Oben ohne

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Begriff „oben ohne“. Für das gleichnamige Festival siehe Oben ohne (Festival) und für die gleichnamige Fernsehserie des ORF siehe Oben ohne (Fernsehserie).
„Oben ohne“ bezeichnet den unbekleideten Zustand des Oberkörpers, meistens des weiblichen

Mit oben ohne, busenfrei, barbusig und topless bezeichnet man umgangssprachlich den nackten weiblichen Oberkörper mit unbedeckten Brüsten. Abzugrenzen ist oben ohne von der Freikörperkultur (FKK), bei der der gesamte menschliche Körper unbedeckt ist (vgl. Nacktheit).

Geschichte[Bearbeiten]

Darstellung des unbedeckten Oberkörpers in der Kunst: Édouard ManetBlonde Frau mit nackten Brüsten (1878)

Im 17. Jahrhundert war es in England zeitweise üblich, dass Frauen eine oder auch beide Brüste unbedeckt ließen.[1] Auch in anderen Epochen – so zum Beispiel in der minoischen Kultur und nach der französischen Revolution – gab es immer wieder die Mode, die Brüste nicht zu bedecken.

In neuerer Zeit wurde der Begriff auf Bademoden beschränkt. So entwarf der österreichische Modemacher Rudi Gernreich 1964 in den USA die „Oben-ohne“-Bademode als eine Weiterentwicklung des Bikinis – die Präsentation des Entwurfs am 30. Juni am Strand von Chicago wurde nach drei Minuten durch 15 Polizisten beendet.

Das Baden mit Höschen, aber ohne Bikini-Oberteil wurde an den öffentlichen Stränden Europas im Laufe der siebziger Jahre mehr und mehr toleriert. Vorreiter war dabei die Avantgarde zum Beispiel an Stränden von Saint Tropez (Frankreich) oder Ibiza (Spanien) bereits in den 1960er Jahren.

Im Sportunterricht wurde das Turnen mit freiem Oberkörper auch für Mädchen in den 1920er Jahren propagiert.[2]

Aktuelles Verhalten[Bearbeiten]

Oben ohne am Strand[Bearbeiten]

Zwei Frauen oben ohne am Strand

Seit den 1980er Jahren ist in Westeuropa oben ohne an den Stränden und öffentlichen Badestellen sowie in einigen wenigen Freibädern, außenliegenden Hotelpools und Parks geduldet, allerdings ist die Grenze zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem bei diesem Thema regional unterschiedlich.[3] So ist zum Beispiel der Englische Garten in München für seine Oben-ohne-Kultur bekannt.

Gründe für das (Sonnen-)Baden oben ohne sind unter anderem der Wunsch nach vollständiger Bräunung oder gesundheitliche Gründe (allerdings lediglich geringere Erkältungsgefahr durch weniger nassen Stoff).

Vor allem in außereuropäischen Ländern gibt es nach wie vor sittliche oder ästhetische Bedenken. In Ländern, in denen Religion eine große Rolle spielt, insbesondere in der arabischen Welt, sind oben ohne und FKK sogar verboten. In Kuba gilt oben ohne als Zeichen westlicher Dekadenz.[4]

Oben ohne in anderen öffentlichen Kontexten[Bearbeiten]

Protestform[Bearbeiten]

Mitglieder der ukrainischen Frauenorganisation Femen protestieren oben ohne

Außerhalb von Stränden und Badestellen ist oben ohne im europäisch-westlichen Kulturkreis nur gering verbreitet. Oft wird es als Form des öffentlichen Protests eingesetzt, so z. B. auf Demonstrationen. 1968, im Jahr des Studentenprotests, ließen Frauen in einem Gerichtssaal ihre Oberbekleidung fallen, um gegen die „Klassenjustiz“ zu protestieren.[5]

Seit 2010 protestieren Mitglieder der ukrainischen Frauenbewegung Femen oben ohne gegen Sextourismus.[6]

Topless Equality[Bearbeiten]

Pride Parade London (2009)

Insbesondere im angloamerikanischen Raum ist oben-ohne bei Frauen entweder als sozial inakzeptabel deklariert oder sogar bei Strafe verboten, dies gilt mitunter sogar für den Strand. Aber auch in Europa existieren verschiedene Situationen, in denen ein freier männlicher Oberkörper als akzeptabel angesehen wird, wohingegen dies bei Frauen nicht toleriert wird. Gegen diese Praxis formiert sich in jüngster Zeit Widerstand von verschiedenen Gruppen, die, insbesondere in den USA unter der Sammelbezeichnung „topless equality“ bzw. „topfreedom“, für eine Gleichbehandlung vor dem Gesetz eintreten. Die Forderung lautet dabei, dass es Frauen überall dort gestattet sein muss, sich oben ohne zu bewegen, wo Männer dies auch dürfen.

In Schweden entwickelte sich 2007 die neo-feministische Bewegung Bara Bröst, um das Oben-ohne-Baden auch in Schwimmbädern durchzusetzen. Mit ähnlichen Zielen tritt in den USA die topfreedom-Bewegung an: Sie kritisiert die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern hinsichtlich der Oben-ohne-Gesetzgebung. Wie in vielen anderen Ländern ist es Männern in vielen Kontexten erlaubt und sozial akzeptiert, sich in dieser Form öffentlich zu zeigen, wohingegen es Frauen bei Strafandrohung verboten ist. Gegen diese Form der Diskriminierung werden Demonstrationen und Veranstaltungen organisiert sowie Öffentlichkeitsarbeit betrieben.[7][8][9]

Zulässigkeit[Bearbeiten]

Vereinigte Staaten von Amerika, New York[Bearbeiten]

New York ist ein Bundesstaat in den Vereinigten Staaten von Amerika, in dem sich Frauen legal „oben ohne“ in der Öffentlichkeit bewegen dürfen. 1992 hat dies das höchste Gericht im Staat geurteilt. Das bedeutet, jede Frau kann sich „oben ohne“ in der Stadt frei bewegen, zu jeder Zeit und überall.[10][11][12]

Europa[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland sind die öffentliche Nacktheit und damit die Nacktheit der Brüste – wie in den meisten Ländern – nicht explizit verboten. Durch gerichtliche Entscheidungen ist die „Nacktheit in Strandnähe“ in Deutschland faktisch legalisiert. Die Nacktheit in freier Natur gilt als juristischer Grenzfall – faktisch kommt es darauf an, ob jemand behauptet, belästigt zu werden und deswegen Strafverfolgung verlangt, was in Fällen völliger weiblicher Nacktheit selten, bei oben ohne gar nicht vorkommt. Hingegen ist Nacktheit in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen Grundstück grundsätzlich erlaubt, auch bei Einsehbarkeit der Wohnung.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich ist oben ohne zwar erlaubt, wird jedoch mittlerweile relativ selten praktiziert. Nur an einigen Kärntner Seen und in manchen Wiener Freibädern (wie zum Beispiel die Alte Donau oder das Gänsehäufel) wird oben ohne manchmal noch praktiziert. In letzter Zeit kam es in den Freibädern außerdem zu einem Rückgang an Freizügigkeit.[13]

Polen[Bearbeiten]

In Polen wird oben ohne an den Stränden teilweise vom Amts wegen verfolgt, ohne dass es Geschädigte (belästigte Personen) gibt. Nach dem polnischen Vergehensgesetzbuch (kodeks wykroczeń) können Ungehörigkeitsvergehen mit Arrest, einer Geldbuße von bis zu 1.500 PLN (ca. 350 €) oder einer Rüge geahndet werden.[14] Üblicherweise wird durch die Polizei Verwarnungsgeld erhoben; bei Nichtannahme des Strafzettels wird ein Strafverfahren eingeleitet. Im Jahr 2008 kam es in einem Präzedenzfall in der ersten Instanz zur Verurteilung von zwei oben ohne badenden Frauen wegen Ungehörigkeitsvergehen mit der Begründung, dass „die öffentliche Nacktheit einen Normbruch in unserer Gesellschaft“ darstelle. Infolge der Berufung und nach der Intervention des Ombudsmanns wurden diese jedoch Anfang 2009 freigesprochen.[15][16]

Kulturelle Rezeption[Bearbeiten]

Werbung und Medien[Bearbeiten]

Der Begriff oben ohne als Stichwort und Aufmerksamkeitssignal wird in der Werbung gerne im übertragenen Sinne verwendet, etwa in der Werbung für Cabrios, Mittel gegen Haarausfall oder Schuppen. Auch Warnungen vor dem Zweiradfahren und Skifahren ohne Helm sichern sich mit dem Wörterpaar oben ohne Publikumaufmerksamkeit.

In Film, Fernsehen, Zeitschriften und Zeitungen finden sich häufig Bilder von barbusigen Frauen, wie das tägliche Page-3-Girl vieler Boulevard-Zeitungen.

Während oben ohne an Stränden eine selbstbestimmte Entscheidung jedes Einzelnen ist, wird bei den Darstellungen in Medien und Werbung vielfach die Effekthascherei und das dadurch sinkende Niveau kritisiert, wenn die Darstellung insbesondere Männer (sexuell) ansprechen soll.

Nach einer politischen Entscheidung, die nach Meinung der polnischen Öffentlichkeit Polen politisch benachteiligte, zeigte das polnische Magazin Wprost im Juni 2007 eine Fotomontage, in der die Bundeskanzlerin Angela Merkel barbusig Lech Kaczyński und Jarosław Kaczyński stillt.[17]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Die Darstellung von Frauen mit unbekleidetem Oberkörper folgt einer langen Tradition in der europäischen Kunst und reicht bis auf die griechische Antike zurück. Insbesondere mit der Renaissance und der damit einhergehenden Wiederentdeckung antiker Ideale kam es zur gehäuften Darstellung nackter und halbnackter Frauen in Malerei und Skulptur.

Eines der berühmtesten Gemälde, auf denen eine Frau oben-ohne dargestellt ist, ist das Werk Die Freiheit führt das Volk von Eugène Delacroix. Die Barbusigkeit ist hierbei Ausdruck von Freiheit und dem Abwerfen von Zwang und Unterdrückung.

Weblink[Bearbeiten]

 Commons: Oben ohne – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: oben ohne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. netzeitung.de  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.netzeitung.de
  2. "Oben-ohne"-Sport In: www.michis-seiten.de
  3. divers-travel-guide.com  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.divers-travel-guide.com
  4. Marco Polo Reiseführer Kuba, ISBN 978-3-8297-0144-0, S. 120
  5. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten: Achtundsechzig: Aktion Blanker Busen. In: Spiegel Online. 16. Oktober 2007, abgerufen am 23. Dezember 2014.
  6. EXPRESS.DE Nackt-Proteste gegen Regierung (abgerufen am 21. März 2011)
  7. Topfree Equal Rights Association (TERA)
  8. gotopless.org
  9. „Nackter Protest in den USA“, Artikel auf Bild.de
  10. Half-nude women march for right to bare breasts In: nydailynews.com
  11. 10 successful cases recognizing women's right to be topless in certain states or cities - GoTopless In: gotopless.org
  12. Demented Tidbits: Naked New York In: babyboyfreberg.typepad.com
  13. Kleine Zeitung Was wurde aus dem Oben-Ohne-Sonnen?
  14. [5]
  15. [6]
  16. [7]
  17. netzeitung.de  (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[8] [9] Vorlage:Toter Link/www.netzeitung.de