Mondsichelmadonna
Die Mondsichelmadonna (apokalyptische Madonna, Madonna im Strahlenkranz) bezeichnet in der christlichen Ikonografie ein Marienbildnis, das durch die Perikope der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes geprägt ist. Die Mutter Gottes steht auf der Mondsichel, meist hält sie das Jesuskind in ihren Armen.
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Ursprünge [Bearbeiten]
Das Bildnis der Mondsichelmadonna geht auf den Bericht der Vision des Johannes von einer kosmischen und von einem Drachen verfolgten schwangeren Frau zurück, die mit Sternen gekrönt und mit der Sonne bekleidet auf dem Mond steht und dem letzten apokalyptischen Gefecht zwischen dem Drachen und dem Erzengel Michael ausgesetzt wird.
- Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang. (Offb, 12,1-6 EU)
Religionsgeschichtlich wird das Bild von der apokalyptischen Frau auf den Isis-Astralkult der Antike zurückgeführt, es erfährt aber durch das Geburtsmotiv eine apokalyptische Umdeutung. Bereits die Alte Kirche deutet die zwölf Sterne als den Tierkreis, die Sonne als Christus und den Mond als die Vergänglichkeit der Welt. Seit Epiphanius wird die Frau mit Maria identifiziert, in der Orthodoxie (und später auch bei Luther) mit der Kirche. In dieser Darstellungsform wird Maria auch als Königin des Himmels (lat. regina coeli) bezeichnet.
Darstellungen [Bearbeiten]
Die erste bildliche Darstellung der Mondsichelmadonna findet sich im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (1175/85) und im Matutinale von Scheyern (1206/26). In der Gotik wandeln sich die Züge der apokalyptischen Frau zunehmend ins madonnenhafte wie die Initiale A im Graduale von St. Katharinenthal, 1312. Die älteste Holzplastik findet sich in der Hirschmadonna (Erfurt 1370).
Die Monddarstellung wurde zunächst als Vollmond mit einem Gesicht ausgeführt. Mit dem Sieg der Heiligen Liga 1571 über das Osmanische Reich in der Seeschlacht von Lepanto und der Einführung des Festes Unserer Heiligen Frau der Siege (Rosenkranzfest) durch Pius V. wurde die Marienfigur im 16. Jahrhundert zunehmend mit einer nach oben oder unten zeigenden Mondsichel abgebildet, die symbolisch von der Madonnenfigur zertreten wurde.
Im ausgehenden Mittelalter wurde dem Typus auch der Titel Unsere liebe Frau vom Sieg beigelegt. Mondsichelmadonnen wurden im 15. Jahrhundert meist als Einzelfiguren, in Marienleuchtern sowie als Altarbestandteile ausgeführt. Zuweilen stellte man auch die thronende Madonna mit dem Mondsymbol verbunden dar (Madonna aus Ulm 1420/25).
Das Mondsichelmotiv wurde so beliebt, dass man ältere Madonnen nachträglich mit Strahlenkranz und Mondsichel versah (Leuchtermadonna Bad Doberan 1300, ergänzt 15. Jahrhundert). Im 16. Jahrhundert gesellte sich zur Mondsichel das Schlangenmotiv, die als Symbol des Bösen von Maria zertreten wurde (Relief v. Peter Dell 1515). Der Typ der Mondsichelmadonna wandelte sich im 17./18. Jahrhundert in den Typ der Maria Immaculata.
Literatur [Bearbeiten]
- Lexikon der Christlichen Ikonografie, Herder 1994
Weblinks [Bearbeiten]
- http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_6070.html Eintrag im großen Kunstlexikon von P.W. Hartmann
- http://www.prignitz-entdecken.de/highlights/mondsichelmadonnen.html Mondsichelmadonnen in der Prignitz
- http://www.mondsichelmadonna.de Loseblattsammlung "Altes Südfranken" von Edwin Patzelt über spätgotische Mondsichelmadonnen