Pyrogallol

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Strukturformel
Strukturformel von Pyrogallol
Allgemeines
Name Pyrogallol
Andere Namen
  • 1,2,3-Trihydroxybenzol (falsche Bezeichnung)[1]
  • vic. Trihydroxybenzol
  • Pyrogallussäure
  • Brenzgallussäure
  • Benzol-1,2,3-triol
Summenformel C6H6O3
CAS-Nummer 87-66-1
PubChem 1057
Kurzbeschreibung

farblose, glänzende Blättchen oder Nadeln[1]

Eigenschaften
Molare Masse 126,11 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Dichte

1,45 g·cm−3 [2]

Schmelzpunkt

131–135 °C[2]

Siedepunkt

309 °C[2]

Dampfdruck

2–4 hPa (140 °C)[2]

pKs-Wert

9,01[3]

Löslichkeit
Brechungsindex

1,561 (134 °C)[4]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [5]
08 – Gesundheitsgefährdend 07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 341​‐​332​‐​312​‐​302​‐​412
P: 201​‐​273​‐​308+313 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [5]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 20/21/22​‐​68​‐​52/53
S: (2)​‐​36/37​‐​61
Toxikologische Daten

780 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[7]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

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Pyrogallol ist ein Derivat des Benzols, ein dreiwertiges Phenol mit drei vicinalen Hydroxygruppen. Die beiden anderen Isomere sind Phloroglucin (1,3,5-Trihydroxybenzol) und Hydroxyhydrochinon (1,2,4-Trihydroxybenzol).

Geschichte[Bearbeiten]

Pyrogallol wurde im Jahre 1786 zuerst von Carl Wilhelm Scheele durch Erhitzen von Gallussäure hergestellt, charakterisiert und benannt.[1] Der Name leitet sich von griechisch pyr = Feuer und Gallol von Gallussäure her; -ol bezieht sich dabei auf die Hydroxy-(OH)-Gruppen und deutet auf die Herstellungsweise hin.

Gewinnung/Darstellung[Bearbeiten]

Pyrogallol kann am einfachsten durch Pyrolyse von Gallussäure unter Decarboxylierung hergestellt werden.

Decarboxylierung von Gallussäure ergibt Pyrogallol.

Ebenfalls möglich ist die Darstellung durch Hydrolyse von 2,2,6,6-Tetrachlorcyclohexanon und die Oxygenierung von Resorcin mit Wasserstoffperoxid.[1] Es entsteht auch bei der Zersetzung von Tanninen.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Pyrogallol besteht im Reinzustand aus weißen Kristallnadeln, die sich aber an der Luft schnell grau-bräunlich färben.[1] Es ist ein starkes Reduktionsmittel und absorbiert begierig in alkalischer Lösung Sauerstoff aus der Luft; es komplexiert Metallionen (z. B. Fe3+ unter Blaufärbung). Bei längerem Stehen an der Luft (besonders in alkalischer Lösung) geht Pyrogallol durch Oxidation in Kohlenstoffdioxid, Essigsäure, Purpurogallin (Trihydroxybenztropolon) und weitere Zersetzungsprodukte über; die Lösung färbt sich dann dunkelbraun. Die wässrigen Lösungen reagieren aufgrund dieser Zersetzung allmählich saurer, daher stammt auch die Bezeichnung Pyrogallussäure, was jedoch für die Reinsubstanz kein zutreffender Name ist.

Verwendung[Bearbeiten]

Pyrogallol wurde früher äußerlich bei Psoriasis und Lupus erythematodes[8] angewendet. In der analytischen Chemie dient Pyrogallol zur Absorption von Sauerstoff in der Gasanalyse, als Reagenz auf Antimon, Bismut, Niob, Osmium und Tantal, zur Reduktion von Silber-, Gold- und Quecksilbersalzen sowie zur Aktivitätsbestimmung von Peroxidasen. Es wird auch in Haarfärbemitteln eingesetzt und ist einer der ältesten photographischen Entwickler[1] und findet in der Holographie heute noch Verwendung[9]. Pyrogallol wird auch in der Lithographie, in Photoresists, in Beschichtungsmaterialien und in Klebstoffen genutzt. Es dient auch als Vernetzer und Härter für Epoxidharze, besonders zur Herstellung elektronischer Bauelemente. Die Verbindung wird auch als Zwischenprodukt zur Herstellung von verschiedenen organischen Verbindungen wie Pharmaka.[1] Teilweise wird Pyrogallol neben BHT auch als Stabilisator für Substanzen wie Diethylether[10] oder Carotinoide[11] eingesetzt, die der Autoxidation durch Luftsauerstoff unterliegen.

Nachweis[Bearbeiten]

Zum qualitativ-analytischen Nachweis entsteht bei der Bromierung mit Kaliumbromid und Brom[12] das Dibromderivat, das einen Schmelzpunkt von 158 °C hat.[13]

Bromierung von Pyrogallol

Reaktionen[Bearbeiten]

Die Carboxylierung von Pyrogallol durch eine Kolbe-Schmitt-Reaktion führt zur Pyrogallol-4-carbonsäure. [14]

Carboxylierung von Pyrogallol

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Pyrogallol ist gesundheitsschädlich. Es wird auch allmählich durch die Haut aufgenommen. Im Tierversuch wie auch beim Versuch an menschlichen Zellen konnten Veränderungen der DNA festgestellt werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Pyrogallol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 11. Mai 2014.
  2. a b c d e f Eintrag zu CAS-Nr. 87-66-1 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 3. Juli 2007 (JavaScript erforderlich).
  3. CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.
  4. David R. Lide (Ed.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90th Edition (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-36.
  5. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 87-66-1 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  6. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  7. Datenblatt Pyrogallol bei Merck, abgerufen am 18. Januar 2011.
  8.  Pamphlets on Biology: Kofoid collection. 1862, S. 61 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9.  Graham Saxby: CRC Press, 2010, ISBN 142003366-2, S. 63 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10.  Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives. Meeting: Compendium of Food Additive Specifications: Addendum 8. Food & Agriculture Org., 2000, ISBN 925104508-9, S. 53 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11.  Mark S. Meskin, Wayne R. Bidlack, R. Keith Randolph: Phytochemicals: Aging and Health. CRC Press, 2008, ISBN 142006138-0, S. 68 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 331.
  13. Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 653.
  14.  V. K. Ahluwalia: Intermediates For Organic Synthesis. I. K. International Pvt Ltd, 2005, ISBN 978-818823733-3, S. 86 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).