Nikolai Nikolajewitsch Romanow (1856–1929)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch der Jüngere

Nikolai Nikolajewitsch Romanow, auch Nikolai Nikolajewitsch der Jüngere genannt, (russisch Николай Николаевич Романов, Николай Николаевич Младший; * 6. Novemberjul./ 18. November 1856greg. in Sankt Petersburg; † 6. Januar 1929 in Antibes)[1] war ein russischer General und Großfürst aus der Zarenfamilie Romanow. Er war Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte im Ersten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Nikolai Nikolajewitsch war der Sohn von Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, dem dritten Sohn von Zar Nikolaus I. und dessen Frau, Großfürstin Alexandra Petrovna, geborene Prinzessin Alexandra von Oldenburg.

Nach einer militärischen Ausbildung begann er seine Karriere im Gardehusarenregiment und diente im Russisch-Türkischen Krieg 1877-1878 im Stab seines Vaters. 1878 wurde er mit dem Sankt Georgskreuz ausgezeichnet.

1884 wurde er Chef des Garde-Husaren-Regiments. 1895 ernannte man ihn zum Generalinspekteur der Kavallerie. Im Russisch-Japanischen Krieg 1904 erhielt er kein Frontkommando, sondern fand ab 1905 Verwendung als Oberbefehlshaber des St. Petersburger Militärbezirks, wo man ihm die Verantwortung für die Sicherheit der Hauptstadt übertrug. Die Unterstützung der Reformpläne Sergei Wittes brachte ihm jedoch die Feindschaft der Zarin und der Politiker der äußersten Rechten ein.

1907 heiratete er Anastasia von Montenegro (1868-1935) in Jalta auf der Krim, eine Tochter Fürst Nikolas von Montenegro. Die Ehe blieb kinderlos. Beide waren tief religiöse orthodoxe Christen mit einer Neigung zum Okkultismus und zur Mystik. Außerdem war Nikolai Nikolajewitsch ein begeisterter Freund der Hasenhetze, die er auf seinem 1887 erworbenen, 3000 ha umfassenden Gut Perchino an der Upa häufig praktizierte. Dort unterhielt er auch eine umfangreiche Barsoizucht, die weit über Russland hinaus bekannt war. Mit den Hunden betrieb er Parforcejagd auf Wölfe.[2] In Sankt Petersburg bewohnte er ein Palais am Ufer der Newa gegenüber dem Sommergarten. Dort befand sich seine beträchtliche Kunstsammlung, vorwiegend von Gegenständen aus Porzellan.

Der Erste Weltkrieg[Bearbeiten]

Nikolai Nikolajewitsch und Zar Nikolaus II. 1915 im Ersten Weltkrieg

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde er in seiner Eigenschaft als Oberkommandierender der Gardetruppen und des Militärbezirks Sankt Petersburg automatisch Oberkommandierender der Sechsten Armee. Obwohl er nie eine Armee im Feld kommandiert hatte, ernannte ihn nach einigem Zögern am 20. Julijul./ 2. August 1914greg. um 14 Uhr sein Cousin Zar Nikolaus II. zum Oberbefehlshaber (Generalissimus) der russischen Streitkräfte.

Nikolai Nikolajewitsch nahm die Ernennung an, erklärte aber zugleich, dass er sich unvorbereitet und sehr unsicher fühle. Er sollte unverzüglich einen Aufmarschplan ausführen, den er nicht kannte. Gleichzeitig bat er selbst den Zaren um das Versprechen, keinen Frieden zu schließen, auch wenn Sankt Petersburg, Moskau, die Wolga, der Ural und selbst Sibirien verloren gehen sollten. Der Zar versprach es feierlich.

Als am nächsten Tag im Winterpalast das Manifest des Zaren verlesen wurde, warf er demonstrativ ein Bündel Ordensbänder mit deutschen Orden quer über den Hofplatz, was Befremden hervorrief. Sein provisorisches Hauptquartier schlug er zunächst im Snamenka-Schloss seines Bruders auf, bevor er nach Baranowitschi umzog.

Er war letztlich ein eher nomineller Oberbefehlshaber, dem es nicht gelang, im Oberkommando eine kohärente Strategie durchzusetzen. Fehlende Koordination und fehlende Ausrüstung führten nach ersten Anfangserfolgen zu schweren Niederlagen gegen die Mittelmächte. Dies und seine Feindschaft zu Rasputin führte schließlich dazu, dass der Zar am 21. August 1915 selbst das Oberkommando übernahm.

Großfürst Nikolai wurde zum Statthalter in Kaukasien ernannt und als Befehlshaber an die Kaukasusfront versetzt, wo er gegen die Streitkräfte des Osmanischen Reiches erfolgreicher war. Im Februar 1916 eroberte der ihm unterstellte General Judenitsch Erzurum und im April General Ljachow Trapezunt.

Die Februarrevolution beendete seine militärische Karriere. Am 2. März 1917 ernannte ihn zwar der Zar gleichzeitig mit seiner eigenen Abdankung erneut zum Oberbefehlshaber, und am 10. März traf Nikolajewitsch im Hauptquartier in Mogilew ein. Schon am 11. März erhielt er jedoch einen Brief von Ministerpräsident Fürst Lwow, der ihm nahelegte, auf den Posten des Höchstkommandierenden zu verzichten.

Das Exil[Bearbeiten]

Bis 1919 verbrachten er und seine Frau ihre Zeit auf der Krim, teilweise unter Hausarrest stehend. 1919 konnte das Ehepaar auf dem britischen Kriegsschiff HMS Marlborough (1912) kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee mit Nikolais Bruder Peter und dessen Familie gemeinsam flüchten. Nach einem kurzen Aufenthalt bei seinem Schwager, dem italienischen König Viktor Emanuel III. ließ sich Nikolai mit seiner Frau in der Nähe von Paris nieder.

1922 wurde er in Abwesenheit vom Parlament der Provisorischen Pri-Amur-Regierung zum Zar ausgerufen.

Anfang 1929 starb er während eines Erholungsurlaubs an der französischen Riviera.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dmitrij Val'cov, Elisabeth von Lichatscheff: Die Perchino-Jagd Seiner Kaiserl. Hoheit des Großfürsten Nikolai Nikolaijewitsch im Dorfe Perchino, Gouvernement Tula von 1887-1912. Gundlach, Berlin 1921
  • Prinz Roman Romanow: Am Hof des letzten Zaren. Die glanzvolle Welt des alten Rußland, Piper München Zürich 2005, ISBN 3-492-24389-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nikolai Alexandrowitsch Romanow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berliner Monatshefte
  2. A. C. Brendel (Hrsg.), Dmitri Walzoff: Die Perchino-Jagd Seiner Kaiserl. Hoheit des Großfürsten Nikolai Nikolaijewitsch im Dorfe Perchino Gouvernement Tula von 1887–1912. U. Brendel, Hamburg 1978. (Nachdruck des Buchs von 1921 mit einem Anhang und Erklärungen des Herausgebers)