North-Eastern (Kenia)

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North-Eastern
Western Rift Valley Nyanza Nairobi Central Eastern Coast North-Eastern Indischer Ozean Südsudan Somalia Tansania Äthiopien UgandaLage von North-Eastern in Kenia
Über dieses Bild
Basisdaten
Hauptstadt Garissa
Fläche 126.186 km²
Einwohner 1.410.342 (offizielle Schätzung 2008)
Bevölkerungsdichte 11 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 KE-500

North-Eastern („Nordost“) ist eine Provinz Kenias, die im Norden an Äthiopien und im Osten an Somalia grenzt. Ihre Hauptstadt ist Garissa. Sie entspricht weitgehend dem früheren Northern Frontier District (NFD, „Nördlicher Grenzdistrikt“). Die meisten der rund 1,4 Mio. Einwohner sind Somali.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die etwa 1,4 Millionen Einwohner[1] gehören mehrheitlich kuschitischsprachigen Volksgruppen an, die traditionell als Nomaden von der Viehzucht leben. Die große Mehrheit unter ihnen stellen die muslimischen Somali, die den Clanfamilien der Darod sowie der Hawiye angehören. Die Westgrenze von North-Eastern entspricht weitgehend der Grenze zwischen den Somali und den Boran (Oromo) in Kenia, es gibt jedoch auch in North-Eastern eine Minderheit von Borana und assoziierten Gruppen wie den Sakuye. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Somalia Anfang der 1990er leben zudem Somali aus Somalia in den Flüchtlingslagern bei Dadaab.

Das Klima in der Provinz ist semi-arid und heiß. Unregelmäßige Niederschläge mit immer wieder auftretenden Dürren und Überschwemmungen stellen Probleme dar und führen zu Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe.

Geschichte[Bearbeiten]

Ab dem 16. Jahrhundert drangen im Zuge der Oromo-Expansion die Boran in das Gebiet zwischen dem Fluss Tana – der den südlichen Teil der Westgrenze von North-Eastern bildet – und dem Juba im heutigen Somalia vor. Sie gewannen dabei Einfluss über somaloide Gruppen, die dieses Gebiet bewohnten.

Im 19. Jahrhundert drängten Somali vom Clan der Darod, die von Osten her vorstießen, die Boran weitgehend bis westlich des Tana zurück. Die britische Kolonialmacht Britisch-Ostafrikas sah diese Expansion der als feindlich und kriegerisch geltenden Somali als Bedrohung und beendete sie etwa an der Wende zum 20. Jahrhundert[2].

Als 1961 in London über die nahende Unabhängigkeit der Kolonie Kenia beraten wurde, forderten Vertreter der Somali den Anschluss des Nordostens an Somalia. Ein Referendum ergab, dass die Somali wie auch die Oromo dies mehrheitlich befürworteten. Dennoch entschied die britische Kolonialverwaltung, die betreffenden Gebiete bei Kenia zu belassen und ihnen in einem föderalistischen System beschränkte Autonomie innerhalb des Landes zu gewähren. Kenia führte nach seiner Unabhängigkeit 1963 allerdings eine zentralistische Regierungsform ein.[3]

Daraufhin begann ein Guerilla-Krieg, in dem Separatisten mit Unterstützung aus Somalia für die Trennung von Kenia kämpften. Die Regierung reagierte mit der Verhängung des Ausnahmezustands und umfangreichen Repressionen gegen die Bevölkerung. 1967 schlossen Kenia und Somalia unter Vermittlung von Kenneth Kaunda ein Friedensabkommen,[3] der Ausnahmezustand dauerte jedoch bis 1991. Teile der Bevölkerung mussten infolge dieses sogenannten „Shifta-Krieges“ die nomadische Lebensweise dauerhaft aufgeben.[4]

Politische Lage[Bearbeiten]

Seit Ausbruch des somalischen Bürgerkrieges flohen Hunderttausende Somalier in Flüchtlingslager in North-Eastern, insbesondere diejenigen bei Dadaab. Kenia befürchtet daher ein Übergreifen der Konflikte, insbesondere seit in Somalia Islamisten an Bedeutung gewonnen haben. Spätestens seit 2008 dringen Angehörige der extremistischen al-Shabaab ungehindert nach North-Eastern vor, um junge Somalier aus den Flüchtlingslagern wie auch einheimische Somali zu rekrutieren. Vor allem arbeitslose junge Männer werden mit Prämien von mehreren Hundert US-Dollar dazu gebracht, in Somalia kämpfen zu gehen.[5][6] Auch die kenianische Regierung hat junge Somali rekrutiert, um die somalische Übergangsregierung zu unterstützen.[7]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

North-Eastern ist in vier Distrikte eingeteilt:

Distrikt Hauptstadt
Garissa Garissa
Ijara Ijara
Wajir Wajir
Mandera Mandera

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Günther Schlee: Identities on the move: clanship and pastoralism in northern Kenya, Manchester University Press 1989, ISBN 978-0-7190-3010-9
  • Günther Schlee: Interethnic Clan Identities among Cushitic-Speaking Pastoralists, in: Africa: Journal of the International African Institute, Vol. 55, No. 1 (1985), Edinburgh University Press
  1. bevölkerungsstatistik.de (2008)
  2. Catherine Besteman: Unraveling Somalia – Race, Violence, and the Legacy of Slavery, University of Pennsylvania Press 1999, ISBN 978-0-8122-1688-2: S. 57f.
  3. a b Countrystudies.us: Somalia – Pan-Somalism
  4. Alex de Waal: Famine Crimes: Politics & the Disaster Relief Industry in Africa, ISBN 0-253-21158-1 (S. 41)
  5. Jeffrey Gettleman: Radical Islamists Slip Easily Into Kenya, in: New York Times, 21. Juli 2009.
  6. Jenny Cuffe: Jobless Kenyans admit fighting for al-Shabab, in: BBC World Service, 6. Januar 2010.
  7. Ilona Eveleens: Abdul und Ali, Krieger wider Wille, in: taz.de, 19. März 2010

140.833333333333Koordinaten: 1° N, 41° O