Mil Mi-6
| Mil Mi-6 | ||
|---|---|---|
Ein Mil Mi-6 im Technikmuseum Togliatti |
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| Typ: | Schwerer Transporthubschrauber | |
| Entwurfsland: | ||
| Hersteller: | Mil | |
| Erstflug: | 5. Juni 1957 | |
| Indienststellung: | 1962 | |
| Produktionszeit: | 1960 bis 1981 | |
| Stückzahl: | 925 | |
Der Mil Mi-6 (russisch Мил Ми-6, NATO-Codename „Hook“, deutsch: Haken) ist ein turbinengetriebener, schwerer Transporthubschrauber, der in der Sowjetunion entwickelt wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Entwicklung [Bearbeiten]
Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit absolvierte der Prototyp am 5. Juni 1957 mit Testpilot Rafail Kapreljan seinen Erstflug. Diesem waren umfangreiche Bodentests und ein nicht als Flug gewerteter sekundenlanger Hüpfer am 3. März vorausgegangen. Die erste öffentliche Präsentation fand während der Tuschinoer Luftparade am 20. Juli 1958 statt.[1] Der Mi-6 war mit einer Gesamtlänge von beinahe 42 m nicht nur für über zehn Jahre der weltgrößte Hubschrauber, sondern auch der erste sowjetische turbinengetriebene Hubschrauber. Während der Erprobungsphase konnten einige Leistungsrekorde aufgestellt werden, beispielsweise wurde eine Nutzlast von 20.117 kg gehoben, eine Masse, die größer ist als das Leergewicht des größten nicht-sowjetischen Hubschraubers dieser Zeit, des Sikorsky S-64 Skycrane. Insgesamt wurden mit dem Mi-6 zwischen 1957 und 1964 17 Weltrekorde aufgestellt.[2]
Einsatz [Bearbeiten]
Als militärischer Transporthubschrauber kann der Mi-6 bis zu 70 Soldaten befördern, die über einen rückseitigen, zweigeteilten Laderaumzugang die Maschine schnell verlassen können. Dadurch eignet sich der Mi-6 auch zum Transport von militärischem Großgerät oder palettierten Frachten. Im Zivileinsatz bietet der Mi-6 in normaler Fluglinienbestuhlung 65 Fluggästen Platz, bis zu 120 Personen können transportiert werden. Die interne Nutzlast ist mit 12.000 kg angegeben. Im Ambulanzeinsatz ist der Mi-6 in der Lage, bis zu 41 Tragen und zwei medizinische Flugbegleiter zu transportieren. Ein Lasthaken unter dem Rumpf kann Außenlasten bis zu 9.000 kg tragen.
Eine Einsatzrolle ist daher die des „Fliegenden Krans“ (Летающий кран – Letajuschtschi kran), wobei die Firma Mil auch ein speziell für diesen Zweck ausgelegtes Modell, den Mi-10, basierend auf dem Mi-6, entwickelt hat. Trotzdem wird der Mi-6 häufig in dieser Rolle verwendet, unter anderem auch zum Transport der gelandeten Wostok-Raumkapseln.
Der in über 800 Exemplaren gebaute Hubschrauber wurde in der Sowjetunion nahestehende Länder wie Ägypten, Bulgarien, Indonesien, Irak, Libyen, Peru, Syrien und Vietnam exportiert.
Der Mil Mi-6 wurde in erheblichem Umfang bei der Arbeit der Liquidatoren nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 eingesetzt.
Technik [Bearbeiten]
Charakteristisch sind, neben den außenbords angebrachten Kraftstofftanks, die Stummelflügel, die im Vorwärtsflug bis zu 20 % zum Gesamtauftrieb beitragen. Außerdem zeigt der Mi-6 den typischen fünfblättrigen Hauptrotor, wie er auch von anderen Mustern der Firma Mil bekannt ist.
Zwei Gasturbinentriebwerke vom Typ Solowjow D-25W erzeugen eine Gesamtleistung von 8090 kW, die dem Hubschrauber eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h ermöglichen. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei 4500 m, bei einer typischen Zuladung von 8.000 kg wird eine Reichweite von 620 km angegeben. Die maximale Abflugmasse beträgt 42.500 kg, die Leermasse 27.240 kg. Die Länge des Hubschraubers beträgt 41,74 m, der Hauptrotor hat einen Durchmesser von 35 m und der Mi-6 ist 9,86 m hoch.
Rekorde [Bearbeiten]
Mit dem Mi-6 konnten von 1957 bis 1962 die im folgenden aufgelisteten Rekorde erflogen werden.[3]
| Datum | Pilot | Art des Rekords | Erreichte Werte |
|---|---|---|---|
| 30. Oktober 1957 | R. Kapreljan | Höhe mit 10000 kg Nutzlast | 2432 m |
| 30. Oktober 1957 | R. Kapreljan | Größte Nutzlast auf 2000 m | 12004 kg |
| 16. April 1959 | S. Browzew | Höhe mit 5000 kg Nutzlast | 5584 m |
| 16. April 1959 | R. Kapreljan | Höhe mit 10000 kg Nutzlast | 4885 m |
| 21. November 1959 | B. Semskow | Geschwindigkeit auf geschlossener 100-km-Strecke | 268,920 km/h |
| 21. September 1961 | N. Ljoschin | Geschwindigkeit über 15-(25-)-km-Distanz | 320,000 km/h |
| 11. September 1962 | W. Koloschenko | Geschwindigkeit auf geschlossener 1000-km-Strecke mit 1000 kg (2000 kg, 5000 kg) Nutzlast |
284,354 km/h |
| 13. September 1962 | R. Kapreljan | Höhe mit 15000 kg (20000 kg) Nutzlast | 2738 m |
| 13. September 1962 | R. Kapreljan | Größte Nutzlast auf 2000 m | 20117 kg |
| 15. September 1962 | B. Galitzki | Geschwindigkeit auf geschlossener 500-(1000-)km-Strecke | 315,657 km/h (300,377 km/h) |
| 15. September 1962 | B. Galitzki | Geschwindigkeit auf geschlossener 1000-km-Strecke mit 1000 kg (2000 kg) Nutzlast |
300,377 km/h |
| 26. August 1964 | B. Galitzki | Geschwindigkeit auf geschlossener 100-km-Strecke | 340,150 km/h |
Technische Daten [Bearbeiten]
| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Länge | Rumpf 35,00 m gesamt 41,74 m |
| Höhe | 9,86 m |
| Rotorkreisdurchmesser | 35,00 m |
| Rotorkreisfläche | 962,11 m² |
| Kabinenmaße | Länge 12,00 m, Breite 2,60 m, Höhe 2,50 m, Volumen 80,00 m³ |
| Antrieb | zwei Gasturbinen Solowjow D-25W (TB-2BM) |
| Leistung | je 4.101 kW (5.500 WPS) |
| Kraftstoffvorrat | 13.000 l |
| Höchstgeschwindigkeit | 300 km/h |
| Reisegeschwindigkeit | 250 km/h |
| Dienstgipfelhöhe | 4.500 m |
| Reichweite | 1.050 km mit vollem Kraftstoffbehälter 620 km mit 8.000 kg Zuladung 200 km mit 12.000 kg Zuladung |
| Leergewicht | 27.240 kg |
| Zuladung | normal 8.000 kg maximal 12.000 kg |
| Startgewicht | normal 40.500 kg maximal 42.500 kg |
| Besatzung | 5 |
| Passagiere | 65 |
Bewaffnung [Bearbeiten]
Als schwerer Kampfzonentransporter konnte die Mi-6 mit einem Maschinengewehr im Bug bewaffnet werden.
- 1 × NUW-1 12,7-mm-Maschinengewehr Afanasjew A-12,7 (9-A-016P) mit 200 Schuss Munition
Siehe auch [Bearbeiten]
- Aérospatiale SA.321 „Super Frelon“
- Boeing-Vertol CH-47 „Chinook“
- Mil Mi-10 „Harke-B“
- Mil Mi-12 „Homer“
- Mil Mi-26 „Halo“
- Sikorsky CH-54 „Tarhe“
- Sikorsky CH-53E „Super Stallion“
- Liste der Hubschraubertypen
Weblinks [Bearbeiten]
- Flugzeug-Archiv von Karl Eichhorn
- Mil Mi-6 bei avia.russian.ee (z.T. englisch)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 39
- ↑ Karl-Heinz Eyermann: Schestjorka – der große Wurf des Michail Leontjewitsch Mil. Flieger Revue 10/82, S. 458–463.
- ↑ Karl-Heinz Eyermann: Durch die Helikopter-Schallmauer − Die Rekorde der Mil-Hubschrauber. Flieger Revue 1/83, S. 30.