Ross Brawn

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Ross Brawn 2006 als Technischer Direktor der Scuderia Ferrari

Ross Brawn, OBE (* 23. November 1954 in Manchester, England) ist ein britischer Ingenieur und Motorsportmanager. Er war Teamchef des Formel-1-Rennstalls des deutschen Automobilherstellers Mercedes-Benz, Mercedes Grand Prix, der seit der Saison 2010 an der Weltmeisterschaft teilnimmt und die Nachfolge des Teams Brawn GP antritt. Dort war Brawn zuvor bereits Teamchef und auch Namensgeber gewesen und gewann 2009 überraschend die Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaft mit dem Ende 2008 aus dem ehemaligen Honda Racing F1 Team hervorgegangenen Rennstall.

Brawn war bis Ende 2009 an insgesamt 115 Grand-Prix-Siegen maßgeblich beteiligt und zeichnete zudem für den Gewinn von jeweils acht Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeistertiteln verantwortlich. Bekannt wurde er einem breiten Publikum in Deutschland vor allem durch seine Beteiligung an fast allen Erfolgen Michael Schumachers in der Formel 1. Dabei fiel sein Name häufig im Zusammenhang mit strategischen Entscheidungen, die letztlich im Zusammenspiel mit Schumachers Fahrkönnen ausschlaggebend für Siege waren. Dieser Ruf trug ihm in der deutschen Berichterstattung den Spitznamen „Superhirn“ ein.

Karriere[Bearbeiten]

In den frühen 1970ern war Brawn auszubildender Ingenieur der United Kingdom Atomic Energy Authority in Harwell, Oxfordshire, wo er Messtechnik studierte. Seine Formel-1-Karriere begann 1976, als er bei March an einer Fräsmaschine arbeitete. Bald darauf trat er dem Formel-3-Team als Mechaniker bei.

Brawn wurde 1978 von Frank Williams als Techniker in seinem Williams-Team eingestellt. Bald darauf stieg er zum Aerodynamiker im teameigenen Windkanal auf.

Weitere Stationen waren das Designstudio FORCE, das die Formel-1-Autos für das amerikanische Team Haas entwarf (1985 und 1986), das Arrows-Team und seit 1989 das Sportwagen-Team von Jaguar. Dort konstruierte er die Weltmeister-Autos von 1991.

Im Verlauf des Jahres wechselte er wieder in die Formel 1 zu Benetton. Dort war er als technischer Direktor maßgeblich an den Formel-1-Weltmeistertiteln von Michael Schumacher in den Saisons 1994 und 1995 sowie an der ebenfalls gewonnenen Konstrukteursweltmeisterschaft von Benetton im Jahr 1995 beteiligt.

Ross Brawn folgte Michael Schumacher Ende 1996 zu Ferrari – ein Jahr nachdem Schumacher das Benetton-Team als Weltmeister verlassen hatte. Brawn baute das Team technisch neu auf und ermöglichte somit die Siegesserie von 1999 bis 2004, bei der Ferrari sechs mal in Folge Konstrukteursweltmeister und Michael Schumacher von 2000 bis 2004 fünf mal in Folge Fahrerweltmeister wurde.

Eine seiner größten taktischen Leistungen bei Ferrari dürfte die Ausarbeitung der Rennstrategie beim Großen Preis von Frankreich in Magny Cours 2004 gewesen sein, in dem er Michael Schumacher trotz einer bis dahin nicht praktizierten Vier-Stopp-Strategie zu einem Sieg verholfen hat. Bekannt wurden auch seine Kommandos an Michael Schumacher wie zum Beispiel beim Großen Preis von Ungarn 1998, als er den Ferrari-Star anwies, in 18 Runden mehr als 20 Sekunden Vorsprung herauszufahren, um nach dem Boxenstopp in Führung zu bleiben.

Am 27. Oktober 2006 beendete Brawn vorläufig sein Engagement bei Ferrari und kündigte ein privates Jahr an. Er war an 88 von Michael Schumachers 91 Formel-1-Siegen beteiligt. Der Engländer erklärte aber, dass diese Auszeit nicht auf Dauer angelegt sei und er in naher Zukunft wieder in einer höheren Position bei Ferrari in der Formel 1 arbeiten möchte. Weil die Verhandlungen mit Ferrari jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis führten, übernahm Ross Brawn am 26. November 2007 die Position des Teamchefs bei Honda Racing F1.

Im März 2009 verkaufte die in Großbritannien ansässige Honda GP Holdings Ltd, die alle Aktivitäten des Formel-1-Teams gemanagt hatte, alle Anteile an Brawn, der den Rennstall in „Brawn GP Formula One Team“ umbenannte. Brawn hielt an den bisherigen Fahrern Jenson Button und Rubens Barrichello fest.

Im ersten Rennen in Melbourne gelang ein Doppelsieg und Jenson Button konnte sechs der sieben ersten Rennen des Jahres für sich entscheiden sowie schließlich die Fahrerweltmeisterschaft. Am 16. November 2009 wurde bekannt, dass Brawn insgesamt 75,1 % seiner Anteile an Mercedes-Benz und Aabar Investment verkauft. In der Formel-1-Saison 2010 blieb er Teamchef beim neuen Team Mercedes GP und hielt einen Anteil von 24,9 % am Team. Diesen Anteil verkaufte Brawn zu Beginn der Saison 2011 ebenfalls an Mercedes. Er blieb jedoch weiterhin Teamchef.[1]

Er verließ das Team nach der Saison 2013.

Stationen[Bearbeiten]

Persönliches[Bearbeiten]

Brawn ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er wohnt mit seiner Familie in Henley-on-Thames. Seine Hobbys sind Fliegenfischen und Rosenzüchten. Er ist Fan von Manchester United.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ross Brawn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. auto-motor-und-sport.de: Mercedes übernimmt F1-Team zu 100 Prozent, abgerufen am 15. April 2012