Mondsichel

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Dieser Artikel beschreibt die Verwendung der Mondsichel als Symbol; zur astronomischen Bedeutung siehe Mondphase.
Übliche Mondsichelform als Schema
Tatsächliche Mondsichel zum Vergleich

Das Symbol der Mondsichel, im deutschen Sprachraum selten aber richtig als Sichelmond oder Viertelmond und häufig auch (nicht ganz korrekt) als „Halbmond“ bezeichnet, wird bildlich meist dargestellt als eine Form, die sich ergibt, wenn von einer Kreisfläche ein Teil durch eine zweite Kreisfläche entfernt wird. Die so gebildete zweiseitig gekrümmte konkav-konvexe Figur mit zwei Spitzen ist nach dem Erdtrabanten Mond und dem Schneidwerkzeug Sichel benannt. Das Symbol stellt abstrahiert den Mond im ersten oder letzten Viertel der Mondphasen dar.

Geometrische Betrachtung[Bearbeiten]

Für die Mondsichelform als Differenz zweier überlappender Kreisflächen gibt es verschiedene Darstellungsweisen. So kann der Radius des "subtrahierten" Teils größer, gleich groß oder kleiner sein als der Radius des übriggebliebenen verminderten Teils, und auch die Zentren der beiden Kreise können unterschiedliche Abstandsverhältnisse haben.

Anders ist dagegen die Form der am Himmel sichtbaren realen Mondsichel. Die Sonne bestrahlt eine Hälfte (Hemisphäre) der Mondkugel und deren Tag-Nacht-Grenze ist dann ein Großkreis, jedoch wird das Bild dieses Kreises abhängig vom Betrachtungswinkel perspektivisch zu einer Ellipse. So wird die Erscheinungsform der tatsächlichen Mondsichel nach außen hin stets durch einen Kreisbogen begrenzt, nach innen zu aber durch einen Ellipsenbogen, wobei die lange Achse dieser Ellipse dem Durchmesser jenes Kreises entspricht und durch den Kreismittelpunkt geht, während die kurze Halbachse variabel ist. Daher gibt es bei der Figur realer Mondsicheln auch keine überfallenden Spitzen.

Im astronomischen Sprachgebrauch wird der Halbmond, bei dem die angestrahlte Mondoberfläche genau zur Hälfte sichtbar ist und als Halbkreisfläche der Mondscheibe erscheint, auch als Halbphase (oder Dichotomie) bezeichnet und markiert so als zunehmender Halbmond das Ende des ersten Viertels und als abnehmender Halbmond den Beginn des letzten Viertels eines Mondzyklus.

Eine liegende Mondsichel – wie sie in äquatornahen Regionen häufiger zu sehen ist – wird auch als Mondschiffchen bezeichnet.

Vorkommen und Bedeutungen[Bearbeiten]

Symbol des Roten Halbmondes

Das Symbol der Mondsichel ist seit Jahrhunderten auf Flaggen und Wappen zu sehen, zum Teil auch mit einem Gesicht versehen, siehe Mond (Heraldik).

In der Alchemie wurde die Mondsichel als Elementsymbol für das Planetenmetall Silber verwendet.

Als astronomisches Symbol stellt die Mondsichel den zunehmenden (☽ – Unicode U+263D, Moon symbol crescent.svg) oder abnehmenden Mond (☾ – Unicode U+263E, Moon symbol decrescent.svg) oder eine Mondfinsternis dar; auch kann mit demselben Zeichen eine Sonnenfinsternis symbolisiert werden.

Die Mondsichel ist auch ein Symbol des Islams. Als solches wird sie häufig mit einem (oft fünfzackigen) Stern kombiniert. Der Stern ist dabei in der Regel kleiner als die Mondsichel und befindet sich meist in oder vor der Öffnung der Sichel.

Daneben beziehen sich die Bezeichnungen recht unterschiedlicher Begriffe auf eine – hier „Halbmond“ genannte – mondsichelähnliche Form, beispielsweise

Auch haben verschiedene Backwaren eine dreidimensionale Form, deren Schnitt einer Mondsichel ähneln kann, darunter das Croissant, das Kipfel und das Kipferl. Man spricht hier auch von einer „Hörnchenform“, da die Spitzen an Tierhörner erinnern.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Die Himmelsscheibe von Nebra

Darstellungen von Mondsicheln lassen sich ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. im Alten Ägypten, in Mesopotamien und im heutigen Europa belegen. Im ägyptischen Mondkalender wurden mit dem Symbol der Mondsichel die Monate gekennzeichnet. Auch stand das Symbol für den Namen des Mondgottes Jah. Daneben dienten Mondsichel (und Stern) der Darstellung der phönizischen Göttin Tanit wie auch der griechischen Göttinnen Selene und Artemis, sowie deren römischen Entsprechungen, den Göttinnen Luna und Diana.

Auch die Himmelsscheibe von Nebra aus der Bronzezeit trägt unter anderem das Symbol der Mondsichel beziehungsweise zeigt ein Abbild des zunehmenden Mondes im ersten Viertel.

Islamische Welt[Bearbeiten]

Mond neben dem Mondsichelsymbol einer Moschee

Die Stadt Konstantinopel übernahm das sichelförmige Mondsymbol. Der Überlieferung zufolge hatte diese es zu Ehren der Göttin Diana gewählt. Nach anderen Quellen ginge es auf eine Schlacht zurück, in der die Römer die Goten am ersten Tag eines Mondmonats besiegten. Auf jeden Fall war die Mondsichel bereits in vorchristlicher Zeit Bestandteil der Stadtflagge.

Die ursprüngliche muslimische Gemeinschaft verfügte über kein direktes eigenes Symbol. Zu Zeiten des Propheten Mohammed trugen die islamischen Armeen und Karawanen einfarbige Flaggen (schwarz, grün oder weiß). Spätere muslimische Generationen führten die Tradition der einfachen schwarzen, weißen oder grünen Flagge fort, ohne Embleme, Schriftzeichen oder Symbole.

Spätestens im Osmanischen Reich wurden Mondsichel und Stern mit der muslimischen Welt in Verbindung gebracht. Nach der Legende sah der Gründer des Osmanischen Reiches Osman I. im Traum die Mondsichel, die sich von einem Ende der Erde zum anderen ausdehnte. Dieses als gutes Omen nehmend, beschloss er, die Mondsichel als Symbol seiner Dynastie zu übernehmen.

Jahrhundertelang beherrschte das Osmanenreich einen großen Teil der muslimischen Welt. Durch die fortdauernde Auseinandersetzung mit dem christlichen Europa hat sich das Symbol auch mental mit dem Glauben des sunnitischen Islams verbunden und eine Wandlung von einem alten heidnischen Bild zum heutigen Symbol des sunnitischen Islams durchlaufen.

Christentum[Bearbeiten]

Maria als „Königin des Himmels“ (Albrecht Dürer)

Das Symbol der Mondsichel findet sich auch in der christlichen Tradition. Sie geht zurück auf eine Textstelle in der Offenbarung des Johannes, in der die Himmelserscheinung einer Frau beschrieben wird:

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“

Offb 12,1 EU

In der katholischen Tradition wird in der Frauengestalt Maria als Mutter Jesu erkannt und die Figur daher als Mondsichelmadonna oder auch als Himmelskönigin (lat. regina caeli) bezeichnet. Andere sehen darin eine Darstellung der „reinen Gemeinde“, die Vollzahl aller Gläubigen.

Gelegentlich wird die Auffassung vertreten, die Sichel stelle nicht den Mond dar, sondern den Planeten Venus, dem in der Astrologie Weiblichkeit zugesprochen wird und mit dem, als Morgen- oder Abendstern, Maria ebenfalls assoziiert ist. Die Lichtgestalt der Venus kann, wie die des Mondes, als Sichel erscheinen – doch ist dies mit bloßem Auge nicht zu erkennen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mondsichel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien