Rolf Steininger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rolf Steininger (* 2. August 1942 in Plettenberg) ist ein deutscher Historiker und emeritierter Universitätsprofessor für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck.

Leben[Bearbeiten]

Steininger studierte Anglistik und Geschichte in Marburg, Göttingen, München, Lancaster und Cardiff. Er promovierte 1971 zum Dr. phil., 1976 folgte die Habilitation für Neuere und Neueste Geschichte unter Einschluss der anglo-amerikanischen Geschichte an der Universität Hannover. Ab 1980 lehrte er als Professor an der Universität Hannover, 1983 folgte der Ruf an die Universität Innsbruck.

Seit 1995 ist Steininger Jean-Monnet-Professor. Er ist Senior Fellow des Eisenhower Center for American Studies der University of New Orleans und im Vorstand der European Community Studies Association. Als Gastprofessor lehrte er an den Universitäten Tel Aviv, Queensland, New Orleans und Bozen, er war außerdem als Gastwissenschaftler in Saigon, Hanoi und Kapstadt. Zudem ist er Advisory Board Member for H-German.

Er leitete von 1984 bis 2010 das Institut für Zeitgeschichte der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Steininger beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der deutschen Nachkriegsgeschichte sowie der Geschichte Südtirols und Österreichs. Rolf Steininger erarbeitete zahlreiche Dokumentationen, von denen einige mit Preisen ausgezeichnet wurden.

Steininger kritisierte in einem 1985 veröffentlichten Beitrag Eine Chance zur Wiedervereinigung? die Politik Konrad Adenauers. Er vertrat die Ansicht, dass es nicht zu einem geteilten Deutschland hätte kommen müssen, und verneinte die Frage, ob Adenauers politischer Kurs der richtige war. Seiner Meinung nach war die Ablehnung der Stalinnote 1952 ein Fehler, da er davon ausging, dass das Angebot Stalins ernst gemeint war und man das Angebot hätte ausloten sollen.

Andere Historiker, unter ihnen Wilfried Loth oder Peter Ruggenthaler, widersprachen diesen Thesen, da sie das Angebot Stalins als außenpolitischen Bluff betrachteten.[1]

2006 veröffentlichte er die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung des Koreakriegs.

Schriften[Bearbeiten]

  • Deutsche Geschichte 1945–1961. Darstellung und Dokumente in zwei Bänden. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1983, ISBN 3-596-24315-7 (Band 1), ISBN 3-596-24316-5 (Band 2); erweiterte Neuausgabe unter dem Titel Deutsche Geschichte seit 1945. Band 1 (1945–1947). 1996, ISBN 3-596-12841-2; Band 2 (1948–1955). 1996, ISBN 3-596-12842-0; Band 3 (1955–1974). 2002, ISBN 3-596-15582-7; Band 4 (1974 bis zur Gegenwart). 2002, ISBN 3-596-15583-5
  • Eine vertane Chance. Die Stalin-Note vom 10. März 1952 und die Wiedervereinigung. Eine Studie auf der Grundlage unveröffentlichter britischer und amerikanischer Akten. Dietz, Berlin/Bonn 1985, ISBN 3-8012-0112-0
  • Eine Chance zur Wiedervereinigung? Die Stalin-Note vom 10. März 1952. Darstellung und Dokumentation auf der Grundlage unveröffentlichter britischer und amerikanischer Akten. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1985, ISBN 3-87831-416-7
  • Los von Rom? Die Südtirolfrage 1945/1946 und das Gruber-Degasperi-Abkommen. Haymon, Innsbruck 1987, ISBN 3-85218-030-9; erneut unter dem Titel Autonomie oder Selbstbestimmung? StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2006, ISBN 3-7065-4332-X
  • Ein neues Land an Rhein und Ruhr. Die Ruhrfrage 1945/46 und die Entstehung Nordrhein-Westfalens. Kohlhammer, Köln 1990, ISBN 3-17-011113-2
  • Südtirol 1918–1999. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien 1999, ISBN 3-7065-1348-X
  • Der Mauerbau. Die Westmächte und Adenauer in der Berlinkrise 1958–1963. Olzog Verlag, München 2001, ISBN 3-7892-8052-6
  • 17. Juni 1953. Der Anfang vom langen Ende der DDR. Olzog, München 2003, ISBN 3-7892-8113-1
  • Der Nahostkonflikt. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2003, ISBN 3-596-16121-5
  • Der Vietnamkrieg. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3-596-16129-0
  • Der Staatsvertrag. Österreich im Schatten von deutscher Frage und kaltem Krieg 1938–1955. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2005, ISBN 3-7065-4017-7
  • Der Kalte Krieg. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2006, ISBN 978-3-596-15551-4
  • Der vergessene Krieg. Korea 1950–1953. Olzog, München 2006, ISBN 978-3-7892-8175-4
  • Die Südtirolfrage. Ein Bildband. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2009, ISBN 978-3-7065-4624-9
  • Die Kubakrise 1962. Dreizehn Tage am atomaren Abgrund. Olzeg, München 2011, ISBN 978-3-7892-8275-1.
als Herausgeber

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilfried Loth: Die Sowjetunion und die deutsche Frage, Göttingen 2007; Peter Ruggenthaler (Hg.): Stalins großer Bluff. Die Geschichte der Stalin-Note in Dokumenten der sowjetischen Führung (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte; Bd. 95), München: Oldenbourg 2007, ISBN 978-3-486-58398-4
  2. Bürokratisches Monsterstück in FAZ vom 22. Juli 2013, Seite 8