Mil Mi-6

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mil Mi-6
Mi-6, technical museum, Togliatti-1.JPG
Ein Mil Mi-6 im Technikmuseum Togliatti
Typ: Schwerer Transporthubschrauber
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Mil
Erstflug: 5. Juni 1957
Indienststellung: 1962
Produktionszeit: 1960 bis 1981
Stückzahl: 925

Der Mil Mi-6 (russisch Миль Ми-6, NATO-Codename „Hook“, deutsch: Haken) ist ein turbinengetriebener, schwerer Transporthubschrauber, der in der Sowjetunion entwickelt wurde.

Entwicklung[Bearbeiten]

Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit absolvierte der Prototyp am 5. Juni 1957 mit Testpilot Rafail Kapreljan seinen Erstflug. Diesem waren umfangreiche Bodentests und ein nicht als Flug gewerteter sekundenlanger Hüpfer am 3. März vorausgegangen. Die erste öffentliche Präsentation fand während der Tuschinoer Luftparade am 20. Juli 1958 statt.[1] Der Mi-6 war mit einer Gesamtlänge von beinahe 42 m nicht nur für über zehn Jahre der weltgrößte Hubschrauber, sondern auch der erste sowjetische turbinengetriebene Hubschrauber. Während der Erprobungsphase konnten einige Rekorde aufgestellt werden, beispielsweise wurde eine Nutzlast von 20.117 kg gehoben, eine Masse, die größer ist als das Leergewicht des größten nicht-sowjetischen Hubschraubers dieser Zeit, des Sikorsky S-64 Skycrane. Insgesamt wurden mit dem Mi-6 zwischen 1957 und 1964 17 Weltrekorde aufgestellt.[2]

Einsatz[Bearbeiten]

Als militärischer Transporthubschrauber kann der Mi-6 bis zu 70 Soldaten befördern, die über einen rückseitigen, zweigeteilten Laderaumzugang die Maschine schnell verlassen können. Dadurch eignet sich der Mi-6 auch zum Transport von militärischem Großgerät oder palettierten Frachten. Im Zivileinsatz bietet der Mi-6 in normaler Fluglinienbestuhlung 65 Fluggästen Platz, bis zu 120 Personen können transportiert werden. Die interne Nutzlast ist mit 12.000 kg angegeben. Im Ambulanzeinsatz ist der Mi-6 in der Lage, bis zu 41 Tragen und zwei medizinische Flugbegleiter zu transportieren. Ein Lasthaken unter dem Rumpf kann Außenlasten bis zu 9.000 kg tragen.

Eine Einsatzrolle ist daher die des „Fliegenden Krans“ (Летающий кран – Letajuschtschi kran), wobei die Firma Mil auch ein speziell für diesen Zweck ausgelegtes Modell, den Mi-10, basierend auf dem Mi-6, entwickelt hat. Trotzdem wird der Mi-6 häufig in dieser Rolle verwendet, unter anderem auch zum Transport der gelandeten Wostok-Raumkapseln.

Der in über 800 Exemplaren gebaute Hubschrauber wurde in der Sowjetunion nahestehende Länder wie Ägypten, Bulgarien, Indonesien, Irak, Libyen, Peru, Syrien und Vietnam exportiert.

Der Mil Mi-6 wurde in erheblichem Umfang bei der Arbeit der Liquidatoren nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 eingesetzt.

Technik[Bearbeiten]

Charakteristisch sind, neben den außenbords angebrachten Kraftstofftanks, die Stummelflügel, die im Vorwärtsflug bis zu 20 % zum Gesamtauftrieb beitragen. Außerdem zeigt der Mi-6 den typischen fünfblättrigen Hauptrotor, wie er auch von anderen Mustern der Firma Mil bekannt ist.

Zwei Gasturbinentriebwerke vom Typ Solowjow D-25W erzeugen eine Gesamtleistung von 8090 kW, die dem Hubschrauber eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h ermöglichen. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei 4500 m, bei einer typischen Zuladung von 8.000 kg wird eine Reichweite von 620 km angegeben. Die maximale Abflugmasse beträgt 42.500 kg, die Leermasse 27.240 kg. Die Länge des Hubschraubers beträgt 41,74 m, der Hauptrotor hat einen Durchmesser von 35 m und der Mi-6 ist 9,86 m hoch.

Rekorde[Bearbeiten]

Mit dem Mi-6 konnten von 1957 bis 1962 die im Folgenden aufgelisteten Rekorde erflogen werden.[3]

Datum Pilot Art des Rekords Erreichte Werte
30. Oktober 1957 R. Kapreljan Höhe mit 10000 kg Nutzlast 2432 m
30. Oktober 1957 R. Kapreljan Größte Nutzlast auf 2000 m 12004 kg
16. April 1959 S. Browzew Höhe mit 5000 kg Nutzlast 5584 m
16. April 1959 R. Kapreljan Höhe mit 10000 kg Nutzlast 4885 m
21. November 1959 B. Semskow Geschwindigkeit auf geschlossener 100-km-Strecke 268,920 km/h
21. September 1961 N. Ljoschin Geschwindigkeit über 15-(25-)-km-Distanz 320,000 km/h
11. September 1962 W. Koloschenko Geschwindigkeit auf geschlossener 1000-km-Strecke mit 1000 kg
(2000 kg, 5000 kg) Nutzlast
284,354 km/h
13. September 1962 R. Kapreljan Höhe mit 15000 kg (20000 kg) Nutzlast 2738 m
13. September 1962 R. Kapreljan Größte Nutzlast auf 2000 m 20117 kg
15. September 1962 B. Galitzki Geschwindigkeit auf geschlossener 500-(1000-)km-Strecke 315,657 km/h (300,377 km/h)
15. September 1962 B. Galitzki Geschwindigkeit auf geschlossener 1000-km-Strecke mit 1000 kg
(2000 kg) Nutzlast
300,377 km/h
26. August 1964 B. Galitzki Geschwindigkeit auf geschlossener 100-km-Strecke 340,150 km/h

Technische Daten[Bearbeiten]

Dreiseiten-Risszeichnung
Kenngröße Daten
Länge    Rumpf 35,00 m
gesamt 41,74 m
Höhe    9,86 m
Rotorkreisdurchmesser    35,00 m
Rotorkreisfläche    962,11 m²
Kabinenmaße    Länge 12,00 m, Breite 2,60 m, Höhe 2,50 m, Volumen 80,00 m³
Antrieb    zwei Gasturbinen Solowjow D-25W (TB-2BM)
Leistung    je 4.101 kW (5.500 WPS)
Kraftstoffvorrat    13.000 l
Höchstgeschwindigkeit    300 km/h
Reisegeschwindigkeit    250 km/h
Dienstgipfelhöhe    4.500 m
Reichweite    1.050 km mit vollem Kraftstoffbehälter
620 km mit 8.000 kg Zuladung
200 km mit 12.000 kg Zuladung
Leergewicht    27.240 kg
Zuladung    normal 8.000 kg
maximal 12.000 kg
Startgewicht    normal 40.500 kg
maximal 42.500 kg
Besatzung    5
Passagiere    65

Bewaffnung[Bearbeiten]

Als schwerer Kampfzonentransporter konnte die Mi-6 mit einem Maschinengewehr im Bug bewaffnet werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mil Mi-6 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 39
  2. Karl-Heinz Eyermann: Schestjorka – der große Wurf des Michail Leontjewitsch Mil. Flieger Revue 10/82, S. 458–463.
  3. Karl-Heinz Eyermann: Durch die Helikopter-Schallmauer − Die Rekorde der Mil-Hubschrauber. Flieger Revue 1/83, S. 30.