgeschäft so erfolgreich, dass das Unternehmen zeitweise bis zu 500 Mitarbeiter beschäftigte. Zu den bedeutenden, für das Unternehmen freiberuflich schaffenden Künstlern zählt der Münchner Maler Karl Wurm, der auch Glasbilder schuf, die in die USA, Kanada und andere Überseeländer kamen. 1888 erfolgte die Gründung einer Niederlassung in New York. Papst Leo XIII. verlieh der Hofkunstanstalt 1892 den Titel „Institut des Heiligen Apostolischen Stuhles“. Zu den renommiertesten Aufträgen gehörte das 1905 für den Petersdom gelieferte Heilig-Geist-Fenster.

Nach dem Ersten Weltkrieg übertrug Franz Borgias Mayer die Leitung der Kunstanstalt seinen Söhnen Anton (1886–1967), Karl (1889–1970) und Adalbert (1894–1987). 1925 wurde die Abteilung Bildhauerei aufgegeben und gleichzeitig die Abteilung Mosaik neu gegründet. Dadurch entwickelte sich das Unternehmen zu einer Künstlerwerkstätte für Glasmalerei und Mosaik.

Nach 1945[Bearbeiten]

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Unternehmen wieder aufgebaut. Anfang der 1950er Jahre trat Konrad Mayer (1923–2012) in das Unternehmen ein. Neben der Restaurierung mittelalterlicher Glasmalereien und Mosaiken (z. B. Münchner Frauenkirche, Regensburger Dom) werden unter der Leitung von Gabriel Mayer (* 1938) und dessen Sohn Michael C. Mayer (* 1967) neue künstlerische Tendenzen verfolgt und erfolgreich umgesetzt. Durch weltweite Aufträge gehört das Unternehmen zu den international führenden Werkstätten der Glasmalerei und der Mosaikkunst.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franz Borgias Mayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://matrikel.adbk.de/05ordner/mb_1809-1841/jahr_1832/matrikel-01926/?searchterm=Mayer
  2. Verein für christliche Kunst in München: Festgabe zur Erinnerung an das 50jähr. Jubiläum. Lentner’sche Hofbuchhandlung, München 1910, S. 99