Gerald Ford

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gerald Ford (1974)
Unterschrift von Gerald Ford
Gerald Ford (rechts) im Jahre 1923
Gerald Ford als Marineoffizier der US Navy 1945
1973 im Weißen Haus, von links: Henry Kissinger (von hinten), Präsident Richard Nixon, Vizepräsident Gerald Ford und Stabschef Alexander Haig
9. August 1974: Gerald R. Ford wird vom obersten Richter Warren E. Burger als Nachfolger des zurückgetretenen Richard Nixon in das Amt des Präsidenten vereidigt.
Präsident Gerald Ford im Oval Office (1976)
Ford-Hut im Wahlkampf (1976)
Gerald und Betty Ford (1948)
Offizielles Porträt von Betty Ford
Trauerfeier für Gerald Ford in der Washington National Cathedral

Gerald Rudolph Ford, Jr. (* 14. Juli 1913 in Omaha, Nebraska; † 26. Dezember 2006 in Rancho Mirage, Kalifornien, geboren als Leslie Lynch King, Jr., nach einer Adoption umbenannt) war von 1974 bis 1977 der 38. Präsident der Vereinigten Staaten. Er gehörte der Republikanischen Partei an und wurde 1965 Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Repräsentantenhaus, dem er von 1949 bis 1973 angehörte.

Als 1973 Vizepräsident Spiro Agnew zurücktrat, ernannte Präsident Richard Nixon Ende des Jahres Ford zum neuen Vizepräsidenten. Weniger als ein Jahr später, im August 1974, trat Präsident Nixon selbst zurück. Ford wurde auf diese Weise Präsident, und zwar als einziger, der weder als Präsidentschaftskandidat noch als Vizepräsidentschaftskandidat durch das Wahlmännerkollegium gewählt wurde.

In Fords kurze Amtszeit fällt unter anderem das Ende des Vietnamkrieges. Bei der Präsidentschaftswahl im November 1976 kandidierte er für eine volle Amtsperiode; die Wahl verlor er recht knapp an den Demokraten Jimmy Carter. Fords Präsidentschaft endete am 20. Januar 1977 . Mit 93 Jahren erreichte Ford das bislang höchste Alter aller US-Präsidenten. Seine 895 Tage währende Präsidentschaft ist die kürzeste aller US-Präsidenten, die nicht im Amt verstorben sind.

Leben bis zur Präsidentschaft[Bearbeiten]

Frühere Jahre[Bearbeiten]

Ford wurde in Omaha geboren. Ursprünglich hieß er nach seinem leiblichen Vater Leslie Lynch King, Jr. Als sich seine Eltern scheiden ließen, war er noch kein Jahr alt. Nachdem seine Mutter wieder heiratete, gab man ihm den Namen seines Stiefvaters, Gerald Rudolff Ford. Die Schreibweise des mittleren Namens änderte er später. 1923 war er Schüler der Madison Elementary School. An der University of Michigan, wo er auch als Center Football spielte, machte er seinen Bachelor. 1936 war Ford Ranger im Yellowstone National Park. Im Jahr 1938 begann er ein Jurastudium an der Yale University, das er 1941 abschloss. Er war Gründungsmitglied des America First Committee, einer isolationistischen Bewegung, die 1940/41 die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg zu verhindern versuchte. Während des Krieges diente er dann in der US Navy als Marineoffizier. Ford war vom 17. Juni 1943 bis Ende Dezember 1944 Offizier an Bord der USS Monterey. 1948 heiratete er Elizabeth Ann Bloomer (1918-2011); die beiden hatten vier Kinder.

Kongress und Vizepräsident[Bearbeiten]

24 Jahre lang war der Republikaner Ford Mitglied des Repräsentantenhauses, von 1949 bis 1973, gewählt für Grand Rapids (Michigan) und wurde „Minority Leader“ (Oppositionsführer) des Hauses. Nach der Ermordung von John F. Kennedy wurde er Mitglied der Warren-Kommission, die das Attentat aufklären sollte. Als im Oktober 1973 der unter Präsident Richard Nixon amtierende Vizepräsident Spiro Agnew zurücktrat, benannte Nixon Ford als neuen Vizepräsidenten. Der Senat stimmte am 27. November 1973 mit 92:3 Stimmen zu. Am 6. Dezember stimmte auch das Repräsentantenhaus mit 387:35 Stimmen zu.

Nachdem Nixon schließlich im Zuge der Watergate-Affäre am 8. August 1974 seinen bevorstehenden Rücktritt verkündet hatte, übernahm Ford am 9. August 1974 mit den Worten “our long national nightmare is over” („unser langer nationaler Albtraum ist vorüber“) die Präsidentschaft. Am 8. September 1974 amnestierte er Nixon für alle Straftaten, die diesem während seiner Präsidentschaft vorgeworfen worden waren. Diese Entscheidung war zu jener Zeit äußerst umstritten. Nach Fords Tod bezeichneten viele, die früher gegen diese Amnestie gewesen waren, die Entscheidung des Präsidenten als richtig für das Wohl des Landes. Ein Strafprozess gegen Nixon hätte das gesellschaftliche Klima zwischen den republikanisch und demokratisch gesinnten Bevölkerungsteilen zerstört und das Land vor eine Zerreißprobe gestellt, so Beobachter der damaligen Zeit.

Präsidentschaft[Bearbeiten]

Unter Fords Präsidentschaft geriet die US-Wirtschaft ins Schlingern. Die wachsende Inflation führte zur Kapitalflucht ins Ausland.

Kurz nach Fords Amtsübernahme im August 1974 standen im November desselben Jahres wieder Kongresswahlen an. Durch die Watergate-Affäre hatten die Republikaner stark an Popularität verloren, was dazu führte, dass die Demokraten ihre Mehrheiten in beiden Kongresskammern merklich ausbauen konnten. Im Senat vergrößerte sich ihre Sitzanzahl von 56 auf 60 der 100 Mitglieder. Im Repräsentantenhaus konnten sie 49 Mandate hinzugewinnen, was ihre Majorität von 242 auf 291 der 435 Sitze vergrößerte. In der Gesetzgebung brach ein Kampf zwischen Ford und dem Kongress aus. Als das Land 1975 in der Rezession zu versinken drohte, senkte die US-Regierung die Einkommensteuer, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Unter Berufung auf den 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten wurde im Dezember 1974 der ehemalige New Yorker Gouverneur Nelson Rockefeller von Ford zum Vizepräsidenten ernannt, was der Kongress bestätigte. Es war das zweite Mal innerhalb eines Jahres sowie das bis heute letzte Mal, dass ein Vizepräsident nachträglich ernannt wurde.

Auch auf dem internationalen Parkett wurde die Präsidentschaft Fords von einer Krise überrascht: Beim Mayaguez-Zwischenfall 1975 griff Kambodscha, kurz nachdem die Roten Khmer dort die Macht übernommen hatten, das amerikanische Handelsschiff Mayaguez in internationalen Gewässern an. Ford sandte US-Marines in die Region, um die Besatzung zu retten. Die Einsatztruppe landete jedoch auf der falschen Insel und traf auf Widerstand. Die Seeleute der Mayaguez waren – ohne dass die US-Regierung davon wusste – bereits freigelassen worden. Mehrere amerikanische Soldaten wurden bei den Kämpfen getötet.

Fords wichtigster außenpolitischer Akt war allerdings die Unterschrift unter die Schlussakte von Helsinki 1975, die seiner Präsidentschaft hohe Bedeutung verleiht. Mit dieser Schlussakte erkannten die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Staaten nolens volens die Geltung der Menschenrechte an. 1974 besetzte die mit den USA verbündete Türkei völkerrechtswidrig Nordzypern und 1975 annektierte das mit den USA verbündete Indonesien Osttimor völkerrechtswidrig, was etliche Menschenrechtsverletzungen und Tote nach sich zog. Laut des Dokumentarfilms Angeklagt: Henry Kissinger gaben Präsident Ford und sein Außenminister Henry Kissinger den Regierungen dafür grünes Licht.

In Sacramento (Kalifornien) versuchte am 5. September 1975 eine Anhängerin des inhaftierten Massenmörders Charles Manson namens Lynette „Squeaky“ Fromme, Ford zu töten. Der Secret Service konnte den Anschlag jedoch verhindern. Nur 17 Tage später, am 22. September 1975, versuchte Sara Jane Moore Ford in San Francisco zu erschießen. Das konnte jedoch der Passant Oliver Sipple verhindern. Die Attentäterin wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil für Lynette Fromme war ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe. Fromme kam 2009 auf Bewährung frei.[1]

1975 nahm Ford am ersten Treffen des von Bundeskanzler Helmut Schmidt - mit dem ihn auch eine sehr persönliche Freundschaft verband - initiierten Weltwirtschaftsgipfel teil, um die Turbulenzen der Weltwirtschaft zu beraten und abgestimmte Maßnahmen zu ergreifen.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Jahr 1976 konnte sich Ford als amtierender Präsident für die Nominierung seiner Partei gegen den vormaligen Gouverneur von Kalifornien Ronald Reagan (späterer US-Präsident) durchsetzen. Er trat mit dem Vizepräsidentschaftskandidat Bob Dole zusammen gegen Jimmy Carter und dessen Vizepräsidentschaftskandidat Walter Mondale an. Ford verlor die Wahl mit einem knappen Wahlergebnis. Am 20. Januar 1977 endete Fords Präsidentschaft. Einige Beobachter der damaligen Zeit erklärten Fords Niederlage damit, dass er Nixon zuvor Begnadigung gewährt hatte. Trotz seiner Erfolge wurde Ford oft als linkisch und tolpatschig betrachtet. So glitt er 1975 bei seiner Ankunft in Salzburg auf der regennassen Gangway der Air Force One aus und schlitterte herab. Der damalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky half ihm anschließend auf. Bei anderen Gelegenheiten stieß der großgewachsene Ford mit seinem Kopf öfter gegen den Rahmen des Ausstiegs von Air Force One und rempelte Personen unabsichtlich an. Sein Verhalten wurde in zahlreichen Shows persifliert. Ein Beispiel dafür ist sein Auftritt in der Fernsehserie Die Simpsons. Er stolpert in der Szene gleichzeitig mit Homer Simpson über die Bordsteinkante und beide rufen gleichzeitig Homers berühmten Spruch "Nein" (orig. D'oh).

Nach der Präsidentschaft[Bearbeiten]

Für die Präsidentschaftswahl 1980 galt Ford als aussichtsreicher Kandidat der Republikaner für das Amt des Vizepräsidenten von Präsidentschaftskandidat Ronald Reagan. Da Ford jedoch auf relativ weitreichenden Kompetenzen bestand und insbesondere Henry Kissinger als festen Bestandteil der neuen Regierung forderte, nominierte Reagan Fords größten Rivalen, George Bush. Eine erneute Präsidentschaftskandidatur hatte Ford bereits im Vorfeld abgelehnt.[2]

Tod[Bearbeiten]

Gerald R. Ford starb am 26. Dezember 2006 in seinem Haus in Kalifornien an Altersschwäche.

Ford war einer von vier Ex-Präsidenten, die über 90 Jahre alt wurden. Die anderen drei waren John Adams (1735–1826), Herbert Hoover (1874–1964) und Ronald Reagan (1911–2004). In seinen letzten Lebensjahren führte er mit seiner Frau Betty ein sehr zurückgezogenes Leben. Nur zum Gottesdienstbesuch in der anglikanischen Margareten-Kirche in der Nähe seines Hauses in Rancho Mirage ließ sich das Ehepaar sehen.[3]

Nach seinem Tod zogen rund 60.000 Menschen am Sarg vorbei, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Bei einem Staatsakt in Washington würdigte US-Präsident George W. Bush den Verstorbenen am 2. Januar 2007 als Mann „mit Charakter, Mut und Bescheidenheit“. Fords Grabstätte befindet sich in Grand Rapids im Bundesstaat Michigan auf dem Gelände des Gerald Ford Presidential Museum.[4]

Ehe und Familie[Bearbeiten]

Gerald und Betty Ford heirateten am 15. Oktober 1948 in der Grace Episcopal Church in Grand Rapids. Aus der Ehe entsprangen vier Kinder:

  • Michael Gerald Ford (* 1950), Seelsorger
  • John Gardner „Jack“ Ford (* 1952), Journalist und PR-Berater
  • Steven Meigs Ford (* 1956), Schauspieler und Rodeoreiter
  • Susan Elizabeth Ford Vance Bales (* 1957), Fotografin

Im Jahr 2005 waren die Fords siebenfache Großeltern.

Ford und seine Frau sprachen sich wiederholt für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch aus und nahmen damit in der Republikanischen Partei eine Außenseiterposition ein (Pro Choice). Als Präsident äußerte sich Ford auch positiv dazu, dass junge Menschen sexuelle Erfahrungen ohne allzu große moralische Einwände genießen sollten, und führte dazu als Beispiel seine eigene Tochter Susan an. Ford pflegte bis zu seinem Tod eine bemerkenswerte Freundschaft zu dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, auch wenn das aufgrund seines Alters und seines Gesundheitszustandes nur noch sehr eingeschränkt möglich war.

Freimaurerei[Bearbeiten]

Gerald Ford wurde am 3. September 1949 in die Malta Lodge No. 465 in Grand Rapids, Michigan, aufgenommen, zusammen mit seinen Halbbrüdern Thomas Gardner Ford (1918–1995), Richard Addison Ford (* 1924) und James Francis Ford (* 1927). Den Gesellengrad und Meistergrad verlieh man ihm in der Columbia Lodge No. 3 in Washington D.C. am 20. April und 18. Mai 1951.

Am 26. September 1962 wurde ihm in der Musikakademie in Philadelphia der 33. und höchste Grad des Souvereign Grand Inspector General des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus (A.A.S.R.) verliehen, des am weitesten verbreiteten Hochgradsystems der Freimaurerei. Zugleich wurde er zum Ehrenmitglied des Supreme Council im A.A.S.R. Nördliche Jurisdiktion ernannt.

Auf der Jahrestagung des DeMolay-Ordens, einer Jugendorganisation der Freimaurerei, vom 6. bis 9. April 1975 wurde Ford einstimmig zum aktiven Mitglied und zum Großmeister im Ehrenamt des International Supreme Council gewählt. Diesen Posten hatte er bis Januar 1977 inne, als man ihn zum Ehren-Alt-Großmeister ernannte.[5]

Ehrungen[Bearbeiten]

Am 11. August 1999 überreichte Präsident Bill Clinton Ford die Freiheitsmedaille („Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

Am 3. Januar 2007, wenige Tage nach Fords Tod, wurde bekannt, dass der neueste Flugzeugträger der United States Navy den Namen USS Gerald R. Ford (CVN-78) erhalten wird. Die Ford ist damit auch Typschiff der nach ihr benannten Gerald-R.-Ford-Klasse.[6]

Werke[Bearbeiten]

  • Public Papers of the Presidents of the United States, Gerald Ford, 1974: Containing the Public Messages, Speeches, and Statements of the President, U.S. Gov. Print. Off., Washington D.C., 1975
  • Public Papers of the Presidents of the United States, Gerald Ford, 1975: Containing the Public Messages, Speeches, and Statements of the President (in 2 Bänden), U.S. Gov. Print. Off., Washington D.C., 1977
  • Public Papers of the Presidents of the United States, Gerald Ford, 1976-77: Containing the public messages, speeches, and statements of the President (in 3 Bänden), U.S. Gov. Print. Off., Washington D.C., 1979
  • A Time To Heal. The Autobiography Of Gerald R. Ford. Harper & Row, New York (NY), 1979

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edward L. Schapsmeier, Frederick H. Schapsmeier: Gerald R. Ford's date with destiny: A political biography. Lang, New York 1989, ISBN 0-8204-0961-8
  • John Robert Greene: Gerald R. Ford: A bibliography. Greenwood Press, Westport 1994, ISBN 0-313-28195-5
  • John Robert Greene: The presidency of Gerald R. Ford. University of Lawrence: Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0639-4 (Hardcover), ISBN 0-7006-0638-6 (TB)
  • Bernard J. Firestone (Hrsg.): Gerald R. Ford and the politics of post-Watergate America. Greenwood Press, Westport 1993, ISBN 0-313-27974-8
  • J. Edward Lee, H.C. Toby Haynsworth: Nixon, Ford, and the abandonment of South Vietnam. McFarland, Jefferson, NC 2002, ISBN 0-7864-1302-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerald Ford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Seiten
Nachrufe

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Would-Be Assassin 'Squeaky' Fromme Released from Prison" ABC News 14. August 2009. Abgerufen am 10. Juli 2011.
  2. Lebenslauf von Gerald Ford (englisch)
  3. Kath.net: Ex-Präsident Ford: 'Bestätigen Sie mich durch Ihre Gebete' vom 28. Dezember 2006
  4. 20 Minuten: Zehntausende nahmen Abschied von Ex-Präsident Ford vom 4. Januar 2007
  5. http://www.pagrandlodge.org/mlam/presidents/
  6. International Herald Tribune: Next Navy aircraft carrier to be named for late President Gerald Ford, buried Wednesday (engl.)