Palais des Tuileries

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Gesamtansicht des Tuilerien-Palasts mit dem Louvre im Hintergrund auf einem Stich um 1857
Tuilerien-Palast, Hoffassade, Fotografie um 1865
Ruinenrest des Palastes auf der Insel Schwanenwerder in Berlin

Das Palais des Tuileries (dt.: Tuilerienpalast) in Paris war das frühere Stadtschloss der französischen Herrscher, ungefähr 500 Meter von der königlichen Residenz des Louvre entfernt und mit diesem zeitweise durch große Flügelbauten verbunden. Es brannte 1871 beim Aufstand der Pariser Kommune aus und wurde später abgerissen.

Heute erinnert nur noch der prächtige, mit vielen Bildsäulen geschmückte Park Jardin des Tuileries an das ehemalige Schloss. Er erstreckt sich am rechten Seine-Ufer vom Pavillon de Flore des Louvre bis zum gegenüberliegenden Pavillon de Marsan parallel zum Place de la Concorde. Hier befindet sich auch das in einem ehemaligen Ballhaus untergebrachte Museum Galerie nationale du Jeu de Paume.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Palais des Tuileries wurde ab 1564 auf Betreiben von Katharina von Medici nach Plänen von Philibert Delorme anstelle einer früheren Ziegelei (frz. la tuilerie) errichtet. Nach dem Tod Katharinas wurde der Palast nicht fertiggestellt.

Heinrich IV. fasste den Plan, den Louvre und die Tuilerien durch den Bau von zwei Galerien im Süden und im Norden zu verbinden. Dieses Vorhaben, genannt Grand Dessin, sah durch die Verbindung der beiden Paläste einen einzigen, riesigen Palast entstehen, auch dieser Plan gelangte nicht vollständig zur Ausführung. Erst unter Karl IX. wurde die Grande Galerie im Süden entlang der Seine erbaut. Im 17. Jahrhundert, nachdem Ludwig XIV. seine Residenz in das Schloss Versailles verlegte, verloren die Tuilerien ihre Bedeutung und standen zeitweise sogar leer. Im Konzertsaal (franz. Salle des Cent-Suisses genannt, dt. wörtlich „Saal der hundert Schweizer“) fanden ab 1725 die Concerts spirituels statt.

Ab 6. Oktober 1789, während der Französischen Revolution, war das Schloss der Wohnort der hier festgesetzten königlichen Familie. Diese konnte anfangs noch im größeren Umfang Hof halten, bis sie schließlich immer stärkere Einschränkungen hinnehmen musste. Am 10. August 1792 kam es zum Tuileriensturm. Ein großer Teil der königlichen Schweizergarde fiel den Angreifern zum Opfer, woran das Löwendenkmal Luzern erinnert. Ludwig XVI., Marie Antoinette und deren Kinder wurden infolge dieser Ereignisse in das Temple-Gefängnis verbracht.

Ab 1806 wurden die Arbeiten an der Vereinigung der beiden Paläste wiederaufgenommen. Charles Percier und Pierre-François-Léonard Fontaine begannen mit einem Nordflügel parallel zur Grande Galerie, der Galerie Napoléon. Unter Ludwig XVIII. und während des Zweiten Kaiserreichs dauerten die Arbeiten unter den Architekten Louis Visconti und Hector Lefuel an. Napoléon III. konnte den fertiggestellten Nouveau Louvre 1857 einweihen. Beim Aufstand der Pariser Kommune wurden im Mai 1871 die Tuilerien in Brand gesteckt, und die Ruinen wurden 1880 bis auf zwei kleine Pavillons abgerissen. Die beiden verbliebenen Pavillons dienten ab 1887 der auch als "Salon des Indépendants" bekannten Société des Artistes Indépendants als Ausstellungsraum.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein kleiner Ruinenrest wurde 1871 verkauft und nach Berlin geschafft. Dort steht er seither auf der Insel Schwanenwerder am Havelstrand.

Rekonstruktionsprojekt Tuilerien[Bearbeiten]

Seit 2002 gibt es einen Verein, der, ähnlich wie beim Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, für eine komplette Rekonstruktion der Tuilerien plädiert. Da alte Fotografien der königlichen Gemächer existieren, wäre eine Rekonstruktion theoretisch möglich. Mit einem Wiederaufbau wäre die Raumkapazität des Musée du Louvre zum Teil erweitert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Der Tuilerien-Palast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8638888888892.3261111111111Koordinaten: 48° 51′ 50″ N, 2° 19′ 34″ O