Paphlagonien

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Kleinasien in der Antike
römische Provinz Paphlagonien 90 v. Chr.
Paphlagonien 842 n. Chr.
Eine Karte von Kleinasien aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Landschaft Paphlagonien im Norden

Paphlagonien ist der antike Name einer Landschaft am Schwarzen Meer, an der mittleren Nordküste Kleinasiens mit einer Ausdehnung von etwa 100 x 400 km. Im Westen grenzte es an Bithynien, im Osten an Pontus, im Süden an Phrygien und Kappadokien. Die griechische Bezeichnung Paphlagonia rührt nach antiker Überlieferung vom Stamm der Paphlagonier her, aus dem angeblich die Eneti / Veneti hervorgingen. Es ist unklar, ob in die antike Bezeichnung der Name der Palaer einfloss.

Um 2000 v. Chr. bestand in Anatolien das Fürstentum der Hattier. Sie wurden von Indoeuropäern abgelöst, deren Migration einige Völker hierher brachte: Das Volk der Palaer ließ sich in Paphlagonien nieder, die Hethiter und Luwier in Mittel- und Südanatolien. Ob auch die ab dem 15. Jahrhundert v. Chr. in hethitischen Quellen erwähnten, in Paphlagonien ansässigen Kaskäer einheimisch oder eingewandert sind, ist umstritten. Nach und nach entstanden Fürstentümer (1660-1460 v. Chr.) aus denen unter anderem das Groß-Reich der Hethiter (1460-1190 v. Chr.) hervorging. Es war als föderativer Feudalstaat organisiert und schloss 1269 mit Ägypten, der zweiten Supermacht des Zeitalters, den wohl ersten Nichtangriffspakt der Geschichte.

Spätestens im 7. Jh. v. Chr. begannen vor allem griechische Ionier aus Milet an der Schwarzmeerküste zu siedeln. Bereits längere Zeit bestanden zuvor bereits Handelskontakte zwischen Griechen und Bewohnern Nordanatoliens.[1] Um 500 v. Chr. wurde der Süden des Gebietes dem Perserreich angegliedert und später Teil des Königreiches Pontos. Durch Pompeius kam die Küstenregion zum römischen Reich. Dessen stärkster Gegner war der pontische König Mithridates VI. Eupator (121-63 v. Chr.), der Rom erst nach mehreren Kriegen unterlag 85 v. Chr.

Im Jahr 64 v. Chr. gründete Pompeius sieben neue Städte im vormals von kleinen Fürstentümern geprägten Landesinneren und vereinte die Region mit Bithynien zur Provinz Bithynia et Pontus. Die wichtigste der neuen Städte war Pompeiopolis, die bis ins frühe Mittelalter hinein politisches und wirtschaftliches Zentrum Zentralpaphlagoniens blieb. Die wichtigste Stadt an der Küste und der einzig gute Hafen war Sinope.

Neben Pontus gliederte sich Kleinasien nun in die Provinz Syria im Osten und Cilicia (Kilikien) im Süden. Die Könige von Paphlagonien sowie von Galatien, Kappadokien und Kommagene behielten als Vasallen Roms und als „Puffer“ gegen Nachbarvölker ihren Thron. Erst mit Augustus und seiner „Pax Romana“ begann um die Zeitenwende eine Blütezeit, die bis Kaiser Trajan und Hadrian im 2. Jahrhundert n. Chr. anhielt. Bei der Verwaltungsreform des Kaisers Diokletian 295 wurde die Provinz Bithynia et Pontus in die Provinzen Bithynia, Paphlagonia und Diospontus geteilt, und 384/7 wurden Teile Paphlagonias zur neuen Provinz Honorias geschlagen.

Seit der Spätantike war Paphlagonien Teil des byzantinischen Reiches, bis es Anfang des 13. Jahrhunderts an das Kaiserreich Trapezunt fiel und später an die Türken. Das Vordringen der turkmenischen Seldschuken begann im 11. Jahrhundert und brachte ihnen nach der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071 fast ganz Anatolien. Das Zentrum des Reiches der Rum-Seldschuken war Ikonion (das heutige Konya) im Süden.

Mit dem Ansturm der Mongolen Mitte des 13. Jahrhunderts zerfiel das Seldschukenreich in viele Fürstentümer. Eine ihrer Dynastien, nach ihrem Führer Osman I. die Osmanen genannt, eroberte die umliegenden Gebiete und nahm 1326 das byzantinische Bursa ein. Im Osmanischen Reich verlor Paphlagonien endgültig Name und Autonomie.

Wichtigste Städte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Belke: Paphlagonien und Honōrias (= Tabula Imperii Byzantini 9 = Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. Denkschriften 249). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1996, ISBN 3-7001-2518-6.
  • Christian Marek: Geschichte Kleinasiens in der Antike. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59853-1, S. 920 (Index, siehe Paphlagonien/Paphlagonier).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. J. Graham: The date of the greek penetration of the Black Sea. In: Bulletin of the Institute of Classical Studies. Bd. 5, Nr. 1, 1958, S. 25–42, doi:10.1111/j.2041-5370.1958.tb00610.x.

41.635Koordinaten: 42° N, 35° O