Landesgartenschau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Landesgartenschau (in Deutschland Abk. LGS oder auch LaGa) ist eine in mehreren deutschen und österreichischen Bundesländern stattfindende Ausstellung zum Gartenbau. In Deutschland bildet eine Landesgartenschau auf Landesebene das kleinere Pendant zur Bundesgartenschau, in Österreich gibt es dazu bisher kein Pendant.

Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Erste deutsche Landesgartenschau 1970–1971, Grefrath (NRW), Schwingbodenpark mit Turm (im Bau)

Landesgartenschauen finden in Deutschland seit 1980 in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern statt. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits 1970 eine erste Landesgartenschau, andere deutsche Bundesländer übernahmen das Modell später. Auch in den österreichischen Bundesländern Ober- und Niederösterreich finden seit mehreren Jahren in abwechselnd zweijährigem Turnus Landesgartenschauen statt. 1980 fand die bundesweit erste grenzüberschreitende Landesgartenschau in Ulm/Neu-Ulm (Baden-Württemberg/Bayern) statt. Die Idee zur Durchführung von Landesgartenschauen ging vor allem aus der Planung der Bundesgartenschau in Stuttgart 1977 hervor.[1]

Ziele und Finanzierung[Bearbeiten]

Durch die Landesgartenschauen soll die Lebensqualität und das ökologische Klima in den Städten verbessert werden. Häufig dienen die Gartenschauen auch stadt- bzw. regionalpolitischen Entwicklungszielen. Deshalb werden Gartenschauen häufig nicht in besonders schönen Landschaften platziert, sondern im Gegenteil eher in solchen Ortsteilen, die eine besondere Benachteiligung aufweisen (z. B. durch Bergbauschäden), wo sie strukturfördernd wirken und dabei helfen, städteplanerische Ziele zu verwirklichen. Die Investitionen, die im Rahmen der LGS getätigt werden, verhelfen dem jeweiligen Ortsteil zu größerer und i. d. R. auch bleibender Attraktivität. Außerdem sind Landesgartenschauen heute auch Maßnahmen des Stadtmarketings, da sie als ein halbes Jahr dauernde Großveranstaltung auch den Bekanntheitsgrad einer Stadt vergrößern können.

Die Kommunen, die oft mit Hilfe von Landesmitteln eine LGS realisieren, gehen ein kalkuliertes finanzielles Risiko ein. Während einige LGS mit einer „schwarzen 0“ oder sogar mit leichten Gewinnen abschließen, überschritten andere ihren Etat und mussten nachträglich bezuschusst werden. Besonders in Kommunen mit angespannter Haushaltslage sind Landesgartenschauen deshalb trotz ihrer langzeitigen Vorteile manchmal umstritten, in einigen Fällen kam es darüber bereits zu Bürgerbegehren bzw. Bürgerentscheiden.

Gartenschauen in den einzelnen Bundesländern[Bearbeiten]

Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Die Mimrambrücke auf der binationalen Landesgartenschau 2004 in Kehl und Straßburg („Gartenschau der zwei Ufer“)
Grünprojekt 2005 in Ladenburg
Grünprojekt 2011 in Horb am Neckar

Von 1980 bis 2000 wurden in Baden-Württemberg jährlich die „großen Landesgartenschauen“ veranstaltet. Seit 2001 finden sie jährlich im Wechsel mit den „kleinen Landesgartenschauen“, den so genannten „Grünprojekten“, statt.[2] Das Land stellt bei Grünprojekten einen Zuschuss in Höhe von maximal zwei Millionen Euro beziehungsweise bei Landesgartenschauen in Höhe von maximal fünf Millionen Euro in Aussicht, wobei die Kommunen auch entsprechende Eigenleistungen zu erbringen haben.[3] Bis 2010 hat das Land fast 80 Millionen Euro Landeszuschüsse gewährt. Dies bewirkte auf Seiten der Kommunen mindestens das Dreifache, teils sogar das Siebenfache an Investitionen; sie investierten etwa 153 Millionen Euro: Hierbei wurden rund 625 Hektar Grünanlagen geschaffen, neu gestaltet und dauerhaft gesichert. Die Landesgartenschauen und Grünprojekte sind Impulsgeber für umfassende strukturelle Entwicklungen, die für Aufbruchstimmung in den Kommunen sorgen und deren wirtschaftliche Entwicklung stärken.[2] Eine Fachkommission bewertet die Bewerbungen und beurteilt die eingereichten Konzepte vor Ort.[3] Der Ministerrat vergibt dann in einer Kabinettsitzung die Landesgartenschauen und Grünprojekte.[2]

Die letzte stark besuchte Landesgartenschau in Baden-Württemberg war vor der Einführung der „Grünprojekte“ im Jahr 2001 die Landesgartenschau 1992 in der „Goldstadt“ Pforzheim mit einer Spitzenbesucherzahl von 1,6 Mio. Danach gingen auch auf Landesebene die Besucherzahlen jeweils deutlich unter eine Mio. Besucher zurück, nachdem auch nach der „Internationalen Gartenbauausstellung 1993“ in der Landeshauptstadt Stuttgart mit 7,3 Mio. Besuchern die nachfolgenden Bundesgartenschauen deutlich unter drei Mio. Besuchern blieben. Daher entschied die Landesregierung bereits 1996, in Baden-Württemberg ab 2001 alle zwei Jahre jeweils die kleineren „Grünprojekte“ durchzuführen.

Bayern[Bearbeiten]

Im Bundesland Bayern gibt es seit 1990 im Zweijahresrhythmus die Landesgartenschauen. In den ungeraden Zwischenjahren gibt es seit 1995 die „Kleinen Gartenschauen“ unter dem Motto Natur in der Stadt, in denen konkrete Verbesserungen der Grün- und Erholungsstrukturen in den ausrichtenden Kommunen präsentiert werden.[4] Der Bayerische Oberste Rechnungshof hält die Vergabe der Gartenschauen in Bayern für intransparent und hat gefordert, sie auf eine neue Grundlage zu stellen.[5]

LGS 2000 in Memmingen
LGS 2002 in Kronach
Logo der Landesgartenschau 2013 in Tirschenreuth

Brandenburg[Bearbeiten]

Hessen[Bearbeiten]

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten]

Aussichtsturm auf dem Gelände der Landesgartenschau Wismar

Ursprünglich wurde für 2014/2015 eine weitere Landesgartenschau anberaumt. Diese wurde zunächst ausgesetzt, da die Bewerber Güstrow und Putbus jeweils kein finanziell nachhaltiges Konzept vorlegen konnten. Dennoch soll es künftig wieder Landesgartenschauen in Mecklenburg-Vorpommern geben können.[8]

Niedersachsen[Bearbeiten]

Blick vom Aussichtsturm auf die Landesgartenschau Bad Zwischenahn

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten]

Rheinland-Pfalz[Bearbeiten]

Sachsen[Bearbeiten]

Sachsen-Anhalt[Bearbeiten]

Landesgartenschau Wernigerode

Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

Thüringen[Bearbeiten]

Rekonstruierter Industriebereich in Pößneck, umgestaltet 2000

Österreich[Bearbeiten]

Oberösterreich[Bearbeiten]

Hüpfburg „Grasi“ bei der Oberösterreichischen Landesgartenschau „Botanica“ 2009 in Bad Schallerbach

Der erste OÖ. Landesgartenschau fand 1997 im damaligen Vogelpark Schmiding in der Gemeinde Krenglbach statt.

Niederösterreich[Bearbeiten]

  • 2006: Kamptal
  • 2008: Garten Tulln und Schlosspark Grafenegg (Im Gegensatz zur bisherigen Praxis andernorts wird in Niederösterreich mit dem Konzept der „permanenten Landesgartenschau“ künftig keine einmaligen Ereignisse stattfinden, von denen höchstens Teilbereiche erhalten bleiben, sondern eine dauerhafte Einrichtung geschaffen werden.)
  • 2010: Raum Baden (Baden, Bad Vöslau und Laxenburg)
  • 2012: Raum Wachau

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landesgartenschau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesweit 1. Landesgartenschau Ulm/Neu-Ulm. Jahr 1980 in der Online-Ausstellung 100 Jahre Landschaftsarchitektur des bdla. Abgerufen am 2. Mai 2014.
  2. a b c Martin Baur: „Wie eine Schneekönigin“. In: Südkurier vom 23. Juni 2010
  3. a b Martin Baur: Ausgewählte Kommunen. In: Südkurier vom 23. Juni 2010
  4. Webpräsenz der Bayerischen Landesgartenschauen
  5. Bayerischer Oberster Rechnungshof: Jahresbericht 2014 TNr. 22
  6. „Landesgartenschau 1990 Würzburg“. Website der Bayerischen Landesgartenschauen Abgerufen am 21. April 2011.
  7. LHE: „Im Zauber des Kurparks“: Bad Schwalbach richtet Gartenschau 2018 aus. In: Rhein-Main-Zeitung/FAZ. 22. Mai 2012, abgerufen am 22. Mai 2012.
  8. Vorläufig keine Landesgartenschau in Mecklenburg-Vorpommern. Schweriner Volkszeitung, 24. Januar 2012, abgerufen am 2. Dezember 2013.
  9. Michael Thalken: Blütezeit in Kommern. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 20. August 2007
  10. Eröffnung der Landesgartenschau wird auf 2015 verschoben. Landesgartenschau Landau 2015 gemeinnützige GmbH, abgerufen am 10. September 2013.
  11. Staatskanzlei Sachsen-Anhalt: „Burg richtet Landesgartschau 2018 aus“ (PDF; 64 kB)
  12. Landesgartenschau 2016: Eutin erhält den Zuschlag