Ovadja Josef

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Ovadja Josef, 2007

Ovadja Josef (hebräisch ‏עובדיה יוסף‎; * 1920 in Bagdad, Irak) ist ein israelischer Rabbiner. Er ist ehemaliger sephardischer Großrabbiner des Staates Israel und spirituelles Oberhaupt der Schas-Bewegung.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Er wurde in Bagdad unter dem Namen Abdullah Youssef geboren und wanderte im Alter von vier Jahren zusammen mit seinen Eltern nach Jerusalem aus. Mit 20 Jahren erhielt er die Semicha, die rabbinische Ordination. Er amtierte als Oberrabbiner von Ägypten sowie von Tel Aviv und Haifa. Als religiöse Autorität hat er zahlreiche halachische Entscheidungen getroffen. Einige Beispiele:

  • Tragen von Hosen für Frauen.
  • Das Zahlen von Steuern an den Staat, obwohl dieser zionistisch ist und von vielen ultraorthodoxen Juden abgelehnt wird.
  • Die vollständige Anerkennung der Falascha und der Falaschmura (der äthiopischen Juden) als ein dem Volk Israel angehöriger Stamm.

Umstrittene Äußerungen[Bearbeiten]

2000 erregte er Aufsehen mit der Äußerung, die im Holocaust ermordeten Juden seien „wiedergeborene Sünder“ gewesen, die immer „wieder und wieder gesündigt“ hätten.[1] Als Reaktion darauf verglich der Journalist und Politiker Josef Lapid ihn mit Jörg Haider. Von arabischer Seite wurde seine Äußerung kritisiert, Palästinenser seien „Übeltäter und Schlangen“.[2][3]

2001 sagte Josef über die Palästinenser, man dürfe keine Gnade gegen sie zeigen und müsse Raketen auf sie schießen und sie ausrotten.[4]

Zum Hurrikan Katrina, der im August 2005 ca. 1800 Amerikaner das Leben kostete, stellte Josef einen Zusammenhang zu den 8000 Siedlern her, die den Gazastreifen räumen mussten. Josef äußerte sich folgendermaßen: Die Katastrophe sei Gottes Strafe für George Bushs Unterstützung des Abzugs von jüdischen Siedlern aus dem Gazastreifen.[5][6] Er fügte noch hinzu, dass die Schwarzen getötet wurden, weil sie die Tora nicht studiert hätten:

“There was a tsunami and there are terrible natural disasters, because there isn’t enough Torah study … Black people reside there [New Orleans]. Blacks will study the Torah? [God said], Let’s bring a tsunami and drown them … Hundreds of thousands remained homeless. Tens of thousands have been killed. All of this because they have no God … Bush was behind the [expulsion of] Gush Katif, he encouraged Sharon to expel Gush Katif … We had 15,000 people expelled here [in Israel], and there [in America] 150,000 [were expelled]. It was God’s retribution. God does not short-change anyone.”

„Da gab es einen Tsunami, und da gibt es entsetzliche Naturkatastrophen, weil es nicht genug Torastudien gibt … schwarze Leute leben dort (New Orleans). Studieren Schwarze die Tora? (Gott sagte:) Lasst uns einen Tsunami schicken und sie ertränken … Hunderttausende verloren ihre Heimat. Zehntausende wurden getötet. Alles, weil sie keinen Gott haben … Bush stand hinter (der Auflösung von) Gusch Katif, er ermutigte Scharon, Gusch Katif aufzulösen … Wir haben hier (in Israel) 15.000 Vertriebene und dort (in den USA) 150.000 (Vertriebene). Es war Gottes Vergeltung. Gott haut niemanden übers Ohr.“

Ovadja Josef[7]

In einem öffentlichen Gebet erklärte das geistliche Oberhaupt der Schas-Partei Ende August 2010: „Mögen all die Bösen, die Israel hassen, wie ‚Abu Masen‘ und alle Palästinenser, von unserer Welt verschwinden. Möge die Pest sie befallen.“[8]

Am 16. Oktober 2010 sorgte der Rabbiner für großes Aufsehen, als er behauptete, alle Nicht-Juden (Gojim) seien auf der Welt, um Juden zu dienen. Gott habe ihnen ausschließlich zu diesem Zweck ein Leben auf der Welt geschenkt.[9]

Im Mai 2012 verkündete er, Nicht-Juden dürften am Sabbat nicht von jüdischen Ärzten behandelt werden. Eine Ausnahme könne nur dann gewährt werden, wenn zwei Mediziner gleichzeitig mit der Behandlung des Patienten beginnen.[10]

Im August 2012 rief Ovadia seine Anhänger dazu auf, zum Rosch-Haschana-Fest (jüdisches Neujahrsfest) für die Vernichtung Irans und der Hisbollah zu beten. Wörtlich sagte er: „Gott möge sie zerstören und sie von der Welt tilgen“ („May God destroy them and wipe them off the face of the earth“). Dabei zitierte er einige Psalmen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Croitoru: Sünder und Gerechter. Politische Kabbala: Der Schas-Rabbiner Ovadia Josef. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. August 2000
  • Inge Günther: Premier Barak braucht Rabbiner Josef trotz dessen Tiraden. Der bedrängte israelische Regierungschef kann auf die Stimmen der ultraorthodoxen Schas-Partei kaum verzichten. In: Berliner Zeitung. 8. August 2000
  • Omar Kamil: Rabbi Ovadia Yosef and his „Culture War“ in Israel. In: Middle East Review of International Affairs. Vol. 4, No. 4, Dezember 2000

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ovadja Josef – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Ariel Wyler: Auschwitz – eine höhere Gerechtigkeit? Die strittige Aussage des Rabbiners Ovadia Yosef. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. August 2000 (PDF; 16 KB)
  2. Rabbi tones down Holocaust slur. In: BBC News. 7. August 2000
  3. Lisa Beyer & Eric Silver: Heresy and Holocaust. In: Time. 21. August 2000
  4. Greg Myre: On the Air, Palestinians Soften Tone on Israelis. In: The New York Times. 15. Dezember 2004
  5. Zvi Alush: Rabbi: Hurricane punishment for pullout. In: Ynetnews. 7. September 2005
  6. Larry Cohler-Esses: Nature’s Wrath, Or God’s? In: The Jewish Week. 16. September 2005
  7. Zvi Alush: Rabbi: Hurricane punishment for pullout. In: Ynetnews. 7. September 2005
  8. Israel: Mächtiger Rabbi wünscht allen Palästinensern die „Pest“. In: Spiegel Online. 29. August 2010
  9. Natasha Mozgovaya: ADL slams Shas spiritual leader for saying non-Jews „were born to serve Jews“. In: Haaretz. 20. Oktober 2010
  10. Rabbi Yosef: Treating gentiles violates Sabbath. In: Ynetnews. 17. Mai 2012
  11. Jacob Edelist: Rav Ovadia Yosef: We Must Pray for the Destruction of Iran. In: The Jewish Press. 26./27. August 2012