Mountaintop removal mining

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Mountaintop removal mining
Sprengungen auf einer teilweise abgetragenen Bergkuppe

Mountaintop removal mining (auch: mountaintop mining) ist eine spezielle Form des Tagebaus in den USA. Bedingt durch die Lagerungsverhältnisse der Steinkohle in den Appalachen besteht der Abraum aus Bergkuppen, die die Steinkohlenflöze überdecken.

Abbautechnik[Bearbeiten]

Das wenige Meter bis zu etwa 120 Meter mächtige Hangende bzw. Deckgebirge der Lagerstätte wird gesprengt und anschließend mit Baggern und Groß-Muldenkippern abgeräumt. Die beim Abbau der oberen Flözgruppe durch die Zwischenmittel anfallenden Berge werden in der Regel in einem benachbarten Tal aufgehaldet. Danach wird die Kohle des unteren Flözes abgebaut. Der zwischen oberer Flözgruppe und tiefem Flöz anfallende Abraum wird auf dem Liegenden des unteren Flözes abgekippt. Bereits während des Abbaues beginnt die Rekultivierung. Ist die Kohle eines Gebietes abgebaut, so bleibt ein wiederaufgeforsteter Hügel zurück, der etwas niedriger als die ursprüngliche Bergkuppe ist.[1][2]

Abbauverluste[Bearbeiten]

Durch die geringe Überdeckung bei vergleichsweise hohen Kohlemächtigkeiten ist die Gewinnung im Tagebau kostengünstiger als ein Abbau im Untertagebau. Es entstehen kaum Abbauverluste, die beim untertägigen Abbau (beispielsweise im room-and-pillar-Verfahren) bis zu 50 % betragen können. Der Einsatz von Tagebaugeräten senkt den Personaleinsatz erheblich und steigert somit die Förderleistung pro Beschäftigtem.

Umweltauswirkungen[Bearbeiten]

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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2012

Nach einer Studie der US-Umweltbehörde EPA sollen in den Appalachen bis zum Jahr 2012 5.700 Quadratkilometer Land, davon häufig Waldfläche, betroffen sein.[3] Seit dem Beginn des mountaintop removal minings wurden in den Appalachen von den 1970er Jahren bis 2008 rund 500 Bergkuppen abgetragen.[4]

Bergschäden[Bearbeiten]

Untertägiger Abbau ist bei diesen Lagerungsverhältnissen oftmals geomechanisch nicht beherrschbar. Würde die Kohle abgebaut werden, ginge die Bergkuppe darüber zu Bruch. Ein solches Bruchfeld würde eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen und müsste somit gegen Betreten gesichert werden. Rutschungen wären nicht auszuschließen.

Da die Appalachen dünn besiedelt sind, werden Gebäude und Bauwerke nicht beeinträchtigt. Bisher wurden auch keine Ortschaften devastiert, wie das beispielsweise im deutschen Braunkohlebergbau immer wieder notwendig ist.

Bergschäden im eigentlichen Sinne gibt es daher nicht, jedoch wird die Landschaft großräumig verändert.[5]

Kritik[Bearbeiten]

Wasserhaushalt[Bearbeiten]

Aufgrund der Intensität des Eingriffes in Ökologie, Natur und Landschaft ist das mountaintop removal mining stark umstritten. Durch die Verkippung eines Teils des Abraums in nahegelegene Täler oder Flussläufe (englisch valley fills) soll es zu massiven Eingriffen in den Wasserhaushalt kommen.[3] Mittlerweile sollen ca. 1200 km Flussläufe unter verlagertem Abraum begraben sein.[3] Laut EPA unterliegt jedoch das Verkippen der Täler verschiedenen amerikanischen Gesetzen wie dem „Clean Water Act“ (CWA) und dem „Surface Mining Control and Reclamation Act“ von 1977 (SMCRA).[1] Zudem soll bei der Gewinnung der Kohle entstehender, stark mit Schwermetallen wie z. B. Quecksilber, Selen und Arsen belasteter Schlamm Umwelt und Gewässer verseuchen.[4][6]

Gesundheit[Bearbeiten]

Umweltschützer betonen vom mountaintop removal mining ausgehende „große Gefahren“ für die Gesundheit der Bewohner angrenzender Gebiete. So sei es zu einer starken Zunahme von Fehlbildungen an Säuglingen gekommen und die Gefahr, an gesundheitlichen Problemen wie Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen zu leiden, drastisch gestiegen.[7]

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Appalachen haben eine der höchsten Biodiversitäten in der gemäßigten Klimazone, die stark unter den Eingriffen leide.[5]

Landschaftsveränderungen[Bearbeiten]

Die Landschaft werde großflächig zerstört und durch das Abtragen der Bergspitzen in ihrem Charakter tiefgreifend verändert.[5] Demgegenüber stellt die EPA fest, dass nach dem Abbau der Kohle die Bergkuppen renaturiert werden.[1]

Verstromung von Appalachenkohle in Deutschland[Bearbeiten]

Die Organisationen Urgewald und FIAN kritisieren in Zusammenarbeit mit „Keepers of the Mountains“ den Steinkohleimport aus den Vereinigten Staaten und anderen Ländern durch deutsche Energieunternehmen. Gefordert wird unter anderem Transparenz sowie verbindliche und überprüfbare Sozial- und Umweltstandards.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mountaintop removal mining – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c What is mountaintop mining? In: Mid-Atlantic Mountaintop Mining. United States Environmental Protection Agency (EPA), abgerufen am 10. August 2013 (englisch).
  2. Mountaintop Mining/Valley Fill Process. In: Mid-Atlantic Mountaintop Mining. United States Environmental Protection Agency (EPA), abgerufen am 10. August 2013 (englisch).
  3. a b c Weg mit den Bergen. In den USA wächst der Widerstand gegen eine brutale Form des Steinkohleabbaus. In: Die Zeit. 18. Oktober 2007, abgerufen am 10. August 2013.
  4. a b Dietmar Ostermann: Virginia. Die Kuppen fliegen weg. In: Frankfurter Rundschau. 1. Juli 2008, abgerufen am 10. August 2013 (html).
  5. a b c Obama-Effekt erreicht Bergbau und Banken. UBS überprüft ihre Geschäftspolitik in den «geköpften Bergen». In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Dezember 2010, abgerufen am 10. August 2013: „Zurück bleibt eine platte Trümmerlandschaft mit verstopften Tälern und umgeleiteten Wasserläufen.“
  6. Thomas von Grünigen: Umweltschäden durch Kohleabbau. die Rolle der UBS. In: Rundschau. Schweizer Radio und Fernsehen, 2. Mai 2012, abgerufen am 10. August 2013.
  7. Melissa M. Aherna, Michael Hendryxb, Jamison Conleyc, Evan Fedorkoc, Alan Ducatmanb, Keith J. Zulligb: The association between mountaintop mining and birth defects among live births in central Appalachia, 1996–2003. 23. Juni 2011, abgerufen am 10. August 2013.
  8. Bitter Coal. Ein Dossier über Deutschlands Steinkohleimporte. urgewald, FIAN Deutschland, 2013, abgerufen am 10. August 2013 (pdf,1,35 MB).