Monika Ertl

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Monika Ertl (* 7. August 1937 in München; † 12. Mai 1973 in Bolivien) war eine deutschstämmige Angehörige des bewaffneten politischen Untergrunds in Bolivien. Sie wurde in Deutschland als „Che Guevaras Rächerin“ bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Monika Ertl wuchs als Kind des zeitweiligen Chefkameramanns der NS-Filmemacherin Leni Riefenstahl, Hans Ertl, in Deutschland auf. Als ihr Vater Schwierigkeiten mit seiner Entnazifizierung bekam, wanderte er 1948 nach Bolivien aus. 1953 folgte ihm die Familie nach. Ihr Vater betrieb dort später eine Farm und drehte seine letzten Filme. Schon als Sechzehnjährige begleitete Monika ihren Vater auf Urwald- und Filmexpeditionen. Monika wirkte als Kamera-Assistentin bei Hito-Hito (1958), einem Film über einen vom Aussterben bedrohten Indianerstamm und weiteren Dokumentarfilmen mit.[1]

Nach einer gescheiterten Ehe mit einem Deutsch-Bolivianer stieß sie in den späten 1960er Jahren zur Ejército de Liberación Nacional (Bolivien) (ELN), der nationalen Befreiungsarmee Boliviens, die sich nach dem Tod Che Guevaras in einer Wiederaufbauphase befand. Zunächst beteiligte sie sich eher passiv am Kampf gegen die Militärregierung. So gewährte sie beispielsweise den überlebenden Kämpfern von Guevaras gescheitertem Aufstand und anderen Verfolgten der Militärregierung Unterschlupf, insbesondere den Brüdern „Inti“ und „Chato“ Peredo, die Guevaras Nachfolger in der Führung der ELN waren. Ertl wurde unter ihren Kampfnamen „La Gringa“ und „Juana“ mit ihrem Organisationstalent zu einer der wichtigsten Führungspersonen der Organisation. Zunächst versuchte sie, ein Gelände für die Ausbildung der Anhänger der ELN zu finden. Dafür wollte sie ihren Vater gewinnen, der abgelegen im Dschungel eine Farm betrieb. Der sah jedoch in dem Vorhaben der ELN keine Erfolgsaussichten und lehnte ab. Als Monika Ertls Auto bei einem Banküberfall zur Geldbeschaffung der ELN als Fluchtwagen erkannt wurde, wurde sie ab 1970 polizeilich in Bolivien gesucht.

Allem Anschein nach ermordete Monika Ertl am 1. April 1971 den Konsul Roberto Quintanilla Pereira im bolivianischen Generalkonsulat in Hamburg; die Täterschaft Ertls konnte nie restlos bewiesen werden. Für die Tat benutzt wurde eine Pistole aus dem Besitz des italienischen Verlegers Giangiacomo Feltrinelli, der sich zu diesem Zeitpunkt im politischen Untergrund befand. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ließ Ertl zwar per Interpol suchen, schloss den Fall aber letztlich als ungelöst ab. Das Opfer, Polizei-Oberst „Toto“ Quintanilla, wurde von der ELN als eine der Hauptfiguren der Erschießung von Che Guevara angesehen: Dem getöteten Guevara waren zur Identifizierung bzw. als Trophäe die Hände abgetrennt worden. Dies geschah laut den Aussagen von „Chato“ Peredo in einem Interview 1988 auf Befehl von Quintanilla.

1972 versuchte Ertl zusammen mit Régis Debray den ehemaligen SS-Chef von Lyon Klaus Barbie zu entführen, der unter dem falschen Namen „Klaus Altmann“ in Bolivien lebte und für das bolivianische Innenministerium arbeitete. Geplant war, Klaus Barbie über Chile nach Frankreich zu bringen, um ihn dort vor Gericht zu stellen. Damit wollte man einen gefährlichen Berater des Polizeiapparates ausschalten und gleichzeitig eine geistige Verbindung der ELN zur französischen Résistance herstellen. Der Entführungsversuch scheiterte jedoch. Barbie arbeitet ab 1966 für den westdeutschen Geheimdienst Bundesnachrichtendienst (BND) und schrieb auch Berichte über Monika Ertl.

Am 12. Mai 1973 wurde Ertl von bolivianischen Sicherheitskräften erschossen. Régis Debray behauptete, dass die ihr gestellte tödliche Falle von Klaus Barbie organisiert worden sei, obwohl er dies nicht beweisen könne. Ihr Leichnam wurde nicht ihrer Familie übergeben, so dass nicht bewiesen werden kann, dass sie vor ihrem Tod gefoltert wurde. Folterungen waren alltägliche Praxis im Umgang südamerikanischer Diktaturen mit politischen Feinden. Auch Ertls Vater, der die Realität im Lande kannte, ging im Fernseh-Interview 1988 davon aus und hoffte daher, dass sie den Sicherheitsorganen nicht lebend in die Hände gefallen sei.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Dokumentarfilm „Gesucht: Monika Ertl“ (1988) von Christian Baudissin befasst sich mit dem Leben der Untergrundkämpferin.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jobst Knigge: Feltrinelli - Sein Weg in den Terrorismus, Humboldt Universität Berlin 2010 (online lesbar als Volltext bei edoc.hu-berlin.de) S. 114.