Reinheim (Gersheim)

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49.1380567.179722212Koordinaten: 49° 8′ 17″ N, 7° 10′ 47″ O

Reinheim
Gemeinde Gersheim
Ehemaliges Gemeindewappen von Reinheim
Höhe: 212 m
Einwohner: 1100 (2005)
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 66453
Vorwahl: 06843
Reinheim (Saarland)
Reinheim

Lage von Reinheim im Saarland

Reinheim (im Dialekt Reinem/Reinum) ist ein Ortsteil von Gersheim im saarländischen Saarpfalz-Kreis. Bis Ende 1973 war Reinheim eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Sankt Ingbert.

Lage[Bearbeiten]

Reinheim liegt im Süden des Biosphärenreservates Bliesgau unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze. Durch den Ort fließt die Blies. Die Gemarkung des Dorfes grenzt an die Gemarkungen der Orte Gersheim und Niedergailbach (Gemeinde Gersheim), Habkirchen und Bebelsheim (Gemeinde Mandelbachtal) sowie im Süden an die französische Commune Bliesbruck.

Geschichte[Bearbeiten]

Merowingerzeitliche Gräber auf dem „Homerich“ sowie die Endung -heim sprechen für eine Gründung im Frühmittelalter (6./7. Jahrhundert). Urkundlich tritt der Ort erstmals im 13. Jahrhundert in Erscheinung. In einer Saarbrücker Urkunde tritt 1267 der Deutschordensritter Konrad von Reinheim (Rynheim) als Bürge auf.[1]

Im Mittelalter hatten insbesondere die Herren von Forbach, Nassau-Saarbrücken, die Leininger, die Mauchenheimer und die Gentersberger (Bitsch) Rechte am Dorf. In der frühen Neuzeit gehörte das Dorf größtenteils zum Besitz der Blieskasteler Freiherren von der Leyen und der Grafschaft Nassau-Saarbrücken.

1525 ist in Reinheim erstmals eine Mühle überliefert. Das noch heute z. T. erhaltene Mühlengebäude (die „Alt Miehl“) aus späterer Zeit trägt auf dem Türsturz die Jahreszahl 1625. 1656 wurde der Galgen des bis dahin bestehenden Reinheimer Hochgerichts auf dem „Homerich“ niedergelegt und verbrannt.

Ab 1797 gehörte der Ort, wie alle linksrheinischen Gebiete, zu Frankreich. Nach der Neuordnung aufgrund des Wiener Kongresses war das Dorf ab 1816 bayerisch.

1861 ist eine Erweiterung der alten steinernen Rundbogenbrücke über die Blies überliefert, deren Erbauungsjahr unbekannt ist. Die Brücke wurde am 8. September 1939 von deutschen Soldaten gesprengt. Eine Besonderheit der Brücke stellte ein kleines Heiligenhäuschen für den Brückenschutzpatron, den heiligen Johannes Nepomuk, dar.

Mit der Erbauung der Bliestalbahn war der Ort ab 1879 an ein Eisenbahnnetz angebunden und erhielt auch einen Bahnhof, der bis heute erhalten blieb. Ab 1923 gab es im Dorf elektrischen Strom, ab 1935/36 ermöglichte eine Wasserleitung fließendes Wasser in den Haushalten.

Im September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde das Dorf evakuiert. 1939 und 1945 erfuhr der Ort starke Zerstörungen. 75 % der Bausubstanz wurde zerstört. Dadurch verlor der Ort größtenteils seinen ursprünglichen Charakter als Bauerndorf.

Nach der Zerstörung der alten Rundbogenbrücke wurde 1955/56 die heutige Stahlbetonbrücke errichtet. Auf ihr steht heute wieder eine Statue des heiligen Nepomuk.

Ab 1956 war der Ort eine eigenständige Gemeinde. Seit der Gebiets- und Verwaltungsreform, die am 1. Januar 1974 in Kraft trat, gehört er zur Gemeinde Gersheim.[2] Heute sind die meisten Einwohner Berufspendler in die umliegenden Städte.

Politik[Bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Ortsrat (Kommunalwahl 2009):[3]

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Jürgen Wack (CDU).[4]

Natur und Landschaft[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung steht ausschließlich der Muschelkalk an. Die Bliesaue stellt aufgrund des hohen Grundwasserstandes und regelmäßiger Überflutungen einen wichtigen Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten dar. Die Uferböschungen der Blies säumen Schwarzpappeln, Weiden und Schwarzerlen. Nach Auswilderungen ist seit einigen Jahren der Biber wieder heimisch.

Wohl nichts ist charakteristischer für den Bliesgau als seine Streuobstwiesen, die neben vereinzelten Ackerflächen die Talhänge prägen. Im „Hochwald“ auf dem Höhenrücken nördlich des Dorfes dominieren Rotbuchen und Stieleichen.

Panorama von Reinheim (Gersheim)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick vom Fürstengrab auf den Ortskern
Grabungsfelder im Europäischen Kulturpark
"Reinheimer Kanne" mit "Reinheimer Pferdchen" (Bronze): Grabbeigabe, ausgestellt im rekonstruierten Grabhügel

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim[Bearbeiten]

Überregionale Bekanntheit erfuhr der Ort durch die Entdeckung eines frühlatènezeitlichen Fürstinnengrabes (um 400 v. Chr.) im Jahr 1954. Nach der Entdeckung (1987) einer herrschaftlichen Palastvilla aus römischer Zeit (1.-4. Jh. n. Chr.) sowie einer römischen Kleinstadt vicus (1.-5. Jh. n. Chr.) im benachbarten Bliesbruck (1971) erfolgte im Jahr 1989 die Gründung eines Archäologieparks unter dem Namen Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim.

Das weitläufige Parkgelände umfasst neben den konservierten und z. T. rekonstruierten Mauerzügen der römischen Kleinstadt und Palastvilla auch einen Schutzpavillon für die Überreste der antiken Thermen, zwei Museumsgebäude, eine begehbare Rekonstruktion des keltischen Fürstinnengrabes und ein im Sommer 2013 eröffnetes Restaurant.

Weinbau[Bearbeiten]

Die frühesten Belege für Weinbau in Reinheim stammen aus dem 16. Jahrhundert. 1877 wird "Rhinnemer" Rother erwähnt. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts setzt ein langsamer Zerfall der Weinbautradition ein. 1928 sind noch fünf Weinbergbesitzer belegt. Nach der Instandsetzung einiger alter Rebanlagen wird seit ein paar Jahren wieder Wein angebaut.

Sportvereine[Bearbeiten]

  • Fußball: SF 1921 Reinheim - der Verein spielt in der Bezirksliga Homburg
  • Tennis: TC Reinheim '86

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Trofeo Karlsberg jährlich stattfindendes Junioren Weltcup Radrennen
  • jährlicher Rosenmontagsumzug
  • "Begegnungen auf der Grenze". Jährlich (Mai bis Oktober) stattfindendes, deutsch-französisch-polnisches Kultur-Festival
  • Vita Romana. Im August stattfindendes Römerfest im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

Literatur[Bearbeiten]

  • Mußzeyko, Wolfgang; Müller, Gerda: Reinheim an der Blies. Aus der Geschichte eines Grenzdorfes, 2 Bände (Gersheim 1990).
  • Rosemarie Müller: Reinheim. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 24, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003, ISBN 3-11-017575-4, S. 379–381.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reinheim (Gersheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saarbrücker Regesten Online 1267-12-11
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 809.
  3. Kommunalwahl 2009 (PDF; 93 kB)
  4. Ortsräte und Ortsvorsteher Auf: www.gersheim.de, abgerufen am 16. Mai 2013