Pedro de Alvarado

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pedro de Alvarado

Pedro de Alvarado (* um 1486 in Badajoz; † 4. Juli 1541 in Guadalajara, Mexiko) war ein spanischer Conquistador.

Leben[Bearbeiten]

spanische Galeone (um 1600)
Cortés versenkt seine Schiffe, Bild von Karel Donatus Van Beecq (1638–1722).

Pedro de Alvarado war der älteste Sohn des Kommandanten von Lobon und Puebla Diego Gómez de Alvarado und dessen Frau Mexía de Sandoval. Er hatte fünf Brüder: Gonzalo, Jorge, Gómez, Hernando und Juan. Alle Brüder suchten gemeinsam ihr Glück in der neuen Welt. Auch sein Vetter Alonso de Alvarado suchte zeitgleich in der neuen Welt ebenfalls Landgewinn; er beteiligte sich an der Eroberung des Inkareiches. Im Jahr 1510 begab sich Pedro de Alvarado gemeinsam mit seinen Brüdern nach Hispaniola und sie nahmen 1511 an der Eroberung Kubas teil.

Im Frühling 1518 wurde Juan de Grijalva mit einer Erkundungsreise der westlich von Kuba gelegenen Gewässer und Küsten beauftragt. Pedro de Alvarado nahm als Kommandant eines der vier Schiffe an dieser Expedition teil. Sie erkundeten die bereits teilweise bekannten Gewässer der Halbinsel Yucatán und steuerten dann mit nördlichem Kurs die Küste des Kontinents entlang. Es war die erste spanische Expedition, die in den Machtbereich der Mexicas eindrang und erste Handelskontakte zu den Azteken knüpfte. Während dieser Erkundungsfahrt betrat Pedro de Alverado auch den Ort Atlizintla (Alvarado) und benannte sowohl die Stadt als auch den durch die Ansiedlung strömenden Fluss nach sich selbst. Der Ort trägt auch heute noch seinen Namen.

Ende des Jahres kehrte Alvarados Schiff als einziges nach Kuba zurück und er berichtete dem Gouverneur Diego Velázquez de Cuéllar vom Reichtum und der Pracht der dortigen Völker.

Im Jahr 1519 rüstete Diego Velázquez de Cuéllar daraufhin eine weitere Expedition aus und übergab das Kommando für diese Truppe an Hernán Cortés. Gemeinsam mit seinem Bruder Gonzalo de Alvarado und mindestens einem weiteren Bruder (Jorge) schloss sich Pedro de Alvarado dieser Expedition an. Cortés übergab Pedro de Alvarado die Befehlsgewalt über eines der elf Schiffe der Flotte. Am 21. April 1519 landete die Armee bei San Juan de Ulua.

Nachdem Cortés das erste Gold eingetauscht oder geschenkt bekommen hatte, schickte er eines der Schiffe mit der gesammelten Goldpracht nach Spanien – direkt zum spanischen König Karl V. und hinterging somit und gleich zum Anfang der Expedition den Gouverneur von Kuba. Gleichzeitig ließ er die restlichen Schiffe versenken, um damit seinen Einheiten ein deutliches Zeichen für die weitere Zielrichtung zu geben.[1]

Der Feldzug von 1519–1521[Bearbeiten]

Der Weg der Spanier nach Tenochtitlán
Karte der Umgebung des Texcoco-Sees um 1520

Am 16. August 1519 brachen die Spanier auf, um das Reich der Azteken zu erobern. Mit 500 Fußsoldaten, 16 Reitern, 30 Armbrustschützen, zwölf Arkebusieren, einem schweren und vier leichten Geschützen und etlichen Lombarden sowie zusätzlichen 250 Gefolgsleuten des Kaziken von Cempoala stellten sie sich einem Heer entgegen, das ihnen an Kriegern um ein Vielfaches überlegen war. Sehr oft betraute Cortés den immer angriffslustigen Alvarado mit gefährlichen Aufgaben. Alvarado verfügte über großen militärischen Sachverstand, und erwies sich bei Gefechten immer als besonders wagemutig.

So war es naheliegend, dass er sehr bald von Cortés zu seinem Stellvertreter ernannt wurde. Aufgrund seiner auffälligen Kampfweise, aber auch wegen seines Erscheinungsbildes, großgewachsen und mit auf die Schulter fallender blonden Locken, war er der erste Conquistator der von den Mexica einen Spitznamen erhielt. Sie nannten ihn Tonatiuh (= 'Sohn der Sonne').

Bündnis mit den Tlaxcalteken[Bearbeiten]

Auf ihrem Weg nach Tenochtitlán versuchten die Spanier, die Bewohner von Tlaxcala als Verbündete gegen die Azteken zu gewinnen. Doch als sie die Tlaxcalteken aufsuchten, leisteten diese heftigen Widerstand. Sie glaubten den Spaniern nicht und griffen sie mehrfach an. Doch die Spanier schlugen die Tlaxcalteken bei jedem ihrer Angriffe zurück. Trotz gewaltiger Überzahl konnten die Indianer die wenigen Spanier nicht besiegen. Nach heftigem Streit untereinander, setzte sich der Herrscher von Tlaxcala, Xicoténcatl der Ältere, gegen seinen eigenen Sohn durch und verbündete sich nun durch Eheschließungen adliger Frauen mit den Spaniern. Alle Bündnisse, die Cortés mit indigenen Stämmen während der Eroberung schloss, fanden unter der Vermittlung einer mehrsprachigen aztekischen Sklavin namens Malinche statt, die bereits im März 1519 in Tabasco als Geschenk eines Maya-Fürsten an Bord gekommen war und während des Feldzuges auch die Geliebte von Cortes wurde. Malinche hatte somit sehr großen Anteil an der Eroberung Mexicos.

Auch Pedro de Alvarado förderte das Bündnis durch die Heirat einer adligen Tlaxcaltekin. Sie wurde getauft und bekam den spanischen Namen Doña Luisa.[2] Mit dieser Frau hatte Alvarado zwei Kinder, einen Sohn, der wie sein Vater auf den Namen Pedro getauft wurde und eine Tochter, Doña Leonora, die später Don Francisco de la Cueva heiratete.

Die Brandschatzung und das Massaker von Cholula[Bearbeiten]

Durch mehrere tausend Mann aus Tlaxcala verstärkt, erreichten die Spanier im Oktober 1519 die knapp 200.000 Einwohner zählende Stadt Cholula. Diese war erst kürzlich von den Azteken unterworfen worden, und war wegen ihrer zahlreichen Tempel ein beliebtes Pilgerziel.

miniatur
Cholula-Massaker, Gemälde von 1519

Die Bewohner der Stadt zeigten sich wenig gastfreundlich gestimmt und belieferten Cortés’ Armee nur mit unzureichenden Nahrungsmitteln. Von gefangengenommenen Priestern aus Cholula erfuhren die vor der Stadt lagernden Kastilier unter Anwendung der Folter, dass eine 20.000 Mann starke mexikanische Armee anrückte und ein Hinterhalt geplant worden sei.[3] Daraufhin überlegten die Offiziere ihre Handlungsweise, die Flucht nach Tlaxcala wurde erwogen, aber Alvarado und Gonzalo de Sandoval setzten sich schließlich mit dem Vorschlag durch, ein blutiges Exempel zu statuieren.

Die Spanier luden sämtliche Würdenträger der Stadt zu einem Abschiedsessen ein und meuchelten dann die arglose und unbewaffnete Oberschicht der Stadt Cholula. Anschließend zogen die Spanier gemeinsam mit den indianischen Verbündeten wahllos mordend durch die Stadt und gerieten dabei in einen kollektiven Blutrausch. Die Totonaken und Tlaxcalteken legten schließlich die gesamte Stadt in Brand. Der Huitzilopochti-Tempel soll zwei Tage lang gebrannt haben. Cortés’ Angaben zufolge gab es mehr als 3000 Tote und ungezählte Cholulteken wurden nach Tlaxcala verschleppt.[4][5]

Das Massaker von Cholula erregte landesweit Aufmerksamkeit, insbesondere die Tatsache, dass die Tempelschändungen keinerlei Reaktion der Götter nach sich zogen, verwirrten die Mexica und ihren Herrscher Moctezuma. Das Kalkül der Eroberer ging auf, sie hatten großen Schrecken erregt, niemand stellte sich ihnen mehr auf dem Weg nach Tenochtitlan entgegen.

Moctezumas Gäste in Tenochtitlán[Bearbeiten]

Phantasiedarstellung Moctezumas II., Kupferstich von Antonio de Solis aus dem Jahr 1715

Moctezuma II., der König der Azteken, war von Zweifeln geplagt. Er hatte bislang vermutet, Cortés könnte der zurückgekehrte Gott Quetzalcoatl oder direkt von ihm gesandt worden sein, denn Prophezeiungen hatten seine Rückkehr über das Ostmeer kommend vorausgesagt und sollte dies in „ein Jahr 1 (Eins) Schilfrohr“ des Aztekenkalenders fallen „würde es die Könige treffen“ (Codex Chimalpopoca). Quetzalcoatl war in einem „Jahr 1 Schilfrohr“ geboren und nach dem Kalenderzyklus von 52 Jahren in dem neuen „Jahr 1 Schilfrohr “aus Mexiko verschwunden. Das Jahr 1519 unserer Zeitrechnung war wieder ein solches Jahr, dass von den Azteken sehr eng mit der Gottheit verknüpft wurde.[6]

Moctezuma II. war vor seiner Krönung oberster Hohepriester des Kriegsgottes Huitzilopochtli und hatte während seiner königlichen Amtszeit die Würdigung dieser Gottheit sehr forciert, gleichzeitig aber die Verehrung des Gottes Quetzalcoatl etwas vernachlässigt. Er befürchtete nun die gekränkte Gottheit käme zurück, um Rache zu nehmen. Die Fremden hatten die heilige Stadt Cholula geschändet, aber die Weißhäutigen hatten dabei auch den Quetzalcoatl-Tempel niedergebrannt, dadurch brach Moctezumas Weltbild langsam in sich zusammen und er folgte ganz allmählich dem Ratschlag seiner Berater, dass es sich bei den Eindringlingen nicht um Götter sondern um eine Räuberbande handele.

Moctezuma blieb wankelmütig und entschied sich gegen einen offenen Krieg. Er empfing Cortés und seine Armee am 8. November 1519 mit großen Ehren vor den Toren seiner Hauptstadt Tenochtitlán und ließ den Spaniern einen Palastkomplex mit einem großen Innenhof als Wohnstatt anweisen; diesen sicherten die Spanier sofort mit ihren Kanonen gegen Angriffe. Am 14. November 1519 nahmen die Spanier Moctezuma in seinem eigenen Palast gefangen und überführten den König der Azteken als Geisel in ihren Palast.[7]

Cortes schlägt Narváez[Bearbeiten]

Diego Velázquez de Cuéllar, der Gouverneur von Kuba, hatte unterdessen eine Flotte von 18 Schiffen mit 1000 Mann und 12 Kanonen unter dem Oberbefehl des Pánfilo de Narváez abgesandt, um den eigenmächtig handelnden Cortés und seine Offiziere gefangenzunehmen und dann die Eroberung des Aztekenreiches zu vollenden. Cortés erfuhr rechtzeitig von der Landung seines Gegners und griff seinerseits Narváez mit dem größten Teil seiner Truppe an. Er ließ Pedro de Alvarado mit 150 Mann in Tenochtitlán zurück und marschierte am 20. Mai 1520 mit den übrigen 250 Mann und einem Kontingent indianischer Hilfstruppen dem Feind entgegen. Er überfiel Narváez, der sich bereits Cempoalas bemächtigt hatte, in der Nacht, schlug ihn und nahm ihn mit dem größten Teil seiner Leute gefangen. Die meisten der gefangenen Soldaten traten nach der Sichtung von Goldwaren aus Tenochtitlan in Cortés’ Dienste.

Der Massenmord von Tenochtitlan[Bearbeiten]

Modell des Tempelbezirks von Tenochtitlan mit dem Templo Mayor in der Mitte (Museo Nacional de México, Mexiko-Stadt). Die Rekonstruktion ist durch die Ausgrabungen im Stadtzentrum rund um den Templo Mayor zum Teil überholt.

Während Cortés’ Abwesenheit übernahm in Tenochtitlan Pedro de Alvarado die Befehlsgewalt. Cortes hatte vor seiner Abreise den aztekischen Priestern gestattet, zu Ehren einer Gottheit einen Tanz in der Nähe des Tempel Mayor zu zelebrieren. Den Tanz führten adlige Jugendliche und Heranwachsende in einem Innenhof vor zahlreich versammeltem Publikum auf. Ohne Anlass befahl Alvarado die unbewaffneten Festteilnehmer niederzumetzeln. Bei diesem Massaker kamen seinen eigenen Angaben zufolge zwischen 2000 und 3000 Azteken ums Leben.[8] Er äußerte sich diesbezüglich gegenüber dem Conquistador Juan Alvarez, der sich zeitgleich in Tenochtitlan aufhielt, aber von dem Massenmorden völlig überrascht worden war, dass derjenige, der den ersten Schlag führt, auch den Sieg erringt.

Das hinterhältig ausgeführte Massaker an den Angehörigen der aztekischen Oberschicht entfachte augenblicklich die Kampfbereitschaft der Mexica und sie griffen zu den Waffen.[9] Die Bevölkerung der Stadt belagerte Alvarado und seine Männer in ihrem Palast. Täglich schossen sie mit Pfeilen, warfen Speere und Steine gegen die eingeschlossenen Spanier.[10] Verstärkt durch die Soldaten des Narváez zog Cortés wieder in Tenochtitlán ein und befand sich bald in derselben misslichen Lage wie Alvarado und seine Männer. Da sich die gesamte Stadt gegen die Eindringlinge erhoben hatte, waren die Belagerten auch von der Nahrungsversorgung abgeschnitten und ihre Lage wurde schnell aussichtslos.

Moctezumas Tod[Bearbeiten]

Selbst Moctezuma II. konnte sein Volk nicht mehr beschwichtigen. Als er von einer Balkonterrasse mit beruhigender Absicht auf die wütende Menschenmenge einzuwirken suchte, trafen ihn gleich mehrere Steine und verwundeten ihn schwer. Kurz darauf verstarb er, ob an den Folgen der Steinwürfe oder durch die Spanier, ist ungeklärt.

Noche Triste[Bearbeiten]

Das Bild zeigt die Kleidung und den Federschmuck der militärischen Ränge der aztekischen Krieger.
Codex Tudela, Opferung der Gefangenen für die Götter

In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1520 versuchten die Kastilier den Ausfall aus der misslichen Lage. Mit einem schweren Goldschatz beladen, flüchteten die Conquistadoren über einen der Dämme aus Tenochtitlán. Alvarado übernahm gemeinsam mit Juan Velázquez de León das Kommando über die Nachhut. Die Azteken waren auf den Ausbruch vorbereitet, und hatten alle Brücken der Dammstrassen, die die auf einer Insel gelegene Stadt mit dem Festland verbanden, zerstört.

An den dadurch hervorgerufenen Staupunkten wurden die in Flucht befindlichen Spanier von den Azteken von Booten aus heftig angegriffen. Viele Spanier und zahlreiche verbündete Tlaxcalteken verloren hierbei ihr Leben oder gerieten in Gefangenschaft.[11] Die Gefangenen erwartete das Schicksal, zu Ehren der aztekischen Kriegsgottheit Huitzilopochtli geopfert zu werden. Die meisten Flüchtenden aber ertranken, weil sie sich zu schwer mit Gold und Rüstung beladen hatten und nur die wenigsten schwimmen konnten.[12] Weil so viele Männer in dieser Nacht starben und der größte Teil des erbeuteten Goldes verloren ging, wurde diese Nacht schon bald Noche Triste (traurige Nacht) genannt und ging unter diesem Begriff in die Geschichte ein.[13]

Alvarado kämpfte in der am stärksten bedrängten Nachhut. Es gelang ihm als einer der letzten, und angeblich durch Einsatz seiner Lanze die Dammunterbrechung zu überwinden. Er soll sich in der Art eines Stabhochspringers an die andere Dammseite gerettet haben. Dieser Sprung wurde später als der Sprung des Alvarado (Salto de Alvarado) legendär (eine ortstreue Strassenbenennung in Mexiko-Stadt soll daran noch heute erinnern). In einem diesbezüglich erfolgten disziplinarischen Ermittlungsverfahren beteuerte Alvarado persönlich, seine Truppe nicht durch einen Lanzensprung feige verlassen zu haben, sondern wie andere seiner Truppe, einen Balken zur Flucht genutzt zu haben. [14] Von seiner Kompanie überlebten nur sieben Spanier und acht Tlaxcalteken.

Von den insgesamt mehr als 1000 spanischen Conquistadoren und den ungezählten indianischen Verbündeten, sowie den knapp 100 Pferden, überlebten weniger als 400 Soldaten und 24 Pferde. Über die Verlustzahlen und die Überlebenden der zahlenmäßig sehr viel größeren indianischen Verbündeten (zumeist Tlaxcalteken) sind keine genauen Zahlen bekannt. Schätzungen gehen von jeweils mehreren Tausend aus.[15] In zeitgenössischen Berichten wird dagegen den indianischen Anteil der Aztekengegner, nur den Volksstamm der Tlaxcalteken betreffend, von über 100 000 Kriegern berichtet. [16]

Der Untergang Tenochtitláns[Bearbeiten]

Codex Tlaxcala, die Belagerung von Tenochtitlán durch Schiffe ist im Bildzentrum dargestellt.

Nach ihrer Flucht aus Tenochtitlán erholten sich die Spanier bei ihren Verbündeten, den Tlaxcalteken. Dort ließ Cortés Brigantinen bauen. Seine indianischen Verbündeten schleppten die Einzelteile der Schiffe an den See, in deren Mitte die Azteken ihre Hauptstadt erbaut hatten. Die Schiffe bestückten die Spanier mit Kanonen. Mit frischen Kräften aus Spanien griffen sie am 31. Mai 1521 die Azteken erneut an. Sie belagerten die Stadt mit ihren Schiffen, und unterbrachen somit die über Kanus erfolgte Nahrungsversorgung der Stadt. Auch die über Aquädukte sichergestellte Frischwasserzulieferung wurde durch Zerstörung unterbrochen.[17]

Während der monatelangen Belagerung grassierten neben den durch Sumpfwasser hervorgerufenen Durchfallerkrankungen auch die schwarzen Pocken in der Stadt und forderten unzählige Opfer, darunter auch Moctezumas Nachfolger auf dem Thron der Mexica Cuitláuac. Anfang August 1521 stürmten die Spanier mit ihren indianischen Verbündeten die im Sterben liegende Stadt. Die Mexica verteidigten sich hartnäckig in einem Häuserkampf. Fast alle Häuser und Tempel wurden gebrandschatzt und später geschleift. Die Gegenwehr ebbte erst am 13. August 1521 endgültig ab. Bei der Erstürmung der Stadt kämpfte Pedro de Alvarado gemeinsam mit Gonzalo de Sandoval an vorderster Front.

Pedro de Alvarados Rolle beim Feldzug nach Guatemala[Bearbeiten]

Blick auf den Vulkan San Pedro, Guatemala
Lago de Atitlán, Hochland von Guatemala

1523 übernahm Alvarado gemeinsam mit seinem Vetter de Sandoval die Heerführung über eine Armee, die aus 120 Reitern, 300 Fußsoldaten und mehreren hundert indianischen Hilfstruppen aus Cholula und Tlaxcala bestand. Auf Anweisung von Cortés führten die beiden die Armee ins Hochland von Chiapas mit der Zielrichtung Guatemala. Die dortigen Cakchiquelindianer hatten die Spanier gegen ihre Feinde, die Quiché zur Hilfe gerufen. Die Konquistadoren bekämpften die autonomen Fürstentümer des Hochlandes und unterwarfen im Jahr 1524 das Reich der Quiché und wenig später auch das der Cakchiquel im heutigen Guatemala.

Unter ihrem Anführer oder Feldherrn, Tecun Uman, wurden die Quiché von Alvarados Truppen im Februar 1524 im Tal von Xelaju, in der Nähe der gleichnamigen Stadt vernichtend geschlagen. Tecun Uman wurde getötet, und bis zu 10.000 Quiché kamen ums Leben. Nach der Niederlage bewirteten die Unterworfenen Indigenen die neuen Machthaber ihren Gebräuchen entsprechend mit allem zur Verfügung stehendem Luxus, als sie aber kein Gold anliefern konnten, befahl Pedro de Alvarado, alle versammelten Indianer bei lebendigem Leib zu verbrennen.[18] Später benannten die Spanier die Stadt Xelajú in Anerkennung ihrer zentralmexikanischen (vor allem tlaxcaltekischen) Nahua-Verbündeten mit dem Nahuatl-Namen Quetzaltenango (deutsch: Ort des Quetzal oder Ort, an dem Mauern errichtet wurden). Während der Kolonialzeit entwickelte sich die Stadt zum bedeutendsten Handelszentrum im westlichen Hochland.

Nach den großen Verlusten durch die Niederlage ergaben sich die Quiché und luden Alvarado in ihre Hauptstadt Q'umarkaj ein. Da Alvarado einen Hinterhalt erwartete, ließ er die Stadt niederbrennen. Heute können die Ruinen und Tempel von Q'umarkaj (Utatlán) touristisch erkundet werden.

Der Chronist Bartolomé de Las Casas beschrieb die Vorgehensweise der Konquistadoren gegenüber besiegten Indianern folgendermaßen:„Es ereignete sich mehr als einmal, dass sie von 4000 Indianern nicht ihrer 6 lebend nach Hause brachten; alle übrigen büßten ihr Leben ein." De Las Casas bezog sich damit auf die blutigen Versklavungsversuche ganzer Stämme durch die Eroberer.[19]

Cortés führte zeitgleich einen Feldzug durch das Tiefland von Chiapas, über die Halbinsel Yukatan mit der Zielrichtung Honduras. Nach der Eroberung Guatemalas wurde Alvarado von König Karl V. zum Gouverneur des Landes ernannt. Er beauftragte Juan Rodríguez Cabrillo, eine Expedition entlang der nördlichen Pazifikküste durchzuführen.

Legendenbildung in Guatemala[Bearbeiten]

Pharomachrus mocinno -male.jpg

In den mündlichen Überlieferungen der Quiché besaß der Quetzal ursprünglich ein ausschließlich grünes Federkleid. Seine scharlachrote Brust erhielt er der Legende nach erst nach der Eroberung des Quichéreiches durch Pedro de Alvarado in den Jahren 1524–1525. Der Quetzal soll im Blut des ermordeten letzten Königs der Quiché, Tecun Uman gebadet haben. Dadurch färbte sich die Brust des männlichen Quetzalvogels scharlachrot und gilt seither als Symbol für die Trauer um den letzten König der Quiché, Tecun Uman, und den daraus resultierenden Verlust der Freiheit des Volkes.

Im Baile de la Conquista, einem an Fest- und Feiertagen häufig zu sehenden Tanz mit Masken und farbenfrohen Gewändern, wird der Kampf der Indianer gegen die Spanier unter Pedro de Alvarado, der eine wenig schmeichelhafte helle Maske trägt, nachgestellt. Der Tanz wurde früher von der katholischen Kirche gefördert, weil er mit der Unterwerfung der Indianer unter das Christentum endete. Manchmal wird auch Maximón, eine in vielen Hochlanddörfern Guatemalas verehrte und gleichermaßen gefürchtete Gottheit, mit Pedro de Alvarado assoziiert.

El Dorado – Peru – Lockruf des Goldes[Bearbeiten]

Die Eroberung Perus, 1531-1533 Karte von 1923

1533 erreichten Alvarado die Geschichten vom Goldland Eldorado beziehungsweise den Reichtümern der Inka in den Anden. Er investierte seinen gewonnenen Reichtum in eine Expedition, um nach diesem Gold zu suchen und machte deswegen sogar noch Schulden. Um eine Flotte im Pazifik zu haben, gründete er im Süden Guatemalas die Hafenstadt Iztapa mit einer Werft. Als im Winter 1533 das achte Schiff fertiggestellt war, bemannte er diese kleine Flotte mit über 500 gut bewaffneten Konquistadoren, 227 Pferden sowie einigen verbündeten indianischen Kriegern und stach mit Südkurs in See. Am 25. Februar 1534 landete er in Südamerika und fand heraus, dass Francisco Pizarro das Inkareich bereits unterworfen hatte. Er versuchte einige nicht glücklich verlaufene Eroberungszüge in den noch nicht unterworfenen Regionen in Ecuador und begegnete schließlich einem Stellvertreter Pizarros namens Sebastian de Belalcazar in der durch den spanischen Eroberungskrieg stark in Mitleidenschaft gezogenen, ehemals reichen Stadt Quito. Alvarado war über diese Begegnung wenig erfreut.[20]

Inka-Mauer in Cuzco in Peru

Alvarado wollte weiter in Richtung Süden ziehen, um Cuzco und die südlich davon gelegenen Gebiete zu erobern. Im August 1534 wurde sein Trupp dann von Diego de Almagro el Viejos Armee südlich von Quito gestellt. Es kam zu Verhandlungen, und Almagro und Francisco Pizarro nutzten die Zeit, um die Wechsel Alvarados aufzukaufen. Seine neuen Gläubiger zwangen ihn unter Androhung einer Vollstreckung, sechs seiner Schiffe und auch seine 540 Soldaten in Zahlung zu geben und bestanden darauf, dass er auf alle seine vermeintlichen oder tatsächlichen Rechte an Cuzco und den südlichen Gebieten verzichte. Alvarado kehrte nach diesem Verlustgeschäft und mit etwa 1000 Goldpesos Handgeld vom Goldrausch ernüchtert nach Guatemala zurück.[21]

Tod im Mixtón-Krieg[Bearbeiten]

Der Tod des Pedro de Alvarado, dargestellt von einem aztekischen Künstler. Auf dem Kopf trägt er einen Strahlenkranz, der einer Krone ähnelt und eine Verbindung zur Sonne hat. Das weist auf Alvarados aztekischen Namen Tonatiuh (Sonne) hin.

Im Frühjahr 1540 begann in Neugalizien der Mixtón-Krieg. Da sich die Revolte gegen die spanische Herrschaft schnell ausbreitete, schickte der Vizekönig Antonio de Mendoza Cristóbal de Oñate zur Bekämpfung der Rebellion dorthin. Doch Oñate versagte und wurde von den Aufständischen besiegt. Deshalb wandte sich der Vizekönig an den kampferprobten Pedro de Alvarado. Am 12. Juni 1541 traf dieser mit Verstärkung in der Region ein. Er stellte die spanische Ordnung in Guadalajara wieder her und wandte sich dann den Aufständischen in Nochistlán zu. Während eines Gefechts stürzte das Pferd eines anderen Reiters. Alvarado wurde von diesem Pferd einen Abhang hinuntergerissen; dabei stürzte das Pferd auf ihn und verletzte ihn schwer. Da man seine Wunden nicht vor Ort behandeln konnte, trug man ihn auf einer Bahre in die nächste Stadt. Dort starb Pedro de Alvarado am 4. Juli 1541, ohne dass er den Aufstand vollständig niederschlagen konnte. Seine Witwe blieb in Guatemala und starb nur wenig später in ihrem Haus nach dem Ausbruch eines Vulkans in einer Schlammlawine.[22] Bis zu seinem Tod blieb Pedro de Alvarado im Amt des Gouverneurs von Guatemala.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bartolomé Benassar: Cortez der Konquistador: die Eroberung des Aztekenreiches. Artemis, Düsseldorf [u.a.] 2002, ISBN 3-538-07133-0.
  • Hernán Cortés: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1980, ISBN 3-458-32093-8.
  • Bartolomé de Las Casas: Kurzgefasster Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder, Herausgeber Hans Magnus Enzensberger, Suhrkamp Verlag-keine ISBN
  • Bernal Díaz del Castillo: Geschichte der Eroberung von Mexiko. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 1988, ISBN 3-458-32767-3.
  • Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma. Fischer Taschenbuch, Frankfurt/ M. 2000 ISBN 3-596-14969-X
  • Asselbergs, Florine G.L. (2004): Conquered Conquistadors: The Lienzo de Quauhquechollan, a Nahua vision of the conquest of Guatemala. CNWS publications series. Leiden, Netherlands: Research School CNWS. ISBN 978-90-5789-097-0. OCLC 491630572.
  • Hans Dollinger: Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Pawlak Verlag, Herrsching 1973, ISBN 3-88199-030-5.
  • Armando de Ramón: Descubrimiento de Chile y compañeros de Almagro. Universidad Católica de Chile, Santiago de Chile 1953
  • José de Acosta: Das Gold des Kondors. Berichte aus der Neuen Welt 1590 und Atlas zur Geschichte ihrer Entdeckung. Herausgegeben und übertragen von Rudolf Kroboth und Peter H. Meurer. Edition Erdmann in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart u. a. 1991, ISBN 3-522-60750-3 (Originalausgabe: America, Oder wie mans zu Teutsch nennet Die Neuwe Welt/ oder West India. Von Herrn Josepho De Acosta in Sieben Büchern/ eins theils in Lateinischer/ und eins theils in Hispanischer Sprach/ Beschrieben. Sutorius, Ursel 1605). Nach dem Exemplar der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin[23].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernal Díaz del Castillo: Geschichte der Eroberung von Mexiko, 1988, S. 99.
  2. Bernal Díaz del Castillo: Geschichte der Eroberung von Mexiko, 1988, S. 198.
  3. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt Main 2000 ISBN 3-596-14969-X< S.361.
  4. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma; Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt / Main 2000; ISBN 3-596-14969-X; S.362
  5. Hans Dollinger: Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1973; ISBN 3-88199-030-5; S. 236–283.
  6. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2000 ISBN 3-596-14969-X S.262–263.
  7. Bernal Díaz del Castillo: Geschichte der Eroberung von Mexiko, 1988, S. 274.
  8. Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Lizenzausgabe. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1973, ISBN 3-88199-030-5. S. 238–239.
  9. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2000 ISBN 3-596-14969-X< S.530.
  10. Bernal Díaz del Castillo: Geschichte der Eroberung von Mexiko, 1988, S. 344.
  11. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2000 ISBN 3-596-14969-X S.555.
  12. Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Lizenzausgabe. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1973, ISBN 3-88199-030-5. S. 238.
  13. Bernal Díaz del Castillo Die Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Mexiko S. 736–738.
  14. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2000 ISBN 3-596-14969-X S.557–558.
  15. Hugh Thomas: Die Eroberung Mexikos, Cortes und Montezuma, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2000 ISBN 3-596-14969-X S.559.
  16. * José de Acosta: Das Gold des Kondors. Berichte aus der Neuen Welt 1590 und Atlas zur Geschichte ihrer Entdeckung. Herausgegeben und übertragen von Rudolf Kroboth und Peter H. Meurer. Edition Erdmann in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart u. a. 1991, ISBN 3-522-60750-3 (Originalausgabe: America, Oder wie mans zu Teutsch nennet Die Neuwe Welt/ oder West India. Von Herrn Josepho De Acosta in Sieben Büchern/ eins theils in Lateinischer/ und eins theils in Hispanischer Sprach/ Beschrieben. Sutorius, Ursel 1605. Nach dem Exemplar der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin. S.285)
  17. Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Lizenzausgabe. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1973, ISBN 3-88199-030-5. S. 239-240.
  18. Bartolomé de Las Casas: Kurzgefasster Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1981. ISBN 3-458-32253-1. S. 51.
  19. Hans Dollinger, Schwarzbuch der Weltgeschichte. 5000 Jahre der Mensch des Menschen Feind. Lizenzausgabe. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1973, ISBN 3-88199-030-5. S. 235.
  20. Asselbergs, Florine G.L. (2004). Conquered Conquistadors: The Lienzo de Quauhquechollan, a Nahua vision of the conquest of Guatemala. CNWS publications series. Leiden, Netherlands: Research School CNWS. ISBN 978-90-5789-097-0. OCLC 491630572.
  21. Ramón, Armando de. 1953, S. 27.
  22. Bernal Díaz del Castillo Die Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Mexiko S. 736-738
  23. vgl. VD17 39:133228S