Nelson Pereira dos Santos

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Nelson Pereira dos Santos (* 22. Oktober 1928 in São Paulo, Brasilien) ist ein brasilianischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent.

Leben[Bearbeiten]

Dos Santos studierte zunächst Jura und arbeitete als Rechtsanwalt. Ab 1949 drehte er Dokumentarfilme und war als Regieassistent tätig. Sein erster Spielfilm, bei dem er Regie führte, war 1954 Rio bei 40 Grad. Der Film, der in den Favelas von Rio de Janeiro spielt, war wie weitere Werke Pereira dos Santos’ vom italienischen Neorealismus geprägt. Mit seinen Werken, in denen er auch mithilfe von Laiendarstellern die brasilianische Realität ungeschönt darstellt, wurde Pereira dos Santos Mitte der 1950er-Jahre zum Wegbereiter des Cinema Novo.[1]

Ab Hunger nach Liebe im Jahr 1968 nahmen seine Filme zunehmend phantastischen und auch grotesken Charakter an. Einer seiner bekanntesten Filme ist die schwarze Komödie Wie gut schmeckt doch mein kleiner Franzose, der auf den Internationalen Filmfestspielen von Berlin 1971 für den Goldenen Bär nominiert war.

Pereira dos Santos ist Mitglied der Fundación del Nuevo Cine Latinoamericano.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1949: Juventude (Dokumentarfilm)
  • 1955: Rio bei 40 Grad (Rio 40 graus)
  • 1957: Rio, nördliche Zone (Rio, zona norte)
  • 1961: Der rote Feigenbaum (Mandacaru vermelho)
  • 1963: Goldrachen (Boca de ouro)
  • 1963: Vidas secas – Nach Eden ist es weit (Vidas secas)
  • 1967: El justicero
  • 1968: Hunger nach Liebe (Fome de amor)
  • 1970: Das Irrenhaus (Azyllo muito louco)
  • 1971: Wie gut schmeckt denn mein kleiner Franzose (Como era gostoso o meu francês)
  • 1972: Wer ist Beta? (Quem é Beta?)
  • 1974: Das Amulett (O amuleto de Ogum)
  • 1977: Basar der Wunder (Tenda dos milagres)
  • 1980: Na estrada da vida
  • 1980: Insônia, Teil: Ladrão, o
  • 1982: A missa do galo
  • 1984: Das Gespenst aus Bahia (Memórias do Cárcere)
  • 1987: Jubiabá
  • 1994: Das dritte Ufer des Flusses (A terceira margem do rio)
  • 1995: Lateinamerika – Kino der Tränen (Cinema de Lágrimas)
  • 1998: Guerra e Liberdade – Castro Alves em São Paulo
  • 2000: Casa-Grande e Senzala (TV-Mehrteiler)
  • 2003: Raízes do Brasil: Uma cinebiografia de Sérgio Buarque de Hollanda
  • 2006: Brasília 18%
  • 2009: Português, a Língua do Brasil (Dokumentarfilm)
  • 2012: A Música Segundo Tom Jobim (Dokumentarfilm)

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Mehrfach waren Filme von Pereira dos Santos bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Wettbewerb vertreten: Im Jahr 1964 Vidas secas – Nach Eden ist es weit, 1970 Das Irrenhaus und 1975 Das Amulett.

Auf den Internationalen Filmfestspiele Berlin liefen ebenfalls mehrere seiner Filme im Wettbewerb: Hunger nach Liebe 1968, Wie gut schmeckt denn mein kleiner Franzose 1971, Basar der Wunder 1977 und Das dritte Ufer des Flusses 1994.

Das Gespenst aus Bahia wurde 1984 auf dem Internationalen Filmfestival des Neuen Lateinamerikanischen Films mit dem Grand Coral ausgezeichnet.

Sowohl 1986 als auch 1993 war Pereira dos Santos Mitglied der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Venedig.

Im Jahr 2006 wurde er als erster Regisseur in die Academia Brasileira de Letras (Cadeira 7) aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Nelson Pereira dos Santos. In: Dieter Krusche: Lexikon der Kinofilme. Vom Stummfilm bis heute. Bertelsmann, Gütersloh 1977, S. 687–688.
  • Mariarosaria Fabris: Nelson Pereira dos Santos. edusp, São Paulo 1994, ISBN 85-314-0246-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nelson Pereira dos Santos. In: Dieter Krusche: Lexikon der Kinofilme. Vom Stummfilm bis heute. Bertelsmann, Gütersloh 1977, S. 688.