Rheda

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Dieser Artikel beschreibt die ehemalige Stadt Rheda in Nordrhein-Westfalen. Zur gleichnamigen Stadt in Westpreußen siehe Reda.

51.858.292222222222270Koordinaten: 51° 51′ 0″ N, 8° 17′ 32″ O

Rheda
Höhe: ca. 70 m
Fläche: 27,06 km²
Einwohner: 22.045 (1. Jan. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 33378
Vorwahl: 05242
Karte

Lage von Rheda in Rheda-Wiedenbrück

Rheda ist ein Ortsteil der Stadt Rheda-Wiedenbrück im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh.

Geschichte[Bearbeiten]

Rheda war bis Ende 1969 eine selbstständige Stadt, die im Zuge der Kommunalreform am 1. Januar 1970 mit der Stadt Wiedenbrück und den Gemeinden Nordrheda-Ems, St. Vit, Batenhorst und Lintel zur neuen Stadt Rheda-Wiedenbrück zusammengeschlossen wurde.[2]

Rheda wurde frühestens im Jahre 1085, spätestens 1088 erstmals urkundlich erwähnt. Seit ihrer Ersterwähnung 1170 bis 1807/1815 war die Burg bzw. das spätere Schloss Rheda der Mittelpunkt der Herrschaft Rheda.

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelische Stadtkirche Rheda
  • Ev. Stadtkirche. Es handelt sich um eine kleine dreischiffige Hallenkirche, die durch Erweiterung einer älteren Heiligblutkapelle entstanden ist. Sie wurde ab 1611 in gotisierenden Formen errichtet. Der Westturm ist 1654 bezeichnet. Zur Ausstattung gehören zwei Epitaphien. Das bedeutendere der beiden wurde für den Drosten Friedrich von Twickel († 1639) vielleicht von Adam Stenelt aus Osnabrück geschaffen. Das achteckige Taufbecken, bezeichnet 1567, wurde bei der 1970/71 durchgeführten Innenrenovierung entdeckt. Reste des alten Kirchengestühls von 1623 (und aus späterer Zeit) befinden sich seit der letzten Kirchenrenovierung unter der Fürstenempore. Letztere entstand Anfang des 18. Jahrhunderts. Am Außenbau sind mehrere, ehemals auf dem Fußboden der Kirche befindliche Grabplatten angebracht, darunter die der Gräfin Sophia zu Bentheim-Tecklenburg († 1691) und die des Drosten Johannes von Bistram († 1685). Die Rhedaer Stadtkirche gilt als eine der frühesten protestantischen Kirchenbauten Westfalens.
  • Kath. Pfarrkirche St. Clemens.
    St. Clemens
    Der neuromanische Bau mit zwei Fronttürmen wurde 1910 von Ludwig Becker errichtet. Die mächtige, in Anlehnung an barocke Vorbilder gestaltete Orgel wurde 1984 durch die Firma Fischer + Krämer aus Endingen erbaut, da das alte Instrument als unzureichend angesehen wurde. Die alte Orgel wurde vermutlich noch vor 1677 durch Hinrich Klausing aus Herford für die Franziskanerkirche in Wiedenbrück geschaffen. 1851/52 wurde sie von der katholischen Kirchengemeinde Rheda angekauft und 1886 umgebaut. Dabei kam es zu einer Verbreiterung des Prospekts. 1911 wurde sie in die neue Pfarrkirche St. Clemens überführt. 1960 erfolgte eine Erweiterung und Restaurierung durch F. W. Stegerhoff, Paderborn. Beim Bau der neuen Orgel wurde das alte Hauptgehäuse restauriert und blieb als Rückpositiv erhalten.
  • Kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist.
    Pfarrkirche St. Johannes Baptist
    Moderner Kirchbau des Kölner Architekten Prof. Gottfried Böhm, gebaut 1964–19–66, Weihe am 1. Oktober 1966 durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger. Polygonaler Gemeinderaum mit sechs umgebenden polygonalen Seitenräumen, Ziegelmauerwerk, Glockenturm. Aufgrund von seit Anfang an bestehender Bauschäden (seitlich eindringendes Regenwasser) 1986 außen mit Titanzinkblechen verkleidet. Ausstattung: Triumphkreuz aus Mooreiche mit Bronze und Bergkristall des Wiedenbrücker Künstlers Hubert Hartmann; Kreuzwegstationen desselben Künstlers; spätgotische Madonnenstatue, süddeutsch; Johannes der Täufer, Skulptur des Künstlers Bernward Erlenkötter im Heiligenhäuschen auf dem Kirchplatz; Orgel der Fa. Speith, Rietberg, von 1967.
  • Schloss. Wasserburg auf künstlich aufgeworfenem Hügel.
  • Sogenanntes Fürstliches Witwenpalais, Steinweg 9. Der Massivbau mit Mittelrisalit, rustizierten Pilastern und vorgelagerter Freitreppe wurde ursprünglich 1766 als Wohnhaus der Brüder Girke errichtet.
  • Altes Amtsgericht, Berliner Straße 22. Der Putzbau von 1749 mit Mansarddach und Freitreppe wurde nach langer Bauunterbrechung erst um 1796 fertiggestellt. Im hinteren Teil des Grundstückes befinden zwei symmetrisch angeordnete Fachwerknebengebäude.
Rathaus Rheda
Fachwerkhäuser am Doktorplatz
  • Wohnbauten. Große Teile der Altstadt fielen in den 1970er Jahren der Stadtsanierung zum Opfer. Betroffen war vor allem die nähere Umgebung der Stadtkirche mit dem früheren Gänsemarkt (später Wilhelmsplatz, jetzt Rathausplatz). Etliche Bauten mussten 1972 dem nach Plänen von Harald Deilmann erstellten Rathausneubau weichen, der Dimensionen der kleinteilig bebauten Innenstadt vollkommen sprengte. Abgerissen wurde auch das alte Rathaus, einstmals Wohnhaus der Familie Fontaine, welches Wilhelm Fontaine 1855 der Stadt Rheda stiftete. Mit Lange Straße 25 (heute: Berliner Straße) von 1708 verschwand eines der schönsten Wohnhäuser des historischen Stadtkerns. Es wurde 1969 abgetragen und erst von 2007 bis 2010 im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut. In den Nebenstraßen blieb jedoch bis heute eine Reihe bescheidener Fachwerkgiebelhäuser des 16.–19. Jh. erhalten, so u. a. in der Kleinen Straße und in der Moosstraße. Ein besonders ansehnliches Straßenbild mit einfachen zweigeschossigen Dielenhäusern bietet die Straße "Am Großen Wall". An Einzelbauten sind hervorzuheben:
    • Berliner Straße 19 (Hotel am Doktorplatz). Das ehemalige Witwenhaus der Susanna Schwengers, dessen Giebeldreieck über Knaggen mehrfach vorkragt, ist 1732 bezeichnet. Die verputzten Gefache sind mit einer Ziegel imitierenden Bemalung versehen.
    • Doktorplatz 5 (Gaststätte „Münze“). Der eingeschossige Fachwerkbau mit seitlichem Anbau wurde 1604 als erstes Apothekerhaus der Ortes erbaut. Er wurde 1875 unter Verwendung von Balken der ehemals im Orangeriegarten befindlichen Alten Münze durchgreifend erneuert.
    • Doktorplatz 6 (Gaststätte Neuhaus). Das große Fachwerkgiebelhaus wurde 1716 für den Kaufmann Andreas Wilmans errichtet. Das über der ehemaligen Diele befindliche Speichergeschoss wurde wohl erst nachträglich aufgesetzt. Im Gegensatz zu den übrigen, ausgesprochen schlichten Fachwerkhäusern der Innenstadt verfügt es über einen reich beschnitzten Torbalken mit Wappen.
    • Großer Wall 44. Durchgangsdeelenhaus von 1644.
    • Großer Wall 68 (ehem. Bäckerei Heiringhoff). Der um 1565 entstandene Vierständerbau ist einer der ältesten erhaltenen Fachwerkbauten in Rheda. Er wurde 2012–2013 saniert und in ein Mehrgenerationenhaus umgewandelt.
    • Hoppenstraße 10. Fachwerkgiebelhaus des 16. Jh. Das große Dielentor wurde vor einigen Jahren wieder hergestellt.
    • Kleine Straße 3, erbaut 1619.
    • Kleine Straße 8/10, Traufen-Doppelhaus, um 1550–1600.
    • Kleine Straße 9, 1620 errichtet.
    • Nadelstraße 2. Das ehemalige Pastorat ist 1732 bezeichnet.
  • Domhof, ehemals Sitz des gräflichen Stadt- und Landrichters, Am Domhof 1. Stattlicher Vierständer-Fachwerkbau mit Diele, errichtet 1616 durch Eberhard Huck. Die alte Raumaufteilung ist weitgehend erhalten. Beachtenswert ist der Saal mit bemalter Holzbalkendecke im Stil der so genannten „Lipperenaissance“ von 1663. In den Jahren 1986–1988 wurde das ursprünglich zum Abriss vorgesehene Gebäude umfassend restauriert.
  • Drostenhof, Berliner Straße 52 (Kunsthaus Artes). Von der Hofanlage ist lediglich das Wohnhaus überkommen. Es liegt heute eingezwängt zwischen Neubauten und einem Parkdeck etwas abseits der Berliner Straße. Der verputzte Bruchsteinbau mit Walmdach und großem Einfahrtsportal ist durch Maueranker am Außenbau 1607 bezeichnet. Bauherr war Friedrich von Twickel, der Stellvertreter des Landesherrn. 1721 wurde das Gebäude durch J. Jörgens umgebaut. Auf diesen Umbau dürfte die gartenseitige Freitreppe zurückgehen. Im Inneren blieb eine barocke Balustertreppe erhalten.
  • Auf dem evangelischen Friedhof liegt das Mausoleum der Fürsten zu Bentheim-Tecklenburg, das nach 1830 in klassizistischen Formen erbaut wurde. 1859 wurde durch H. Kaupisch ein Umbau durchgeführt.
  • Gedenkstein für die ehemalige Synagoge am Steinweg
  • Gedenkstein am Ort der früheren Raemmelkenbrücke nach Oelde
  • Naherholungsgebiet Rhedaer Forst

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rheda-wiedenbrueck.de/freizeit_und_kultur/Stadtportrait/zahlen/Daten_zu_Rheda-Wiedenbrueck.php
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 110.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Rheda-Wiedenbrück – Quellen und Volltexte