Michael Riedel

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Michael Riedel (auch: Michael S. Riedel, * 12. Juli 1972 in Rüsselsheim) ist ein deutscher Konzeptkünstler.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Riedel studierte von 1996 bis 2000 an der Kunstakademie Düsseldorf, der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris und der Städelschule in Frankfurt am Main. Dort wurde er Meisterschüler bei Hermann Nitsch. Das „S.“, das Riedel zeitweilig in seinem Namen trug, stammte aus seiner Zeit an der Städelschule. Er verwendete den Namen „Michael S. Riedel“ – damals durchgehend in Kleinschreibung – erstmals als Aufschrift auf einer Papiertüte, die er sich im Jahr 1997 am Ende eines Vortrags, den er an der Städelschule gehalten hatte, über den Kopf stülpte. Der Buchstabe „S.“ war frei erfunden. Er verkaufte ihn zehn Jahre später an eine Freundin. Sie trägt ihn seitdem in ihrem Namen.[2]

Anschließend initiierte er zusammen mit Dennis Loesch in einem leerstehenden Wohnhaus das heute als legendär geltende Kunstprojekt „Oskar-von-Miller Straße 16“,[3] ein experimenteller Kunstraum in der gleichnamigen Straße in Frankfurt. Dort fanden auch seine ersten Kunstaktionen statt, die sich mit dem Aspekt der Wiederholung und der sich daraus ergebenden Transformation des Ausgangsmaterials beschäftigten.

Riedel arbeitete dabei mit Gesprächen, Ausstellungen, Filmen und Performances von Künstlerkollegen. Die Titel der mit Loesch konzipierten Aktionen weisen auf die künstlerische Duplizierung hin: Gert & Georg (Gilbert & George), die Clubbed Clubs und Filmed Films (Filmaufnahmen von Vorführungen von Experimentalfilmen, die Riedel von seinem jeweiligen Sitzplatz im Kino aus gemacht hatte).[4] Auch die Plakate und die Einladungen wurden hierfür wiederverwendet, allerdings ergänzt um den Hinweis auf den neuen Veranstaltungsort. Das Konzept war der New Yorker Factory von Andy Warhol nachempfunden – es war „eine Art gigantischer Kopiermaschine“.[5]

Im Jahr 2004 wurde in einer Ausstellung bei dem Frankfurter Galeristen Michael Neff der Frankfurter Nachtclub Robert Johnson nachgeahmt. Die gesamte Einrichtung hing jedoch von unten nach oben umgekehrt nachgebaut an der Decke, und die Tanzmusik wurde währenddessen rückwärts abgespielt.

Alle Events wurden fotografisch detailliert festgehalten und dokumentiert.

2004 gründete Riedel zudem in der Oskar-von-Miller-Straße mit der Freitagsküche einen kulinarischen und sozialen Treffpunkt, ein Restaurant, in dem Künstler für die Besucher kochten und das nur an einem Abend in der Woche geöffnet hatte. Nach dem Abriss des Kunstraums verlegten Riedel und Loesch vorübergehend ihre künstlerischen Aktivitäten sowie die Freitagsküche nach Berlin-Mitte, in die Weydinger Straße 20. Riedel kehrte 2010 nach Frankfurt zurück, wo die Freitagsküche noch heute besteht.[6][7][8]

2009 reagierte Riedel mit einem Parallelprojekt auf die Ausstellung Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden, die 2009 im Frankfurter Städel stattfand. „Im Zentrum seines Interesses stehen dabei weniger die Kunstwerke selbst als vielmehr die Weiterverarbeitung des Bildmaterials der Ausstellungsstücke. Speziell die Vermittlungsmedien – Plakat, Flyer, Postkarten, Katalog der Ausstellung – werden von Riedel benutzt, um jeweils vier Variationen der einzelnen Druckerzeugnisse herzustellen." [9]

Ein Mittelpunkt von Riedels Werk ist die Gestaltung von Büchern, Katalogen, Broschüren, Postern und Einladungen. Diese Werke begleiten seit den 1990er Jahren seine Installationen und Aktionen, und sie dokumentieren seine Arbeiten.

Zu den neueren Arbeiten gehören seit 2010 die „Poster und PowerPoint Paintings“, in denen er unter anderem Screenshots von Überblendungen verwendet, die das Präsentationsprogramm Microsoft PowerPoint erzeugt.[10]

Riedel macht „eine Art Appropriation Art“, indem er auf bereits existierende Dinge zurückgreift, sie sich aneignet, sie wiederholt und dabei ein zweites Bild von ihnen erstellt.[11] Soweit Riedel in seinen Werken mit Text arbeitet, so dient er als „grafisches Element“.[12] Beispielsweise die Wiedergabe der Quelltexte von Websites sind „keine Blindtexte“, sondern „Material, das einen dokumentarischen Wert hat“, mit dem Riedel, wie er selbst sagt, „malerisch arbeitet“.[13]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Preise[Bearbeiten]

Gedruckte Werke[Bearbeiten]

  • Oskar: a novel (ein Remake von Andy Warhol, A: A Novel).
  • Roberto Ohrt. 2004.
  • Tirala. 2006.
  • Meckert. 2009.
  • Perlstein. 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Hollein, Matthias Ulrich (Hrsg.): Kunste zur Text. Walther König. Köln. 2012. ISBN 978-3-86335-207-3 (Katalog zur gleichnamigen Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Soweit nicht anders angegeben, folgt die Darstellung bis den folgenden Beiträgen: Schirn Kunsthalle Frankfurt: Michael Riedel. Kunste zur Text. Presseinformation zur Ausstellung. 12. Mai 2012. Abgerufen am 24. August 2012. David Zwirner: Michael Riedel (PDF-Datei; 226 kB). Biografie. 13. Juli 2012. Abgerufen am 23. August 2012. Daniel Birnbaum: Michael S. Riedel.(Openings)(Critical Essay). In: Artforum International. Oktober 2005. Abgerufen am 23. August 2012 via HighBeam Research; und: David Birnbaum: Sampling the globe.(Pop art). In: Artforum International. Oktober 2004. Abgerufen am 23. August 2012 via HighBeam Research.
  2. Fabian Famulok: 8 Kunst & Publikation. In: Schirn-Mag. 15. August 2012. Abgerufen am 26. August 2012.
  3. Der vorliegende Text folgt der Schreibung, die die Künstler verwendet hatten. Die orthografisch korrekte Schreibweise der Postanschrift wäre Oskar-von-Miller-Straße 16 gewesen.
  4. Michael Riedel. In: Level 2 Gallery: Stutter. Artists. tate.org.uk. Ohne Datum. Abgerufen am 26. August 2012.
  5. So Daniel Birnbaum: Michael S. Riedel.(Openings)(Critical Essay). In: Artforum International. Oktober 2005. Abgerufen am 23. August 2012 via HighBeam Research: „… his only formalized long-term collaborator is artist Dennis Loesch, with whom he took over an abandoned building on Oskar-von-Miller Straße 16 in Frankfurt in 2000 and turned it into a kind of giant copy machine, spitting out puzzling printed replicas of ads and posters for films, exhibitions, and concerts.“
  6. Freitagsküche. Website der heutigen Freitagsküche. Abgerufen am 24. August 2012.
  7. Sarah Elsing: Freitagsküche Frankfurt: Auch sonst ist alles wie in Berlin. In: Die Zeit. 22. Dezember 2010. Abgerufen am 24. August 2012.
  8. Grit Weber: Die Freitagsküche ist zurück. In: Journal Frankfurt. 2. September 2011. Abgerufen am 24. August 2012.
  9. Michael Riedel: Vier Vorschläge zur Veränderung. Städel-Museum. 7.–8. März 2009. Abgerufen am 30. August 2012.
  10. Annika Sellmann: Form Sprechen – Sprache formen. In: Schirn-Mag. 15. August 2012. Abgerufen am 26. August 2012.
  11. Matthias Ulrich. In: Michael Riedel: Kunste zur Text. Kurzfilm zur Ausstellung. Schirn Kunsthalle. 4. Juli 2012. Abgerufen am 26. August 2012 (2.03–3.05 Minuten).
  12. Matthias Ulrich. In: Michael Riedel: Kunste zur Text. Kurzfilm zur Ausstellung. Schirn Kunsthalle. 4. Juli 2012. Abgerufen am 26. August 2012 (1.16–1.35 Minuten).
  13. Michael Riedel. In: Michael Riedel: Kunste zur Text. Kurzfilm zur Ausstellung. Schirn Kunsthalle. 4. Juli 2012. Abgerufen am 26. August 2012 (0.09–0.29 Minuten).