Pejačević (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pejačević
Wappen des Adelsgeschlechts
Staat Kroatien, Bulgarien,
Ungarn
Stammhaus Parčević
Gründungsjahr 14. Jahrhundert
Titel Freiherren (1712),
Grafen (1772)
Ernennungen Bane von Kroatien
Gründer Dmitar Pejačević
Ethnizität Kroatisch

Pejačević (zu deutsch Pejatschewitsch, ungarisch Pejácsevics, bulgarisch Пеячевичи) ist der Name eines alten kroatischen Adelsgeschlechtes, dessen Mitglieder lebten und leben in den Ländern der einstigen Habsburgermonarchie und ihrer Nachfolgestaaten - Kroatien, Ungarn, Österreich und Slowakei - sowie in Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Argentinien, USA usw. Die Mitglieder des Adelsgeschlecht spielten eine wichtige und hervorragende Rolle in der kroatischen Geschichte, besonders in der Region Slawonien. Sie wurden in hohe militärische und staatliche Funktionen berufen; sie waren Generäle, Politiker, Diplomaten, sowie Priester und Künstler.

Geschichtlicher Überblick[Bearbeiten]

Der Ursprung des Adelsgeschlechts, gemäß einigen Quellen, geht in den 14. Jahrhundert zurück, und zwar auf das Gebiet des mittelalterlichen kroatischen, bzw. bosnischen Staates. Die Ahnen der Pejačević wurden sogar mit dem Stjepan Dabiša, König von Bosnien (1391-1395), in Zusammenhang gebracht. Die Nachkommen des Parčija (Partschia), eines Sohns des Königs, nannten sich Parčević (Partschewitsch), und ein Zweig, der etwas später (im 16. Jahrhundert) aus dieser Familie herausging, waren die Pejačević.

Als Vorfahre der Pejačević, siedelte die Familie Parčević in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach Bulgarien über. Die Ursache dieser Übersiedlung ist nicht vollkommen klar, aber man vermutet, dass das war die Folge einer Unstimmigkeit oder eines Streites mit den anderen Adligern in damaligen Südostkroatien, bzw. Bosnien. Man weiß aber mit Sicherheit, dass die Familie kam nach Bulgarien mit der Hilfe von Händler aus der Republik Ragusa (heute Dubrovnik). Darüber gibt es einen ausführlichen Text in den 59. Band des „Archivs für österreichische Geschichte“ herausgegeben 1880 von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, unter den Kapitel über Peter Freiherr von Parchevich /Parčević/ (*1612 - †1674), den Erzbischof von Marcianopolis. Darüber gibt es weiterhin mehrere Artikel in der „Bulgarische Enzyklopädie“, herausgegeben in Sofia (1981-1997).

Der Sitz der Familie Pejačević war Tschiprowzi, eine bulgarische Kleinstadt im Region Montana im westlichen Balkangebirge, das Zentrum des Bergbaus von der katholischen Bergleute aus Sachsen gegründet. Als die Osmanen, kamen und dieses Gebiet eroberten, blieb Tschiprowzi eine katholische Enklave in dem Osmanischen Reich. Alle minderheitliche Familien dort, einschließlich Parčević, Pejačević, Knežević, Čerkić, Tomagjonović usw., die waren kroatischer Abstammung, bewahrten ihre Identität. Sie wurden von den Franziskaner der Provinz „Silber Bosnien“, die auch in Bulgarien lebten, unterstützt.

Schloss Pejačević in Virovitica, Sitz des Virovitica-Zweiges der Familie
Schloss Pejačević in Našice, Sitz des Našice-Zweiges der Familie

Im Jahre 1688, während des Großen Türkenkrieges, fand der Tschiprowzi-Aufstand gegen die türkische Herrschaft statt. Die Mitglieder der Pejačević waren auch dabei und hatten auch die führenden Rollen in aufständischen Reihen. Den Osmanen gelang es den Aufstand zu unterdrücken, und die überlebende Bevölkerung musste flüchten in Richtung Gebiet unter Kontrolle der Habsburgermonarchie.

Die Pejačević ließen sich nieder in Ostslawonien und Syrmien. Sie waren sehr geschickt in Handels- und Immobiliengeschäfte und bauten ihr Vermögen immer wieder auf. Am 10. Juni 1712 wurde den Gebrüdern Đuro (Georg), Marko (Markus) II. und Ivan (Johann) Pejačević der erbliche Freiherrenstand von Kaiser und kroatisch-ungarischen König Karl III. von Habsburg bestätigt. Am 22. Juli 1772 wurden die Pejačević von Kaiserin und Königin Maria Theresia in den Grafenstand erhoben, und zwar als „Pejačević von Virovitica“ (Pejatschewitsch von Wirowititz).

Ladislav Pejačević (1824-1901), Ban von Kroatien
Teodor Pejačević (1855-1928), Ban von Kroatien

Die kroatische Historiographie teilte den Adelsgeschlecht Pejačević gemäß ihren wichtigsten Besitztümer in drei Zweige: Našice-, Virovitica- und Ruma-Retfala-Zweig. Heute leben nur die Angehörige des Našice-Zweiges, und zwar in einigen Länder Europas und in Süd- und Nordamerika.

Die Herrschaft Virovitica wurde 1749 von Kaiserin und Königin Maria Theresia dem Marko III. Aleksandar Freiherren Pejačević (*1694 - †1762) zugeteilt, und zwar als Ersatz für seine Herrschaft Srijemska Mitrovica (Syrmisch Mitrowitz), deren südlichen Teil in die Militärgrenze angegliedert wurde. Nach dem Tod des kinderlosen Marko kam Virovitica, die wichtigste und bedeutendste Herrschaft in den Händen der Familie Pejačević, in den Besitz von Josip II. (Josef), seinem Vetter, und dessen Sohn Antun III. (Anton), späteren Untermarschall der kaiserlichen Armee. Im Besitz der Familie blieb Virovitica 92 Jahre, bis 1841.

Zwei Mitglieder der Pejačević, beide aus dem Našice-Zweig, waren Bane (Vizekönige) von Kroatien: Ladislav (von 1880 bis 1883) und Teodor (1903-1907). Teodors Tochter Dora Pejačević (*1885; †1923) wurde bekannt als eine kroatische Komponistin.

Stammliste der bedeutenderen Angehörigen des Adelsgeschlechts[Bearbeiten]

  • Dmitar (Dimitri), 1561-1563 erwähnt, erster der begann sich Pejačević zu nennen
  • Nikola I. (Nikolaus)
  • Đuro I. (Juraj, Georg), Freiherr; Ehefrau: Margareta Parčević
  • Marko I. (Markus I.)
  • Matija I. (Matthias I.), Ehefrau: Agata Knežević
  • Nikola II. (*vor 1655 - †vor 1707 (?))
  • Josip I. (Josef I.), (*ungefähr 1676)
  • Jakov (Jakob), (*1681 - †1738), Jesuit
  • Đuro II. (*1655 - †1725), Freiherr (1712)
  • Matija (*1680 - †1732)
  • Mirko (Heinrich), (*1704 - †1749)
  • Lavoslav (Leopold), (*1740 - †1765)
  • Karlo Josip (Karl Josef), (*1681 - †1747)
  • Đuro Albert (Georg Albert), (*1704 - †1757)
  • Nikola II. Lavoslav, (*1706 - †1732)
  • Marko II. (*1664 - †1727), Freiherr (1712); Ehefrau: Anastazija Tomagjonović
  • Antun II. (Anton), (*1705 - †(?))
  • Josip II. (*1710 - †1787), Graf (1772); Ehefrau: Elizabeta Peterson
  • Žigmund (Sigismund), (*1741 - †1806), Gründer des Ruma-Retfala-Zweiges
  • Ivan Nepomuk (Johannes Nepomuk), (*1765 - †1821)
  • Petar (Peter), (*1804 - †1887), Minister in ungarischer Regierung
  • Ladislav (Ladislaus), (*1807 - †1882)
  • Aleksandar (Alexander), (*1808 - †1852)
  • Pavao (Paul), (*1813 - †1907)
  • Marko V. (*1818 - †1890)
  • Karlo III. Ferdinand (*1745 - †1815), Gründer des Našice-Zweiges
  • Vincencije Ljudevit (Vinzenz Ludwig), (*1780 - †1820)
  • Ferdinand Karlo Rajner (Ferdinand Karl Rainer), (*1800 - †1878)
  • Ladislav (Ladislaus), (*1824 - †1901), Ban von Kroatien
  • Teodor (Theodor), (*1855 - †1928), Ban von Kroatien
  • Marko VI. (*1882 - †1923)
  • Petar (*1908 - †1987)
  • Ivan (*1937)
  • Marko (Marcus), (*1940)
  • Geza (*1917)
  • Ladislav (*1941), geboren in Wien
  • Nikola (*1943)
  • Marko (*1923)
  • Peter (*1954), geboren in London
  • Velimir (*1883 - †1927)
  • Teodora (Dora) (*1885 - †1923), kroatische Komponistin
  • Karlo IV. (*1825 - †1880)
  • Artur (*1845 - †1899)
  • Ivan Nepomuk (*1848 - †1926)
  • Ferdinand (*1826 - †1886)
  • Julijan (Julian), (*1833 - †1906)
  • Antun III. (*1749 - †1802), Gründer des Virovitica-Zweiges
  • Antun IV. (*ungefähr 1775 - †1838)
  • Ivan Nepomuk (*1803 - †1855)
  • Antun V. (*1810 - †1862)
  • Stjepan (Stefan), (*nach 1775 - †1824)
  • Ignjat Tomo (Ignaz Thomas)
  • Ivan (*1666 - †1724), Freiherr (1712); Ehefrau: Maria Stejkić
  • Antun I. (*ungefähr 1691 - †1730)
  • Nikola III. (*? - †1732)
  • Marko III. Aleksandar (*1694 - †1762)
  • Matija (*ungefähr 1707 - †1780 (?))
  • Franjo Ksaver (Franz Xaver), (*1707 - †1781); Jesuit, Rektor der Universität Graz (1756-1758)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • „Archiv für österreichische Geschichte“ von der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 59. Band, Wien 1880
  • Prof. Dr. Vitomir Belaj (Philosophische Fakultät in Zagreb): „Act Bulgariae ecclesiastica von Vater Eusebius Fermendjin als ethnologische Quelle“ herausgegeben in der Sammlung der Texte für die wissenschaftliche Konferenz „Leben und Wirken des Vaters Eusebius Fermendjin“, Našice 1998.
  • Prof. Dr. Josip Bösendorfer, kroatische Historiker: „Kolonie der Tschiprowtzianer in Osijek“ herausgegeben in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Narodna starina“ (Volksantiquitäten), Zagreb 1932.
  • Prof. Silvija Lučevnjak, Geschäftsführerin des Našice Heimatmuseums: „Familie Pejačević und Virovitica“ herausgegeben in der Sammlung der Texte für das internationale Symposium „725 Jahre der Franziskaner in Virovitica“, Virovitica 2006.

Weblinks[Bearbeiten]