Ocna de Fier

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Ocna de Fier
Eisenstein
Vaskö
Wappen von Ocna de Fier
Ocna de Fier (Rumänien)
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Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Banat
Kreis: Caraș-Severin
Koordinaten: 45° 20′ N, 21° 47′ O45.3421.775Koordinaten: 45° 20′ 24″ N, 21° 46′ 30″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Fläche: 22,11 km²
Einwohner: 656 (20. Oktober 2011[1])
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner je km²
Postleitzahl: 327290
Telefonvorwahl: (+40) 02 55
Kfz-Kennzeichen: CS
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Gemeinde
Gliederung: Ocna de Fier
Bürgermeister: Mircea-Gică Ciobîcă (USL)
Postanschrift: loc. Ocna de Fier, nr. 107b
jud. Timiș, RO–327290
Webpräsenz:
Lage von Ocna de Fier im Kreis Caraș-Severin
Ansicht von Ocna de Fier

Ocna de Fier (deutsch Eisenstein, ungarisch Vaskö) ist eine Gemeinde im Kreis Caraș-Severin, Banat, Rumänien.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Berzovia Bocșa Ezeriș
Fizeș Nachbargemeinden Moniom
Doclin Dognecea Reșița

Geografische Lage[Bearbeiten]

Ocna de Fier liegt im Dognecea-Gebirge im Banater Bergland an der Kreisstraße DJ 586 BocșaDognecea, 25 Kilometer von der Kreishauptstadt Reșița und 100 Kilometer von der Großstadt Timișoara entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten bergbaulichen Nachweise stammen aus der Bronzezeit vor etwa 4000 Jahren, als man hier natürliches Kupfer im Tagebau gewann. Nach der Eroberung des Gebietes durch die Römer um das Jahr 106 wurde der Bergbau auch untertage vorangetrieben. Nördlich von Ocna de Fier, am Goldhügel („Cracul cu aur“) sind heute noch alte römische Einrichtungen zur Goldgewinnung zu erkennen. Der mittelalterliche Goldbergbau wurde zuletzt in einer Urkunde aus dem Jahr 1552 erwähnt. Während der osmanischen Herrschaft (1554–1718) war das Interesse an Bodenschätzen gering und das Gebiet nur dünn besiedelt. Erst während der Zeit der Habsburgermonarchie nach 1718 wurde über die Entdeckung reicher Eisenerzlagerstätten im Morawitzatal berichtet. Aufgrund des stark steigenden Bedarfes an Arbeitskraft wurde 1760 die Bergbausiedlung „Morawitzadorf“ gegründet und hauptsächlich mit walachischen Flüchtlingen, Bufänen, Waldarbeitern und Bergleuten aus der Gegend um Baia de Aramă besiedelt. Auf der Josephinischen Landkarte von 1772 ist diese Siedlung als „Pogschaner Eisenstein“ eingetragen.[2]

Die eigentliche Ortschaft „Eisenstein“ wurde 1815 gegründet. Zugleich wurden auch deutsche Facharbeiter angesiedelt. 1855 verkaufte die Wiener Hofkammer die Eisensteiner Eisengruben mit dem Banater Montangebiet an die Österreichisch-ungarische Staatseisenbahngesellschaft (StEG). 1919 fiel das gesamte Banater Bergland an Rumänien. Damit wurde die StEG in eine rumänische Aktiengesellschaft „Uzinele de Fier și Domeniile din Reșița" (UDR) umgewandelt.[3]

Bergbau[Bearbeiten]

Als Ergebnis einer Studienreise durch das Banater Bergland schrieb Bernhard von Cotta 1864 sein Referenzwerk und benannte die hier auftretende Textur der Eruptivgesteine „Banatite“. 1874 lieferte der Bergbauingenieur „Anton Veszelyi“ (1820–1888) Eisensteiner Erzproben aus denen der Wiener Professor Gustav Tschermak zwei neuartige Mineralien identifizieren konnte, das „Ludwigit“ und das „Veszelyit“. Im Jahr 1972 entdeckte der Geologe Gruescu in der Eisengrube „Reichenstein“ mehrere kreuzförmige Quarzkristalle, neuartige Kristallisationsformen, die den Namen des Entdeckers bekamen, die „Gruescu-Koaxialzwillinge“. Nach 1990 fand kein aktiver Bergbau mehr statt, zwischen 1992 und 1997 wurde nur noch das Material der alten Halden verwertet. Seit 2001 wurde auch diese Bergbautätigkeit endgültig eingestellt. Insgesamt wurden aus Eisensteiner Erze über die Zeit geschätzte 11 Millionen Tonnen Eisen- und 3 Millionen Tonnen Buntmetalle gewonnen.[2]

Museum der ästhetischen Mineralogie des Eisens[Bearbeiten]

Der Sammler Constantin Gruescu gründete in seinem Haus in Ocna de Fier eine äußerst wertvolle Mineralogiesammlung, wo besondere Minerale beobachtet werden können. Einige sind weltweit einzigartig. Das private „Museum der ästhetischen Mineralogie des Eisens“ (rumänisch Muzeul de mineralogie estetică al fierului) beherbergt verschiedene seltene Minerale (Andradit, Ludwigit) und Steine (Dognácskait[4], Warthait[5]). Ende des 20. Jahrhunderts stellte Gruescu seine Mineralogiesammlung vor und schenkte einige Exemplare rumänischen und ausländischen Privatpersonen und öffentlichen Institutionen. Lehrer und Fachmänner, Studenten und prominente Persönlichkeiten, Touristen und Besucher aus aller Welt bewunderten schon die mehr als 2000 Exemplare zählende Sammlung. Sein prominentester Besucher war die niederländische Königin Beatrix.[6][7]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Seltene Erze aus dem Bergbaugebiet Ocna de Fier, ausgestellt im Museum der ästhetischen Mineralogie des Eisens:

Tourismus[Bearbeiten]

Aufgrund der schönen Landschaft hat sich Eisenstein nach und nach zu einem Touristenmagnet entwickelt. Immer mehr Ortsfremde kauften sich hier Häuser und wandelten diese in Ferienhäuser um. Die Karstlandschaft mit zahlreichen Senken, Schluchten Höhlen ist vor allem für Sportkletterer attraktiv. Circa 17 Höhlen sowie die größte senkrechte Steinwand des Banats (116 Meter) sind hier anzutreffen. Alte Abraumhalden und Tagebauten bieten den Hobbymineralogen zahlreiche Funde. Für Bergbauarchäologen bietet sich das Areal „Goldhügel“ mit seinem noch nicht erforschten römischen Galeriesystem an. Höhepunkt jeder Erkundungstour ist der Besuch des Museums der ästhetischen Mineralogie des Eisens.[2]

Demografie[Bearbeiten]

Die größte Bevölkerungszahl hatte Ocna de Fier in den 1960er Jahren aufzuweisen. Seither sinkt die Einwohnerzahl stetig. Das Dorf verwandelt sich nach und nach in einen Ferien- und Freizeitort.

Volkszählung[8] Ethnie
Jahr Einwohner Rumänen Ungarn Deutsche Andere
1880 1012 919 10 78 5
1910 1332 1174 33 120 5
1966 1853 1716 44 38 55
1977 1422 1328 29 33 32
1992 907 855 7 21 24
2002 792 769 5 10 8

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die sich durch ihr Werk und Wirken in und um Ocna de Fier verdient gemacht haben:

  • Georg Pokrean, Bergbeamter der StEG und Mitglied der Ungarischen Geologischen Gesellschaft (1886)
  • Alexander Kissling, Sachbuchautor über den Eisensteiner Bergbau (1967)
  • Constantin Gruescu, (geb. 1924) Bergbautechniker und Mineraliensammler, Mitglied der Rumänischen Gesellschaft für Geografische Wissenschaften[9]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ignaz von Born: Briefe über mineralogische Gegenstände, Brief 9. Frankfurt, 1774.
  • Edmund Schelken: Die Mineralien von Dognecea und Ocna de Fier in Rumänien. Lapis-Magazin, München 1993
  • Carol Brandza: Contribuții la cunoașterea minelor vechi aurifere din zona Bocșa-Ocna de Fier-Dognecea. Banatica, Reșița 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ocna de Fier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB)
  2. a b c banater-berglanddeutsche.de, Eisenstein
  3. banater-aktualitaet.de, Dognatschka und Eisenstein
  4. Mindat - Dognácskaite
  5. Mindat - Warthite
  6. thematicroutes.dkmt.eu, Museum der ästhetischen Mineralogie
  7. banatulmontan.wordpress.com, Constantin Gruescu şi Muzeul de Mineralogie Estetică a Fierului
  8. kia.hu (PDF; 858 kB), E. Varga: Statistik der Einwohnerzahlen nach Ethnie im Kreis Caraș-Severin laut Volkszählungen von 1880 - 2002
  9. constantingruescu.ro, Constantin Gruescu
  10. amitie-franco-roumaine.com, Städtepartnerschaft