Mondsichelmadonna

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Überlinger Münster:
Strahlenkranz-Madonna auf der Mondsichel

Als Mondsichelmadonna, Strahlenkranzmadonna, Madonna im Strahlenkranz (auch apokalyptische Madonna)[1]) wird in der christlichen Ikonografie ein Marienbildnis bezeichnet, das durch die Perikope der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes geprägt ist. Die Mutter Gottes steht auf der Mondsichel, meist hält sie das Jesuskind in ihren Armen.

Ursprünge[Bearbeiten]

Abbildung der Mondsichelmadonna im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg
Volkstümliche Mondsichelmadonna in einer süddeutschen Kapelle
Fresko der Seckauer Apokalypse von Herbert Boeckl, Engelkapelle der Basilika Seckau
„Apokalyptische Frau“ von Fritz Koenig an der Fassade der Kirche Maria Regina Martyrum (Berlin)
Altaraufsatz mit Mondsichelmadonna in der Kapelle St. Eusebius von Bernhard Strigel

Das Bildnis der Mondsichelmadonna geht auf den Bericht der Vision des Johannes von einer kosmischen und von einem Drachen verfolgten schwangeren Frau zurück, die mit Sternen gekrönt und mit der Sonne bekleidet auf dem Mond steht und dem letzten apokalyptischen Gefecht zwischen dem Drachen und dem Erzengel Michael ausgesetzt wird.

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. (Offb, 12,1-5 EU)“

Darstellungen[Bearbeiten]

Die erste bildliche Darstellung der Mondsichelmadonna findet sich im Hortus Deliciarum.[2] In der Gotik wandeln sich die Züge der apokalyptischen Frau zunehmend ins madonnenhafte wie die Initiale A im Graduale von St. Katharinenthal (um 1312). Die älteste Holzplastik findet sich in der Hirschmadonna (Erfurt 1370).[3]

Die Monddarstellung wurde zunächst als Vollmond mit einem Gesicht ausgeführt. Mit dem Sieg der Heiligen Liga 1571 über das Osmanische Reich in der Seeschlacht von Lepanto und der Einführung des Festes Unserer Heiligen Frau der Siege (Rosenkranzfest) durch Pius V. wurde die Marienfigur im 16. Jahrhundert zunehmend auf einer nach oben oder unten zeigenden Mondsichel stehend abgebildet.

Im ausgehenden Mittelalter wurde dem Typus auch der Titel Unsere liebe Frau vom Siege beigelegt. Mondsichelmadonnen wurden im 15. Jahrhundert meist als Einzelfiguren, in Marienleuchtern sowie als Altarbestandteile ausgeführt. Zuweilen stellte man auch die thronende Madonna mit dem Mondsymbol verbunden dar (Madonna aus Ulm 1420/25).

Das Mondsichelmotiv wurde so beliebt, dass man ältere Madonnen nachträglich mit Strahlenkranz und Mondsichel versah (Leuchtermadonna Bad Doberan 1300, ergänzt 15. Jahrhundert). Im 16. Jahrhundert kam zur Mondsichel die Schlange als Symbol des Bösen, deren Kopf von Maria zertreten wird, vgl. (Gen 3,15 EU). Der Typ der Mondsichelmadonna wandelte sich im 17./18. Jahrhundert in den Typ der Maria Immakulata.

Mondsichelmadonna auf Altären[Bearbeiten]

Die Mondsichelmadonna findet sich auf einer Reihe von Altären, besonders in Mecklenburg[4], aber auch in angrenzenden Kirchen Brandenburgs, etwa in der Dorfkirche Pröttlin. Auf dem Schnitzaltar in Röbel, der im 16. Jahrhundert angefertigt wurde und seinen Platz im rechten Seitenschiff von St. Marien fand, ist die gekrönte Mondsichelmadonna mit dem Jesuskind von Heiligenfiguren umgeben: St. Georg und Barbara; St. Katerina und Jacob; St. Jost und Appolonia; St. Hedwig und Nicolaus.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mondsichelmadonna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Mondsichelmadonna – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. H. Sachs, E. Badstübner, H. Neumann, „Mondsichelmadonna“ in Christliche Ikonographie in Stichworten, unveränderte Auflage, Leipzig, 1988; ISBN 3-7338-0095-8, S. 261
  2. H. Sachs, E. Badstübner, H. Neumann, „Mondsichelmadonna“ in Christliche Ikonographie in Stichworten, unveränderte Auflage, Leipzig, 1988; ISBN 3-7338-0095-8, S. 185
  3. H. Sachs, E. Badstübner, H. Neumann, „Mondsichelmadonna“ in Christliche Ikonographie in Stichworten, unveränderte Auflage, Leipzig, 1988; ISBN 3-7338-0095-8, S. 261
  4. H. Sachs, E. Badstübner, H. Neumann, „Mondsichelmadonna“ in Christliche Ikonographie in Stichworten, unveränderte Auflage, Leipzig, 1988; ISBN 3-7338-0095-8, S. 261
  5. Abbildung in Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Bezirk Neubrandenburg. S. 326; Herausgegeben vom Institut für Denkmalpflege; Berlin, 1982