Nationale Befreiungsfront (Algerien)

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Nationale Befreiungsfront
جبهة التحرير الوطني
Flag of Algeria (1958-1962).svg
Partei­vorsitzender Abd al-Aziz Bouteflika
Gründung 1. November 1954
Haupt­sitz Algier
Aus­richtung Sozialismus
Farbe(n) grün, rot und weiß
Parlamentsmandate 208 / 462
Internationale Verbindungen Sozialistische Internationale (assoziiert)

Die Nationale Befreiungsfront (arabisch ‏جبهة التحرير الوطني‎, DMG ǧabhat at-taḥrīr al-waṭanī, oft auch französisch FLN Front de Libération Nationale) ist eine algerische Partei, die aus einer früheren Befreiungsbewegung heraus entstanden ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Algerienkrieg[Bearbeiten]

Der FLN wurde im März 1954 von Ahmed Ben Bella in Kairo gegründet, um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich zu erreichen. Im November 1954 begann mit dem bewaffneten Kampf des FLN und ihrer Armee ALN (Nationale Befreiungsarmee) der Algerienkrieg. In diesem konnte die FLN 1962 nicht nur die Unabhängigkeit Algeriens erreichen, sondern auch konkurrierende Unabhängigkeitsbewegungen ausschalten.

Der FLN organisierte sich politisch als Kaderpartei analog zu den kommunistischen Parteien des Ostblocks. Oberste Instanz war das Zentrale Exekutivkomitee in Algier, das als Schattenkabinett den Kern der zukünftigen Regierung stellen sollte. Den militärischen Einheiten wurden Politoffiziere zugeordnet. Die FLN unterteilte Algerien in sechs Bezirke (Wilayat), über die jeweils eine politische Führungszelle die Oberhoheit hatte. Algier selbst stand direkt unter dem Befehl des Zentralen Exekutivkomitees. Die größte militärische Einheit war das Bataillon mit 350 Mann. Der FLN verlangte von seinen Angehörigen ein hohes Maß an Disziplin. Aufgrund zahlreicher Disziplinarverstöße, unter anderem Dissens gegen die politische Führung, konnte die Todesstrafe verhängt werden.[1] Im Sommer 1956 erklärte sich der FLN in einer 22-tägigen Konferenz im Soummamtal mitten im besetzten Algerien als Vertretung eines souveränen algerischen Gegenstaates. Die Distrikte selbst wurden in Zonen und Sektoren unterteilt, um die Autonomie der Sektorkommandeure einzuschränken. Der politischen Führung sollte dadurch gegenüber der militärischen Führung der Rücken gestärkt werden. Als oberstes Führungsorgan wurde ein 34-köpfiger Nationaler Rat für die Algerische Revolution innerhalb Algeriens aufgestellt. Die Konferenz fand maßgeblich unter der Federführung Abane Ramdanes statt.[2]

Am 19. September 1958 rief der FLN in Kairo eine eigene Provisorische Regierung aus und erklärte Algerien am 19. September 1958 für unabhängig. Alle anderen arabischen Staaten und zahlreiche weitere Nationen der Bewegung der Blockfreien Staaten erkannten die Regierung als souveräne Vertretung des algerischen Volkes an. Der FLN unterhielt eigene Büros in zwanzig Hauptstädten, insbesondere am Sitz der Vereinten Nationen in New York.[3]

Die politische Führung des FLN, zumeist außerhalb Algeriens residierend, verlor während des Krieges mit der Zeit immer mehr das Vertrauen der die Last der Kämpfe tragenden Guerilla in Algerien. In drei von sechs Militärbezirken kam es zu Opposition gegenüber der Führung. 1959 desertierten mehrere FLN-Führungskader des Bezirks Vier. Im Zuge der politischen Desavouierung der Provisorischen Regierung übernahm die regulär ausgebildete, in Marokko und Tunesien aufgestellte äußere ALN immer mehr politisches Gewicht. 1959 kam es zu einem Putschversuch von Offizieren, der unter der Federführung des Oberst Houari Boumedienne niedergeschlagen wurde. Boumedienne erreichte jedoch ein derartiges Gewicht innerhalb des FLN, dass er 1960 die Entlassung ihm missliebiger Politiker aus der Provisorischen Regierung diktieren konnte.[4]

Republik Algerien[Bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit entwickelte sich der FLN unter Ahmed Ben Bella zu einer sozialistisch ausgerichteten Einheitspartei. Doch schon unter Houari Boumedienne (1965–1978) wurde versucht, Sozialismus und Islam in der Politik zu berücksichtigen. Nachdem es in den 1980er Jahren wegen der schlechten Wirtschaftslage zu Protesten kam, musste Chadli Bendjedid (1978–1992) einer neuen Verfassung zustimmen und ein Mehrparteiensystem einführen. Bei den ersten freien Wahlen 1991 erlitt der FLN im ersten Wahldurchgang eine schwere Niederlage. Der Sieg der Islamisten (FIS) wurde durch einen Staatsstreich der Militärs verhindert, der den algerischen Bürgerkrieg auslöste. Auch 1997 wurde der FLN nur drittstärkste Kraft in der Nationalen Volksversammlung. Am 27. April 1999 jedoch wurde Abd al-Aziz Bouteflika als Kandidat des FLN zum Präsidenten Algeriens gewählt. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen am 9. April 2009 wurde Bouteflika mit 90,24 Prozent wiedergewählt. Die letzten Parlamentswahlen fanden am 10. Mai 2012 statt. Die Nationale Befreiungsfront FLN wurde stärkste Regierungspartei.


Seit 2013 ist der FLN assoziiertes Mitglied der Sozialistischen Internationale.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Schmid: Algerien. Frontstaat im globalen Krieg? Neoliberalismus, soziale Bewegungen und islamische Ideologie in einem nordafrikanischen Land. Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-019-6.
  • Bernhard Schmid: Das koloniale Algerien. Unrast, Münster 2006, ISBN 3-89771-027-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Evans: Algerie. France's Undeclared War. Oxford University Press, Oxford u. a. 2012, ISBN 978-0-19-966903-5, S. 177–180.
  2. Martin Shipway: Decolonization and its Impact. A Comparative Approach to the End of the Colonial Empires. Blackwell, Malden MA u. a. 2008, ISBN 978-0-631-19967-0, S. 154.
  3. Martin Shipway: Decolonization and its Impact. A Comparative Approach to the End of the Colonial Empires. Blackwell, Malden MA u. a. 2008, ISBN 978-0-631-19967-0, S. 211 f.
  4. John Ruedy: Modern Algeria. The Origins and Development of a Nation. 2. Auflage. Indiana University Press, Bloomington IN u. a. 2005, ISBN 0-253-21782-2, S. 180–183.