Moritz Hunzinger

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Moritz Hunzinger (* 26. Januar 1959 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Public-Relations-Berater. Von 1979 bis 2004 war er Vorsitzender des Vorstands der infas Holding AG, bis 2013 firmierend als Action Press Holding AG, vormalig Hunzinger Information AG. Seit 1. März 2007 ist er Geschäftsführer der GFI Gesellschaft für Informationswirtschaft GmbH.

Werdegang[Bearbeiten]

Hunzinger verbrachte den Großteil seiner Kindheit in Frankfurt. Er besuchte das Gymnasium sowie einige Jahre das Internat Institut auf dem Rosenberg im schweizerischen St. Gallen, das er ohne Schulabschluss verließ, und wechselte wieder auf ein Gymnasium in Frankfurt.

Mit 20 Jahren gründete Hunzinger 1979 die Hunzinger PR GmbH, die für Vertreter aus Politik und Wirtschaft tätig wurde. Im Jahr 1996 akquirierte er das infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft, dessen Aufsichtsratsvorsitz er übernahm. 1998 brachte er die Hunzinger Information AG an den Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse. 1999 kaufte die Hunzinger Information AG die action press gmbh in Hamburg, eine der weltweit größten Pressebildagenturen, und Moritz Hunzinger wurde dort auch Vorsitzender der Geschäftsführung. Im Jahr 2000 scheiterten Verhandlungen mit Josef von Ferenczy über den Kauf von dessen Agentur.[1][2]

Von 2004 bis 2013 firmierte der Konzern als Action Press Holding, seit 2013 als infas Holding AG. Nach wie vor gehören große Anteile der infas Holding AG der Effecten-Spiegel AG, der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften (BGAG) und dem Deutschen Beamtenbund (DBB). Hunzinger ist nach Angaben von Bolko Hoffmann, dem 2007 verstorbenen Großaktionär der Effecten-Spiegel AG, die 2002 die Aktienmehrheit an der infas Holding AG erworben hat, 2004 auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die Neuausrichtung des Konzerns aus dem Unternehmen ausgeschieden. Über seine Ruhegeldansprüche von 220.000 Euro jährlich hat das OLG Düsseldorf am 12. September 2007 entschieden.

Hunzingers geschäftliche Tätigkeit und sein öffentlicher Ruf gründen sich auf der Kontaktvermittlung zwischen Interessengruppen, Politikern und der deutschen Wirtschaft. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch seine umstrittene Beratungstätigkeit für den damaligen Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping sowie die Vergabe eines günstigen Privatkredits an den damaligen Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir bekannt, die sogenannte Hunzinger-Affäre.[3] Im September 2002 wurde Hunzinger deshalb öffentlich vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) – ein von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und der Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) getragenes Organ der freiwilligen Selbstkontrolle – gerügt. Aus der Begründung: „Er hat ... in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, dies sei übliche PR-Praxis.“[4].

Von 1999 bis 2003 war Hunzinger Bundesschatzmeister der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und bis 2004 deren Treuhänder. Er beriet die Europäische Kommission in Fragen der Zusammenarbeit mit den Ländern Ost- und Mitteleuropas, zugeordnet dem Kabinett des seinerzeitigen EU-Vizepräsidenten Martin Bangemann. Seit 2001 ist Hunzinger auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Brocard Group GmbH & Co. KGaA, eines deutschen Parfümeriehandelsunternehmens in der Ukraine und in Russland.

FlowTex-Affäre[Bearbeiten]

Für eine uneidliche Falschaussage vor dem FlowTex-Untersuchungsausschuss des Baden-württembergischen Landtags wurde Hunzinger 2008 zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt.[5][6] Hunzinger hatte versucht, den damaligen Wirtschaftsminister Walter Döring zu entlasten. Döring hatte eine Image-Umfrage bei einer Tochtergesellschaft der Hunzinger-Information AG, dem infas-Institut in Auftrag gegeben, die von der Hunzinger-Information AG und einer Tochterfirma der FlowTex-Gruppe bezahlt wurde.[7][8]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Hunzinger wurde unter anderem mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1999) und der Ehrenmedaille der Bundeswehr des Bundesministers der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland (1998) ausgezeichnet.

Hunzinger hat mehrere akademische Ehrentitel, unter anderem ist er seit 2008 Ehrensenator der privaten Münchener Ukrainischen Freien Universität (München), ferner seit 2009 Ehrendoktor und seit 2010 u.a. Honorarprofessor der Nationalen Pädagogischen Dragomanov-Universität Kiew auf Lebenszeit.[9] Seit 1. Dezember 2014 ist er Inhaber der Universitätsprofessur für PR und Kommunikation am Institut für Soziologie, Psychologie und Soziale Kommunikationsmittel und somit das erste ausländische Fakultätsmitglied der Nationalen Pädagogischen Dragomanov-Universität [1].

Trivia[Bearbeiten]

1986 wurde Hunzinger für die Montage einer übergroßen Swatch-Uhr an ein Bürogebäude ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rupert Ahrens und Eberhard Knödler-Bunte: Public Relations in der öffentlichen Diskussion: die Affäre Hunzinger - ein PR-Missverständnis. Herausgegeben im Auftrag der Gesellschaft der Public-Relations-Agenturen (GPRA), Berlin : Media-mind-Verlag 2003, ISBN 3-934630-01-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Thomas Tuma: Public Relations – Luft + Luft = Preßluft. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1998 (online).
  2.  Public Relations – Er wollte Herrschaft. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1998 (online).
  3. spiegel.de: Cem Özdemir im Interview: "Ich war einfach zu naiv"
  4. PR-Rat rügt Moritz Hunzinger. In: Rhein-Zeitung, 12. September 2002
  5. Umfragenaffäre, PR-Manager Hunzinger verurteilt, Spiegel Online, 3. Mai 2006
  6. Falschaussage, Hunzinger muss zahlen, Manager-Magazin, 10. Juni 2008
  7. Hunzinger wegen Falschaussage verurteilt. faz.net 3. Mai 2006
  8. Hunzinger muss zahlen. Manager-Magazin online, 10. Juni 2008
  9. (Bild-Zeitung Frankfurt, 19. August 2010, und PR-Journal, 23. August 2010) pr-journal.de