Andradit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Andradit
Andradit (Kalkeisengranat) - Vaskö, Banat, Rumänien.jpg
Andradit-Kristallgruppe auf Calcit aus Vaskö, Banat, Rumänien (ausgestellt im Mineralogisches Museum der Universität Bonn)
Andere Namen
  • Allochroit
  • Calcium-Eisen-Granat
  • Kalkeisengranat
Chemische Formel

Ca3Fe3+2[SiO4]3[1]

Mineralklasse Silikate und Germanate
9.AD.25 (8. Auflage: VIII/A.08) nach Strunz
51.04.03b.01 nach Dana
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin kubisch-hexakisoktraedisch; 4/m 3 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Ia3d (Raumgruppen-Nr. 230)
Farbe Gelb, Grüngelb bis Smaragdgrün, Dunkelgrün, Braun bis Rotbraun, selten auch farblos oder Schwarz
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 6,5 bis 7
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,8 bis 3,9 ; berechnet: 3,859[3]
Glanz Diamant bis Harzglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit keine
Bruch uneben bis muschelig; spröde
Habitus Rhombendodekaeder, Trapezoeder, körnige bis massige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,887[4]

Andradit, auch als Calcium-Eisen-Granat oder Kalkeisengranat bezeichnet, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Gruppe der Granate innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der idealisierten Zusammensetzung Ca3Fe3+2[SiO4]3[1], ist also chemisch gesehen ein Calcium-Eisen-Silikat das strukturell zu den Inselsilikaten gehört.

Andradit ist das Eisen-Analogon zu Grossular (Ca3Al2[SiO4]3[1]) und Uwarowit (Ca3Cr2[SiO4]3[1]) und bildet mit diesen eine Mischkristallreihe, die sogenannte „Ugrandit-Reihe“. Da Andradit auch mit den weiteren Granat-Mineralen Schorlomit (Ca3Ti24+[Fe23+SiO12][1]) und Kimzeyit (Ca3Zr2[Al2SiO12])[1] Mischkristalle bildet, zeigt er ein entsprechend weites Spektrum der Zusammensetzung mit je nach Bildungsbedingungen mehr oder weniger großen Anteilen von Titan und Zirconium. Da zudem auch weitere Fremdbeimengungen enthalten sein können, kommt er meist in verschiedenen Farben vor, wobei allerdings grüngelbe bis smaragdgrüne und braune bis rotbraune Farben überwiegen. Selten finden sich auch farblose und schwarze Andradite.

Das Mineral ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt typischerweise Rhombendodekaeder oder Trapezoeder sowie Kombinationen dieser Kristallformen, die bis zu fünf Zentimeter groß werden können und einen harz- bis diamantähnlichen Glanz aufweisen. Daneben tritt er auch in körnigen bis massigen Mineral-Aggregaten auf.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Vor dem Lötrohr erhitzt, bildet Andradit eine schwarze, magnetische Kugel.[5]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals beschrieben wurde das Mineral um 1800 durch den brasilianischen Mineralogen und Staatsmann José Bonifácio de Andrada e Silva, der es auf seiner Reise durch Norwegen in der Grube „Wirum“ nahe Drammen entdeckte. Unter der Bezeichnung Allochroit beschrieb Silva in seinen Aufzeichnungen auch einige der Eigenschaften des Minerals wie beispielsweise seine gelblichgraue bis dunkelstrohgelbe Farbe (Varietät Topazolith) relativ hohe Härte („just scratched by quartz“, übersetzt: von Quarz gerade noch ritzbar), gab jedoch keine chemische Zusammensetzung an.[6]

Seinen bis heute gültigen Namen erhielt das Mineral 1868 durch James Dwight Dana, der in seinem Werk „A System of Mineralogy“ alle bis dahin bekannten Kalk-Eisen-Granate unter dem Namen Andradit zusammenfasste und damit den ersten Entdecker dieser Mineralart Andrada e Silva ehrte.[7]

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der mittlerweile veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Andradit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“, wo er zusammen mit Goldmanit, Grossularund Uwarowit die eigenständige „Granatgruppe-Ugrandit-Reihe“ mit der System-Nr. VIII/A.08 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Andradit ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen sowie der Koordination der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung der „Inselsilikate ohne weitere Anionen; Kationen in oktaedrischer [6] und gewöhnlich größerer Koordination“ zu finden ist, wo es zusammen mit Almandin, Blythit, Calderit, Goldmanit, Grossular, Henritermierit, Hibschit, Holtstamit, Hydroandradit, Katoit, Kimzeyit, Knorringit, Majorit, Morimotoit, Pyrop, Schorlomit, Spessartin, Skiagit, Uwarovit und Wadalit die „Granatgruppe“ mit der System-Nr. 9.AD.25 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Andradit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Inselsilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Goldmanit, Grossular, Uwarovit und Yamatoit in der „Granatgruppe (Ugrandit-Reihe)“ mit der System-Nr. 51.04.03b innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [6] und >[6]-Koordination“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

  • Demantoid ist ein durch Fremdbeimengungen von Chrom gelbgrün bis dunkelgrün gefärbter Andradit. Benannt wurde er um 1870 durch Nils von Nordenskiöld, der die erst später als Andradite erkannten „grünlichen Gerölle“ im Ural entdeckte.[8]
  • Hydroandradit (Ca3Fe3+2.0(SiO4)2.71-2.81(H4O4)0.29-0.19[9]) zählt nicht als eigenständiges Mineral, sondern als Varietät von Andradit.
  • Melanit (nach Abraham Gottlob Werner, 1799[10]) wird als titanreiche Varietät von Andradit angesehen und nach dem griechischen Wort μέλας für schwarz benannt, da er überwiegend in grauschwarzen bis pechschwarzen Kristallen oder derben Aggregaten vorkommt.
  • Topazolith (= Topas-ähnlich) ist eine hellgelbe bis cognacfarbene Andradit-Varietät.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Ähnlich wie Grossular bildet sich auch Andradit durch Kontaktmetasomatose (Materialverdrängung bestimmter Gesteinskomponenten) bei Zufuhr von Eisen in Skarnen und in kontaktmetamorph umgewandelten Eisenerz-Lagerstätten. Ebenso findet er sich als Nebengemengteil in Nephelin-Syeniten, Phonolithen und anderen Alkaligesteinen. Gelegentlich tritt Andradit auch in alpinen Klüften, wenn Grünschiefer (Chloritschiefer) oder ähnlich eisenreiche Gesteine als Nebengestein anstehen.[11] Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Chlorite, Dolomit, Epidot, Magnetit, Spinell und Vesuvianit.[3]

Als häufige Mineralbildung ist Andradit an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher (Stand: 2013) rund 1400 Fundorte[4] als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität Drammen trat das Mineral in Norwegen unter anderem noch an mehreren Orten in der Provinz Buskerud (Kongsberg, Lier, Nedre Eiker) sowie an einigen Stellen in den Provinzen Aust-Agder (Arendal, Gjerstad), Nordland, Oppland (Grua, Nordmarka), Telemark (Porsgrunn, Skien) und Vestfold (Larvik, Sandefjord) auf.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Andraditfunde ist unter anderem die Grube „Kohse“ bei Tenkawa im Landkreis Yoshino-gun (Präfektur Nara) auf der japanischen Insel Honshū, wo mehrere Zentimeter große und teilweise irisierende Kristallstufen zutage traten.[12] Diese sogenannten „Regenbogen-Granate“ (englisch Rainbow-Garnet) werden allerdings auch in Mexiko gefunden. Bis zu vier Zentimeter große Kristalle kennt man aus der Lagerstätte Sinerechenskoye (Verwaltungsbezirk Kawalerowo) in der russischen Region Primorje und bis zu drei Zentimeter große Dematoidkristalle fand man im Malencotal (Val Malenco) in der italienischen Provinz Sondrio.[13]

In Deutschland konnte Andradit bisher an vielen Orten nachgewiesen werden: im Schwarzwald in Baden-Württemberg; im Fichtelgebirge, Fränkischen Wald und Bayerischen Wald in Bayern; bei Rachelshausen, Hirzenhain und Hochstädten (Bensheim) in Hessen; bei Bad Harzburg und Sankt Andreasberg in Niedersachsen; an vielen Stellen in der Eifel (Rheinland-Pfalz), im sächsischen Erzgebirge und Vogtland sowie bei Unterbreizbach und Sparnberg in Thüringen.

In Österreich fand man das Mineral unter anderem bei Badersdorf und am Pauliberg im Burgenland, bei Andreaskreuz in der Gemeinde Hüttenberg und bei Wollanig nahe Villach in Kärnten, an mehreren Orten im niederösterreichischen Waldviertel und den Salzburger Hohen Tauern sowie an einigen Orten in der Steiermark, Tirol und Vorarlberg.

In der Schweiz trat Andradit bisher vor allem in den Kantonen Graubünden und Wallis auf, konnte aber auch nahe Oberbargen in Schaffhausen gefunden werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, der Antarktis, Argentinien, Äthiopien, Australien, Aserbaidschan, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, der Demokratischen Republik Kongo, Ecuador, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Guinea, Honduras, Island, Indien, Iran, Israel, Jeman, Kanada, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, Madagaskar, Malawi, Mali, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Palästina, Papua-Neuguinea, Paraguay, Peru, auf den Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, auf den Salomonen, in Schweden, Serbien, der Slowakei, in Spanien, Sri Lanka, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Tadschikistan, Tansania, Thailand, Tschechien, der Türkei, der Ukraine, in Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Großbritannien), den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und auf Zypern.[14]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Andradit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Ia3d (Raumgruppen-Nr. 230) mit dem Gitterparameter a = 12,06 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung als Schmuckstein[Bearbeiten]

Schmuckanhänger mit facettierten Demantoiden

Wie die meisten Granate wird auch der Andradit bzw. seine Varietäten Demantoid und Topazolith bei entsprechender Qualität als wertvoller Schmuckstein verwendet. Aufgrund der Farbenvielfalt, bedingt durch die weitgehende Mischkristallbildung der Granate ist man im Edelsteinhandel inzwischen dazu übergegangen, die Granate nicht nach ihrer oft nur schwer bestimmbaren, chemischen Zusammensetzung, sondern nach ihrer jeweiligen Farbnuance den einzelnen Granatarten zuzuordnen, die entsprechend nur noch als Farbbezeichnungen dienen. So werden beispielsweise die grünen Granate entweder als Demantoid, Hydrogrossular oder auch als Tsavorit bzw. Tsavolith bezeichnet, obwohl letzterer chemisch eigentlich zu den Grossularen gehört.[15]

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen je nach Farbe unter anderem mit Rubin und Spinell (rot), Peridot und Smaragd (grün), Topas und Hyazinth (gelblich bis bräunlich) sowie dem vielfarbigen Turmalin.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andradite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 541–542.
  2. Webmineral - Andradite
  3. a b Andradite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (PDF 72,6 kB).
  4. a b Mindat - Andradite
  5.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 668.
  6. J. B. d’Andrada: Kurze Angabe der Eigenschaften und Kennzeichen einiger neuen Fossilien aus Schweden und Norwegen nebst einigen chemischen Bemerkungen ueber dieselben. In: Allgemeines Journal der Chemie. Band 4, 1800, S. 28–39 (PDF 2,36 MB).
  7. J. D. Dana, G. J. Brush: E. Lime-Irongarnet; Andradite. In: A System of Mineralogy, 5. Auflage, John Wiley and Sons New York 1868, S. 268–270 (PDF 862,2 kB).
  8.  Maximilian Glas u. a.: Granat. In: Christian Weise (Hrsg.): extraLapis. 9, Christian Weise Verlag, München 1995, ISBN 3-921656-35-4, ISSN 0945-8492, S. 4.
  9. Georg Amthauer, George R. Rossman: The hydrous component in andradite garnet. In: American Mineralogist. Band 83, 1998, S. 837 (synthetisch hergestellte Hydroandraditproben GAIV/1/4 und GAIIIa/3; PDF 76,4 kB S. 3)
  10.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 272.
  11.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 679.
  12. Mindat - Andradit-Bildergalerie aus der Kohse Mine, Tenkawa, Yoshino-gun, Nara, Region Kinki, Honshū, Japan
  13.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 198 (Dörfler Natur).
  14. Mindat und Mineralienatlas - Fundorte für Andradite
  15.  Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Neue Erde Verlag, 2005, ISBN 3-89060-025-5, S. 68–69.
  16.  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 122.