Pilio

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Pilio (häufig auch Pilion, auch Pelion, griechisch Πήλιο, Pilio) ist ein Gebirgszug (1.624 m, Pourianos Stavros) im Regionalbezirk Magnisia der griechischen Region Thessalien. Mitunter wird auch die ganze Halbinsel, die den pagasitischen Golf von der Ägäis trennt, so genannt. Am nordwestlichen Ende der Halbinsel liegt die wichtige Hafen- und Handelsstadt Volos.

Satellitenbild der Halbinsel Pilion

Durch seine üppige Vegetation und sein mildes Klima ist er bei der griechischen Bevölkerung, aber auch vielen Fremden als Zweitwohnsitz beliebt. Auf dem Pilio befinden sich über 40 Bergdörfer und Küstenstädtchen, die zum Teil auf eine geschichtsträchtige Vergangenheit blicken können. In der Mythologie wurde der Pilio als Heimat der Kentauren bezeichnet. Cheiron, dessen Höhle am Hauptgipfel Pliassidi lag, erzog hier den Achilleus. Bei der Erstürmung des Olymp stülpten die Aloiden den Pilion auf den Berg Ossa. Von der Hafenstadt Volos (dem damaligen Iolkos) aus starteten Jason und die Argonauten zur Suche nach dem Goldenen Vlies.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Neben den sagenhaften Überlieferungen gibt es auf dem Pilio einen Beweis für eine antike Siedlung in Pouri bei Zagora (offizielle archäologische Stätte).

Im Nordosten, etwa 8 km südlich von Veneto, befinden sich an einer felsigen Steilküste eine große Zahl von Meereshöhlen. Es sind höchst wahrscheinlich die "Öfen" - ipnoi, von denen Herodot berichtet: Hier soll die persische Flotte unter Xerxes I. bei einem Sturm viele ihrer Schiffe verloren haben (Herodot 7.188).

In Volos - dem antiken Iolkos - finden archäologische Ausgrabungen statt, und es wurden antike Funde bei Alikes gemacht. In Volos gibt es auch ein archäologisches Museum.

Neuzeit[Bearbeiten]

Die geografischen Gegebenheiten machten den Pilio für die türkischen Besetzer schier uneinnehmbar. Die Küstenregionen waren (früher) nur sehr dünn besiedelt, es gibt auf der Seite zur Ägäis nur einen einzigen natürlichen Hafen (Damouchari (d'amour chari= 'dank der Liebe') - eine ehemals genuesische Festung mit Spuren eines Kastells). Jeder der kleinen Fischerorte hatte einen weiter im Landesinneren gelegenen Hauptort, der meist von der See aus nicht zu sehen war. Diese Orte, obwohl nur wenige Kilometer von der Küste, haben Höhenlagen von 200 - 500 m. Die Pfade von der Küste zu diesen Orten waren versteckt und für Eroberer nicht zu ergründen. Durch diese Umstände ist der Pilio nie von Türken besetzt gewesen. Außerdem genoss die Region Pilion durch ein Abkommen mit den Osmanen ein Sonderrecht, das den Pilioriten eine Art Autonomie gab, ähnlich der Insel Chios. Diese Umstände ermöglichten es recht früh ein eigenes nationales griechisches Gefühl entwickeln zu lassen, sodass von hier aus der griechische Freiheitskämpfer Rigas Velestinlis (Rigas Fereos) (u. A. auf der 10-Eurocent-Münze abgebildet) in die weite Welt (1. Station Venedig) zog um den griechischen Freiheitskampf zu organisieren. Rigas Fereos war als Lehrer in Kissos tätig. Die Tatsache dass es eine griechische Schule zu seinen Zeiten gab, ist Beweis der Freiheit dieser Region, denn in den osmanisch okkupierten Gebieten war das Lehren in griechischer Sprache strengstens untersagt, sodass die sogenannten 'kryfa scholia' (heimliche Schulen) dort existierten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ostküste im Norden Pilions: Bucht von Agios Ioannis

Am pagasitischen Golf befindet sich die größte Zementfabrik Griechenlands, Herakles. Die Region Zagora, Makrirahi und Anilion ist das größte Obstanbaugebiet Griechenlands, vor allem für Äpfel. Die Region Mouresi ist Griechenlands größtes Anbaugebiet für Gardenien; der Süden ist für seine Oliven bekannt. Außerdem sind eingelegte Früchte aus Pilion in Griechenland sehr beliebt. Andere wichtige hier gedeihende Pflanzenarten und landwirtschaftlich vermarktete Produkte sind Ess-Kastanien, Kirschen, Birnen, Pflaumen, Maulbeeren, Brombeeren, Oregano und andere Kräuter, Honig, Zitronen, Nektarinen, Pfirsiche, Aprikosen, Fische, Orangen, verschiedene Blumen, Hölzer und vieles mehr.

Entlang der Küste ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle in den Sommermonaten. Die meiste Zeit des Jahres sind viele Läden und Restaurants jedoch geschlossen.

Im Winter ist das Skigebiet bei Chania von Volos aus für Tagestouristen gut erreichbar.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Mamma Mia!, die erfolgreichste Musicalverfilmung bisher, wurde unter anderem in der kleinen romantischen Ortschaft von Damouhari in der Gegend von Mouresi an der Ostküste von Pilion auf dem Festland, aber auch auf Skiathos und auf Skopelos gedreht.
  • Agria ist der Geburtsort des Komponisten Vangelis (1492: Conquest of Paradise).
  • Der griechische Freiheitskämpfer Rigas Velestinlis war in Kissos als Lehrer tätig.
  • Der österreichische Aussteiger Alfons Hochhauser lebte von 1927 bis 1938 und von 1957 bis 1981 im Pilio.
  • Der deutsche Schriftsteller Werner Helwig schrieb drei Romane, deren Handlung im Pilion spielt: Raubfischer in Hellas (1939), Im Dickicht des Pelion (1941) und Gegenwind (1945).
  • Im Frühsommer findet der jährliche Tanz- und Kreativworkshop der Pilion Summer Academy (PiSa) statt unter der Leitung internationaler Dozenten.
  • Der griechische Dramatiker Euripides nennt die Täler des Pelion und die dort abgeschlagenen Fichten in seiner Tragödie Medea den Ursprung des Argonautenschiffs Argo.

Quellen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

39.26527777777823.1702777777781543Koordinaten: 39° 16′ N, 23° 10′ O