Fußballauswahl des FLN

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Die Fußballauswahl des FLN (auch als „Unabhängigkeitself“, französisch Onze de l’indépendance, bezeichnet;[1] arabisch ‏فريق جبهة التحرير الوطني لكرة القدم‎, DMG farīq ǧabhat at-taḥrīr al-waṭanī li-kurat al-qadam) war eine Mannschaft, die im Auftrag der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Front de Libération Nationale (FLN) Fußballspiele austrug, um als „Botschafter der algerischen Nation“ die Selbständigkeit der französischen Kolonie zu propagieren und für internationale Unterstützung zu werben. Das Team bestritt während des Algerienkrieges zwischen 1958 und 1962 in Osteuropa, Asien und Afrika etwa 80 Begegnungen, wobei es sportlich sehr erfolgreich war. Es setzte sich aus Spielern zusammen, die bis unmittelbar vor seiner Gründung größtenteils in der professionellen Première Division des „Mutterlandes“ Frankreich, vereinzelt auch bei nordafrikanischen Vereinen tätig waren. Nachdem Algerien die Unabhängigkeit erlangt hatte, arbeiteten zahlreiche seiner rund 30 Mitglieder als Spieler, Trainer oder Funktionäre im 1963 gegründeten algerischen Fußballverband mit; in die französischen Profiligen kehrte nur eine Minderheit von ihnen zurück. Aufgrund dieser personellen Kontinuität gilt die FLN-Auswahl als legitimer Vorgänger der Fennecs, der offiziellen Nationalmannschaft des Landes, als die sie zahlreiche Algerier auch damals schon ansahen.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Siehe auch: Algerienkrieg

Algerien war seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Teil der französischen Kolonialbesitzungen in Nordafrika; da es Hauptziel der Immigration von Festlandsfranzosen – aber auch zahlreicher Spanier und Italiener – war, wurde das Gebiet politisch und verwaltungsmäßig zunehmend enger an Frankreich angebunden. Die an der Mittelmeerküste gelegenen Siedlungskerne Algier, Oran, Constantine und Bône wurden zu Hauptorten und Präfektursitzen von vier Départements, die als „französisches Algerien“ (Algérie française) integraler Bestandteil des französischen Staates waren. Innerhalb der algerischen Gesellschaft dominierten die Angehörigen der europäischen Einwanderer, in Frankreich als Algerienfranzosen bzw. Pieds-Noirs („Schwarzfüße“) bezeichnet; auch die Zivilverwaltung und die Besatzungsarmee standen fest unter europäischer Kontrolle.

Die „Nationale Befreiungsfront“ FLN war die aus der paramilitärischen Organisation spéciale (OS) von 1947 und dem Comité révolutionnaire d'unité et d'action (CRUA) von 1954 entstandene Nachfolgeorganisation, die einen Plan für den Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich ausarbeiten und dabei die strukturellen und strategischen Fehler der vorangegangenen Jahre vermeiden wollte. Wenngleich der Beginn des Algerienkriegs bereits auf 1954 zu datieren ist,[2] nahmen die militärischen Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Kräften des einheimischen FLN und der französischen Armee nach der Schlacht von Algier (1957) eine neue Qualität an. Die Brutalität der „antirevolutionären Kriegführung“ unter General Salan und die Repressionsmaßnahmen der Verwaltungsorgane verstärkten die Unterstützung weiter Teile der Bevölkerung für den FLN.[3] Der Konflikt wirkte sich auf alle Lebensbereiche aus: so explodierte am 10. Februar 1957 unter anderem eine Bombe im Fußballstadion von El Biar und tötete acht Fans, woraufhin französische Zuschauer drei Algerier lynchten.[4] Überlagert wurde dieser Kolonialkrieg von einem blutigen „Bruderkonflikt“ zwischen dem FLN und dem Mouvement National Algérien (MNA) unter Messali Hadj, der hauptsächlich in Frankreich selbst ausgetragen wurde.[5] So tötete ein FLN-Mitglied den wegen seiner moderaten Haltung als „Verräter“ bezeichneten Nationalversammlungsabgeordneten Ali Chekkal am 26. Mai 1957, während dieser auf der Haupttribüne des Pariser Olympiastadions an der Seite von Staatspräsident René Coty dem französischen Pokalfinale beiwohnte.[6]

Der auch für Frankreich schmerzhafte Prozess der Entkolonialisierung als Folge des Indochinakriegs – von der militärischen Niederlage in Vietnam (1954) über die Unabhängigkeit Marokkos und Tunesiens hin zur Suezkrise (1956) – beschleunigte das Ende der Vierten Republik; am 1. Juni 1958 wurde Charles de Gaulle zum Ministerpräsidenten mit außerordentlichen Vollmachten gewählt. Ende 1958 scheiterte eine UN-Resolution zugunsten der algerischen Unabhängigkeit noch knapp an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit (35:18 bei 28 Enthaltungen); zwei Jahre später hingegen wurde ein entsprechender Beschluss mit 63:8(:27) gefasst.[7] Im September 1959 kündigte de Gaulle an, Algerien die Selbstbestimmung zu gewähren; ab Juni 1960 begannen Verhandlungen mit Vertretern der provisorischen Regierung Algeriens in Melun. Auch wenn es dagegen sowohl in Frankreich als auch bei Teilen insbesondere der nicht-arabischen Bevölkerung Algeriens erhebliche Widerstände gab – beispielsweise bildete sich im Januar 1961 die prokoloniale Untergrundorganisation OAS, die erstmals im April des Jahres gegen de Gaulles Politik putschte –, schritt dieser Prozess voran.

Mit dem Inkrafttreten der Verträge von Évian nach positivem Ausgang der Referenden in Frankreich (8. April 1962, 91 % Ja-Stimmen) und Algerien (3. Juli 1962, 99,7 %)[8] endete die französische Herrschaft; dies war auch der Zeitpunkt, zu dem die Fußballauswahl des FLN aufgelöst wurde. An ihre Stelle trat die algerische Nationalmannschaft, die im Januar 1963 ihr erstes offizielles Länderspiel bestritt, nachdem der nationale Fußballverband Fédération Algérienne de Football in den Weltfußballverband FIFA aufgenommen worden war.

Algerier im französischen Berufsfußball[Bearbeiten]

Saison Zahl algerischer
Profis in franzö-
sischen Klubs
davon:
neu ver-
pflichtete
1947/48 15 00
1949/50 16 02
1955/56 19 03
1956/57 32 15
1957/58 33 07
1958/59 19 07
1960/61 15 03
1961/62 12 03
1964/65 09 01
1969/70 07 01

Der Fußball gehörte in Algerien bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den bevorzugten Sportarten,[9] und das nicht nur bei den europäischen Einwanderern, sondern auch in der autochthonen Bevölkerung.[10] So gab es 1934 in den algerisch-französischen Départements mehr registrierte Spieler als im Großraum Paris.[11] Schon seit dem Ersten Weltkrieg waren zahlreiche Fußballer aus Nordafrika von den großen Vereinen Frankreichs verpflichtet worden.[12] Olympique Marseille etwa galt in den 1930er Jahren als „Filiale Algeriens“, wofür spätere Nationalspieler wie Joseph Alcazar, Emmanuel Aznar, Abdelkader Ben Bouali und Mario Zatelli als bekannteste Beispiele stehen.[13] Nach dem Zweiten Weltkrieg bedienten sich Frankreichs Profiklubs verstärkt im Maghreb; wie schon in den 1930er Jahren zog es die neu Verpflichteten ganz überwiegend zu südfranzösischen Vereinen, und in der Mehrzahl handelte es sich um Offensivspieler.[14] Dass Nordafrikaner als französische Staatsangehörige galten, erleichterte den Klubs die Einhaltung der vom Verband vorgeschriebenen Beschränkung auf anfänglich zwei Ausländer pro Mannschaft. Dazu kam, dass sie ihnen in der Regel weniger bezahlen mussten[15] und dafür qualitativ mindestens gleichwertige Spieler bekamen: 1954 schlug eine Nordafrika-Auswahl Frankreichs A-Nationalelf im Pariser Prinzenparkstadion mit 3:2, wobei mit Abderrahman Mahjoub und Abdelaziz Ben Tifour zwei Maghrebiner den blauen Dress der Franzosen trugen, während der französische Nationalspieler Larbi Ben Barek als Kapitän der Nordafrika-Auswahl fungierte.[16] Auch die Tatsache, dass der bescheidene algerische Amateurligist SCU El Biar die zu europäischer Bedeutung aufgestiegene und in Bestbesetzung angetretene Erstligaelf von Stade Reims 1957 aus dem französischen Pokalwettbewerb zu eliminieren vermochte, ist ein Indiz für die Existenz eines beachtlichen Talentreservoirs an der Südküste des Mittelmeeres.[17]

Von den 40 nordafrikanischen Spielern, die zwischen 1945 und 1955 in Frankreich unter Vertrag genommen wurden, waren 23 Algerier.[18] 1956 und 1957 nahm ihre Zahl stark zu, um ab 1958 rapide zurückzugehen (siehe Tabelle rechts).[19] Hingegen wurden, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, Fußballer aus den frankophonen Teilen Schwarzafrikas, insbesondere Französisch-Westafrika, erst ab Mitte der 1950er verpflichtet und machten erst ab Mitte der 1960er mehr als ein Drittel aller ausländischen Spieler aus.[20] Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind es eher die algerischstämmigen Angehörigen der zweiten und dritten Immigrantengeneration wie Zinédine Zidane oder, noch aktueller, Samir Nasri und Karim Benzema, die die Bedeutung Algeriens für den französischen Profifußball veranschaulichen. Erstligaspieler, die ausschließlich die algerische Staatsbürgerschaft besaßen und von einem dortigen Verein kamen, gab es 1991 lediglich noch zwei.[21] Auch diese gegenwärtigen Beispiele bestätigen allerdings, dass die beiden obigen Aussagen über die frühen Jahre weiterhin zutreffen, wonach das algerische Erbe vor allem im südlichen Frankreich und, fußballerisch, im Offensivbereich anzutreffen ist.[22]

Entstehung des FLN-Teams[Bearbeiten]

Die Planungsphase[Bearbeiten]

Im Herbst 1957, nach der Schlacht von Algier, beschloss die Leitung des FLN, eine „algerische Nationalmannschaft“ aufzubauen, um damit in anderen Staaten für die Unabhängigkeit Algeriens zu werben.[23] Sie sollte auf dem sportlichen Sektor ergänzen, was durch die Gründung autonomer algerischer Organisationen in anderen Bereichen (Militär, Gewerkschaften, Studentenverband, Kulturvereine) zuvor bereits gelungen war: den Nachweis zu erbringen, dass das Land zu einer eigenständigen Entwicklung fähig war, und zugleich die Voraussetzungen für ein funktionierendes Gemeinwesen nach dem „Sieg der Revolution“ zu schaffen. Zudem erhoffte man sich positive Auswirkungen auf die Moral der eigenen Bevölkerung. Dazu schien es erforderlich, eine wirklich spielstarke Elf zusammenzustellen, weshalb sie aus Profis bestehen sollte.[24] Dabei betrachtete eine Strömung innerhalb der FLN-Führung den Fußballsport, insbesondere den professionellen, als „Teil des kolonialherrschaftlichen Erbes“, der die kulturelle Hegemonie Frankreichs sichern helfe.[25] Im Endergebnis konnte sich diese Position allerdings nicht durchsetzen. Das offizielle FLN-Kommuniqué vom 15. April 1958 betonte vielmehr die Bedeutung einer erfolgreichen Mannschaft für die Herausbildung einer „nationalen Identität“ und lobte die Spieler als „konsequente Patrioten, die die Unabhängigkeit ihres Vaterlands über alles andere stellen und der algerischen Jugend ein Beispiel von Mut, Rechtschaffenheit und Selbstlosigkeit geben“.[26]

Mit der Aufgabe, die Spieler auszuwählen, wurde Mohamed Boumezrag betraut, zu dieser Zeit eines der Vorstandsmitglieder des algerischen Regionalverbandes der Fédération Française de Football (FFF), der sie später auch trainierte und während der Reisen betreute. Politisch war seitens des FLN Mohamed Allam für die Planung und Geheimhaltung während der Aufbauphase, danach für die Reiselogistik und den Schutz der Spieler verantwortlich.[27] Die Organisatoren dieser Mannschaft konnten einigermaßen sicher sein, genügend viele gute Spieler rekrutieren zu können, weil etliche von ihnen den Kampf des FLN schon länger unterstützten. Sie leisteten – wie zahlreiche andere, in Frankreich arbeitende Algerier auch – regelmäßige Zahlungen, die „Revolutionssteuer“ (die Rede ist von bis zu 15 % ihres Spielergehalts),[28] und standen auch inhaltlich hinter der Unabhängigkeitsbewegung. Mustapha Zitouni erklärte dies später mit den Worten[29]

„Ich habe viele Freunde in Frankreich, aber das Problem ist größer als wir alle. Was würdest du tun, wenn dein Land sich im Krieg befindet und du gerufen wirst?“

Aus Geheimhaltungsgründen besuchte Boumezrag jeden in Frage kommenden algerischen Profi persönlich; teilweise versicherte er sich für die erste Kontaktaufnahme auch der Unterstützung durch Mannschaftskameraden, um deren Überzeugung er bereits wusste. Er übte in den Gesprächen zwar einen gewissen moralischen Druck aus, aber die Angesprochenen hatten offenbar keine ernsteren Repressalien zu befürchten, falls sie seiner Aufforderung nicht nachkommen wollten. Absagen erhielt er, aus unterschiedlichen Motiven, beispielsweise von Kader Firoud, Salah Djebaïli (beide bei Olympique Nîmes), Ahmed Arab (FC Limoges) oder Mahi Khennane (Stade Rennais UC).[30]

April 1958: Auf Schleichwegen nach Tunis[Bearbeiten]

Im Frühjahr 1958 waren die Vorbereitungen abgeschlossen – einschließlich einer möglichst unauffälligen Organisierung der Ausreise von Angehörigen der Spieler nach Tunesien –, so dass die Mannschaft der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte.[31] Der Zeitpunkt dafür war vom FLN in Hinblick auf mediale Wirkung und psychologischen Effekt gewählt worden. Meisterschaft und Pokalwettbewerb in Frankreich befanden sich im April in ihrer entscheidenden Phase, und das öffentliche Interesse an der französischen Nationalmannschaft, die sich mit einem Spiel am 16. April gegen die Schweiz auf die Endrunde der Weltmeisterschaft in Schweden vorbereiten wollte,[32] nahm ebenfalls zu – Frankreich sollte spüren, was es an seinen Algeriern hatte. Mustapha Zitouni und Rachid Mekhloufi standen im vorläufigen WM-Aufgebot der Bleus für dieses Turnier,[33] das keine zwei Monate nach Vorstellung der FLN-Auswahl begann; Letzterer war zudem mit der französischen Armeeauswahl im Sommer 1957 Militärweltmeister geworden.[34] Aufgrund dieser Absichten des FLN blieb Zitounis Bitte, die Aktion auf einen Zeitpunkt nach der WM zu verschieben, unberücksichtigt.[35]

Am 8. April 1958 benachrichtigte Boumezrag alle Spieler über den Zeitpunkt ihrer Abreise nach Tunis, dem Sitz der provisorischen algerischen Regierung, wo die FLN-Auswahl der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Zudem ließ er ihnen Reisepläne und konkrete Verhaltensratschläge, insbesondere für eventuelle kritische Begegnungen mit Polizisten und Grenzbeamten, zukommen.[36] Am 13. bzw. 14. April verließen zwölf algerische Fußballer (Aribi, Bekhloufi, Ben Tifour, Boubekeur, Bouchouk, Brahimi, Chabri, Kermali, Maouche, Mekhloufi, Rouaï, Zitouni – Genaueres siehe unten, „Die Auswahlspieler“) in kleinen Gruppen, teilweise auch alleine, klammheimlich ihren Wohnort und ihren Klub in Frankreich.[37] Als Treffpunkt mit Boumezrag war Rom vereinbart; eine Gruppe fuhr mit dem Zug direkt nach Italien, eine weitere per Privatauto durch die Schweiz. Diese zweite Gruppe erreichte aufgrund von Visumproblemen – Frankreichs Regierung versuchte inzwischen mit diplomatischen und geheimdienstlichen Mitteln, den Spielerexodus zu stoppen – Tunis erst am 20. April, die beiden allein reisenden Spieler (Hacène Chabri und Mohamed Maouche) sogar noch sehr viel später.
Maouche wollte sich mit der Schweizer Gruppe in Lausanne treffen, verpasste diese jedoch. Da er noch in der französischen Armee diente, befürchtete er, nach 48 Stunden wegen Desertion zur Fahndung ausgeschrieben zu werden, und wollte deshalb vor Ablauf dieser Frist nach Frankreich zurückkehren. An der Grenze soll er jedoch verhaftet und für gut einen Monat arrestiert worden sein. Eine Militärgerichtsverhandlung blieb ihm anschließend allerdings erspart. Zur FLN-Auswahl stieß er erst Ende 1960.[38]
Chabri wurde in Menton, an der Grenze zu Italien, festgenommen, wo französische Beamte ihn einem Verhör unterzogen. Algerier standen seinerzeit unter dem Generalverdacht, Waffen bzw. größere Geldmengen zur Unterstützung des FLN außer Landes zu bringen. Da der Fußballer den wahren Grund für seinen Grenzübertritt verschwieg und keine die Polizisten überzeugende Erklärung geben konnte, wurde er nach Marseille gebracht, inhaftiert, später – als sein wahres Reisemotiv längst bekannt war – unter Anklage gestellt und wegen „Beeinträchtigung der Sicherheit des Staates“ (atteinte à la sûreté de l’État) auch verurteilt. Er verbüßte seine Strafe in einem Gefangenenlager nahe Algier und konnte erst im Oktober auf Umwegen nach Tunis gelangen.[39]

Die rechtzeitig angekommenen Spieler wurden in Tunis vom provisorischen Ministerpräsidenten Ferhat Abbas und Tunesiens Staatsoberhaupt Habib Bourguiba empfangen und dabei der Presse vorgestellt. Weitere Frankreichprofis erklärten ihre Unterstützung in den folgenden Tagen und Wochen. Offenbar war die Geheimhaltung im Vorfeld gelungen; das anschließende Medienecho war so gewaltig, wie vom FLN erhofft.[40] Die Schlagzeile von L’Équipe am 15. April lautete „9 algerische Fußballer verschwunden“;[41] France Football widmete dem Thema einige Tage später sogar vier Seiten.[42] Die öffentliche Diskussion über diesen Schritt verlief kontrovers. Die betroffenen Vereine kündigten die Spielerverträge fristlos, und der Verband zog ihre Lizenzen ein.[43] Dazu gab die FFF eine Erklärung heraus, deren Kernsätze lauteten:[44]

„Unsere Verbandsfunktionäre sind durchdrungen von Vertrauen in die Zukunft des Fußballs in unseren teuren nordafrikanischen Provinzen. … Die [dortigen] einheimischen Spieler beißen voller Hunger in das Brot des Fußballs, das wir ihnen zuteilen.“

Es gab im Land aber auch zahlreiche Stimmen, die Verständnis für den Schritt der Sportler äußerten, weil sie beispielsweise der Kolonialpolitik – einschließlich der französischen – kritisch oder ablehnend gegenüberstanden. Dazu zählten auch Fußballer: etliche Nationalspieler, darunter Kopa, Fontaine und Piantoni, unterschrieben Ende Juni in Schweden eine Postkarte mit freundlichen Grüßen an Zitouni.[45]

Anfang mit Hindernissen[Bearbeiten]

In Tunis nahm die Mannschaft alsbald ein regelmäßiges Training auf, meist unter der Leitung Boumezrags und Aribis, später auch Ben Tifours. Ihr erstes offizielles Spiel als – nach eigenem Verständnis – algerische Nationalelf fand am 9. Mai 1958 gegen Marokkos A-Auswahl statt und endete mit einem 2:1-Sieg. Zwei Tage später besiegte das in den Landesfarben (grüne Hemden, weiße Hosen und grüne Stutzen) antretende Team Tunesien mit 6:1. Dabei ergänzte Khaldi Hammadi, ein in Tunesien lebender algerischer Verteidiger, die zehn Profis;[46] das Problem, dass diese fast ausschließlich Offensivkräfte waren, wurde durch die „Umschulung“ Bekhloufis zum Abwehrspieler gelöst. Die erste Reise führte die FLN-Auswahl im Juni nach Libyen. Im August stieß eine sechsköpfige Gruppe aus Frankreich zur Mannschaft (Bouchache, Smaïn Ibrir, Mazzouz, die Brüder Soukhane, Zouba), im Herbst 1958 folgten Doudou und Haddad. 1960 ergänzten weitere elf Spieler aus Frankreich das Team.[47]

Die bis dahin ordentlich verdienenden Berufsfußballer wurden über die Reisekosten hinaus vom FLN während der vier Jahre finanziell unterstützt. Das war auch notwendig, denn wirklich reich werden konnte in der französischen Division 1 nur eine Handvoll Spieler (aus der Unabhängigkeitself lediglich Mustapha Zitouni und, eingeschränkt, Rachid Mekhloufi), während die große Mehrheit nicht viel mehr als ein Facharbeiter oder Angestellter erhielt, wovon sich keine größeren Rücklagen bilden ließen.[48] Jeder Spieler, ob alleinstehend oder verheiratet, bekam vom FLN Miete und sämtliche Nebenkosten für eine möblierte Neubauwohnung in Tunis erstattet, dazu Kleidung, Schuhe sowie die komplette Sportausrüstung und monatlich 50.000 FF (was nach heutiger Kaufkraft knapp 800 Euro entspräche). Dies war für die meisten sogar mehr als sie vorher verdienten; lediglich für Zitouni, der bei seinem Verein zuletzt etwa 150.000 FF pro Monat erhalten hatte und dem ein noch deutlich höheres Angebot von Real Madrid vorlag, bedeutete es eine spürbare Verschlechterung.[49] Neben dem materiellen Aspekt war es aber vor allem die persönliche Überzeugung, in einem Krieg, der in nahezu jeder Familie Opfer gefordert hatte, das Richtige zu tun, wie beispielsweise Mohamed Maouche rückblickend für sich feststellte:[50]

„Ich kann sagen, dass niemand von uns [sein Mitwirken] bedauert hat. … Wir waren Revolutionäre. Ich kämpfte für die Unabhängigkeit.“

Als Problem beim Abschluss von Spielen stellte sich zunächst das Verhalten der internationalen Fußballverbände heraus: Algerien hatte im Mai 1958 seine Mitgliedschaft beim Weltverband (FIFA) beantragt, durfte aber weder der FIFA noch dem afrikanischen Kontinentalverband (CAF) beitreten. Auf frühzeitige Intervention des französischen Verbandes FFF drohte die FIFA darüber hinaus ihren Mitgliedern am 7. Mai mit Sanktionen, sollten sie Begegnungen gegen die FLN-Auswahl zulassen.[51] Nachdem die Algerier Ende 1958 eine Gastspieltournee durch Marokko absolviert hatten, sperrte die FIFA den marokkanischen Verband. Dessen Vorsitzender distanzierte sich daraufhin von den maghrebinischen Nachbarn, indem er behauptete, diese Spiele seien ohne seine Billigung und nur auf ausdrücklichen Wunsch des marokkanischen Königs Mohammed V. zustande gekommen; die FIFA hob daraufhin Ende April 1959 Marokkos Sperre auf, was den französischen Verband zu einem erneuten Protest veranlasste.
Auch von der CAF, die ihren Sitz in Kairo hatte und deren erste beiden Präsidenten Ägypter waren, erhielt die Mannschaft wenig Unterstützung: im Januar 1959 war sie bereits in Ägypten eingetroffen, fand dort aber nicht einen einzigen Gegner, auch kein Vereinsteam oder eine Stadtauswahl. Auf dem afrikanischen Kontinent boten ihr lediglich Tunesien und das von der FIFA schon länger suspendierte Libyen Bühnen, um ihre attraktive, als „lebhaft und angriffslustig“ charakterisierte Spielweise zu präsentieren.[52] Dabei ist freilich zu berücksichtigen, dass die kontinentalen Fußballverbände ihrerseits trotz partieller Autonomie gleichfalls der FIFA angehören und deren Regularien unterworfen sind. Zudem waren weite Teile Afrikas noch von Kolonialmächten abhängig. Nait-Challal ergänzt zwei Vermutungen, weshalb es bis 1962 zu keinem einzigen Aufeinandertreffen mit ägyptischen Teams gekommen ist. Zum ersten habe der ägyptische Verband befürchtet, seine sportliche Vormachtstellung in der Region könnte Schaden nehmen, wenn die eigene Nationalelf oder die dominierenden Klubs gegen die Algerier schlecht abschnitten. Zum zweiten habe die Nasser-Regierung nach der Suezkrise vermeiden wollen, international zusätzlichen Anlass zu diplomatischen Irritationen zu geben. Damit ließe sich zudem erklären, weshalb die FLN-Auswahl trotz wiederholter Anfragen auch in Syrien keine Gegner fand: Syrien und Ägypten waren seit Februar 1958 in einer politischen Union, der Vereinigten Arabischen Republik, eng miteinander verbunden.[53]

Die Auswahlspieler[Bearbeiten]

Soccer.Field Transparant.png

Boubekeur
(AS Monaco)
Hammadi
(Stade Tunis)
Zitouni
Bekhloufi
(AS Monaco)
Aribi
(RC Lens)
Rouaï
(SCO Angers)
Mekhloufi
(AS St.Étienne)
Ben Tifour
(AS Monaco)
Kermali
(Olymp.Lyon)
Brahimi
Bouchouk
(FC Toulouse)
Die Stammelf bis Mitte 1959
(in Klammern: vorheriger Klub)

Zu den prominentesten Profifußballern, die in den vier Jahren für diese Mannschaft gespielt haben, gehörten die Torhüter Abderrahmane Boubekeur (AS Monaco) und Abderrahman Ibrir (Ex-Olympique Marseille), Abwehrspieler Mustapha Zitouni (Monaco) sowie die als Außenläufer bzw. Stürmer eingesetzten Abdelaziz Ben Tifour (Monaco), Saïd Brahimi (FC Toulouse), Abdelhamid Kermali (Olympique Lyon), Mohamed Maouche (Stade Reims), Rachid Mekhloufi (AS Saint-Étienne) und Ahmed Oudjani (RC Lens, wie Ibrir und Maouche ab 1960). Fünf von ihnen hatten zuvor auch schon A-Länderspiele für Frankreich bestritten, nämlich Ibrir, Zitouni, Ben Tifour, Brahimi und Mekhloufi.

Weitere Mitglieder der Auswahl waren Saïd Amara (AS Béziers), Mokhtar Aribi/Arribi(a) (Lens, anschließend Trainer bei AS Avignon), Kaddour Bekhloufi (Monaco), Ali Benfadah (SCO Angers), Chérif Bouchache, Hocine Bouchache (beide Le Havre AC), Abdelhamid Bouchouk (Toulouse), Mohamed Bouricha (Olympique Nîmes), Hacène Bourtal (Béziers), Hacène Chabri (Monaco), Dahmane Defnoun (Angers), Ali Doudou (USM Bône/Algerien), Saïd Haddad (Toulouse), Khaldi Hammadi (Stade Tunisien/Tunesien), Smaïn Ibrir (Le Havre), Abdelkrim Kerroum (AS Troyes-Savinienne), Abdelkader Mazzouz/Mazouza(a) (Nîmes), Mokrane Oualiken (SO Montpellier), Amar Rouaï/Rouiaï(a) (Angers), Abdallah Hedhoud, genannt „Settati“ (Girondins Bordeaux), Abderrahmane Soukhane, Mohamed Soukhane (beide Le Havre) sowie Abdelhamid Zouba (Chamois Niort).

(a) Beide Namensschreibweisen kommen in den Quellen mehrfach vor.

Für die FLN-Elf liegen bisher keine vollständigen Mannschaftsaufstellungen der einzelnen Spiele vor, aber bis etwa Mitte 1959 – das heißt, während der ersten ca. 45 Spiele – hatte sich eine Stammformation wie hierneben dargestellt herausgebildet.[54]

Infolge von Verletzungen aufgrund der teilweise strapaziösen Tourneebelastungen sowie wegen der später eintreffenden Neuzugänge änderte die Mannschaft mit der Zeit ihr Gesicht und ihr Spielsystem. Ab der Ostasienreise von Oktober bis Dezember 1959 wurde vom WM-System auf ein 4-3-3 umgestellt; in der Abwehrreihe ersetzte Abdelhamid Zouba Hammadi und Mohamed Soukhane rückte zusätzlich in die Innenverteidigung, wofür mit Bouchouk auf einen Stürmer verzichtet wurde. Mohamed Soukhanes Bruder Abderrahmane ersetzte Brahimi im Angriff, und anstelle von Boubekeur hütete Ali Doudou das Tor.[55] Mit dem Eintreffen weiterer Spieler kam es ab 1960 zu einzelnen Änderungen bzw. Ergänzungen (siehe rechts).

Soccer.Field Transparant.png

Doudou
(USM Bône)
Zouba
(Cham.Niort)
Zitouni
(AS Monaco)
M.Soukhane
(Le Havre AC)
Bekhloufi
(AS Monaco)
bzw. Defnoun (SCO Angers)
Aribi
(RC Lens)
Ben Tifour
(AS Monaco)
Rouaï
(SCO Angers)
bzw. Maouche (Stade Reims)
Kermali
(Olymp.Lyon)
Mekhloufi
(AS St.Étienne)
A.Soukhane
(Le Havre AC)
bzw. Oudjani (RC Lens), Amara (AS Béziers)
Die Stammelf ab Herbst 1959
(mit Ergänzungen ab Mitte 1960)

Von den insgesamt 30 algerischen Frankreichprofis, die in der Unabhängigkeitself eingesetzt worden waren, kehrten 1962 lediglich 13 (überwiegend die jüngeren) in den französischen Ligabetrieb zurück,[56] meist zu ihren Vereinen des Frühjahrs 1958. Soweit bekannt, wurde ihre Rückkehr von Klubvorständen und Zuschauern positiv aufgenommen. Amar Rouaï erhielt bei seinem Antrittsbesuch 1962 in der Geschäftsstelle des SCO Angers als erstes einen Gehaltsscheck über den Betrag ausgehändigt, den ihm der Verein für März und den halben April 1958 noch schuldete.[57]

Mindestens acht der Auswahlspieler wurden in die 1963 neu gebildete algerische Nationalmannschaft berufen und waren auch an mehreren derjenigen vier Länderspiele beteiligt, die zu den ganz frühen Höhepunkten der Fennecs – „Wüstenfüchse“ ist eine Bezeichnung für die dortige Nationalelf – zählen:[58]

  • am 28. Februar 1963 beim 4:0 gegen die Tschechoslowakei: Amara, Boubekeur, Defnoun, Mekhloufi, Oudjani, A. Soukhane, M. Soukhane
  • am 1. Januar 1964 beim 2:0 gegen Deutschland: Amara, Boubekeur, Mekhloufi, Oudjani, A. Soukhane, Zitouni
  • am 4. November 1964 beim 2:2 gegen die UdSSR: Boubekeur, Defnoun, Mekhloufi, Oudjani, A. Soukhane, M. Soukhane, Zitouni
  • am 17. Juni 1965 beim 0:3 gegen Brasilien: Defnoun, Mekhloufi, Oudjani, A. Soukhane, Zitouni

Mekhloufi, der als Spieler letztmals im Dezember 1968 für Algerien auflief, war seit den 1970ern mit Unterbrechungen Nationaltrainer – sowie 1988 für ein paar Monate sogar Präsident des nationalen Fußballverbandes – und in dieser Funktion einer der Hauptbetroffenen des deutsch-österreichischen „Nichtangriffspakts von Gijón“ bei der Weltmeisterschaft 1982. Auch Amara, Ben Tifour, A. Ibrir, Kermali, Maouche und Zouba (dieser zuletzt noch 2003) hatten dieses Traineramt nach 1962 zumindest kurzzeitig inne.

Sportliche Bilanz[Bearbeiten]

In mittelblau diejenigen Staaten u.Ä., in denen die FLN-Auswahl Spiele bestritten hat; in Algerien (dunkelblau) tat sie dies verständlicherweise nie.

Trotz der internationalen Restriktionen hat die FLN-Auswahl in den vier Jahren ihres Bestehens gegen etliche europäische und asiatische Stadt- und Klubmannschaften, aber auch gegen A-, Militär- und Juniorennationalmannschaften gespielt. Dazu reiste sie in ein Land, bestritt dort mehrere Begegnungen innerhalb relativ kurzer Zeit und kehrte anschließend nach Tunesien zurück. Allerdings gab es auch drei besonders lange Tourneen: Mai bis Juli 1959 (20 Spiele in Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polen, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei), Oktober bis Dezember 1959 (11 Spiele in der Volksrepublik China und Nordvietnam) sowie März bis Juni 1961 (21 Spiele in Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei).[59] Das Team bestand stets darauf, dass vor dem Anpfiff die Flaggen gehisst und die Nationalhymnen gespielt wurden – beide zum damaligen Zeitpunkt noch nicht offizielle Insignien der algerischen Selbständigkeit.

Ihre Gegner kamen aus folgenden Staaten (in Klammern die jeweilige Zahl der ausgetragenen Partien): Tunesien (8), Libyen (8), Marokko (6), Bulgarien (9), Tschechoslowakei (8), Rumänien (7), Ungarn (6), Jugoslawien (5), Sowjetunion (5), Polen (1), Irak (6), VR China (5), Nordvietnam (5) und Jordanien (4). Von den osteuropäischen Mitgliedern des Warschauer Pakts bereiste die FLN-Auswahl lediglich die DDR nicht; Gründe dafür werden in der Literatur nicht genannt.
Obwohl sie keine Heimspiele in Algerien austragen konnte, erreichte die Mannschaft hervorragende Ergebnisse gegen international starke Gegner, namentlich Erfolge in Jugoslawien (6:1, wo sie sich allerdings auch mit 0:3 geschlagen geben musste), Ungarn (6:2) und der CSSR (6:0). Gegen „fußballerische Entwicklungsländer“ gab es teilweise regelrechte Kantersiege, so ein 11:0 in Jordanien, ein 10:1 im Irak und einen 7:0-Sieg in Nordvietnam. Ihre erste Niederlage kassierte sie im Mai 1959 (0:1 gegen Botew Plowdiw), ihre höchste im selben Jahr mit 1:5 gegen eine chinesische Provinzauswahl.[60]

Über den sportlichen Wert vieler dieser Begegnungen waren die Spieler durchaus geteilter Meinung; es gab sogar Unzufriedenheit über zu einfach errungene Erfolge.[61] Ähnlich, wenn auch differenzierter, drückte Rachid Mekhloufi dies 1967 aus:[62]

„Vier Jahre lang … habe ich zu leichte Spiele bestritten und nie sonderlich hart trainiert. Ich hatte das Gefühl für Anstrengung und die Notwendigkeit zu kämpfen verloren. Andererseits habe ich durch das Kennenlernen anderer Einstellungen, etwa der Kreativität der Ungarn … oder der Spielfreude und Einfachheit [der Asiaten], viel gelernt – Eigenschaften, die bei uns ein wenig in Vergessenheit geraten sind.“

Spiele gegen A-Nationalmannschaften
Datum Gegner Ergebnis
3. Mai 1958
„Trainingsspiel“
Tunesien 5:1
9. Mai 1958 Marokko 2:1
11. Mai 1958 Tunesien 6:1
März 1959 Tunesien 4:0
20. Mai 1959 Bulgarien 3:4
November 1959 Nordvietnam 5:0
Januar 1960 Libyen 7:0
29. März 1961 Jugoslawien 6:1
April 1961 Bulgarien 1:3
Mai 1961 Rumänien 5:2
Mai/Juni 1961 Ungarn 2:2

Dass sich keine Gegner aus der westlichen Welt fanden, lässt sich über das FIFA-Verdikt hinaus auch mit dem strikten „Blockdenken“ in dieser Hochzeit des Kalten Krieges erklären, in dem sich die Westmächte mitsamt ihren Verbündeten und der Ostblock dermaßen unversöhnlich gegenüberstanden, dass selbst ein kulturelles oder sportliches Überschreiten des „Eisernen Vorhangs“ die absolute Ausnahme blieb. Neutral bleiben konnte kaum ein Staat; die Bewegung der blockfreien Staaten gründete sich erst im September 1961. Von den 14 Staaten, in denen die FLN-Auswahl angetreten ist, hatten zwölf 1958 in der UN-Vollversammlung (siehe oben, „Historischer Hintergrund“) für die algerische Autonomie gestimmt.

Die Gesamtzahl der Spiele ist umstritten, was den Tatsachen geschuldet sein dürfte, dass es sich aus Sicht der internationalen Verbände nicht um offizielle Begegnungen handelte, keine unanfechtbare Statistik geführt und gelegentlich – ab 1959, aufgrund der wachsenden Zahl an Spielern – auch zwei Partien gleichzeitig ausgetragen wurden. Am besten belegt ist die Angabe bei Nait-Challal: Er kommt auf 83 Spiele, die er nach Jahren und Herkunftsländern der gegnerischen Teams aufschlüsselt; zudem finden sich bei ihm auch zahlreiche Einzelergebnisse. Danach siegte die FLN-Auswahl in 57 Partien, spielte 14-mal unentschieden und verlor zwölf Begegnungen; das Torverhältnis betrug 349:119.[63] Andere vorliegende Quellen kommen auf 53 (39 Siege, zehn Remis und vier Niederlagen), 62 (47 Siege, elf Unentschieden, vier Niederlagen bei einem Gesamttorverhältnis von 246:66) oder sogar 91 Spiele (65 Siege, je 13 Remis und Niederlagen, Torverhältnis insgesamt 385:127).[64] Von den Detailunterschieden abgesehen, beweisen all diese Bilanzen, dass die Unabhängigkeitself torgefährlich und erfolgreich spielte. Soweit für einzelne Partien Zuschauerzahlen in Erfahrung zu bringen sind, waren die Stadien, in denen sie auftrat, stets sehr gut gefüllt, oft sogar ausverkauft. Ihrem Sieg über die jugoslawische Nationalmannschaft beispielsweise wohnten 80.000 Zuschauer im Stadion von Roter Stern Belgrad bei, ihrem 2:2 gegen Petrolul Bukarest sogar 90.000. Dazu hat sicherlich auch der Umstand beigetragen, dass ihre Auftritte als ehemalige Profis, die sich der revolutionären Sache verschrieben hatten, propagandistisch groß angekündigt wurden; darüber hinaus bestätigten die Spieler aber auch regelmäßig ihren Ruf, wirklich ansehnlichen Fußball zu bieten.

Viele gegnerische Teams schenkten den Algeriern sportlich nichts; vor und nach den Partien fühlten die Gäste sich aber stets willkommen – mit der einen Ausnahme Polen im Sommer 1959, wo die Mannschaft schon am Ankunftstag das ihr zugewiesene Quartier in Łódź als unzumutbar ablehnte. Sie fand an diesem Abend auch kein geöffnetes Restaurant mehr, und einen Empfang oder gar ein Bankett hatten die Gastgeber nicht vorgesehen. Tags darauf erklärten die polnischen Offiziellen ihre Weigerung, vor dem abendlichen Anpfiff die algerische Fahne zu hissen und die Nationalhymnen abzuspielen, was sie mit dem FIFA-Verbot und den traditionell guten Beziehungen zu Frankreich begründeten. Sie lenkten erst ein, als daraufhin die algerischen Spieler ihrerseits keine Anstalten machten, die Umkleidekabine des Stadions zu verlassen. Nach diesem Spiel einigten sich beide Seiten darauf, diesen Teil der Tournee vorzeitig abzubrechen.

Mitglieder der ehemaligen FLN-Elf im Jahr 1974:
stehend: ein Betreuer, Doudou, Zouba, Rouaï, Amara, Zitouni, M. Soukhane, Bouricha, Oudjani, Boubekeur
hockend: Mazzouz, Kerroum, Benfadah, Bouchouk, A. Soukhane, Kermali, Mekhloufi, Oualiken (jeweils v.l.n.r.)

Dagegen blieb die FLN-Auswahl am Ende ihrer Ostasientournee auf Einladung der dortigen Regierung drei Wochen länger als beabsichtigt in China. Dies nutzten die Spieler für eine ausgedehnte Rundreise durch das Land und waren im Gegenzug gerne bereit, einheimischen Trainern am Nationalen Sportinstitut in Peking die Geheimnisse ihrer Ballbeherrschung zu demonstrieren. Auf dem anschließenden Rückflug legte die Mannschaft über die Weihnachtstage 1959 einen Zwischenstopp in der Bundesrepublik Deutschland ein, wo sie von Vertretern Eintracht Frankfurts zum Besuch eines Oberligaspiels eingeladen wurde, bei dem die Algerier als Ehrengäste im Riederwaldstadion am 27. Dezember einen 4:1-Sieg über den Karlsruher SC sahen.[65]

Ihre letzten Begegnungen absolvierte die Mannschaft um den Jahreswechsel 1961/62 in Libyen. Aufgrund der politischen Entwicklung hatte sie ihre Bedeutung als Botschafter für die algerische Unabhängigkeit weitgehend eingebüßt; zudem war es angesichts des Terrors der OAS, der Bizerta-Krise (ab Juli 1961) und des weiterhin massiven Vorgehens französischer Sicherheitskräfte gegen Algerier – wie am 5. Juli in Algier und am 17. Oktober 1961 in Paris – nicht ungefährlich für Vertreter der Befreiungsbewegung, sich auf Reisen zu begeben. Während der kommenden Monate betätigten sich die Spieler teils als Trainer bei Vereinen in Tunesien und Libyen, teils begannen sie eine Ausbildung oder genossen das Nichtstun. Erst im Juni 1962 verabschiedete der FLN die Spieler endgültig; am 29. Juni hob die FFF ihr Spielverbot gegen diejenigen Profis auf, die „ihren Verein verlassen hatten, sofern sie sich diesem wieder zur Verfügung stellten“.[66]
Einmal ist der ursprüngliche Kern der FLN-Auswahl danach aber noch nahezu vollständig zusammengekommen: im Dezember 1970 bestritten neun der ersten zehn Fußballer vom April 1958, verstärkt durch elf weitere ehemalige Mitspieler, in Algier vor 20.000 Zuschauern ein Abschiedsspiel für ihren drei Wochen zuvor verunglückten Mannschaftskameraden Abdelaziz Ben Tifour.[67]

Spätere Rezeption[Bearbeiten]

Die Rolle dieses Auswahlteams für die Erlangung der Unabhängigkeit ist in Algerien seit 1962 wiederholt hervorgehoben worden. So hat Algeriens erster Staatspräsident, der FLN-Mitbegründer Ahmed Ben Bella, der 1940 selbst kurzzeitig bei Olympique Marseille Fußball spielte,[68] in Reden immer wieder auf die Bedeutung der Mannschaft hingewiesen. Der 50. Jahrestag ihrer Gründung gab Mitte April 2008 Anlass zu zahlreichen Erinnerungsveranstaltungen, Fernsehsondersendungen und Ehrungen ehemaliger Spieler.[69] Bei einem dieser Anlässe sagte der Präsident der Republik, Abdelaziz Bouteflika:[70]

„Sie haben eines der schönsten Kapitel der algerischen Geschichte, des antikolonialen Kampfes und des Sports im Allgemeinen geschrieben.“

Die algerische Post hat zu diesem Anlass einen Ersttagsbrief und eine Postkarte mit zwei Fotos der Mannschaft herausgegeben (siehe unten, „Weblinks“). FIFA-Präsident Joseph Blatter, von Rachid Mekhloufi persönlich eingeladen, fehlte bei der offiziellen Jubiläumsveranstaltung, weil sein „prall gefüllter Terminkalender eine Reise nach Algerien zu diesem Zeitpunkt leider nicht [zuließ]“.[71]

In dem Roman Le Vainqueur de coupe von Rachid Boudjedra (Denoël, Paris 1981) stehen die Elf und insbesondere ihr „Kopf“ Mekhloufi im Zentrum; über Mekhloufi und die Mannschaft haben auch die französischen Fußballhistoriker Pierre Lanfranchi und Alfred Wahl Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlicht.[72] Die für einen größeren Markt produzierte, neuere Fußballliteratur in Frankreich hingegen beschränkt sich in aller Regel auf wenige Zeilen zu diesem Thema und erwähnt dabei meist lediglich die Tatsache, dass einzelne Vereinsmannschaften kurz vor Saisonende 1957/58 einen personellen Aderlass zu verkraften hatten.[73] Frankreichs späterer Nationaltrainer Michel Hidalgo, damals Stürmer bei AS Monaco, widmet dem Vorgang auch nur fünf Sätze in seiner 2007 erschienenen Autobiographie, wobei er sich hauptsächlich darüber beklagt, dass seine Mannschaft von den fünf Algeriern „in der entscheidenden Phase der Saison 1957/58 im Stich gelassen worden“ sei.[74] Auf Monacos Vereinswebseite klingt immerhin leises Bedauern über ihren Weggang an: „Unglücklicherweise beraubte der Algerienkrieg die AS ihrer brillanten nordafrikanischen Spieler …“.[75] Es kann angenommen werden, dass die Einstellung, die algerischen Spieler hätten „nur ihre Pflicht getan“ (so Bordeaux’ damaliger Bürgermeister Jacques Chaban-Delmas nach der Rückkehr von Settati zu Girondins Bordeaux),[76] bis heute eher eine Minderheitsposition in Frankreich geblieben ist. Auch der berühmte Ausspruch Präsident de Gaulles („Sie sind Frankreich!“) gegenüber dem zweifachen Saint-Étienner Torschützen Mekhloufi nach dem französischen Pokalendspiel 1968 blieb eine Momentaufnahme.[77] Erst anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der FLN-Auswahl erschienen dort zwei Buchtitel speziell zu diesem Kapitel der algerisch-französischen Sporthistorie (siehe unten, „Literatur“).

Am 6. Oktober 2001 – gut 39 Jahre nach dem Ende der kolonialen Abhängigkeit – kam es zum ersten offiziellen A-Länderspiel der Männer[78] zwischen Frankreich und Algerien überhaupt. Im Vorfeld dieses Freundschaftsspiels wurde in den Medien beider Länder gelegentlich auch an die algerische Auswahl erinnert. Überwiegend standen aber die bis heute nicht umfassend aufgearbeitete Konfliktgeschichte[79] und der aktuelle Stand der Beziehung zwischen Algeriern und Franzosen im Vordergrund, der sich insbesondere in der Lebenssituation algerisch-muslimischer Einwanderer in Frankreich manifestiert. Die Hoffnung mancher Kommentatoren, dieses Fußballspiel im ausverkauften Stade de France würde ein „Fest der Verständigung“ und eine „Chance zur Wiederannäherung beider Länder“ (Lilian Thuram) nach einem „so schmerzhaften und lange Zeit verdrängten Trennungsprozess“,[80] erfüllte sich nicht. Nachdem schon das Abspielen der Nationalhymnen in einem Pfeifkonzert unterging, führte die Erstürmung des Spielfeldes durch Zuschauer, darunter zahlreiche algerischstämmige Franzosen,[81] in der 76. Minute zum Abbruch der Begegnung. L’Équipe titelte am folgenden Tag mehrdeutig „Eine abgebrochene Geschichte“, die Schlagzeile von Libération lautete „Frankreich-Algerien, 40 Jahre Spielabbruch“.[82] Auch einer französischen Nationalelf, die aufgrund ihrer personellen Zusammensetzung in wortspielerischer Anlehnung an die Farben der Landesflagge (bleu-blanc-rouge) häufig als „black-blanc-beurs“ („Schwarze, Weiße, Maghrebiner“)[83] bezeichnet wird, war es nicht gelungen, die existierenden sozialen und politischen Widersprüche wenigstens für 90 Minuten vergessen zu machen. Andererseits äußerte Algeriens Stürmer Farid Ghazi die Hoffnung, „eines Tages eine solche Partie doch noch durchführen zu können“.[84]

Literatur[Bearbeiten]

Zwei Neuerscheinungen des Jahres 2008 speziell zu dieser Mannschaft:

  • Kader Abderrahim: L'indépendance comme seul but. Paris Mediterranée, o. O. 2008 ISBN 2-84272-308-2 (lag bei Artikelerstellung nur auszugsweise vor)
  • Michel Nait-Challal: Dribbleurs de l'indépendance. L'incroyable histoire de l'équipe de football du FLN algérien. Éd. Prolongations, o.O. 2008 ISBN 978-2-916400-32-7

Zudem Ende 2008 mit eigenem Kapitel zur „Unabhängigkeitself“ erschienen:

  • Paul Dietschy/David-Claude Kemo-Keimbou (Ko-Herausgeber: FIFA): Le football et l'Afrique. EPA, o.O. 2008 ISBN 978-2-85120-674-9

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gastaut, S. 2
  2. vgl. schon im Buchtitel bei Michaud; Pierre Bezbakh: Petit Larousse de l’histoire de France. Des origines à nos jours. Larousse, o.O. 2003 ISBN 978-2-03-505369-5, S. 674; auf Deutsch bspw. Wilfried Loth: Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. Fischer, Frankfurt/M. 1992 ISBN 3-596-10860-8, S. 170f., und Heinz Köller/Bernhard Töpfer: Frankreich. Ein historischer Abriß. Pahl-Rugenstein, Köln 1978 ISBN 3-7609-0407-6, S. 646
  3. Michaud, S. 95ff.
  4. Slimane Chikh: L'Algérie en armes ou le temps des certitudes. O.P.U., Algier 1981, S. 104
  5. Nait-Challal, S. 11-13 und 123
  6. Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 97 (mit der fehlerhaften Datumsangabe 29. Mai)
  7. Nait-Challal, S. 132 und 169
  8. Nait-Challal, S. 188ff.
  9. Zur Thematik des Fußballs in Französisch-Nordafrika insgesamt vgl. Roland H. Auvray: Le livre d'or du football pied-noir et nord-africain. Maroc–Algérie–Tunisie. Presses du Midi, Toulon 1995 ISBN 2-87867-050-7
  10. Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 57ff.
  11. Pierre Lanfranchi/Matthew Taylor: Moving with the ball. The migration of professional footballers. Berg, Oxford/New York 2001 ISBN 1-85973-307-7, S. 172
  12. Dieses Thema steht im Mittelpunkt des Aufsatzes von Gastaut, fokussiert auf das algerisch-französische Verhältnis, dafür bis in die Gegenwart verlängert.
  13. Rethacker/Thibert, S. 147
  14. Barreaud, S. 279
  15. Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 286
  16. Gastaut, S. 2; diese Niederlage zählt der französische Verband nicht zu seinen offiziellen Länderspielen, weshalb L’Équipe/Ejnès, Belle histoire, S. 366, es unter der Überschrift „Les matches oubliés“ (Die vergessenen Spiele) abhandelt und die Nordafrika-Auswahl als „Africains de France“ (Afrikaner Frankreichs) bezeichnet.
  17. L'Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L'Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007 ISBN 978-2-915535-62-4, S. 209-213
  18. Wahl/Lanfranchi, S. 130/131
  19. Tabelle nach Barreaud, S. 61
  20. Wahl/Lanfranchi, S. 130; Barreaud, S. 66
  21. Wahl/Lanfranchi, S. 250
  22. Bis in die Gegenwart nachgewiesen bei Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 269f. und 294.
  23. Die auf http://www.rsssf.com/tablesa/alg-fln-intres.html genannte These, es habe sich ursprünglich um eine Privatinitiative gehandelt, die sich der FLN erst nachträglich zu eigen gemacht habe, wird durch keine andere Quelle bestätigt.
  24. Goldblatt, S. 504, sieht diese Einstellung im Kontext von Frantz Fanons Forderung „Die kolonisierten Völker sollten siegen, aber dies sollten sie ohne Barbarei erreichen“ (Frantz Fanon: Sociologie d'une révolution. Maspero, Paris 1960, S. 10).
  25. Lanfranchi, S. 71
  26. Erklärung abgedruckt in Le Monde vom 22. April 1958, zitiert bei Lanfranchi, S. 71
  27. Gastaut, S. 4; http://fr.allafrica.com/stories/200804141731.html?page=2; Nait-Challal, S. 125f.
  28. http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,868402,00.html; Nait-Challal, S. 36
  29. „I have many friends in France, but the problem is bigger than us. What do you do if your country is at war and you get called up?“ – Artikel „The Disappearing Act“ aus TIME unter http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,868402,00.html
  30. Nait-Challal, S. 51 und 80; die These von den angedrohten Repressalien findet sich nur in Michel Hidalgo: Le temps des bleus. Mémoires. Jacob-Duvernet, Paris 2007 ISBN 978-2-84724-146-4, S. 50
  31. Wahl/Lanfranchi, S. 138
  32. L’Équipe/Ejnès, Belle histoire, S. 318
  33. Am 13. März hatte Sélectionneur Paul Nicolas einen ersten Kreis von Spielern benannt, den er am 9. April mit einigen Änderungen als offizielle Vorauswahl bekanntgab; in beiden Listen fanden Zitouni und Mekhloufi Berücksichtigung. – Faouzi Mahjoub: Le football africain. ABC, Paris 1977, Kapitel „1958-1962: FLN. Les footballeurs de la Révolution.“ (ohne Seitenzahlen)
  34. Rethacker/Thibert, S. 275
  35. Nait-Challal, S. 51
  36. Nait-Challal, S. 47
  37. Rethacker/Thibert, S. 278, und Nait-Challal, S. 17, nennen sie namentlich; L’Équipe, France Football 59, S. 12, Gastaut, S. 4, Goldblatt, S. 503, und Abderrahim (in der kurzen Inhaltsbeschreibung unter http://www.amazon.fr/Lind%C3%A9pendance-comme-seul-Kader-Abderrahim/dp/2842723082/ref=sr_11_1?ie=UTF8&qid=1214227730&sr=11-1) sprechen von neun Spielern; hingegen sollen es laut Barreaud, S. 61, und Lanfranchi, S. 70, zehn gewesen sein, ebenso nach http://www.rsssf.com/tablesa/alg-fln-intres.html. Die Differenz kommt dadurch zustande, dass in den meisten Quellen offenbar die Zahl der Ankömmlinge in Tunis gemeint ist und dass Aribi nicht von allen eingerechnet wird, weil er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Spieler, sondern Trainer war. Hätten auch Chabri und Maouche Tunis erreicht, wären es sogar insgesamt zwölf Personen gewesen.
  38. http://sebbar.oldiblog.com/?page=articles&rub=31791&nba=3; nur laut Barreaud, S. 78, soll Maouche hingegen von Sommer 1958 bis Mitte 1959 für die Auswahl gespielt haben.
  39. Nait-Challal, S. 13f., 19-25, 41-43 und 94/95 (zu den beiden Gruppen), S. 80/81 (zu Maouche), S. 16/17 und 126 (zu Chabri)
  40. Pierre Lanfranchi/Alfred Wahl: The Immigrant as Hero: Kopa, Mekloufi and French Football. in: The International Journal of the History of Sport, Vol. XIII, Nr. 1, März 1996, S. 123
  41. Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002 ISBN 2-84253-762-9, S. 60 – entweder wusste die Redaktion der L’Équipe zum Zeitpunkt der Drucklegung tatsächlich nur von neun Spielern oder sie zählte Aribi, der seit kurzem Trainer und nicht mehr Spieler war, nicht dazu (siehe auch wenige Anmerkungen hierüber). Zu den Reaktionen in Frankreich auch dieser Bericht aus L’Humanité vom 19. April 2003.
  42. France Football vom 22. April 1958, S. 3 und 11-13
  43. Rethacker/Thibert, S. 278
  44. „La foi dans l’avenir du football dans nos chères provinces nord-africaines pénètre leurs dirigeants … Les joueurs indigènes mordent à pleines dents dans le pain du football que nous leur distribuons.“ – Nait-Challal, S. 118; ob es sich dabei um eine Presse- oder eine verbandsinterne Erklärung handelte, ist nicht ersichtlich.
  45. Nait-Challal, S. 118
  46. Ein frühes Foto der Mannschaft (ohne Hammadi, dafür mit Boumezrag) findet sich auf dem vorderen Einband und im Fototeil von Nait-Challal.
  47. Nait-Challal, S. 105-109, 114-120 und 166-169
  48. Wahl/Lanfranchi, S. 115-117
  49. Nait-Challal, S. 102/103; zu Zitouni S. 50 und 112
  50. „Avec le recul du temps, je peux dire qu’aucun d’entre nous ne regrette. Nous … étions révolutionnaires. J’ai lutté pour l’indépendance.“ – http://www.humanite.fr/2001-10-06_Sports_-1958-les-ambassadeurs-de-la-revolution-algerienne
  51. http://fr.allafrica.com/stories/200804100418.html; Nait-Challal, S. 111; Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 95
  52. Lanfranchi, S. 71; Nait-Challal, S. 131 und 135f.; Goldblatt, S. 504, formuliert dies „…playing with élan, bravado and style“.
  53. Nait-Challal, S. 135/136; ähnlich Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 95
  54. nach http://fr.allafrica.com/stories/200804141731.html?page=3, ergänzt aus Nait-Challal
  55. Nait-Challal, S. 159
  56. Barreaud, S. 61
  57. Nait-Challal, S. 199
  58. Nait-Challal, S. 204f.; Aufstellung des UdSSR-Spiels von http://www.rusteam.permian.ru/history/1964_07.html
  59. Eine Karte dieser Tourneen findet sich in Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 360.
  60. alle Angaben zu Anzahl, Gegnern und Spielergebnissen zusammengestellt nach Nait-Challal, S. 106-177
  61. Nait-Challal, S. 123
  62. „Pendant quatre ans, j'ai été un footballeur … disputant des matchs trop faciles, suivant des entraînements sans rigueur. J'avais perdu le goût de l'effort, la nécessité de lutter. Cependant, j'ai beaucoup appris en regardant les autres, en voyant les Hongrois, à l'invention créatrice toujours neuve, … En Chine, au Viêt-nam, j'ai appris … la joie de jouer et la simplicité dans le jeu, des qualités que nous avons un peu tendance à négliger.“ – Lanfranchi, S. 72
  63. Nait-Challal, S. 183, dem auch die vorangehenden statistischen Angaben in diesem Kapitel folgen. Er nennt allerdings im Text insgesamt sogar 92 Spiele mit Ergebnissen; einige davon deklariert er als Trainingsspiele, darunter auch dasjenige vom 3. Mai 1958 gegen Tunesiens A-Elf (siehe die Tabelle oben).
  64. 53 nach Paul Darby: Africa, Football and FIFA: Politics, Colonialism and Resistance. Tayler and Francis, 2002, ISBN 0-7146-8029-X, S. 29, hier auszugsweise online; 62 nach http://fr.allafrica.com/stories/200804141731.html?viewall=1; 91 laut http://www.rsssf.com/tablesa/alg-fln-intres.html
  65. Nait-Challal, S. 150/151 und 162/163. Details zum KSC-Spiel nach Werner Skrentny (Hg.): Als Morlock noch den Mondschein traf. Die Geschichte der Oberliga Süd 1945-1963. Klartext, Essen 1993 ISBN 3-88474-055-5, S. 191, und einer Mitteilung des „Eintracht-Museums“ vom 1. Juli 2008 an den Hauptautor; ein Spielbericht findet sich auch auf der Webseite des Eintracht-Archivs (dort unter „Spielzeiten“ und anschließend „Saison 1959/60“).
  66. „…lever la suspension des joueurs algériens professionnels ayant quitté leur club dès qu'ils se mettraient à nouveau à leur disposition…“ – Dietschy/Kemo-Keimbou, S. 103
  67. Nait-Challal, S. 181ff., 189 und 212f.
  68. Alain Pécheral: La grande histoire de l'OM. Des origines à nos jours. Éd. Prolongations, o.O. 2007 ISBN 978-2-916400-07-5, S. 114-116
  69. http://fr.allafrica.com/stories/200804100418.html und http://fr.allafrica.com/stories/200804141712.html
  70. „Ils ont écrit l’une des plus belles pages de l’histoire de l’Algérie, de la lutte anti-coloniale et du sport en général.“ – Nait-Challal, S. 8
  71. http://de.fifa.com/aboutfifa/federation/insidefifa/news/newsid=715788.html
  72. Außer Lanfranchi, Mekloufi, auch Pierre Lanfranchi/Alfred Wahl: The Immigrant as Hero: Kopa, Mekloufi and French Football. in: The International Journal of the History of Sport, Vol. XIII, Nr. 1, März 1996, dort insbes. S. 119-125
  73. Bspw. acht Zeilen in Pierre Delaunay/Jacques de Ryswick/Jean Cornu: 100 ans de football en France. Atlas, Paris 1982, 19832 ISBN 2-7312-0108-8, S. 218, und drei Sätze in Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002 ISBN 2-84253-762-9, S. 60, der darin immerhin sechs Spielernamen nennt; bei Rethacker/Thibert, S. 278, findet sich eine Viertelseite dazu. In L'Équipe/Ejnès, Belle histoire, S. 90-99, bleibt das Fehlen zweier nicht ganz unwichtiger Spieler bei der Weltmeisterschaft 1958 sogar vollständig unerwähnt; genauso in Michel Drucker/Jean-Paul Ollivier: Onze hommes en Suède. Kopa, Piantoni, Fontaine et les autres. Édition°1, Paris 1988, ISBN 2-86391-293-3, obwohl dort (S. 15ff.) die Nationalkaderzugehörigkeit von Zitouni, Brahimi, Ben Tifour und Mekhloufi im Jahr vor der WM explizit angeführt wird. Selbst die Mekhloufi-Biographie in Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d'une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004 ISBN 2-911698-31-2, S. 62/63, widmet dem Anlass seiner vierjährigen Abwesenheit lediglich zwei dürre Sätze, während diejenige in Christophe Barge/Laurent Tranier: Vert passion. Les plus belles histoires de l'A.S. Saint-Étienne. Timée, Boulogne 2004 ISBN 2-915586-04-7, S. 32-35, den Absenzgrund gar nicht erwähnt.
    Das weitgehende Verschweigen der Vorgänge setzte in Frankreich schon sehr früh ein; so hatte bereits das bis November 1958 reichende Fußball-Jahrbuch von l’Équipe (S. 12) lediglich unter dem 15. April zwei Sätze darauf verwandt. In dem sehr ausführlichen Kapitel über die Nationalelf auf ihrem Weg zur WM in Schweden (S. 53–74) werden die beiden fehlenden Algerier mit keinem Wort erwähnt. Hingegen befasst sich ein deutschsprachiges Fußballbuch in einem sachlich allerdings nicht fehlerfreien Kapitelchen unter der Überschrift „Flucht über Nacht“ gründlicher mit dem Thema: Werner Skrentny: Fußballweltmeisterschaft 1958 Schweden. AGON, Kassel 2002, ISBN 3-89784-192-4, S. 32.
  74. Michel Hidalgo: Le temps des bleus. Mémoires. Jacob-Duvernet, Paris 2007 ISBN 978-2-84724-146-4, S. 50
  75. „Malheureusement, la guerre d'Algérie privera l'AS Monaco de ses brillants joueurs nord-africains partis au combat. Bekhloufi, Boubakeur, Chabri, Ben Tifour et Zitouni seront donc absents pendant de longs mois.“ – http://www.asm-fc.com/historique.aspx?p=4
  76. Dieses Zitat wird, nahezu wortgleich, von Nait-Challal, S. 199, auch dem Präsidenten des SCO Angers gegenüber dem Rückkehrer Rouaï zugeschrieben.
  77. „La France, c'est vous!“ – Goldblatt, S. 504, der sich allerdings hinsichtlich des genauen Zeitpunktes irrt: de Gaulle äußerte dies nicht schon bei der Pokalübergabe im Stadion, wo er wegen der Maiereignisse 1968 gar nicht anwesend war und durch den Präsidenten der Nationalversammlung vertreten wurde, sondern erst später (vgl. L'Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L'Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007 ISBN 978-2-915535-62-4, S. 318).
  78. Die französischen Frauen hingegen hatten bereits im Mai 1998 ein offizielles Länderspiel gegen Algeriens Fußballerinnen bestritten.
  79. In Michaud, S. 8/9, ist von „verbreitetem Vergessen und Blindheit“ (oubli et aveuglement) die Rede.
  80. L'Équipe/Ejnès, Belle histoire, S. 266
  81. Die erste, die den Platz mit einer algerischen Fahne betrat, war eine junge Frau aus Lyon; ein Interview mit ihr aus L’Équipe vom 20. Oktober 2001, dem Tag nach ihrer Verurteilung, ist abgedruckt in L'Équipe/Ejnès, Belle histoire, S. 267.
  82. Gastaut, S. 3; das Ergebnis zum Zeitpunkt des Spielabbruchs (4:1 für Frankreich) blieb in den Medien eher eine Randnotiz.
  83. Black steht für die aus Schwarzafrika und der Karibik stammenden, blanc für die hellhäutigen und beur für die Spieler arabisch-muslimischen Ursprungs.
  84. L'Équipe/Ejnès, Belle histoire, S. 266
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Dieser Artikel wurde am 14. Juli 2008 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.