Bismut

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Dieser Artikel behandelt das chemische Element Bismut, für den gleichnamigen französischen Mathematiker siehe Jean-Michel Bismut.
Eigenschaften
Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl Bismut, Bi, 83
Serie Metalle
Gruppe, Periode, Block 15, 6, p
Aussehen glänzend rötlich weiß
CAS-Nummer 7440-69-9
Massenanteil an der Erdhülle 0,2 ppm[1]
Atomar [2]
Atommasse 208,98040(1)[3] u
Atomradius (berechnet) 160 (143) pm
Kovalenter Radius 148 pm
Van-der-Waals-Radius 207[4] pm
Elektronenkonfiguration [Xe] 4f14 5d10 6s2 6p3
1. Ionisierungsenergie 703 kJ/mol
2. Ionisierungsenergie 1610 kJ/mol
3. Ionisierungsenergie 2466 kJ/mol
4. Ionisierungsenergie 4370 kJ/mol
5. Ionisierungsenergie 5400 kJ/mol
Physikalisch [2]
Aggregatzustand fest
Kristallstruktur trigonal[5]
Dichte 9,78 g/cm3
Mohshärte 2,25
Magnetismus diamagnetisch (\chi_{m} = −1,7 · 10−4)[6]
Schmelzpunkt 544,4 K (271,3 °C)
Siedepunkt 1833 K[7] (1560 °C)
Molares Volumen 21,31 · 10−6 m3/mol
Verdampfungswärme 179 kJ/mol[7]
Schmelzwärme 10,9 kJ/mol
Schallgeschwindigkeit 1790 m/s bei 293,15 K
Elektrische Leitfähigkeit 0,769 · 106 A/(V · m)
Wärmeleitfähigkeit 8 W/(m · K)
Chemisch [2]
Oxidationszustände (−3) 1, 3, 5
Normalpotential 0,317 V (Bi3+ + 3 e → Bi)
Elektronegativität 2,02 (Pauling-Skala)
Isotope
Isotop NH t1/2 ZA ZE (MeV) ZP
205Bi

{syn.}

15,31 d ε 2,708 205Pb
206Bi

{syn.}

6,243 d ε 3,758 206Pb
207Bi

{syn.}

31,55 a ε 2,399 207Pb
208Bi

{syn.}

3.368.000 a ε 2,880 208Pb
209Bi

100 %

1,9 · 1019 a α 3,137[8] 205Tl
210Bi

in Spuren

5,013 d β 1,163 210Po
α 5,037 206Tl
210m1Bi

{syn.}

3,04 · 106 a α 206Tl
211Bi

in Spuren

2,14 min β 0,579 211Po
α 6,751 207Tl
212Bi

in Spuren

60,55 min β 2,254 212Po
α 6,027 208Tl
213Bi

{syn.}

49,59 min β 1,426 213Po
α 5,932 209Tl
214Bi

in Spuren

19,9 min β 3,272 214Po
α 5,617 210Tl
215Bi

in Spuren

7,6 min β 2,250 215Po
Weitere Isotope siehe Liste der Isotope
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [9]
02 – Leicht-/Hochentzündlich

Achtung

H- und P-Sätze H: 228
P: 210​‐​241​‐​280​‐​240​‐​370+378 [9]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [10][9]

Pulver

Leichtentzündlich
Leicht-
entzündlich
(F)
R- und S-Sätze R: 11
S: keine S-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet.
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Bismut oder Wismut (veraltet auch: Wismuth) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Bi und der Ordnungszahl 83. Im Periodensystem steht es in der 5. Hauptgruppe oder Stickstoffgruppe.

Es ist kein stabiles Isotop bekannt. Die äußerst geringe Radioaktivität des natürlich vorkommenden 209Bi ist jedoch für den praktischen Gebrauch ohne Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten]

Als eigenes Element wurde Bismut nach der Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Chemiker Claude François Geoffroy,[11] Johann Heinrich Pott,[12] Carl Wilhelm Scheele und Torbern Olof Bergman[13] nachgewiesen. Zuvor wurde es oft als Abart von Blei, Zinn, Antimon und anderen Metallen oder Mineralien betrachtet, obwohl schon im 16. Jahrhundert Georgius Agricola eine genauere Unterscheidung versuchte.[14][15]

Der Name des Metalls, der im Deutschen 1390 als wesemut und lat. 1450 als wismutum,[16] 1530 als bisemutum[14] erscheint, kann auf die in einer arabischen Dioskurides-Übersetzung des 9. Jahrhunderts belegte Form b[i]sīmūtīyūn zurückgeführt werden, die selbst wohl eine Transliteration von altgriechisch ψιμύθιον psimýthionBleiweiß‘ darstellt. Auch Entstellung aus arabisch iṯmid ‚Antimon‘ wurde angenommen; oft wird außerdem auf die angeblich erste Mutung in der Zeche St. Georgen in der Wiesen bei Schneeberg im Erzgebirge im 15. Jahrhundert verwiesen,[17] oder auf die Variante wis(se)mat, die ‚weiße Masse‘ bedeuten soll.[18]

Das chemische Symbol Bi schlug J. J. Berzelius im Jahr 1814 vor.

Vorkommen[Bearbeiten]

Bismut, gediegen. Fundort: eine Cobalt-Lagerstätte der Region Cobalt-Gowganda, Ontario, Kanada
„Federwismut“ aus der „Pöhla-Tellerhäuser Mine“, Landkreis Schwarzenberg, Erzgebirge, Sachsen (Gesamtgröße der Probe: 6,8 cm x 4,5 cm x 3,1 cm)

Bismut tritt in der Natur gediegen, das heißt in elementarer Form auf und ist von der International Mineralogical Association (IMA) als Mineral anerkannt. Die von der IMA verwendete 9. Auflage der Systematik der Minerale nach Karl Hugo Strunz führt den Bismut zusammen mit Antimon, Arsen und Stibarsen in der Unterabteilung der „Arsengruppen-Elemente“ unter der System-Nr. 1.CA.05 (veraltete 8. Auflage: I/B.01-40). Bei der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana gehört Bismut zur „Arsengruppe“ mit der System-Nr. 01.03.01.

Gediegen Bismut bildet sich in Hydrothermal-Gängen von Pegmatiten und topashaltigen Zinn-Wolfram-Quarzadern und meist zusammen mit verschiedenen Kupfer-, Nickel-, Silber und Zinnerzen. Bismut entwickelt nur selten gut ausgebildete Kristallformen, die aber eine Größe von bis zu 12 Zentimetern erreichen können. Üblicherweise findet er sich in Form dendritischer, blätteriger oder körniger Aggregate, aber auch als polysynthetische Zwillinge mit paralleler Streifung („Federwismut“) oder trichterförmig ins Kristallzentrum eingezogenen Seitenflächen.[19]

Bisher (Stand: 2011) gelten rund 1400 Fundorte für gediegen Bismut als bekannt.[20] Die Fundstätten liegen vor allem in Australien, Bolivien, China, Kanada, Mexiko, Peru und Spanien, historisch in Bieber im Spessart und im Erzgebirge, wo Bismut sowohl in reiner Form als auch als Sulfid (Bismuthinit), Selenid (Selenidbismutglanz) und Oxid (Bismit) gefunden wird. Außerdem kommt Bismut, ebenso wie Antimon und Arsen, gelegentlich als Doppelsulfid vor: Galenobismutit (PbBi2S4), Lillianit (Pb3Bi2S6), Silberbismutglanz (AgBiS2), Kupferbismutglanz (CuBiS2) und Kupferbismutblende (Cu6Bi2S6). Bekannt ist auch noch ein Tellur-Sulfid in Form von Tellurbismut (Bi2Te2S) und ein Silicat namens Eulytin (Bi4(SiO4)3).

Insgesamt sind einschließlich gediegen Bismut rund 230 Bismutminerale bekannt.[21]

Fördermengen und Weiterverarbeitung 2006[22]
Angaben in Tonnen
Rang Land Abbau Verarbeitung
1 China VolksrepublikVolksrepublik China China 3000 8500
2 MexikoMexiko Mexiko 1180 1180
3 PeruPeru Peru 950 600
4 KanadaKanada Kanada 190 250
5 KasachstanKasachstan Kasachstan 140 115
6 BolivienBolivien Bolivien 70 3
7 RusslandRussland Russland 55 11
8 BulgarienBulgarien Bulgarien 40 35
9 RumänienRumänien Rumänien 40 30
10 BelgienBelgien Belgien - 800
11 JapanJapan Japan - 510
12 ItalienItalien Italien - 5

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Zur Gewinnung von Bismut kann man von oxidischen oder sulfidischen Erzen ausgehen.

Oxidische Erze werden in Flammöfen mit Kohle zu Bismut reduziert:

\rm 2\, Bi_2O_3 + 3\, C \rarr 3\, CO_2 + 4\, Bi

Sulfidische Bismuterze können entweder mit Eisen nach dem Niederschlagsverfahren reduziert werden:

\rm Bi_2S_3 + 3\, Fe \rarr 3\, FeS + 2\, Bi

Oder die sulfidischen Erze werden zunächst in die Oxide umgewandelt und anschließend mit Kohle reduziert (Röstreduktionsverfahren):

\rm 2\, Bi_2S_3 + 9\, O_2 \rarr 6\, SO_2 + 2\, Bi_2O_3
\rm 2\, Bi_2O_3 + 3\, C \rarr 3\, CO_2 + 4\, Bi

Das Rohbismut wird anschließend durch oxidierendes Schmelzen von anderen Elementen (Antimon, Arsen, Blei, Eisen Schwefel) befreit. Kupfer wird durch Schmelzen mit Natriumsulfid beseitigt, Gold und Silber durch Extraktion des geschmolzenen Bismuts mit Zinn.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Bismutkristalle ohne die typische bunte Oxidationsschicht.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Synthetischer Bismutkristall mit Anlauffarben in der Bandbreite eines Spektrums, zum Größenvergleich neben einem reinen Bismutwürfel mit einer Kantenlänge von 1 cm.
Bismutkristall mit Anlauffarben, hier mit der Bandbreite eines sichtbaren Spektrums

Bismut ist ein silberweißes, sprödes und grobkristallines Metall bzw. Halbmetall mit einem Stich ins Rosa.[5] Es hat eine rhomboedrische Kristallstruktur mit sehr dicht gepackten Doppelschichten. Der kürzeste Abstand zwischen zwei Doppelschichten beträgt 352,9 pm, was nur um 15 % größer als der kleinste Abstand zweier Atome innerhalb einer Doppelschicht ist.[5] Bismut-Einkristalle zeigen eine ausgeprägte Spaltbarkeit parallel zu diesen Doppelschichten.

Bismut ist eines der wenigen relativ (siehe unten) ungiftigen Schwermetalle, hat den stärksten Hall-Effekt aller metallischen Elemente (was typisch für ein Halbmetall ist wie auch die schlechte elektrische Leitfähigkeit des reinsten Bismuts) und hat darüber hinaus die – abgesehen von Supraleitern und pyrolytischem Graphit – stärkste diamagnetische Eigenschaft. Das heißt, es wird aus einem von außen angelegten Magnetfeld hinausgedrückt. Der Schubnikow-de-Haas-Effekt (Oszillationen des elektrischen Widerstandes in einem äußeren Magnetfeld) wurde erstmals an Bismut-Kristallen beobachtet und gemessen.

Von Bismut sind zwei Modifikationen bekannt: Das bei Zimmertemperatur gewöhnliche Bismut bildet unter hohen Drücken (ab 9 GPa) ein kubisch-raumzentriertes Kristallgitter.

Flüssiges Bismut dehnt sich als einer von wenigen Stoffen beim Erstarren aus (Dichteanomalie). Dieses Phänomen ist auch bei Antimon, Gallium, Germanium, Plutonium, Silicium und Wasser zu beobachten. Es beruht bei Bismut darauf, dass beim Schmelzen (und Erstarren) ein "doppelter" Phasenübergang stattfindet: einmal der Phasenübergang 1. Ordnung von fest nach flüssig (normalerweise mit kleiner Abnahme der Dichte) und zusätzlich ein Phasenübergang 1. Ordnung von Halbmetall nach Metall mit erheblicher Dichtezunahme, wodurch sich auch die ungewöhnlich große Schmelzentropie von 21,1 J/(K·mol) und die sprunghaft erhöhte elektrische Leitfähigkeit der Schmelze des Bismuts erklären.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Bismut ist bei Normaltemperatur an trockener Luft beständig. An feuchter jedoch bildet sich an der Oberfläche eine Oxidschicht. Des Weiteren ist Bismut gegen Wasser und nichtoxidierende Säuren (Salzsäure und verdünnte Schwefelsäure) resistent. In oxidierenden Säuren (Salpetersäure oder heiße konzentrierte Schwefelsäure) wird Bismut unter Bildung von Bismutsalzen (BiX3) gelöst.

Bei Rotglut verbrennt Bismut mit bläulicher Flamme zu einem braun-gelben Rauch – Bismut(III)-oxid (Bi2O3).

Unter Hitze verbindet sich Bismut mit den Halogenen, sowie mit Schwefel, Selen und Tellur direkt. Mit Stickstoff und Phosphor reagiert Bismut nicht.

Isotope[Bearbeiten]

Natürliches Bismut besteht nur aus dem Isotop 209Bi. Im Jahr 2003 stellte man im Institut d'Astrophysique Spatiale in Orsay (Frankreich) fest, dass dieses bisher für stabil gehaltene Isotop ein Alpha-Strahler mit einer Halbwertszeit von (1,9 ± 0,2) · 1019 Jahren ist (etwa 19 Trillionen Jahre).[23] Der sehr langsame Zerfall des 209Bi in 205Tl begründet sich einerseits durch die unmittelbare Nähe zum doppelt magischen 208Pb im Isotopenschema, und der Tatsache, dass 209Bi selbst einfach magisch ist. Aus der langen Halbwertszeit ergibt sich eine Aktivität von 0,0033 Bq/kg (entsprechend einem einzelnen Kernzerfall pro fünf Minuten und Kilogramm).

209Bi ist das vorletzte Glied der Neptunium-Reihe und außer 205Tl das einzige, das noch natürlich vorkommt. Weil heute in Kernreaktoren auch die am Anfang der Neptunium-Reihe stehenden Nuklide erbrütet werden, nimmt die 209Bi-Menge auf der Erde mit der Zeit zu.

Verwendung[Bearbeiten]

Es findet Verwendung als Legierungsbestandteil niedrigschmelzender Legierungen, beispielsweise für das Woodsche Metall, das bereits bei 70 °C schmilzt, für Roses Metall mit einem Schmelzpunkt von 98 °C und für das bei 60 °C schmelzende Lipowitz'sche Metall.[1]

Technische Verwendung[Bearbeiten]

Die Legierung Bismanol mit Mangan ist ein starker Permanentmagnet.

In Beschichtungslegierungen (Heißtauchverzinnung) für Solarverbinder dient es als Ersatz für Blei.[24]

Synthetische Bismut-Einkristalle mit Abmessungen von mehr als 20 Zentimeter und polykristalline Bismut-Platten werden als Neutronen-Filter für Materialuntersuchungen an Forschungsreaktoren benutzt.[25][26]

Die chemische Verbindung Bismuttellurid erzeugt in Peltier-Elementen Kälte.

Das Phasenwechselmaterial einiger DVD-RAM enthält Bismut, siehe Phasenwechseltechnologie.[27]

Bismut wird von einigen Quellen als Legierungselement in Automatenstählen als Ersatz für Blei propagiert. Es soll die Zerspanbarkeit dieser Stähle verbessern ohne die negativen ökologischen Eigenschaften des Bleis. Aus Sicht der Stahlmetallurgie ist dies allerdings ungünstig, da Bismut sich metallurgisch quasi nicht entfernen lässt und dann als unerwünschtes Begleitelement in den aus Schrotten erzeugten Stählen auftaucht. In der Elektronik-Industrie wird eine Bismut-Zinn-Legierung als Ersatz (Stichwort RoHS) für bleihaltige Lotzinne verwendet. Nachteilig ist, dass für Bismut-Zinn eigene Lötgeräte erforderlich sind. Die Kontamination mit Blei (z.B. Reparatur von Altgeräten) führt zu einem sehr tiefen Schmelzpunkt, die Verwendung von Werkzeugen für Zinn-Silber-Legierungen dagegen zu hohen Temperaturen und Kontamination des Werkzeugs mit Bismut.

Bismutoxid wird für die Herstellung von optischen Gläsern sowie als Sinterhilfsmittel in der technischen Keramik verwendet. Außerdem findet es in Form von Bismutgermanat Anwendung als Szintillationsdetektor bei der Positronen-Emissions-Tomographie (PET).

Eine Blei-Bismut-Legierung wurde in der Sowjetunion als Kühlmittel für Kernreaktoren verwendet. Diese Legierung ist zwar wirksamer als eine herkömmliche Druckwasserkühlung, jedoch auch entsprechend schwieriger zu handhaben. Die Legierung erstarrt bei einer Temperatur von unter 125 °C und kann dann große Reaktorschäden verursachen. Solche Reaktoren wurden unter anderem auf Atom-U-Booten eingesetzt (z. B. U-Boot der Alfa-Klasse).

Bismut wird auch als ungiftiger Ersatz für Blei bei Schrotmunition für Schusswaffen verwendet. Dies ist jedoch wenig verbreitet.

Im 16. Jahrhundert wurde in Süddeutschland und der Schweiz eine Maltechnik entwickelt, bei der Bismut als Beschichtung für kleinere dekorative Kästchen oder Schachteln, zum Teil auch für Altare aus Holz verwendet wurde. Diese Technik wird als Wismutmalerei bezeichnet.[28]

Verwendung in der chemischen Industrie[Bearbeiten]

Bismutchloridoxid (BiOCl) wird als silberweißes Perlglanzpigment in Kosmetika verwendet.

Bismutvanadat ist als ein hochwetterstabiles grünstichiges Gelb-Pigment im Einsatz und findet z. B. in hochwertigen Lacken, Dispersionsfarben für den Fassadeneinsatz, Kunststoffen und Druckfarben Verwendung.[29]

Außerdem wird Bismut als Katalysator in der chemischen Industrie verwendet.[1]

Medizinische Verwendung[Bearbeiten]

Bismutverbindungen wie Dibismut-tris(tetraoxodialuminat), Bismutoxidnitrat (Bismutsubnitrat, basisches Bismutnitrat) finden als Bestandteil einer antibiotischen Therapie gegen den Erreger Helicobacter pylori Verwendung, der in Magen und Duodenum Geschwüre verursachen kann (Eradikationstherapie).[30] Die Anwendung erfolgt als sogenannte Quadrupel-Therapie (Kombinationstherapie aus einem Protonenpumpenhemmer und einer Bismut-Triple-Therapie [Bismut-Salz, Tetrazyklin, Metronidazol][31][32]).

Bismutverbindungen werden daneben zum Teil noch bei Durchfällen als Adstringentien sowie geruchsmildernd bei Mundgeruch und Flatulenz verwendet. Daneben werden einige Verbindungen (z. B. Bibrocathol) als Antiseptikum eingesetzt.

Außerdem findet Bismut diagnostisch bei der Positronen-Emissions-Tomographie Anwendung in Form von Bismutgermanat als Detektormaterial des Tomographiegeräts.

Historisch wurde Bismut am Ende des 19. Jahrhunderts als Bestandteil von Wundpulvern (z. B. Dermatol) eingesetzt. Seit den 1920er Jahren fand es Verwendung als Mittel gegen die Syphilis.[33] Es wurde jedoch vollständig durch moderne Antibiotika ersetzt.

Bismutsalze wurden zudem als Röntgenkontrastmittel zur Darstellung des Magen-Darm-Trakts (sog. „Wismutmahlzeit“) verwendet. Hier wurde Bismut durch Bariumsulfat ersetzt.

Bismutgallat wird in einer Hautsalbenrezeptur nach Stolte verwendet, die Salbe kann für die Behandlung entzündlicher Hautstellen bei Säuglingen verwendet werden

Vergiftung[Bearbeiten]

Eine Bismutvergiftung (Bismutismus) ist aufgrund der schlechten Resorption im Magen-Darm-Trakt selten. Sie ähnelt weitgehend einer Quecksilbervergiftung.[34] Typisch sind das Auftreten eines schiefergrauen bis schwarzen Bismutsaums (Bismutsulfid-Ablagerung) an der Mundschleimhaut mit Ausbildung einer Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) und Gingivitis (mit Zahnlockerung, -ausfall), Darmentzündungen (Enteritis) mit Durchfällen sowie Nierenschäden (Bismutnephropathie).[35][33]

Nachweis[Bearbeiten]

Der Nachweis von Bismut erfolgt durch die „Bismutrutsche“ mit Thioharnstoff. Zur Fällung unerwünschter Störionen werden Natriumfluorid, Natriumchlorid und Kaliumnatriumtartrat verwendet:

  • NaF zur Komplexierung von Fe3+ und Al3+
  • NaCl zur Fällung von Ag+ und Hg22+
  • Tartrat zur Komplexierung von Sb3+ und Sn2+

Als Flussmittel wird verdünnte HNO3 verwendet. Bei Anwesenheit von Bi3+ bildet sich ein kristalliner, zitronengelber Thioharnstoff-Komplex, bei dem drei Thioharnstoff-Moleküle über den Schwefel mit dem Bismut assoziiert sind:

\rm Bi^{3+} +  3\ SCN_2H_4 \rightarrow [Bi(SCN_2H_4)_3]^{3+} (Komplexbildungsreaktion).

Alternative Nachweisreaktionen:

  • In einer Redoxreaktion mit Zinn(II)-Ionen als Reduktionsmittel fällt elementares Bi schwarz aus
  • Mit Natriumiodidlösung: zunächst fällt schwarzes Bismut(III)-iodid aus, das sich dann im Iodidüberschuss als oranger Tetraiodobismutat-Komplex löst:
\rm Bi^{3+} +  4\ I^{-} \rightarrow [BiI_4]^{-} (Komplexbildungsreaktion).

Verbindungen[Bearbeiten]

Bismit

Bismut ist in erster Linie dreiwertig, doch gibt es auch ein- und fünfwertiges Bismut; Bismut(V)-oxid ist jedoch ein sehr starkes Oxidationsmittel, das sogar Mangan(II) zum Permanganat oxidiert. Außerdem bildet es polymere Kationen. An der Luft ist es beständig.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
  2. Die Werte für die Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, aus www.webelements.com (Bismuth) entnommen.
  3. CIAAW, Standard Atomic Weights Revised 2013
  4. Manjeera Mantina, Adam C. Chamberlin, Rosendo Valero, Christopher J. Cramer, Donald G. Truhlar: Consistent van der Waals Radii for the Whole Main Group. In: J. Phys. Chem. A. 2009, 113, S. 5806–5812, doi:10.1021/jp8111556.
  5. a b c Norman N. Greenwood, Alan Earnshaw: Chemie der Elemente. 1. Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 1988, ISBN 3-527-26169-9.
  6. Robert C. Weast (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. CRC (Chemical Rubber Publishing Company), Boca Raton 1990, ISBN 0-8493-0470-9, Seiten E-129 bis E-145. Werte dort sind auf g/mol bezogen und in cgs-Einheiten angegeben. Der hier angegebene Wert ist der daraus berechnete maßeinheitslose SI-Wert.
  7. a b Yiming Zhang, Julian R. G. Evans, Shoufeng Yang: Corrected Values for Boiling Points and Enthalpies of Vaporization of Elements in Handbooks. In: Journal of Chemical & Engineering Data. 56, 2011, S. 328–337, doi:10.1021/je1011086.
  8. Nature. Volume 422, Number 6934, 2003, S. 876–878.
  9. a b c Datenblatt Bismut (Pulver, 99,999 %) bei AlfaAesar, abgerufen am 5. Januar 2010 (JavaScript erforderlich).. Dies gilt nur für Pulver, kompaktes Bismut ist ohne Gefahrensymbole/R-/S-Sätze.
  10. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Zubereitungen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  11. C. R. Hammond: The Elements. In: David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 81. Auflage. CRC press, 2004, ISBN 0-8493-0485-7.
  12. N. Figurowski: Die Entdeckung der chemischen Elemente und der Ursprung ihrer Namen. Aulis-Verlag Deubner, Köln 1981, ISBN 3-7614-0561-8, S. 214–215.
  13. A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 822, Fußnote 84.
  14. a b Georgii Agricolae medici Bermannus, sive de re metallica. Basileæ 1530, S. 75 ff.
  15. Mark Chance Bandy, Jean A. Bandy: De Natura Fossilium (Textbook of Mineralogy). des Georgius Agricola, Übersetzung der ersten lateinischen Ausgabe von 1546, erschienen als The Geologigal Society of America Special Paper 63. New York 1955, S. 179.
  16. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Auflage. (bearbeitet von Walther Mitzka), de Gruyter, Berlin 1960, S. 866, Wismut.
  17. Wismut. In: Wolfgang Pfeifer u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 4. Auflage. dtv, München 1999, ISBN 3-423-32511-9, S. 1574.
  18. Elke Grab-Kempf: Zur Etymologie von dt. Wismut. In: Beitraege zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB). 125, 2003, S. 197–206, doi:10.1515/BGSL.2003.197.
  19. John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Bismuth. In: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001. (PDF 57,4 kB)
  20. Mindat - Bismuth (englisch)
  21. Webmineral – Mineral Species sorted by the element Bi (englisch)
  22. Fördermengen und Weiterverarbeitung (2006) (PDF; 55 kB)
  23. Pierre de Marcillac u. a.: Experimental detection of alpha-particles from the radioactive decay of natural bismuth. In: Nature. 422, S. 876–878. (24. April 2003), Ergebnistabelle
  24. Beschichtungslegierungen. auf: bruker-spaleck.de
  25. Forschungsbericht KFA Jülich (PDF; 5,6 MB)
  26. Forschungsbericht NIST USA
  27. Meldung bei heise.de
  28.  Valerie Dorge, F. Carey Howlett: Painted Wood: History and Conservation. Getty Publications, 1998, ISBN 089236501-3, S. 166 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  29. G. Buxbaum, G. Pfaff: Industrial Inorganic Pigments. Wiley-VCH, Weinheim 2005, ISBN 3-527-30363-4.
  30. Ernst Mutschler: Arzneimittelwirkungen. 8. Auflage. Wiss. Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 3-8047-1763-2, S. 644.
  31. P. Malfertheiner u. a.: Helicobacter pylori eradication with a capsule containing bismuth subcitrate potassium, metronidazole, and tetracycline given with omeprazole versus clarithromycin-based triple therapy: a randomised, open-label, non-inferiority, phase 3 trial. Lancet 2011; 377: 905-13
  32. Martin Wehling: Klinische Pharmakologie. 1. Auflage. Thieme-Verlag Stuttgart, 2005.
  33. a b B. Hoffmann: Medizinale Wismutvergiftung. Archives of Toxicology, Springer, Berlin/ Heidelberg, Volume 6, Number 1 / Dezember 1935, ISSN 0340-5761.
  34. Ernst Mutschler: Arzneimittelwirkungen. 8. Auflage. Wiss. Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 3-8047-1763-2, S. 974.
  35. Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, München/ Jena 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bismut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bismuth – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Praktikum Anorganische Chemie/ Bismut – Lern- und Lehrmaterialien