Peter Brown (Historiker)

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Peter Robert Lamont Brown (* 26. Juli 1935 in Dublin) ist ein aus Irland stammender Althistoriker, der derzeit an der Universität Princeton lehrt.

Leben[Bearbeiten]

Peter Brown studierte am New College (Oxford) und lehrte danach unter anderem an den Universitäten von London und Berkeley.

Browns Hauptarbeitsgebiet ist die Geschichte des frühen Christentums sowie allgemein die Spätantike. Es ist nicht zuletzt sein Verdienst, diese Epoche ungleich stärker als vor 1970 weltweit zu einem Hauptarbeitsfeld der althistorischen Forschung gemacht und zudem einem breiteren Publikum nähergebracht zu haben. Brown gilt als einer der besten Augustinuskenner; seine Biografie über Augustinus von Hippo aus dem Jahr 1967 (inzwischen in einer überarbeiteten Fassung erschienen) ist nach wie vor ein Standardwerk.

Forschungen zur Spätantike[Bearbeiten]

Sehr einflussreich waren Browns Untersuchungen zu den spätantiken Heiligen Männern und ihrer sozialen Funktion. Besonders mit seinem 1971 erschienenen (populärwissenschaftlichen) Buch The World of Late Antiquity. From Marcus Aurelius to Muhammad forcierte Brown einen Prozess, der zu einer Neubewertung der Spätantike führte. Diese war lange unter dem Vorzeichen des Untergangs der antiken Zivilisation als eine Verfalls- und Dekadenzzeit gesehen worden. Für Brown stand dagegen die Transformation der heidnisch-römischen Welt hin zum christlichen Imperium bzw. den christlich-germanischen Nachfolgestaaten im Mittelpunkt: Nicht eine Welt im Niedergang, sondern eine Welt im Umbruch sollte beschrieben werden. Im Zentrum stand dabei weniger Westrom als vielmehr das griechisch geprägte Ostrom, das die Völkerwanderungszeit weitgehend unbeschadet überstand.

Brown war mit diesem Ansatz sehr einflussreich in der neueren Forschung. Allerdings mehren sich in den vergangenen Jahren auch einige Stimmen, die Brown eine zu starke Idealisierung der Epoche und ein Kleinreden von Krisen- und Verfallserscheinungen, gerade in Hinblick auf Westrom, vorwerfen, zumal seine Deutung von religiösen Motiven teils umstritten ist. Browns Ansatz sei zu sehr vom Fortschrittsoptimismus der 1960er Jahre geprägt. Sogar Averil Cameron, die selbst für eine Neubewertung der Epoche eintritt, warnte bereits 1993: „‘Late antiquity’ is in danger of having become an exotic territory, populated by wild monks and excitable virgins and dominated by the clash of religions, mentalities, and lifestyles.“[1]

Dennoch hat Brown mit seinen Studien entscheidend dazu beigetragen, die Epoche der Spätantike neu zu bewerten und die Forschungsdiskussion zu befruchten.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

1982 war Brown MacArthur Fellow. 1989 erhielt er für sein Buch The Body and Society: Men, Women, and Sexual Renunciation in Early Christianity den Ralph-Waldo-Emerson-Preis der Phi Beta Kappa Society. 1999 wurde Brown mit dem Ausonius-Preis ausgezeichnet. Gemeinsam mit der indischen Historikerin Romila Thapar wurde ihm 2008 für sein Lebenswerk der Kluge-Preis verliehen.

Brown erhielt 2011 den Balzan-Preis für seine Forschungen zum frühen Christentum und zur Spätantike.

Werke in Auswahl[Bearbeiten]

  • Augustine of Hippo. A Biography (1967/2000). Deutsch: Augustinus von Hippo (1972, erw. Neuausgabe 2000, ISBN 3-423-30759-5)
  • The World of Late Antiquity: AD 150–750 (1971/1989). Deutsch: Welten im Aufbruch. Die Zeit der Spätantike. Von Mark Aurel bis Mohammed (1980, ISBN 3-7857-0248-5)
  • The Making of Late Antiquity (1978). Deutsch: Die letzten Heiden. Eine kleine Geschichte der Spätantike (1986, ISBN 3-8031-3528-1)
  • The Cult of the Saints: Its Rise and Function in Latin Christianity (1981). Deutsch: Die Heiligenverehrung. Ihre Entstehung und Funktion in der lateinischen Christenheit (1991, ISBN 3-7462-0502-6)
  • The Body and Society: Men, Women, and Sexual Renunciation in Early Christianity (1988). Deutsch: Die Keuschheit der Engel. Sexuelle Entsagung, Askese und Körperlichkeit am Anfang des Christentums (1991)
  • Power and persuasion in late antiquity. Towards a Christian empire (1992). Macht und Rhetorik in der Spätantike. Der Weg zu einem christlichen Imperium (1995, ISBN 3-423-04650-3)
  • Authority and the Sacred: Aspects of the Christianisation of the Roman world (1995). Deutsch: Autorität und Heiligkeit. Aspekte der Christianisierung des Römischen Reiches (1998, ISBN 3-15-009709-6)
  • The Rise of Western Christendom. Triumph and diversity, AD 200-1000 (1997, erw. 3. Aufl. 2013, ISBN 978-1-11-830126-5). Deutsch: Die Entstehung des christlichen Europa (1996, ISBN 3-406-40519-3)
  • mehrere Aufsätze, unter anderem auch für die Cambridge Ancient History

Literatur[Bearbeiten]

  • Philip Rousseau, Emmanuel Papoutsakis (Hrsg.): Transformations of Late Antiquity. Essays for Peter Brown. Ashgate, Farnham/Burlington VT 2009, ISBN 978-0-7546-6553-3, Rezension von: Shawn W. J. Keough, in: Bryn Mawr Classical Review 2010.03.27 [2]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Averil Cameron, The Mediterranean World in Late Antiquity. London und New York 1993, S. 6.
  2. Bryn Mawr Classical Review 2010.03.27