Phi Delta Phi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Phi Delta Phi ist eine internationale rechtswissenschaftliche Studentenvereinigung in Form einer Honor Society (dt. Ehrengesellschaft).

Gründung, Ziel und Charakter[Bearbeiten]

Die Mitglieder des Richard v. Weizsäcker Inns der Universität Tübingen im Kleinen Senat der Universität Tübingen

Gegründet wurde die Vereinigung am 13. Dezember 1869 von vier Studenten an der Universität Michigan. Sie ist die zweitälteste Juristenorganisation in den USA, die bis heute besteht. Konkret wurde sie sechs Monate nach der Ohio Bar Association und neun Jahre vor der American Bar Association gegründet.

Als Honor Society ist Phi Delta Phi in den USA allein an Graduate Schools vertreten und nimmt nur Studenten der Rechtswissenschaft auf. Die Vereinigung ist von ihrer Ausrichtung unpolitisch und nicht religiös und von ihren Aktivitäten klar auf den Dienst an der Gemeinschaft und die Weiterbildung ihrer Mitglieder ausgerichtet.

Ziel der Vereinigung ist es, „einen höheren Standard in der Berufsethik und -Kultur an dieser und anderen Law Schools und im gesamten Berufsfeld zu fördern”. Die Mitglieder wollen dem negativen Bild des Juristen in der Gesellschaft entgegentreten und sich beruflich weiterbilden und gegenseitig unterstützen.

Mit Studentenverbindungen aus dem deutschen Sprachraum und den klassischen amerikanischen Fraternities hat eine Honor Society wie Phi Delta Phi wenig gemein: Es werden sowohl Frauen als auch Männer aufgenommen, es finden keine Kneipen statt und es gibt kein Korporationshaus (wie es bei normalen amerikanischen Fraternities und deutschen Verbindungen oft der Fall ist). Studentenverbindungen ähnlich ist jedoch neben der Symbolik von Farben, Motto oder Wahlspruch und einem Wappen auch das angestrebte Prinzip lebenslanger Mitgliedschaft, jedoch nicht in der verpflichtenden Form eines Lebensbundes.

Gruppen, Mitglieder und Organisation[Bearbeiten]

Roman Herzog mit dem Gründungsinitiator des Hamburger Inns Michael Semder
Richard von Weizsäcker mit dem Gründungsinitiator des Tübinger Inns Marco Henry V. Neumueller

Es gibt über 130 Gruppen, sogenannte Inns, an juristischen Fakultäten in den USA, Kanada, Mexiko, Polen und Deutschland. Die Inns werden bei Gründung jeweils nach einem bedeutenden Juristen benannt, der den Mitgliedern fachlich und ethisch als Vorbild dienen kann. Neben vielen Bundesrichtern und Senatoren in den USA hat sich das erste deutsche Inn am 30. Oktober 2006 an der Bucerius Law School in Hamburg nach Bundespräsident Roman Herzog als „Roman Herzog Inn“ gegründet. Am 3. Oktober 2008 hat sich das zweite deutsche Inn an der Universität in Tübingen formiert, für welches Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Namenspatenschaft übernommen hat. Ein Verein aus Mitgliedern und Alumni des Tübinger Inns gibt seit 2011 die Zeitschrift Jura Studium & Examen heraus. Ein drittes deutsches Inn an der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat sich 2013 gegründet. Als Namenspate konnte der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, gewonnen werden. Ein viertes Inn wurde 2013 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main gegründet, für welches Michael Hoffmann-Becking die Namenspatenschaft übernahm.

In den Inns besteht als Aufnahmekriterium ein Mindestnotendurchschnitt, der die Gruppe der Kandidaten zur Mitgliedschaft auf das obere Drittel beschränkt.

Insgesamt wurden seit Bestehen der Studentenvereinigung über 200.000 Mitglieder aufgenommen. Vergeben wird dabei eine lebenslange Mitgliedschaft, so dass die Gruppen der Vereinigung ein aktives Netzwerk zwischen Alumni und Studenten und zwischen Anwendern und Studenten des Rechts darstellen. Neben den aktiven (studentischen) Mitgliedern werden auch Ehrenmitglieder aufgenommen, die selber Juristen von bedeutendem Stand, hingegen nicht mehr aktive Studenten sind.

Während der über 130 Jahre des Bestehens hat keine andere Studentenverbindung in den USA so viele Mandatsträger hervorgebracht. Es finden sich unter den Mitgliedern von Phi Delta Phi mehrere US-Präsidenten, zahllose Richter des Supreme Court (derzeit sind drei der neun Richter Mitglieder), Senatoren, Kongressabgeordnete und einflussreiche Mitglieder des juristischen Standes.

Die neuen Mitglieder werden in einer Einführungszeremonie (dem „Ritual“) eingeschworen. Dabei werden sie zuerst namentlich vom „Esquire“ dem „Bench“ vorgestellt (dieses beinhaltet den „Chancellor“ als Vorsitzenden und 4 weitere „Bencher“ (Beisitzer)). Sodann werden den neuen Mitgliedern die Ideale der Vereinigung vorgestellt, welche jene durch eine Eidesformel bekräftigen.

Organisatorisch und in den Bezeichnungen und Titel lehnen sich Phi Delta Phi dabei an ein angelsächsisches Gericht an:

  • Eine lokale Gruppe (Inn) wird von einem „Magister“ geleitet. Ihm stehen mehrere „Officer“ zur Seite.
  • Mehrere Inns werden in einer „Province“ zusammengeführt, die von einem „Province President“, meist ein Alumni-Mitglied, geführt wird.
  • Allen Provinces steht der „Council“ vor. Er führt die Zentrale in Washington.
  • Für Streitigkeiten innerhalb der Verbindung ist der „Court of Appeal“ eingerichtet.

Alle zwei Jahre treffen sich Vertreter aller Gruppen zu einer Zusammenkunft (Convention), um die Aktivitäten der Studentenvereinigung zu bestimmen und zu kontrollieren.

Namhafte Mitglieder[Bearbeiten]

Bekannte Mitglieder sind und waren:

US-Präsidenten[Bearbeiten]

Richter am Obersten Gerichtshof der USA[Bearbeiten]

Andere US-Amerikaner[Bearbeiten]

Deutsche Mitglieder[Bearbeiten]

Symbole der Vereinigung[Bearbeiten]

Die Farben der Vereinigung sind rot, blau und gold. Sie stehen für Mut, Treue und Würde. Das Motto der Vereinigung ist „Friends of Justice and Wisdom“. Der Wappenschild zeigt eine goldene Eule im oberen blauen Feld, darunter einen Totenkopf vor gekreuzten Knochen auf rotem Grund, letzteres in der Tradition der bereits 1832 gegründeten Elite-Verbindung an der Yale Universität mit Namen Skull & Bones, die ebenfalls immer wieder für Verschwörungstheorien über das Ostküstenestablishment herhalten muss. Die Zier des Wappens bildet eine Justitia mit drei goldenen Kronen.

Weblinks[Bearbeiten]