Robert Gilbert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Robert Gilbert (* 29. September 1899 in Berlin; † 20. März 1978 in Minusio, Schweiz; eigentlich Robert David Winterfeld; Pseudonym: David Weber) war ein deutscher Textdichter, Lyriker, Komponist, Sänger und Schauspieler.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater war Max Winterfeld, der sich mit Künstlernamen Jean Gilbert nannte, seine Mutter arbeitete als Modistin, und sein Bruder war der Kinder- und Jugendbuchautor Henry Winterfeld.

Robert Gilbert wurde im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs 1918 Soldat und kam in Kontakt zu den Spartakisten (Spartakusbund), die das politische Bewusstsein des 19-jährigen weckten. Nach Kriegsende studierte Robert Gilbert Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin und Freiburg im Breisgau und war aktiv an politischen Demonstrationen und an Wahlkämpfen dieser Zeit beteiligt.

Doch sein Berufsweg wurde von seinem Talent bestimmt. Er verfasste, zuerst noch zusammen mit seinem Vater, Operetten, Schwänke, Revuen und Schlager. Im Laufe seines Lebens schrieb er für rund 60 Operetten die Libretti, für rund 100 Tonfilme die Gesangstexte und komponiert als musikalischer Autodidakt zahlreiche Schlager mit eigenen Texten. Als er 24-jährig heiratete, schrieb er für den später als Frederick Loewe bekannt gewordenen Komponisten seinen ersten Schlagertext Kathrin, du hast die schönsten Beine von Berlin.[1]. Bald wurde Gilbert auch einer der begehrtesten Texter für die Musikfilme und Komponisten seiner Zeit. Ob nun für die Regisseure und Komponisten Frederick Loewe, Nico Dostal, Hermann Leopoldi, Friedrich Hollaender, Werner Richard Heymann, Ralph Benatzky und Erik Charell oder für die Schauspieler Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Paul Hörbiger, Zarah Leander und Willi Forst, stets waren seine Lieder überaus erfolgreich.

Außerdem verfasste er politische Couplets, wie Die Ballade vom Nigger Jim für Hanns Eisler. Zusammen mit Hanns Eisler arbeitete er unter dem Pseudonym David Weber an Arbeiterkampfliedern (Auf den Straßen zu singen, Stempellied, Ballade von der Krüppelgarde, Das Lied eines Arbeitslosen), die auch Ernst Busch in sein Repertoire aufnahm, sowie an einer Oper über die Arbeitslosigkeit 150 Mark. 1929 waren Gilbert und Eisler beim Musikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) in Baden-Baden mit der Rundfunkkantate Tempo der Zeit vertreten. 1931 wurde in Berlin seine Tochter Marianne geboren. Da Gilbert keine Kinder wollte, kam es im selben Jahr zu einer Trennung des Ehepaares; erst vier Jahre später kehrte er zu seiner Frau Elisabeth, genannt Elke, zurück.

In der Zeit seiner größten Erfolge wurde er nach der „Machtergreifung“ als Jude im Sinne der nationalsozialistischen Gesetze verfemt und musste wegen der rassistischen Politik Deutschlands emigrieren. Erste Station seines Exils war Wien, nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 musste er weiter und ging nach Paris. Am 25. März 1939 verließ er mit seiner Familie in Cherbourg Frankreich, um endgültig in die USA zu fliehen. Das Leben der Familie im Exil in New York wird in einem Buch von Marianne (Gilbert Finnegan) beschrieben.[2] 1944 nahm er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

1949 kam Gilbert nach Deutschland zurück, lebte in München und komponierte und dichtete für das Münchner Kabarett Die Kleine Freiheit. Bald verließ er auch endgültig seine Frau Elke.[3] 1954 wurde er wieder deutscher Staatsbürger und übersiedelte in den Schweizer Kanton Tessin. Jetzt machte sich Gilbert seine englischen Sprachkenntnisse zunutze und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Übersetzer von insgesamt 20 amerikanischen Musicals, darunter My Fair Lady, Oklahoma!, Hello, Dolly!, Cabaret und Annie Get Your Gun.[1] 1961 kam Gilberts Schlager Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn – 30 Jahre nach seiner Entstehung – als Musik in einem Schlagerfilm in die Hitparaden. Gilbert war mit Heinrich Blücher und dessen Ehefrau, der Philosophin Hannah Arendt, befreundet.[4] Er starb im Alter von fast 79 Jahren in seinem Haus in Minusio bei Locarno.

Grab Robert Gilberts in Minusio

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Schlagertexte, Libretti und Kompositionen (eine Auswahl)[Bearbeiten]

Buchveröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Stimme des Mörders, Kriminalroman, Linz ; Pittsburgh ; Wien : Ibis-Verlag 1947
  • Meckern ist wichtig – nett sein kann jeder, Neuauflage Berlin : arani, 1982 ISBN 3-7605-8560-4
  • Im weissen Rößl, 1951, Neuauflage Heyne-Bücher ; Nr. 5160, ISBN 3-453-00536-8
  • Vorsicht! Gedichte, Berlin : Blanvalet 1951
  • Frischer Wind aus der Mottenkiste, Berlin : Blanvalet 1960
  • Odyssee von der Spree, 1967
  • Durch Berlin fließt immer noch die Spree, Berlin-Wannsee : Blanvalet, 1971, ISBN 3-7645-2555-X

Literatur[Bearbeiten]

Sachbuch

  • Hannah Arendt: Robert Gilbert. In: Menschen in finsteren Zeiten. Hrsg. v. Ursula Ludz. Piper, München 1989, 2001, S.290–297. ISBN 3-49203-360-1
  • Joachim Schlör: Leerstelle Berlin 1951. Robert Gilbert und die Folgen dieser heillosen Jahre, in Nils Grosch & Wolfgang Jansen, Zwischen den Stühlen. Remigration und unterhaltendes Musiktheater in den 1950er Jahren. Reihe: Populäre Kultur und Musik, 4. Waxmann, Münster 2012 (Ursprünglich: Symposium der Universität der Künste Berlin 2010 Rezension)

Memoiren:

  • Marianne Gilbert Finnegan: Das gab's nur einmal : verloren zwischen Berlin und New York . Aus dem Amerikan. von Renate Orth-Guttmann. Diogenes, Zürich 2007. ISBN 978-3-257-06580-0. Memoiren der Tochter Robert Gilberts

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Biographie
  2. Marianne Gilbert Finnegan "Memories of a Mischling" und „Das gab's nur einmal. Verloren zwischen Berlin und New York“
  3. Marie Luise Knott: „Deutschland im Dreck, eia weia weg“. In: Der Tagesspiegel vom 2. Juni 2007
  4. Brief von Robert Gilbert an Hannah Arendt vom 8. Oktober 1974 (Version vom 14. Juli 2007 im Internet Archive) Ferner öfters erwähnt in der Arendt-Biographie: Elisabeth Young-Bruehl, H. A. – Leben, Werk und Zeit. Fischer, Frankfurt 1986
  5. In Liederbestenliste des Vereins deutschsprachige Musik, 2011 [1]