Konzern

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Als Konzern (aus engl. concern „Firma, Unternehmen; Interesse”, das letztlich auf lat. concernere „(ver-)mischen” zurückgeht) bezeichnet man

Ein Konzern besteht aus einem Mutterunternehmen und einem oder mehreren Tochterunternehmen. Die Tochterunternehmen sind wirtschaftlich und finanziell gegenüber dem Mutterunternehmen unselbständig, rechtlich aber selbständig und erstellen eigene Bilanzen und Erfolgsrechnungen, die dann in der Konzernbilanz und Konzernerfolgsrechnung zusammengeführt werden.

Der Konzernbegriff[Bearbeiten]

in Deutschland[Bearbeiten]

Konzern und Konzernunternehmen sind in § 18 Aktiengesetz beschrieben, siehe auch

Hauptartikel: Konzernrecht (Deutschland)

in der Schweiz[Bearbeiten]

Der Konzern ist im Schweizer Aktienrecht nur knapp im Artikel 663e OR als Zusammenfassung mehrerer Gesellschaften unter einheitlicher Leitung definiert. In der Schweiz gibt es einige Konzerne von Weltrang, wie etwa Nestlé oder die Pharma-Multis Novartis und Hoffmann-La Roche.

Betriebswirtschaftliche Formen[Bearbeiten]

Vertikaler Konzern[Bearbeiten]

Beispiel eines vertikalen fiktiven Konzerns.

Als einen vertikalen Konzern bezeichnet man Konzerne, die die vor- und nachgelagerten Stufen der eigentlichen Wertschöpfung bzw. Leistungserstellung umfassen, d.h. ein breites Spektrum der Leistungserstellung selbst abdecken und nicht von externen Unternehmen beziehen. Beispiel wäre dafür eine Unternehmensgruppe der Montanindustrie, die sowohl Kohle und Eisenerz abbaut als auch Stahl produziert und evtl. auch vermarktet.

Allerdings ist diese Konzernform heutzutage zum Teil überholt – sie erweist sich in der modernen Wirtschaft oft als unökonomisch. Rohstoffe für die Weiterverarbeitung, Zulieferungsteile usw. produziert man heute nicht mehr selbst, sondern kauft sie bei wechselnden Lieferanten zu den jeweils günstigsten Preisen. Beispiel für diese Form der Produktion, auch Lean Production genannt, wären Unternehmen der Automobilindustrie wie beispielsweise Daimler oder BMW.

Horizontaler Konzern[Bearbeiten]

Beispiel eines horizontalen fiktiven Konzerns.

Diese Form ist eine alte, aber immer noch aktuelle gesellschaftsrechtliche Konstruktion. Man versteht darunter Unternehmen, die auf der gleichen Produktions- oder Handelsstufe arbeiten. So produziert der Volkswagen-Konzern vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine alles. Dabei wird versucht, im Allgemeinen eine Monopolstellung in ihrem Markt durch Eingliederung oder Verdrängung von Konkurrenten zu erreichen.

Aldi Nord und Aldi Süd bilden einen horizontalen Konzern.[1]

Lateraler Konzern[Bearbeiten]

Beispiel eines fiktiven Mischkonzerns.

Der laterale Konzern, auch Mischkonzern, Konglomerat oder anorganischer Konzern genannt, besteht aus Unternehmen, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Die einzelnen Unternehmen haben nur geringe geschäftliche Beziehungen untereinander.

Als multinationale Konzerne werden des Weiteren jene Konzerne bezeichnet, die Standorte in mehreren Staaten besitzen.

Entstehung von Konzernen[Bearbeiten]

Häufig ergeben sich Konzerne als Folge organischen Wachstums, das die Gründung von Tochterunternehmen als zweckmäßig erscheinen lässt. Daneben führen auch gezielte Expansions- und Diversifikationsstrategien zur Bildung von Konzernen bzw. deren Erweiterung (vertikale und/oder horizontale Expansion sowie laterale Expansion oder Diversifikation, Outsourcing). Zudem kann auch das Motiv, Transparenz zu verhindern, zur Verschachtelung von Konzernunternehmen führen.

Das Konzerngebilde wirft zum einen Fragen auf nach der rechtlichen Zuständigkeit und Verantwortung für Finanzrisiken im Konzern, der Thematik von verdeckten Sacheinlagen und Nachgründungen im Konzern oder der Haftung aufgrund von Konzernbesicherungsverhältnissen (siehe Konzernhaftung). Auch das Steuerrecht entwickelt im Konzerngebilde eine eigenständige, über die einzelne Konzerngesellschaft als Steuersubjekt hinausgehende Bedeutung (Konzern-Steuerpolitik, Organschaft). Schließlich gewinnt im Konzern auch die Bilanzierungspolitik als Mittel der Ergebnissteuerung (zum Beispiel phasengleiche Gewinnvereinnahmung, Verrechnungspreisstrategien: Fremdvergleichsgrundsatz „arm’s length“, bilanzielle Behandlung derivativer Firmenwerte) ein besonderes Gewicht. Die Globalisierung der Wirtschaft führt zu neuen Fragestellungen des internationalen Konzernrechts.

Aufbau[Bearbeiten]

Muttergesellschaft[Bearbeiten]

Eine Muttergesellschaft beteiligt sich an anderen Unternehmungen und übernimmt die Verwaltung und Führung für die dann so genannten Tochtergesellschaften. Sie ist jedoch noch im angestammten Gebiet der Produktion und des Verkaufs tätig. Man spricht somit von einer Misch-Holding, die eine Doppelfunktion hat.

Holding-Gesellschaft[Bearbeiten]

Die Holding als eine spezielle Form der Muttergesellschaft ist eine Finanz- und Dachgesellschaft, die aber keine Betriebstätigkeit ausübt und keinen Kundenkontakt führt. Die Vorteile der Holding sind die einfachere Führung des Konzerns und das steuerrechtliche Holdingprivileg, durch das sie keine Gewinnsteuern zahlen muss.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Emmerich, Volker/Habersack, Mathias: „Aktien- und GmbH-Konzernrecht“, 5. Aufl., München 2008, ISBN 3-4065-5915-8.
  • Hoffmann, Friedrich (Hrsg.): „Konzernhandbuch“, Wiesbaden 1993, ISBN 3-409-19953-5.
  • Herkenroth, Klaus/Hein, Oliver/Labermeier, Alexander/Pache, Sven/Striegel, Andreas/Wiedenfels, Matthias: „Konzernsteuerrecht“, Gabler Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8349-0474-4.
  • Löding, Thomas/Schulze, Kay Oliver/Sundermann, Jutta: „Konzern, Kritik, Kampagne! Ideen und Praxis für soziale Bewegungen.“ VSA-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-89965-199-5.
  • Melicharek, Peter/Haberler, Veronika: "Konzernleitung durch die (österreichische) Privatstiftung und der automatisch ausgedehnte Zustimmungsvorbehalt.", Aufsichtsrat aktuell 4/2013, Linde Verlag Artikel als PDF.
  • Scheffler, Eberhard: Konzernmanagement, 2. Aufl., München 2005, ISBN 3-8006-3097-4.
  • Schulte-Zurhausen, Manfred: „Organisation“, 3. Auflage, Vahlen Verlag 2002, ISBN 3-8006-2825-2.
  • Theisen, Manuel René: „Der Konzern – rechtliche und betriebswirtschaftliche Grundlagen der Konzernunternehmung“ , 2. Auflage, Schäfer-Poeschel, 2000, ISBN 3-7910-1487-0.
  • Werner, Klaus: Das neue Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften der Weltkonzerne. Ullstein Verlag, Neuauflage 2006, ISBN 3-548-36847-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Bundeskartellamt (Beschluss B2 – 359/07 vom 2. Juli 2008; PDF; 248 kB) betrachtet sie als faktischen Gleichordnungskonzern im Sinne von § 18 Abs. 2 Aktiengesetz (Deutschland)
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