Klaus Barbie

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Nikolaus „Klaus“ Barbie alias Klaus Altmann (* 25. Oktober 1913 in Bad Godesberg; † 25. September 1991 in Lyon) war ein 1947 und 1987 verurteilter nationalsozialistischer Kriegsverbrecher und bekannt als „Schlächter von Lyon“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Kindheit und Jugend

Barbie kam 1913 als unehelicher Sohn von Nikolaus Barbie und Anna Hees in Bad Godesberg zur Welt. Die Eltern, beide Lehrer, heirateten im Jahr darauf. Sein Vater kam schwer verwundet von der Westfront aus dem 1. Weltkrieg zurück. 1934 machte er sein Abitur am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier.

[Bearbeiten] NS-Zeit

Nach dem Abitur wurde er Mitglied der Hitlerjugend und persönlicher Adjutant des örtlichen Parteiführers. Die Universität blieb Barbie verschlossen, da nach dem Tod des Vaters die Familie kein Studium finanzieren konnte. Stattdessen meldete er sich für ein freiwilliges sechsmonatiges Lager des Reichsarbeitsdienstes in Schleswig-Holstein. Hier ließ sich Barbie von der ideologisch aufgeheizten Atmosphäre widerstandslos mitreißen und entwickelte sich zu einem unbeirrbaren Anhänger des Dritten Reiches[1]. Unmittelbar danach trat Klaus Barbie in die Allgemeine SS ein (1934). Sein letzter Dienstgrad war der eines SS-Hauptsturmführers, was einem Hauptmann entsprach. 1937 wurde er Mitglied der NSDAP. Am 25. April 1940 heiratete er die 23-jährige Regine Willis.

1941/42[2] war er Judenreferent des Reichssicherheitshauptamts in Den Haag. In Belgien folterte er den österreichischen Schriftsteller Jean Améry.

Ab November 1942, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in das bis dahin von der Vichy-Regierung verwaltete, unbesetzte Südfrankreich, übernahm er als Chef der Gestapo in Lyon die Leitung der IV. Sektion der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes. Hier ging Barbie mit unglaublicher Grausamkeit vor: Er hatte die Suite 68 im zweiten Stock des Lyoner Hotels Terminus gemietet und hielt dort „Orgien unsäglich scheußlicher Gemeinheiten“ (Barbies Biograph Tom Bower) ab. Barbie folterte katholische Pfarrer mit Elektroschocks, hängte sie an den Füßen auf, ließ Kinder hungern und prügelte sie; nackte Frauen wurden bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und missbraucht, indem man sie zum sexuellen Verkehr mit Hunden zwang. Barbie war für die Folterung und Ermordung von Mitgliedern der Résistance – unter ihnen Jean Moulin – in Südfrankreich verantwortlich. Darüber hinaus wurden ihm zahlreiche weitere Verbrechen zur Last gelegt, u. a. das Massaker in St. Genis-Laval, die Verantwortung für die Deportation der Kinder von Izieu sowie zahlreiche Erschießungen im Gefängnis Fort Montluc. Dabei ging er mit äußerster Brutalität und Rücksichtslosigkeit vor.

Kurz vor dem Kriegsende (Ende 1944) tauchte Barbie in Deutschland unter.

[Bearbeiten] Nach 1945

Wegen seiner Verbrechen wurde Barbie 1947 in Frankreich in Abwesenheit zum ersten Mal zum Tode verurteilt. Im selben Jahr wurde er Agent für den US-amerikanischen Geheimdienst CIC und in dieser Funktion vom damaligen Hochkommissar John J. McCloy vor einer Auslieferung nach Frankreich bewahrt. Mit Hilfe der Amerikaner emigrierte Barbie 1951 auf der sogenannten Rattenlinie unter dem Namen Klaus Altmann nach Bolivien und wurde später auch bolivianischer Staatsbürger. Nach dem Auftauchen von Ernesto Che Guevara in Bolivien waren Barbies Kenntnisse in der Partisanenabwehr wieder gefragt, und er arbeitete für das bolivianische Innenministerium im Rang eines Oberst ad honorem als Ausbilder und Berater der Sicherheitskräfte des Diktators Hugo Banzer Suárez.

Im November 1952 wurde Barbie in Lyon wegen Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung und gegen die Widerstandsbewegung im Jura der Prozess gemacht, und er wurde ein zweites Mal in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach einem weiteren Prozess im November 1954 wurde Barbie wegen des Massakers von St. Genis-Laval und zahlreicher Erschießungen im Gefängnis Montluc in Lyon erneut zum Tode verurteilt.

Beate und Serge Klarsfeld gelang es Anfang der 1970er Jahre, Klaus Barbie in Bolivien aufzuspüren. 1972 scheiterte ein Entführungsversuch, der von dem französischen Revolutionstheoretiker Régis Debray und der deutschen Untergrundkämpferin Monika Ertl - mit Wissen von Serge Klarsfeld und des späteren (demokratischen) Innenministers Sanchez - vorbereitet worden war.

1980 half Barbie General Luis García Meza bei dessen Staatsstreich.

[Bearbeiten] Der Barbie-Prozess

Nach einem Regierungswechsel und der Rückkehr zu einer demokratischen Regierung unter Präsident Hernán Siles Zuazo nahm die bolivianische Polizei Barbie am 19. Januar 1983 fest. Im selben Jahr wurde er nach Frankreich ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt.

Der Prozess begann am 11. Mai 1987 und erregte Aufmerksamkeit in aller Welt. Barbie wurde vorgeworfen, für die Razzia gegen das Hauptquartier der Union Générale des Israélites de France am 9. Februar 1943 und der damit verbundenen Deportation von 85 Juden verantwortlich gewesen zu sein. Außerdem klagte man ihn an, für die Deportation der 44 jüdischen Kinder von Izieu verantwortlich gewesen zu sein. Insgesamt wurde Klaus Barbie für die Deportation von 842 Menschen verantwortlich gemacht.

Am 4. Juli 1987 wurde Barbie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.

Der Prozess löste in Frankreich scharfe Kontroversen aus, die die Kollaboration mit den Deutschen, das Entstehen einer neuen Welle des Antisemitismus und die mögliche Verwischung des Massenmordes an den Juden durch andere nationalsozialistische Verbrechen betrafen.

Klaus Barbie starb am 25. September 1991 in französischer Haft in Lyon an Krebs.

Die von Beate und Serge Klarsfeld auf Klaus Barbie betriebene Jagd und die Umstände, die schließlich zu seiner Verhaftung und Auslieferung an Frankreich führten, wurden 2008 in dem Film „La Traque“ („Die Hetzjagd“; Regie: Laurent Jaoui) verfilmt.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Tom Bower Klaus Barbie. Lyon, Augsburg, La Paz. Karriere eines Gestapo-Chefs. Berlin 1984. ISBN 3-88022-295-9 (Erstausgabe: Klaus Barbie, the Butcher of Lyons London: Michael Joseph Ltd, 1984, ISBN 0-7181-2327-1, häufige Wiederaufl.)
  2. Deutsche biographische Enzyklopädie: Band 11,1 Nachträge/Personenregister A-Ha / hrsg. v. Walter Killy ... - München: Saur, 2000

[Bearbeiten] Literatur

  • (Walther Fekl) Artikel: Affaires Barbie / Bousquet / Touvier / Papon in: Frankreich-Lexikon 2. Aufl. 2005, Hgg. Bernhard Schmidt, Jürgen Doll, W. F., Siegfried Loewe, Fritz Taubert. - Erich Schmidt, Berlin 2005 (mit Angabe v. frz. und dt. Literatur) ISBN 3-503-06184-3, S. 39 ff (2008 Studienausgabe)
  • Horst J. Andel: Kollaboration und Résistance. Der Fall Barbie Herbig, München 1987 ISBN 3-7766-1508-7 und Berlin: Ullstein, 1995 ISBN 3-548-33199-8
  • Tom Bower: Klaus Barbie. Lyon, Augsburg, La Paz. Karriere eines Gestapo-Chefs. Berlin 1984. ISBN 3-88022-295-9 (Erstausgabe: Klaus Barbie, the Butcher of Lyons Michael Joseph, London 1984, ISBN 0-7181-2327-1, häufige Wiederaufl.)
  • Richard J. Golsan (Hg): Memory, the Holocaust, and French Justice. The Bousquet and Touvier Affairs Dartmouth College: University Press of New England (engl.)
  • Enzyklopädie des Holocaust: die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Hg. Eberhard Jäckel ... - Argon, Berlin 1993 ISBN 3-87024-300-7. Weitere Aufl. ebd. sowie Piper-Verlag, zuletzt Argon 2002
  • Erwin Nippert: Der Henker von Lyon in: dsb., Die Maske des Kunsthändlers. Ereignisse, Tatsachen, Zusammenhänge Militärverlag der DDR, Berlin 1983, erw. Aufl. 1985 u.ö. ISBN 3-327-00830-2 Seite 75 - 121 (ursprgl. Illustrierten-Berichte), mit Fotos und Dokumenten: Paßfoto von KB, Telegramm über die Verschleppung der 41 Kinder von Izieu, Gruppenfoto der Kinder, Foto Jean Moulin (Opfer von KB), Erschießung eines unbek. frz. Widerstandskämpfers auf Befehl von KB., Protest von Lyoner Bürgern bei StA Ludolph (BRD) gegen die Verfahrenseinstellung, Barbie frei in La Paz, ebenda im Gefängnis; Einlieferung ins Militärgefängnis in Lyon
  • Paul Dreyfus: Die Resistance. Geschichte des französischen Widerstands Heyne, München 1979 (journalistisch; der Autor erzählt, er habe Barbie 1976 in La Paz gesprochen, Inhalt des angebl. Gesprächs. S. 90 - 102)

[Bearbeiten] Weblinks

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