Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
Logo Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim.svg
Daten
Ort Hildesheim
Art Historisches Museum
Eröffnung 1844
Betreiber Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim GmbH; alleiniger Gesellschafter ist die Stadt Hildesheim
Leitung Regine Schulz
Website www.rpmuseum.de
Roemer- und Pelizaeus-Museum

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim ist ein durch seine bedeutende Altägyptensammlung weltweit bekanntes Museum in Hildesheim, das nach Hermann Roemer und Wilhelm Pelizaeus benannt ist. Daneben verfügt dieses Museum über eine beachtliche Altperusammlung, die zweitgrößte Sammlung chinesischen Porzellans in Europa, sowie eine umfangreiche naturkundliche Sammlung mit über 300.000 Objekten.

Geschichte[Bearbeiten]

Statue des Hemiunu im Roemer- und Pelizaeus-Museum

Das Roemer-Museum Hildesheim wurde 1844 von einem Verein ins Leben gerufen, seitdem gilt der Jurist, Senator und Geologe Hermann Roemer als Museumsgründer.

Der rund 40 Jahre in Kairo lebende Kaufmann, Bankier und Konsul Wilhelm Pelizaeus stiftete 1907 seine Sammlung ägyptischer Funde seiner Heimatstadt. Am 29. Juli 1911 wurde das Pelizaeus-Museum eröffnet. Die Alt-Ägypten-Sammlung des Roemer- und Pelizaeus-Museum umfasst heute etwa 9.000 Objekte aus allen Epochen, von der Vorgeschichte bis in die römische und christliche Zeit Ägyptens, umspannt damit also einen Zeitraum von über 5.000 Jahren. Den wichtigsten und größten Schwerpunkt bilden die Objekte des Alten Reiches (um 2707–2170 v. Chr.), die fast ausnahmslos aus den Grabungen auf dem Pyramidenfriedhof von Gizeh stammen. Daher gehört das Museum zu den wichtigsten Orten neben den Museen in Kairo und Boston, an denen man die Zeugnisse der Pyramidenzeit studieren kann.

Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts nutzte das Museum die Künste der Firma Metallkunst Herrenhausen, um Nachgüsse für fehlende oder beschädigte Teile der Altägyptischen Sammlung anfertigen zu lassen.[1]

Die Sammlung verfügt über weitere sehenswerte Schwerpunkte von hohem internationalem Rang; dazu zählen etwa die Stelen aus der Ramessidenzeit (13. Jh. v. Chr.), auf denen die Verehrung Ramses II. in Gestalt seiner Statuen dargestellt ist, sowie die Kultkapelle des Gottes Osiris-Pavian aus Tuna el-Gebel (um 300 v. Chr.).

Die Sammlung chinesischen Porzellans ging 1927 nach dem Tode von Ernst Ohlmer auf das Museums über. Die Sammlungen und das Museum sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Besitz der Stadt übergeben worden. Seit 1992 befinden sich 150 Gemälde der Künstlerin Waltraute Macke-Brüggemann und ein Großteil ihres grafischen und zeichnerischen Werkes als Waltraute-Macke-Brüggemann-Stiftung im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim.

In den Jahren 1998 bis 2000 konnte, auch durch breite Unterstützung von Hildesheimer Initiativen und Vereinen, ein Neubau für das Museum umgesetzt werden. Im Zuge des Neubaus wurde das Museum aus der Stadtverwaltung ausgegliedert, so dass es seit 2000 als gGmbH unabhängiger agieren kann. Das Museum erhält weiterhin einen jährlichen finanziellen Zuschuss von der Stadt Hildesheim.

Insbesondere zur Zeit des laufenden Neubaus wurden ausgewählte Stücke der altägyptischen Sammlung zu sehr erfolgreichen Sonderausstellungen nach Amerika und Asien verliehen. Neben den sehenswerten Dauerausstellungen ist das Museum besonders durch seine Sonderausstellungen bekannt geworden. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Reputation gelang es dem Museum auch immer wieder, außergewöhnliche internationale Ausstellungen nach Hildesheim zu holen. Eng mit diesen Leistungen verknüpft ist der Name des langjährigen Museumsdirektors Arne Eggebrecht.

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Direktoren
wissenschaftliche Mitarbeiter
  • Bettina Schmitz (1978-2012)
  • Helga Stein (1979-2002)
  • Arnulf Siebeneicker (2008-2011)
  • Ulrich Menter (seit 2010)

Sammlungsgebiete[Bearbeiten]

  • Alt-Ägypten, Schwerpunkt: das Alte Reich, Horbeit-Stelen
  • Alt-Peru
  • Naturkunde
  • Asien
  • Ethnologische Sammlungen sind zu Forschungszwecken zugänglich: Schwerpunkt Südsee und Afrika
  • Gemäldesammlung regionaler Künstler des 19. Jahrhunderts und der Moderne, wie z. B. Waltraute Macke-Brüggemann
  • Stadtgeschichte, ausgestellt im Knochenhaueramtshaus
  • Das Museum hat in seinem Bestand die ältesten großformatigen Fotografien von Hildesheim-Ansichten gefunden, die der Hamburger Georg Koppmann Weihnachten 1871 über den Gerstenberg Verlag vertrieb.[2]
  • Zeichnungen und Drucke
  • „Museum der Sinne. Kultur- und Erdgeschichte barrierefrei erleben!“
    • Ziel der neuen Dauerausstellung ist eine Barrierefreiheit für Alle. Das Konzept beinhaltet u.a. leicht nutzbare Installationen, freier Zugang zu den Objekten, ein spezielles Audio- und Guidesystem, Texte in Groß- und Brailleschrift und Monitore mit Infos in Gebärdensprache.

Sonderausstellungen[Bearbeiten]

  • 2013: Gegenwelten. Die unsichtbare Seite der Dinge
  • 2012: Die Macht der Toga. Mode im römischen Weltreich
  • 2011: Wilhelm Pelizaeus - Kaufmann, Sammler, Museumsgründer
  • 2011: Giza - Am Fuß der großen Pyramiden
    • Ausstellung über die Ausgrabungen Georg Steindorffs und Hermann Junkers auf dem Giza-Plateau. Wilhelm Pelizaeus finanzierte die Grabungen und erhielt durch Fundteilung verschiedene Objekte. Gezeigt werden Funde aus vier Gräbern, die 100 Jahre nach ihrer Entdeckung im ursprünglichen Kontext präsentiert werden. Zu den Ausstellungsstücken aus dem Hildesheimer Museum kommen Leihgaben u. a. aus Leipzig, München und dem Ägyptischen Museum in Kairo.
  • 2010: Zypern – Insel der Aphrodite
    • Gezeigt wurden über 200 Exponate aus Sammlungen zyprischer Kunst, 116 davon steuert die Republik Zypern bei, darunter die berühmte späthellenistischen Aphrodite-Statue, die Taucher vom Meeresgrund vor Nea-Paphos bargen. Diese wird erstmals in Deutschland gezeigt. Weitere Exponate stammen aus dem Louvre und deutschen Zypern- Sammlungen.
  • 2008-2009: Paradiese der Südsee. Mythos und Wirklichkeit
  • 2007-2008: Maya. Könige aus dem Regenwald
  • 2006-2007: Schönheit im Alten Ägypten. Sehnsucht nach Vollkommenheit
  • 2006: Kult um den Ball : auf den Spuren des Fussballs
  • 2006: Playmobil. Entdecke die Welt
  • 2005-2006: Europa und Ägypten. Kulturbegegnungen von den Griechen bis zu Winckelmann
  • 2005: Aus der Wunderkammer Chiddingstone Castle. Pharaonen-Buddhas-Samurai
  • 2004: Meisterwerke Ägyptischer Kunst. Schätze aus dem Myers Museum am Eton College
  • 2003 - 2004: Jenseits der Großen Mauer. Antike Bronzen der asiatischen Steppenvölker aus der Arthur M. Sackler Foundation, New York
  • 2003: Placido Zuloaga. Spanische Schätze aus der Sammlung Khalili, London
  • 2002-2003: Napoleon Bonaparte - Zar Alexander I. Epoche zweier Kaiser
  • 1999: EisZeit. Das große Abenteuer der Naturbeherrschung
  • 1998: James Bond. Spieler und Spion
  • 1995: Versunkene Königreiche Indonesiens
  • 1994: China, eine Wiege der Weltkultur. 5000 Jahre Erfindungen und Entdeckungen
  • 1994: Geheimnisvolles altes Mexiko. Die Kunst der Azteken
  • 1993: Dinosaurier
  • 1992: Die Welt der Maya. Archäologische Schätze aus drei Jahrtausenden
  • 1990-1991: Ägypten – Suche nach Unsterblichkeit (auch Suche nach Unsterblichkeit – Totenkult und Jenseitsglaube im Alten Ägypten.)
    • Da das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim unter großen Platzproblemen litt, konnten nur Teile des Bestandes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sporadisch wurde diese Dauerausstellung durch thematische Sonderausstellungen ergänzt. Organisiert wurde die Ausstellung von der Ägyptologin Bettina Schmitz. Aus dem Magazinbestand des Museums wurden Artefakte zusammengestellt, die mit den zum Teil recht verschiedenen Jenseitsvorstellungen und den unterschiedlichen Totenkulten zusammenhingen. Der Katalog verzeichnet 38 zum Teil hochklassige und mehrteilige Ausstellungsstücke. Dazu gehören Mumien, Mumienmasken, Sarkophage und Särge, Amulette, Grabreliefs, Uschebti-Figuren, Kanopen, Darstellungen von Totengöttern in verschiedenen Formen und ein Totenbuch. Den Katalog vervollständigten Auszüge aus ägyptischen Totenbüchern. Zur Ausstellung gehörten auch vom US-amerikanischen Ägyptologen Norman de Garis Davies zwischen 1907 und 1910 angefertigte Kopien der Wandmalereien aus dem Grab des Nacht, die jedoch nicht im Katalog aufgeführt wurden. Sie wurden 1991 im Rahmen der Ausstellung gezeigt und vom Besitzer der Arbeiten, dem Metropolitan Museum of Art, erstmals in Europa präsentiert.
  • 1988: Albanien. Schätze aus dem Land der Skipetaren
  • 1986: Glanz und Untergang des Alten Mexico. Die Azteken und ihre Vorläufer
  • 1979: Götter und Pharaonen
  • 1978: Sumer, Assur, Babylon. 7000 Jahre Kunst und Kultur zwischen Euphrat und Tigris

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Kayser: Die ägyptischen Altertümer im Roemer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim. Gerstenberg, Hildesheim 1973.
  • Manfred Boetzkes (Hrsg.): Welten in Vitrinen. Die Sammlungen des Römer-Museums in Hildesheim. Faksimile des Sammlungsführers von 1914. Römer-Museum, Hildesheim 1994, DNB 975983369.
  • Maike Kozok: Vom Kloster zum Museum – Studien zur Baugeschichte des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim. Gerstenberg, Hildesheim 2008, ISBN 978-3-8067-8713-9.
  • Das Alte Ägypten in Hildesheim.
    • Bd. 1: Martin von Falck, Bettina Schmitz: Das Alte Reich. Ägypten von den Anfängen zur Hochkultur. von Zabern, Mainz 2009, ISBN 978-3-8053-4073-1.
    • Bd. 2: Martin von Falck, Katja Lembke, Britta Rabe: Das Leben am Nil und der Alltag im alten Ägypten. von Zabern, Mainz 2011, ISBN 978-3-8053-4285-8.
  • Die ganze Welt in Hildesheim. Die Ethnologische Sammlung des Roemer- und Pelizaeus-Museums Hildesheim. In: Gundolf Krüger, Ulrich Menter, Jutta Steffen-Schrade (Hrsg.): TABU?! Verborgene Kräfte - Geheimes Wissen. Imhof, September 2012, ISBN 3-86568-864-0, S. 108–113 und zahlreiche Abbildungen aus dem Museumsbestand.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günther Roeder: Ägyptische Bronzewerke im Pelizaeus-Museum. Augustin, Glückstadt/ Hamburg/ New York 1937 In: Wissenschaftliche Veröffentlichung. Pelizaeus-Museum zu Hildesheim, teilweise online.
  2. Ludwig Hoerner: Photographie und Photographen in Hannover und Hildesheim. Festschrift zum 150jährigen Geburtstag der Photographie. Herausgegeben von den Photographen-Innungen Hannover und Hildesheim, hergestellt im Berufsförderungswerk Bad Pyrmont in den Ausbildungsberufen Schriftsatz, Reprofotographie, Druckformherstellung, Flachdruck und Buchbinder im Rahmen der Umschulung, 1989, S. 76.

52.1497222222229.9441666666667Koordinaten: 52° 8′ 59″ N, 9° 56′ 39″ O