Toljatti
| Stadt
Toljatti
Тольятти
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Toljatti (russisch Тольятти (
Aussprache?/i), aufgrund des Namenspatrons auch Togliatti) ist eine Stadt in Russland in der Oblast Samara. Mit 719.632 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010)[1] ist sie nach der Gebietshauptstadt Samara die zweitgrößte und -wichtigste Stadt der Oblast. Toljatti ist vor allem bekannt durch die Lada-Werke, die hier beheimatet sind.
Inhaltsverzeichnis |
Lage [Bearbeiten]
Toljatti liegt etwa 1.000 Kilometer südöstlich von Moskau am linken (östlichen) Ufer der Wolga an der sogenannten Wolgaschleife. Die Wolga ist hier durch einen Damm aufgestaut, der Stausee (Nord-Süd Ausdehnung etwa 200 km) wird auch als „kleines Meer“ bezeichnet. Gegenüber der Stadt liegen die Schiguli-Berge, eine Gebirgskette aus Kalksandstein, die zum Teil durch den Nationalpark Samarskaja Luka unter Schutz gestellt sind. Dieser Teil der Wolgaregion wird wegen seiner landschaftlichen Schönheit auch die „Perle Russlands“ genannt.
Die Stadt ist in drei getrennte Teile gegliedert:
- Die Altstadt, auch Zentralny oder Stary Gorod genannt, hier befindet sich das Rathaus und die zentrale Stadthalle. Dieser Stadtbereich hat den Charme der frühen 1960er Jahre.
- die Neustadt, auch Awtosawodski oder Nowy Gorod genannt. Es wurde zeitgleich mit dem Lada-Werk gebaut als Unterkunft für die Lada-Arbeiter und ist im Stil der späten 1960er Jahre gehalten. Am Wolgaufer befindet sich eine Schiffsanlegestelle für Rundfahrtschiffe und Passagierfähren, die an das gegenüberliegende Schiguli-Ufer fahren.
- Stadtteil Komsomolski, der älteste und kleinste Stadtteil, der gegründet wurde, um die Staudamm-Bauarbeiter sowie die Bewohner der gefluteten Stadtbereiche aufzunehmen. Hier befindet sich der Staudamm, der Binnenhafen von Toljatti und die Schleuse.
Zwischen diesen Stadtteilen liegt die sogenannte grüne Zone, ein Kiefernwald, der unter Landschaftsschutz steht.
Geschichte [Bearbeiten]
1737 wurde die Stadt nach einem Dekret der Zarin Anna als Niederlassung für christianisierte Kalmücken durch Wassili Tatischtschew gegründet. Im Jahr 1955 versank nach Abschluss der Bauarbeiten für das Wolga-Wasserkraftwerk der größte Teil der historischen Altstadt in den Wolgafluten. Die Stadt wurde am linken Wolgaufer wieder aufgebaut und hat über 700.000 Einwohner.
Ursprünglich hieß die Stadt Stawropol (Stawropol-Wolschskij) (Ставрополь-Волжский, Stawropol; nicht zu verwechseln mit Stawropol, Hauptstadt der gleichnamigen Region in Südrussland), die Umbenennung in Toljatti (Transkription der kyrillischen Schreibung) erfolgte 1964 zu Ehren des italienischen Politikers Palmiro Togliatti. Dieser lebte während des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion und war nach dem Krieg Führer der italienischen Kommunisten.
Die wirtschaftliche Rolle der Stadt ist mit dem Bau der AwtoWAS-Werke 1966 enorm gewachsen. In den 1990er- und 2000er-Jahren erlebte die Stadt eine Welle der organisierten Kriminalität sowie zahlreiche Mafia-Kriege rund um die Kontrolle von AwtoWAS und galt als eine der am meisten kriminalisierten Städte Russlands.
2000 kamen erst der Leiter, dann der Chefredakteur des lokalen Fernsehsenders Lada-TV ums Leben. 2002 wurde der Chefredakteur der Wochenzeitung Toljattinskoje Obosrenije ermordet, 2003 dessen Nachfolger. 2006 wurde der Leiter von Awtowasenergo, Alexander Samoilenko, auf offener Straße erschossen.
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1897 | 5.969 |
| 1959 | 61.281 |
| 1970 | 250.853 |
| 1979 | 502.036 |
| 1989 | 630.543 |
| 2002 | 702.879 |
| 2010 | 719.632 |
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Wirtschaft [Bearbeiten]
Toljatti ist ein großes Industriezentrum. Am bekanntesten ist das Lada-Autowerk, das größte Autowerk Russlands. Weitere wirtschaftliche Schwerpunkte sind der Maschinenbau, die Chemie- und die Lebensmittelindustrie. Die Region Samara/Toljatti gilt als eine der wirtschaftlich meist entwickelten Gebiete Russlands und hat eine der niedrigsten Arbeitslosenraten in der Russischen Föderation. Auf Höhe des Stadtteils Komsomolski liegt ein Staudamm, dessen Kraftwerk die Region mit Strom versorgt. Der Schiffsverkehr auf der Wolga ist während der Sommermonate nicht sehr entwickelt (zwei Binnenschiffe pro Stunde). Auf der gegenüberliegenden Schiguli-Seite wird Kalkstein gebrochen sowie Zement hergestellt.
Bildung, Kultur und Sport [Bearbeiten]
In der Stadt gibt es sechs Universitäten bzw. Hochschulen, mehrere Museen, eine Philharmonie, Theater der verschiedensten Richtungen und Kulturpaläste.
Auch als Sportstadt hat sich Toljatti einen Namen gemacht. Der Eishockeyverein HK Lada Toljatti spielte in der Kontinentalen Hockey-Liga. Daneben sind in der Stadt der Fußballclub FK Lada Toljatti und die Handballmannschaft HC Lada Toljatti beheimatet.
Medien [Bearbeiten]
Die Stadt ist Sitz des regionalen Fernsehsenders Lada-TV und der unabhängigen Wochenzeitung Toljattinskoje Obosrenije.
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Wolfsburg, Deutschland, seit 1991
Flint, Vereinigte Staaten, seit 1992
Kasanlak, Bulgarien, seit 1995
Luoyang, Volksrepublik China, seit 2000
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Arseni Nailewitsch Alawkin, Schachmeister
- Denis Alexandrowitsch Baranzew, Eishockeyspieler
- Jana Berezko-Marggrander, rhythmische Sportgymnastin
- Jewgeni Alexandrowitsch Bodrow, Eishockeyspieler
- Ilja Nikolajewitsch Brysgalow, Eishockeytorhüter
- Alexander Wladimirowitsch Bumagin, Eishockeyspieler
- Juri Gennadjewitsch Buzajew, Eishockeyspieler
- Wjatscheslaw Gennadjewitsch Buzajew, Eishockeyspieler
- Jekaterina Jewgenjewna Dawydenko, Handballspielerin
- Olga Anatoljewna Gorschenina, Handballspielerin
- Igor Wladimirowitsch Grigorenko, Eishockeyspieler
- Alexei Wjatscheslawowitsch Jemelin, Eishockeyspieler
- Konstantin Anatoljewitsch Jemelin, Eishockeyspieler
- Denis Igorewitsch Jeschow, Eishockeyspieler
- Anton Sergejewitsch Klementjew, Eishockeyspieler
- Maxim Walerjewitsch Kondratjew, Eishockeyspieler
- Wassili Wladimirowitsch Koschetschkin, Eishockeytorhüter
- Wiktor Nikolajewitsch Koslow, Eishockeyspieler
- Alexei Wjatscheslawowitsch Kowaljow, Eishockeyspieler
- Stepan Germanowitsch Kriwow, Eishockeyspieler
- Anton Igorewitsch Kryssanow, Eishockeyspieler
- Wladimir Jewgenjewitsch Malenkich, Eishockeyspieler
- Filipp Jurjewitsch Metljuk, Eishockeyspieler
- Waleri Michailowitsch Nikolajewski, Schriftsteller und Poet
- Juri Anatoljewitsch Petrow, Eishockeyspieler
- Andrei Wladimirowitsch Rasin, Eishockeyspieler
- Alexei Wladimirowitsch Schindin, Handballspieler
- Alexei Grigorjewitsch Smirnow, Tischtennisspieler
- Alexander Michailowitsch Tschernikow, Eishockeyspieler
- Semjon Andrejewitsch Waluiski, Eishockeyspieler
- Dmitri Sergejewitsch Worobjow, Eishockeyspieler
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Website der Stadtverwaltung (russ.)
- Informationsportal „Wer ist wer in Toljatti“ (russ.)
- Informationsportal (russ.)
- Informationsportal (deutsch)
Verwaltungszentrum: Samara
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