Petrus Dathenus

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Petrus Dathenus, A. Schouman: Porträtausschnitt, 1755, (nach einem Original des 16. Jh.)

Petrus Dathenus auch Pieter Daten (* um 1531/32 in Cassel; † 17. März 1588 in Elbing) war ein flämischer Theologe und Reformator.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Dathenus, zunächst Karmelitermönch, schloss sich der Reformation an, floh wegen der einsetzenden Verfolgung aus Flandern und ging 1550 nach England. Als die katholische Kirche dort unter Mary Tudor in England wieder erstarkte, wandte sich Dathenus nach Deutschland, wo ihn Johannes a Lasco 1555 zum Pfarrer der flämischen Flüchtlingsgemeinde in Frankfurt am Main berief.

Heftige Streitigkeiten mit den lutherischen Predigern wie Hartmann Beyer unter der Ägide Joachim Westphals führten 1561 auf Beschluss des Magistrats zum Verbot des reformierten Gottesdienstes. Friedrich der Fromme bot schließlich Dathenus und seiner 58 Familien umfassenden Gemeinde von „Calvinisten“ im Kloster Frankenthal eine Niederlassung an.

1566 kehrte er in die Heimat zurück, wo er sich als Feldprediger am niederländischen Freiheitskampf beteiligte. Als er den Vorsitz der Synode in Antwerpen übernahm, wurde die von ihm revidierte und von Guy de Brès für Philipp II. von Spanien verfasste Confessio Belgica als Glaubensbekenntnis angenommen.

Aufgrund des Druckes der Inquisition kehrte er 1567 zurück in die Pfalz und hielt sich mit Johann Kasimir von der Pfalz in Frankreich auf. 1568 war er Moderator des Weseler Konvents, wurde 1570 Hofprediger des Kurfürsten Friedrich und trat 1571 auf dem Frankenthaler Religionsgespräch als Vorsitzender den Täufern entgegen. Gemeinsam mit Jean Taffin organisierte er 1571 mit der Synode von Emden die erste nationale Synode der niederländischen Calvinisten.

1578 wurde Dathenus nach Gent berufen und führte den Vorsitz der 2. Nationalsynode von Dordrecht. Dabei kritisierte er die Handlungsweise Wilhelms von Oranien und verließ nach einer zu Unrecht verhängten Haft das Land. Über Husum ging er nach Stade, Danzig und Elbing, wo er sich bis zu seinem Lebensende als Arzt verdingte.

Die Psalmen Davids[Bearbeiten]

Titelblatt Psalmen Davids: m[i]t den francoyschen Dichte in nederlandschen overgeset /von Petrum Dathenum, 1635

Alsbald blühte die Gemeinde durch den Fleiß der Ansiedler. Dathenus war bestrebt, die Reformierten aus Frankreich, den Niederlanden und der Pfalz zu vereinigen. Er übersetzte den Heidelberger Katechismus ins niederländische, lieferte eine niederländische Bearbeitung des Hugenottenpsalters, verfasste eine niederländische Liturgie und bearbeitete die französischen Psalmen des Clément Marot.

Sein 1566 erschienenes Psalmbuch bildete das offizielle Gesangbuch der Reformierten Kirchen, bis es 1773 durch die „Neue Bereimung“ abgelöst wurde. Bei der Einführung des neuen Psalmbuches gab es erhebliche Widerstände in der Bevölkerung. Inzwischen gibt es weitere neue Versionen der Psalmen und trotzdem werden die Psalmen von Datheen weiterhin nachgedruckt und in etwa dreißig Gemeinden in Zeeland (NL) benutzt.

Heute ziehen Datheen-Singabende in den Niederlanden tausende von Menschen an und eine entsprechende Vereinigung bemüht sich um die Wahrung seines Erbes. Chöre, Schulen und Vereine sind nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • De CL Psalmen des Propheten Davids Van der Peyl. Kruiningen 1977
  • De CL Psalmen des Propheten Davids Gereformeerde Bijbelstichting 2012
  • De Psalmen Davids (1566) Reprint Houten 1992

Literatur[Bearbeiten]

  • Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche Band 4, Seite 495
  • J. G. Fredriks: Een portret van Petrus Dathenus (NAGK 7, 1888/90, 74ff.).
  • A. A. van Schelven: Petrus Dathenus (NAGK 10, 1913, 323 ff.).
  • Th. Ruys: Petrus Dathenus. Utrecht 1919 (Diss. Amsterdam).
  • H. J. Jaanus: Petrus Dathenus (Documenta Reformatoria 1960, 247ff.).
  • B.H.W. de Graaf: Als een hert gejaeght 1938 Nachdruck bei J.P.van den Tol Dordrecht 1976
  • Ds. J.D. Barth: Het leven van Petrus Datheen. Studienvereinigung Petrus Datheen.Veenendaal 1985
  • Johan Westerbeke: Door water en vuur. Middelburg 1992
  • Ds. J. Vermaas: Petrus Dathenus. Hilversum 1917
  • J. Sluis: Datheen en de Oud- Gereformeerden. Zutphen 1927
  • Gereformeerde Bijbelstichting: Petrus Datheen en zijn Psalmberijming. Leerdam
  • D. Klein, J. R. Beeke: Reformation Heroes. Grand Rapids 2007
  • A. Ros: Nederlandse Psalmberijmingen. Utrecht 1973
  • A. Ros: Davids soete lier. Vijf eeuwen Nederlandse Psalmenberijmingen. De Banier 2010
  • Huib Noordzij: Handboek van de Reformatie. Kampen 2003
  • Heinz Kraft: Dathenus, Petrus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 521 (Digitalisat).
  • Ernst MartinDathenus, Petrus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 764.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Dathenus, Petrus. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band I, Bautz, , Sp. 1230–1231.

Weblinks[Bearbeiten]