Sinop

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt, für andere Bedeutung siehe Sinop (Begriffsklärung).

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Sinop
Wappen von Sinop
Sinop (Türkei)
Red pog.svg
Basisdaten
Provinz (il): Sinop
Koordinaten: 42° 2′ N, 35° 9′ O42.02535.147222222222Koordinaten: 42° 1′ 30″ N, 35° 8′ 50″ O
Einwohner: 38.705[1] (2011)
Telefonvorwahl: (+90) 368
Postleitzahl: 57 000
Kfz-Kennzeichen: 57
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Baki Ergül (CHP)
Webpräsenz:
Landkreis Sinop
Einwohner: 56.711[1] (2010)
Fläche: 439 km²
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner je km²
Sinop vom Hafen aus gesehen
Sinop von oben
Die Schlacht bei Sinope von Iwan Aiwasowskij (1853)

Sinop (griech. Σινώπη Sinópē, deutsch Sinope), Hafenstadt und Badeort am Schwarzen Meer, ist die Hauptstadt der gleichnamigen türkischen Provinz Sinop im Norden Anatoliens. Die Stadt hat etwa 35.000 Einwohner, in den Sommermonaten jedoch bis zu 50.000. Sinop liegt auf dem Übergang zu einer dem Festland vorgelagerten Halbinsel und ist an der schmalsten Stelle nur rund 200 m breit.

Geschichte[Bearbeiten]

Sinop hat über mehrere Jahrtausende eine bedeutende Rolle als Kultur- und Handelszentrum am Schwarzen Meer gespielt. Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Bronzezeit.

Sinop war eine frühe Schwarzmeerkolonie der an der Westküste Kleinasiens gelegenen griechischen Stadt Milet. Die ältesten archäologischen Zeugnisse griechischer Besiedlung stammen aus dem späten 7. Jahrhundert v. Chr., was gut zu dem von Eusebius überlieferten Gründungsdatum 631 v. Chr. passt. Die Authentizität einer noch deutlich früheren ersten Gründung vor der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr., die einige antike Autoren erwähnen (Pseudo-Skymnos,[2] indirekt Strabo), ist in der modernen Forschung umstritten. Träfe dieses frühe Datum zu, wäre Sinop die älteste griechische Kolonie im Schwarzmeergebiet. Im 7. Jahrhundert v. Chr. haben sich Kimmerier, die um 700 v. Chr. in Kleinasien eingefallen waren, u.a. „in der Gegend um Sinope“[3] niedergelassen. Dabei sollen sie die frühen griechischen Kolonisten vertrieben haben. Ein kimmerisches Grab, das die Anwesenheit der Kimmerier in dieser Gegend belegt, ist vor einigen Jahren südlich von Sinop entdeckt worden. Nach der Vertreibung der Kimmerier durch die Lyder im letzten Drittel des 7. Jahrhunderts kam es dann zur (erneuten?) Besiedlung durch Milesier.

Sinop wurde zu einer der bedeutendsten Kolonien, und es wurden viele weitere Kolonien entlang der Schwarzmeerküste, so z. B. Amisos, (das heutige Samsun), Cerausos (Giresun), und Trapezous (Trabzon), von Sinop aus gegründet, die es selbst zu großer Bedeutung brachten.

183 v. Chr. eroberte Pharnakes I. Sinop und machte es zur Hauptstadt des Königreiches Pontos. Nach der Niederlage des pontischen Königs Mithridates VI. 64 v. Chr. gegen den römischen Feldherrn Pompeius Magnus verleibten die Römer Pontos in ihr Reich ein, und der Einfluss Sinops nahm ab. Julius Caesar gründete im Jahre 46 v. Chr. eine Kolonie in Sinop.

Nachdem die Seldschuken die Stadt im Jahre 1214 eingenommen hatten, gewann die Stadt wieder an Bedeutung und gehörte seit 1458 zum Osmanischen Reich.

Nach der vernichtenden Seeschlacht von Lepanto im Jahre 1571 ließ der osmanische Sultan Selim II. in Sinop mehrere hundert Schiffe für die Flotte des Reiches bauen. Dafür wurden Arbeiter aus dem gesamten Osmanischen Reich nach Sinop gebracht, von denen sich viele in der Region ansiedelten. Sie trugen, wie auch Griechen, Tscherkessen, Georgier, Bulgaren und Türken zur kulturellen Vielfalt bei.

Am 30. November 1853, kurz nach Ausbruch des Krimkrieges, griff die russische Schwarzmeerflotte, unter Vizeadmiral Nachimow den osmanischen Hafen Sinope mit Sprenggranaten an und schoss sämtliche dort liegenden Schiffe in Brand. Dabei brannten große Teile der Stadt nieder.

Bedeutung für die Kunstgeschichte: Sinops Kreideproduktion war für die Freskenmalerei der italienischen Renaissance von großer Bedeutung. Aus Sinop bezogen die Maler der italienischen Renaissance eine besondere rötliche Kreide, mit der sie die Vorzeichnungen, die nach dem Herstellungsort der Kreide benannten Sinopien (siehe Sinopienmuseum in Pisa), für die zu malenden Fresken auf den trockenen Rauputz, den sogenannten Berapp, auftrugen.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Askold I. Ivantchik: Die Gründung von Sinope und die Probleme der Anfangsphase der griechischen Kolonisation des Schwarzmeergebietes. In: Gocha R. Tsetskhladze (Hrsg.): The Greek Colonisation of the Black Sea Area. Historical Interpretation of Archaeology (= Historia. Einzelschriften. Bd. 121). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07302-7, S. 297–330.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sinop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 2. November 2012
  2. Skymn. 941-952
  3. Herodot, Hist. 4.12.2