Johannes Nepomuk

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Dieser Artikel behandelt den heiligen Johannes Nepomuk. Zu Johann Nepomuk oder Johannes Nepomuk als Vornamen siehe Nepomuk (Vorname).
St. Nepomuk, Darstellung aus dem 18. Jahrhundert

Johannes Nepomuk, auch Johannes von Nepomuk (tschechisch: Jan Nepomucký, auch Jan z Pomuku oder Jan z Nepomuku, * um 1350 als Johannes Welflin oder Wolfflin in Pomuk bei Pilsen; † 20. März 1393 in Prag) war ein böhmischer Priester und Märtyrer. Er wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen.

Leben[Bearbeiten]

Johannes Nepomuk entstammte vermutlich einer deutsch-böhmischen Familie und wuchs in Pomuk in der Nähe eines Zisterzienserstiftes auf. Sein Vater Welfin wirkte 1355 bis 1367 in Pomuk als Richter. 1369 wurde Johannes Nepomuk kaiserlicher Notar in der Kanzlei des Erzbistums Prag. 1373 bis 1383 benutzte er die Titel notarius, prothonotarius cancellarie und domesticus commensalis des Prager Erzbischofs. Nach der Priesterweihe 1380 übernahm er den Titel des Altarpriesters bei den Heiligen Erhard und Ottilie in der Veitskirche und wurde Pfarrer an der Wenzelskirche. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten von Prag (1381 Bacc. iur.) und Padua (1383–1387, 1387 Dr. iur. can.). Nach seiner Rückkehr aus Padua wirkte er als Kanoniker beim heiligen Ägidius. 1389 wurde er Kanoniker und Anwalt des Vyšehrader Kapitels. Im September desselben Jahres ernannte ihn der Prager Erzbischof Johann von Jenstein zu einem seiner beiden Generalvikare neben Nikolaus Puchník von Černice, der auch Offizial war. 1390 tauschte Johannes seine Pfarrei an der Wenzelskirche mit dem Amt des Erzdiakons von Saaz.

Nepomuk als Schüler bei den Zisterziensern
Stelle der Ertränkung Johannes von Nepomuks auf der Karlsbrücke

Wegen des Großen Abendländischen Schismas kam es zu einer Feindschaft zwischen König Wenzel IV. und dem Erzbischof Johann von Jenstein. In diesem Kampf ging es auch um die Ernennung von Bischöfen und die Übertragung hoher kirchlicher Ämter. 1392 übergab der Erzbischof König Wenzel eine Beschwerdeschrift, mit der er eine Klärung der kirchenrechtlichen Verhältnisse erreichen wollte, und in der es vor allem um die Unterdrückung der Kirche und des Klerus ging. Der König verweigerte eine Antwort und beabsichtigte, den kirchlichen und wirtschaftlichen Einfluss des Bischofs zu schmälern. Zu diesem Zweck plante er, das Gebiet des Erzbistums Prag durch Errichtung eines westböhmischen Bistums Kladrau zu verkleinern. Zur Dotation des Bistums sah er das reiche Benediktinerkloster Kladrau vor, dem 87 Dörfer unterstanden. Nach dem Tode des Kladrauer Abtes Racek sollte eigentlich der königliche Kandidat Wenzel Gerard von Burenitz zu dessen Nachfolger und gleichzeitig zum ersten Bischof des zu errichtenden Bistums Kladrau ernannt werden. Doch die Mönche wählten am 7. März 1393 ihren Mitbruder Olen zum Abt. Nach Vorlage des Wahlbriefs bestätigte der bischöfliche Generalvikar Johannes von Nepomuk am 10. März 1393 auf Weisung des Erzbischofs die Wahl sehr zügig innerhalb von drei Tagen. Der König konnte auf Grund seiner Abwesenheit – er befand sich gerade auf der Burg Křivoklát – die Einspruchsfrist nicht einhalten.

Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen wurde Johannes von Nepomuk verhaftet, gefoltert und schließlich von der Karlsbrücke aus in der Moldau ertränkt. Der Leib des im Wasser Treibenden soll dann von fünf Flammen umsäumt gewesen sein, weswegen Johannes von Nepomuk oft mit fünf Sternen um sein Haupt abgebildet wird. Der Bischof ließ ihn im Prager Veitsdom bestatten, und schon kurze Zeit später setzte seine Verehrung als Märtyrer ein, auch wenn die Heiligsprechung durch die Kirche erst Jahrhunderte später erfolgte.

Nepomuks Begräbnisstätte im Veitsdom wurde im 17. Jahrhundert von Joseph Emanuel Fischer von Erlach im Stil des Hochbarocks neu gestaltet. Das kunsthistorisch bemerkenswerte Hochgrab besteht aus 1,68 Tonnen Silber.

Legende und religiöse Bedeutung[Bearbeiten]

Hochgrab im Veitsdom

Nach der Legende, die zur Heiligsprechung des Johannes von Nepomuk führte, entsprang sein Streit mit dem König nicht dem kirchenpolitischen Konflikt, sondern seiner Weigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen. Demnach habe der Priester dem König nicht preisgeben wollen, was dessen von Wenzel der Untreue verdächtigte Frau ihm anvertraut habe. Deshalb habe Wenzel ihn foltern und anschließend von der Prager Karlsbrücke ins Wasser stürzen lassen.

Bereits im Dreißigjährigen Krieg ließ Graf Jaroslav Bořita von Martinitz in seinem Prager Palais eine Nepomukkapelle errichten. Der Prager Erzbischof Ernst Adalbert von Harrach bemühte sich in Folge als erster um die Heiligsprechung und wurde darin seit den 1670er Jahren auch von Kaiser Leopold I. persönlich unterstützt. Unter anderem sollte dadurch die Erinnerung an Johannes Hus verdrängt werden. Aber erst 1721 wurde Johannes von Nepomuk von Papst Innozenz XIII. selig und am 19. März 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen. So findet sich auf barocken Darstellungen aus den dazwischen liegenden Jahren nur das Attribut beatus statt sanctus. In der Folge erlangte Johannes von Nepomuk eine ungeheure Popularität bei allen Bevölkerungsschichten und drängte im 18. Jahrhundert den böhmischen Nationalheiligen Wenzel in den Hintergrund. Auch in den anderen Ländern der Habsburgermonarchie entstand ein reger Nepomukkult, der neben den österreichischen Ländern bis nach Pavia, ins Banat und die österreichische Walachei reichte. Obwohl nicht offiziell als solcher installiert, kann Nepomuk für die Zeit des Barock als »Staatsheiliger« des gesamten Habsburgerreiches gelten.

Festtag[Bearbeiten]

Festtag des Hl. Johannes Nepomuk ist der 16. Mai.

Patronate[Bearbeiten]

Statue am Beueler Rheinufer
Nepomukstatue auf der Karlsbrücke in Prag, Johann Brokoff, 1683
Nepomukstatue in Simonskall

Johannes von Nepomuk gilt als Schutzpatron

Daneben ist er Patron zahlreicher Kirchen. siehe: Johannes-Nepomuk-Kirche. Seine Hilfe wird erbeten bei Verleumdung, bei Wassergefahr und steht ein für Ehre und Verschwiegenheit.

Brückenheiliger[Bearbeiten]

Statuen des Heiligen stehen häufig auf oder neben Brücken. Eine der bekanntesten, 1683 von Johann Brokoff geschaffen, befindet sich auf der Prager Karlsbrücke an der Stelle, wo er in die Moldau gestürzt worden war.

Siehe auch: Johannisbrücke

Ikonographie[Bearbeiten]

Bildliche Darstellungen zeigen ihn meist mit einem Kreuz in einer Hand und bisweilen – als Zeichen der Verschwiegenheit – mit einer Hand vor dem Mund. Sein Heiligenschein zeigt fünf Sterne, die als die fünf Buchstaben des lateinischen Wortes tacui („ich schwieg“) gedeutet werden. Gelegentlich wird ihm stattdessen ein Putto mit Schweigegestus hinzugefügt. Als Zeichen seines kirchlichen Ranges trägt er in der Regel ein halblanges Cape, die Mozetta, meist aus Pelz (üblicherweise Feh oder Hermelin) oder aus Stoff. Weitere klerikale ikonographische Attribute sind das Birett und das Chorhemd.

Musik[Bearbeiten]

Johannes Nepomuk Messe (2006) in G-Dur von Gerald Spitzner.

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste von Nepomukstatuen

Heraldik[Bearbeiten]

Die rote Zunge im stilisierten Heiligenschein mit 5 Sternen ist als Attribut für den Heiligen in der Heraldik eine symbolische Darstellungsform.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert-Stifter-Verein (Hrsg.): Johann von Nepomuk. Variationen über ein Thema. Ausstellungskatalog. Texte von Karl B. Heppe, Johanna von Herzogenberg, Franz Matsche, Ferdinand Seibt u. a. München 1973
  • Christof Dahm: Johannes von Nepomuk. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 498–501.
  • Ferdinand Seibt: Johannes von Nepomuk. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 562 f. (Digitalisat).
  • Siegfried Seifert, Zdeňka Hledíková. In: Erwin Gatz: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, Bd. I, ISBN 3-428-10303-3, S. 590–592
  • Ivan Slavík: Čtení o sv. Janu Nepomuckém Strakonice 1993.
  • Vít Vlnas: Jan Nepomucký Česká legenda 1993.
  • Thomas Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 2 (= Herwig Wolfram: Österreichische Geschichte 1522–1699) Wien 2003, ISBN 3-8000-3987-7, S. 208ff.
  • Walpurga Oppeker: Eine Johannes Nepomuk-Bruderschaft und ihr Altar in der Pfarrkirche St. Stephan in Tulln. In: Hippolytus NF 32, St. Pölten 2011, S. 169-177.
  • Walpurga Oppeker: Zur Verehrung des heiligen Johannes von Nepomuk. In: Thomas Aigner (Hg.): Aspekte der Religiosität in der frühen Neuzeit, Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 10. St. Pölten 2003, S. 170-214;
  • Walpurga Oppeker: Johannes von Nepomuk – Bruderschaften in Österreich unter der Enns im Bereich der Bistümer Passau und Wien. In: Unsere Heimat 3-4, St. Pölten 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johannes Nepomuk – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien